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Nachkriegsdeutsche Kindheit: schwül, verklemmt, spießig und komisch.
Auf dem Dachboden entdeckt der Ich-Erzähler einen Schuhkarton mit alten Fotos, die er Anfang der 60er Jahre mit seiner Agfa Clack geschossen hat. Und plötzlich ist er wieder 16 und mittendrin im Leben in der norddeutschen Provinz, im Haus seiner tyrannischen Großmutter, in den immergleichen Kriegserzählungen des Vaters, der Harmoniesucht der Mutter, seinen unerwiderten Gefühlen und erotischen Phantasien. Als in das Nachbarhaus Italiener einziehen, bekommt sein Sehnen endlich ein Ziel: Clarissa.…mehr

Produktbeschreibung
Nachkriegsdeutsche Kindheit: schwül, verklemmt, spießig und komisch.

Auf dem Dachboden entdeckt der Ich-Erzähler einen Schuhkarton mit alten Fotos, die er Anfang der 60er Jahre mit seiner Agfa Clack geschossen hat. Und plötzlich ist er wieder 16 und mittendrin im Leben in der norddeutschen Provinz, im Haus seiner tyrannischen Großmutter, in den immergleichen Kriegserzählungen des Vaters, der Harmoniesucht der Mutter, seinen unerwiderten Gefühlen und erotischen Phantasien. Als in das Nachbarhaus Italiener einziehen, bekommt sein Sehnen endlich ein Ziel: Clarissa.
Autorenporträt
Klaus Modick, geboren 1951, studierte in Hamburg Germanistik, Geschichte und Pädagogik, promovierte mit einer Arbeit über Lion Feuchtwanger und arbeitete danach u.a. als Lehrbeauftragter und Werbetexter. Seit 1984 ist er freier Schriftsteller und Übersetzer und lebt nach zahlreichen Auslandsaufenthalten und Dozenturen wieder in seiner Geburtsstadt Oldenburg.Für sein umfangreiches Werk wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter Villa Massimo, Nicolas-Born-Preis und Bettina-von Arnim-Preis. 2015 wurde Klaus Modick mit dem "Rheingau-Literaturpreis" ausgezeichnet.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 04.05.2013

Nichts zu lachen
Gebündelte Fotos: Klaus Modicks Roman "Klack" führt ins Jahr 1962

Wer sich für einen Roman des norddeutschen Erzählers Klaus Modick entscheidet, darf in einem Punkt sicher sein: Langweilig wird die Lektüre nicht. Nichts von angeblicher norddeutscher Behäbigkeit und schon gar nicht von alter Spökenkiekerei. Allenfalls wird etwas Seemannsgarn gesponnen. Wenn die Romanhandlung einmal auf Sand zu laufen droht, machen Einfälle sie sofort wieder flott. Die Sprache täuscht keine dunklen Sinntiefen vor, sie tummelt sich im Saloppen, aber mit Witz.

Schon einmal enthüllte Modick die Romanzusammenhänge von einem festen Rahmen her, in "Vierundzwanzig Türen" (2000). Hinter den täglich nacheinander zu öffnenden Fenstern eines Adventskalenders von 1946 warten Zeichnungen, aus denen sich der Handlungsgang erschließen lässt. In Modicks neuem Roman sind es die gefundene alte Kamera und mit grünem Weihnachtsband gebündelten Fotos, die das Jahr 1962 ins Gedächtnis zurückrufen.

Wieder konzentriert sich der Blick auf eine markante geschichtliche Periode. Mit dem Bau der Berliner Mauer im August 1961 versucht die DDR, die Teilung Deutschlands zu betonieren. Ein Angehöriger der Großfamilie des Ich-Erzählers Markus lebt in Rostock, der übrige Teil im Westen. Die weltpolitische Ost-West-Spannung erreicht ihren Höhepunkt mit dem Versuch der Sowjetunion, Raketen auf Kuba zu stationieren. Die entschlossene Haltung Kennedys und das Einlenken Chruschtschows retten Ende Oktober 1962 den Weltfrieden.

Im Korsett dieser kurzen Zeitspanne bewegt sich die Romanhandlung. Mit strengem Regiment herrscht im Haus der westdeutschen Familie die Großmutter. All ihre Entscheidungen gehorchen noch den stereotypen Mustern der Kaiserzeit: bürgerlich-stockkonservativ, prüde, fremdenfeindlich. Der Vater, Jurist, aber immer noch befangen in seinen Erinnerungen aus der Offizierszeit im Russland-Feldzug, hat das Gehorchen so verinnerlicht, dass er sich der großmütterlichen Diktatur unterwirft. Hanna, Markus' vier Jahre ältere Schwester, ist die Erste, die aus der Lebenswelt erstarrter Muster ausbricht. Herr Lemartin, ein Emissär aus Straßburg, zur Förderung des Französischunterrichts entsandt, hat Quartier in einer freien Dachwohnung des Hauses genommen. Und der Karneval, obwohl 1962 in Norddeutschland noch nicht recht eingebürgert, erlöst Hanna zu freien Entschlüssen: Sie stürzt sich in ein Liebesverhältnis mit Lemartin. Markus ringt zu dieser Zeit noch mit den Dämonen der Pubertät.

Man weiß, wie eng sich Erinnerungen mit Melodien, Evergreens, Schlagern und ihren Sängern verknüpfen. So läuft auch in diesem Roman, wie eine Tonspur, ein ganzes Repertoire von Titeln gehörter Schlager neben den Geschehensberichten her. Auch andere zeitsymptomatische Signale wie die Nachrichten des Fernsehsprechers Karl-Heinz-Köpcke, der Fernsehkrimi und Straßenfeger "Das Halstuch" von Francis Durbridge oder die Große Sturmflut, bei der für den Hamburger Innensenator Helmut Schmidt die Stunde der Bewährung schlug, verdichten die Atmosphäre dieser Jahre.

Für den Ich-Erzähler ändert sich alles, als im Nachbarhaus der Italiener Tinotti einzieht, der in der Stadt ein Eiscafé eröffnen will. Heiß wird es dem jungen Markus beim Anblick von Tinottis Tochter Clarissa. Und obwohl die Großmutter, im Rausch ihrer Empörung über das italienische "Gesindel", eine Mauer zwischen den Grundstücken errichten lässt, ist Markus von nun an Clarissas Vasall und hilft heimlich bei der Einrichtung der Eisdiele mit. Dies ist sein Akt der Befreiung von der Tyrannei der Oma. Clarissa macht ihm zunächst auch Avancen. Aber die Liebesgeschichte kommt nicht vom Fleck und endet im ganz Gewöhnlichen: Das Mädchen entscheidet sich für den jungen Mann, der im neuen Café das Eis zum Mitnehmen in die Waffeln löffelt. Das Happy-End fällt aus. Und die Melancholie schlägt dem Abgewiesenen auf die Gesundheit. Die Nachricht von der Rettung des Weltfriedens muss den verschmähten Liebhaber für seine erste große Enttäuschung entschädigen.

Doch wieder triumphiert in dieser Jugendgeschichte Modicks Erzähllaune. Die Ironie nimmt beschränkte menschliche Mündigkeit ins Visier, wo immer sie sich zeigt. Der Erzähler Modick versorgt sich kräftig und mit spürbarem Selbstgenuss aus dem Arsenal der Umgangssprache und des Jugendjargons und übernimmt sich dabei gelegentlich. Doch das ist der Preis für den Anschein des Authentischen.

WALTER HINCK

Klaus Modick: "Klack". Roman.

Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2013. 223 S., geb., 17,99 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 29.06.2013

Ihr wisst ja nicht,
wie gut ihr’s habt
Und es hat Clack gemacht: Klaus
Modick stöbert im Fotoarchiv
Die Agfa Box hat bereits dank Günter Grass Eingang in die jüngere deutsche Literaturgeschichte gefunden. Klaus Modick, geboren 1951, hat für seinen neuen Roman die moderne Variante der Box als handlungsantreibendes Vehikel gewählt: die Agfa Clack, so genannt wegen ihres charakteristischen Auslösergeräusches, gebaut von 1954 bis 1965. Fünfzehnmal klackt die Clack im Roman; fünfzehn technisch zumeist nicht allzu gelungene Aufnahmen aus dem Zeitraum vom Frühjahr 1961 bis zum Frühjahr 1962, die der damals in der Hochpubertät stehende Markus mit jener Kamera geschossen hat und die er kurz zuvor als Hauptpreis an einer Losbude auf dem Ostermarkt seiner Heimatstadt gewonnen hatte. Jahrzehnte später findet der erwachsene Markus nach einem Dachschaden die Fotografien auf dem Speicher wieder, in einem feuchten Karton, beschriftet „in der ungelenken, wichtigtuerischen Handschrift des Vierzehn- oder Fünfzehnjährigen, der du damals warst“.
  Eine Provinzstadt in Norddeutschland. Aufbaujahre, das Wirtschaftswunder ist bereits spürbar. Markus’ Familie ist das klassische Modell. Ein Drei-Generationen-Haus, und zwar ein eigenes, der Opel Rekord steht vor der Tür; im Keller hat man sich einen beträchtlichen Notvorrat angelegt für den nächsten Krieg, auf den alle warten. Keine von Modicks Figuren, auch nicht sein Ich-Erzähler, wird als Person, als Charakter erkennbar. Markus ist ein Medium, durch das die Epoche und deren Kolorit hindurchfließen, die wiederum überwiegend durch bereits bekannte Slogans, Versatzstücke, historische Ereignisse plastisch gemacht werden.
  Es ist alles da, wirklich alles: Die Weißwandreifen, der Mettigel, die Pauker mit ihren Spitznamen. Die sich anbahnende deutsch-französische Freundschaft, Juri Gagarin und der Sputnik, die HB-Zigarette samt HB-Männchen („Warum denn gleich in die Luft gehen?“). Der Satz „Was auf den Tisch kommt, wird gegessen“, dem sich konsequenterweise der Satz „Ihr wisst ja gar nicht, wie gut ihr’s habt“ folgt. Der Juristen-Großvater mit Nazivergangenheit; der DDR-Onkel, der den westlichen Imperialismus geißelt; der Mauerbau (der im Roman eine Analogie im Garten von Markus’ Familie erfährt, um sich gegen die neu eingezogene Gastarbeiterfamilie zu schützen); und selbstverständlich auch die exotischen italienischen Gastarbeiter selbst, die in einem bunt angemalten Wagen angefahren kommen und in der Stadt ein Eiscafé eröffnen. In die etwa gleichaltrige Tochter Clarissa, schwarzhaarig, schön, verrucht, verliebt Markus sich unsterblich. Die Verliebtheit und das häufige Onanieren dürften allerdings kaum als Alleinstellungsmerkmal taugen.
  „Klack“ geht bis in die Sprache hinein in einem allgemeinen nostalgischen Wohlbefinden auf. Die Spießigkeit der Adenauer-Zeit und die mit aller Selbstverständlichkeit in die Vergangenheit, in den Nationalsozialismus orientierte politische Geisteshaltung der Erwachsenengeneration überzieht Modick mit einer zärtlichen Schicht des Aufgehobenseins in sich selbst. Inmitten all der „flotten Bienen“, „Wuchtbrummen“, „Backfische“; inmitten eines durch und durch positivistischen Gegenwartsdenkens („Die Amis waren echt lässig – ihre Klamotten dufte, ihre Musik toll und die amerikanischen Filme Weltklasse“) fühlt man sich während der Lektüre von „Klack“ wie beim Betrachten eines End-50er-Jahre-Films mit Peter Kraus oder Heinz Erhardt oder beiden zusammen. Alles dufte, wären da nicht die Kubakrise und die Atombombe. Das ist ungemein apart, wie Modick uns in diese Bilder, Vorstellungswelten, Nachkriegsaufbau-mythen hineinsetzt. Und es ist ein durchaus schlüssiger Gedanke, die Werbung und deren prägnante Hervorbringungen als Brücke in die Gegenwart zu nutzen.
  Der Erinnerungs- und Nostalgiewert ist also hoch, der Erkenntniswert dagegen gering. Klaus Modick ist promovierter Germanist; er weiß um die Tücken und Fallen des ungebremsten, naiven Erzählens. Und er hat eine Sicherung eingebaut: Jedem Kapitel ist eine erläuternde Passage des erwachsenen Erzählers vorangestellt, in der über das Verhältnis von Bild, Erinnerung und Text reflektiert wird, unter anderem mithilfe des Gedankens von Roland Barthes, dass die Fotografie weniger als Kunst denn als Magie zu verstehen sei. Genau betrachtet, ist „Klack“ ein post-postmoderner Roman; ein Buch, das die Zweifel am Erzählen kennt und ausspricht und sie zugleich im Erzählen aufzuheben versucht. Erstaunlicherweise landet Modick ausgerechnet dort, wo er auf diese Weise das Klischee zu vermeiden sucht, häufig in den Allgemeinplätzen: Fotos, so heißt es dort beispielsweise, seien nicht die Erinnerungen selbst, spannten aber Erinnerungen auf wie Zeltstöcke. Gerade von der Magie der Fotografien im Barthes’schen Sinne lebt „Klack“ in seinen starken Momenten.
CHRISTOPH SCHRÖDER
Der Roman geht in einem
nostalgischen Wohlbefinden auf
  
  
  
  
  
Klaus Modick: Klack. Roman.
Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2013.
224 Seiten, 17,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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"Klaus Modicks neues Buch [...] überzeugt als bittersüße Geschichte aus den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. [...] Man schwelgt im Damals bis hin zur unvermeidlich komischen Tanzstunde. Kein Rückblick übrigens in Kitsch, sondern fein durchbrochene Lust an Vergangenheit." -- NWZ online, 13.02.2013

"Klaus Modick hat einen seiner besten Romane geschrieben: Klack. [...] Er beweist einmal mehr, wie angenehm unaufgeregt er erzählen kann, schnörkellos, aber pointenreich, mit viel Gespür für subtile Komik." -- dpa

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Einen etwas ambivalenten Eindruck hat Klaus Modicks Roman über das Leben in der norddeutschen Provinz in der Wirtschaftswunderzeit bei Christoph Schröder hinterlassen. Die Geschichte um den pupertierenden Markus, der sich in die Tochter einer italienischen Gastarbeiterfamilie verliebt, hat für ihn hohen Wiedererkennungswert. Wie Modick Bilder, Mythen und Vorstellungswelt der Nachkriegszeit evoziert, findet er sehr gelungen. Dennoch ist ihm das "nostalgische Wohlbefinden", das der Roman bis in die Sprache hinein verbreitet, irgendwann zu viel. Der Versuch des Autors, das naive Erzählen des Protagonisten durch Einschübe des erwachsenen Erzählers brechen und zu reflektieren, um so das Klischee zu vermeiden, führt nach Ansicht von Schröder allerdings immer mal wieder zu Allgemeinplätzen. Nichtsdestoweniger attestiert dem Buch eine Menge "starker Momente".

© Perlentaucher Medien GmbH
"Deutsche Nachkriegs-Nostalgie mit Witz [...] ein genussvoller Spaß, weil Modick nicht nur präzise erzählt, sondern sich auch traut, zuweilen sehr, sehr komisch zu sein." Kerstin Herrkind stern 20130516