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Wer wohnt schon gern in seinem Auto? Stan und Charmaine, durch die Wirtschaftskrise in Not geraten, sind verzweifelt. Das Positron Project, ein "soziales Experiment", verspricht ein Leben in Sicherheit. Hastig unterschreiben sie, obwohl die Bedingungen eigenwillig sind - alle Bewohner der Stadt Consilience wechseln monatlich zwischen dem Status eines Gefangenen und dem eines Freien. Zunächst läuft alles bestens - auch wenn Charmaine und Stan jeweils eine sexuelle Obsession für ihre Hauspartner entwickeln - also jene Leute, die ihr Heim bewohnen, wenn sie selbst im Gefängnis sind. Doch dann…mehr

Produktbeschreibung
Wer wohnt schon gern in seinem Auto? Stan und Charmaine, durch die Wirtschaftskrise in Not geraten, sind verzweifelt. Das Positron Project, ein "soziales Experiment", verspricht ein Leben in Sicherheit. Hastig unterschreiben sie, obwohl die Bedingungen eigenwillig sind - alle Bewohner der Stadt Consilience wechseln monatlich zwischen dem Status eines Gefangenen und dem eines Freien. Zunächst läuft alles bestens - auch wenn Charmaine und Stan jeweils eine sexuelle Obsession für ihre Hauspartner entwickeln - also jene Leute, die ihr Heim bewohnen, wenn sie selbst im Gefängnis sind. Doch dann finden sich die beiden durch einen "Buchungsfehler" in verschiedenen Zyklen wieder, und bald ist viel mehr gefährdet als nur ihre Ehe ...
  • Produktdetails
  • Piper Taschenbuch .31275
  • Verlag: Piper
  • Seitenzahl: 390
  • Erscheinungstermin: 28. März 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 122mm x 27mm
  • Gewicht: 280g
  • ISBN-13: 9783492312752
  • ISBN-10: 3492312756
  • Artikelnr.: 49603024
Autorenporträt
Atwood, Margaret
Margaret Atwood, geboren 1939 in Ottawa, gehört zu den bedeutendsten Erzählerinnen unserer Zeit. Ihr »Report der Magd« wurde zum Kultbuch einer ganzen Generation. Bis heute stellt sie immer wieder ihr waches politisches Gespür unter Beweis, ihre Hellhörigkeit für gefährliche Entwicklungen und Strömungen. Sie wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem renommierten Man Booker Prize, dem Nelly-Sachs-Preis, dem Pen-Pinter-Preis und dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Margaret Atwood lebt in Toronto.

Baark, Monika
Monika Baark, 1968 in Tel Aviv geboren, studierte Anglistik und Kunstgeschichte. Sie lebt in Berlin und übersetzt u.a. Margaret Atwood, Vendela Vida, Jeanette Winterson, Amity Gaige und Miriam Toews.
Rezensionen
»›Das Herz kommt zuletzt‹ ist ein wunderbar absurdes Buch.«, Deutschlandfunk Kultur, 27.06.2017
Besprechung von 18.07.2017
Hilfswärter der Herzen
Margaret Atwood erzählt in ihrem neuen Roman von einem totalitären
Wohnexperiment – leider hatte sie keine Lust auf seriöse Schwarzmalerei
VON KRISTINA MAIDT-ZINKE
Zugegeben, es sind harte Zeiten für Schriftsteller, die sich, wie die Kanadierin Margaret Atwood, die diesjährige Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels, auf Dystopien spezialisiert haben. Die negative Utopie, die künftige Zustände der menschlichen Gesellschaft in düsteren Farben malt, hat in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten einiges an Spielraum und Sprengkraft eingebüßt. Denn unsere aktuelle Lebenswelt und die tägliche Nachrichtendosis, inklusive realistischer Katastrophenszenarien und bizarrer Fortschrittsverheißungen, stellen längst einen Großteil dessen in den Schatten, was die Vertreter des Genres je ersonnen haben, um zu provozieren, zu warnen oder einfach schön gruselig zu unterhalten.
Wer noch imstande ist, sich aus der rasenden Routine auszuklinken und zurückzuschauen,wird feststellen, dass so mancher literarische Zukunfts-Albtraum früherer Generationen sich mit frappierender Präzision verwirklicht hat. Und doch war keiner der einschlägigen Autoren auf die Idee verfallen, dass die drei Steuerungsfunktionen, die in vielen dystopischen Gesellschaftsentwürfen die Herrschaft der Mächtigen sichern, nämlich Konformismus, Konsumismus und Kontrolle, dereinst nicht von einem repressiven Regime ausgehen würden, sondern, ungleich subtiler,von einer weltumspannenden Unterhaltungs-, Verkaufs- und Kommunikationsmaschine, der Milliarden Menschen sich so fügsam wie freudig unterwerfen.
Wer diese Conditio belletristisch bearbeiten will, kann im Grunde nur beim Trash oder bei der Extremsatire landen – für eine ernsthafte Beunruhigung mit literarischen Mitteln ist der Zug unwiderruflich abgefahren. Dass er nun als eine Art Museumsbahn wieder auf die Schiene gehoben wird, hat fast etwas Tragikomisches: In den USA ist eine Fernsehserie nach Margaret Atwoods Roman „The Handmaid’s Tale“ (deutsch „Der Report der Magd“) aus dem Jahr 1985 sehr erfolgreich, und das Buch erlebt einen zweiten Boom.
Die Vision einer puritanischen Diktatur, in der Frauen von einem theokratischen System sämtlicher Freiheiten beraubt und als Gebärmaschinen missbraucht werden, hat angesichts misogyner Ausfälle und Maßnahmen der Trump-Regierung angeblich neue, finstere Aktualität erhalten. Auch wer das feministische Engagement der Autorin respektiert, kann nicht umhin, solche Retro-Ängste reichlich bieder zu finden, vor allem angesichts der realen Bedrohungen, die von der gegenwärtigen politischen Konstellation ausgehen.
Margaret Atwood hat als Vertreterin der „speculative fiction“ nie die Kritik an konkreten politischen Verhältnissen aus den Augen verloren und sich auch als Person des öffentlichen Lebens stets in diesem Sinne geäußert, wobei sie es an Ironie und Sarkasmus nicht fehlen ließ. Man kann es ihr kaum verdenken, dass sie nun, mit 78 Jahren, für das Dystopie-Dilemma nicht mehr allzu viele Kräfte mobilisieren will, zumal sie ihre Produktivität auch in andere Sujets fließen lässt: Zeitgleich mit ihrem jüngsten Zukunftsschmöker „Das Herz kommt zuletzt“ erschien in deutscher Übersetzung ihr neuer, amüsanter Shakespeare-Roman „Hexensaat“, gegen den die dystopische Story mit dem Tränendrüsentitel geradezu peinlich abfällt.
Zugunsten der Autorin wollen wir annehmen, dass es sich dabei um den Versuch handelt, Zukunftspessimismus ins Gewand populärer Unterhaltung zu kleiden. Dafür spricht, dass die Geschichte zunächst als Internet-Serie konzipiert war und dann erst zu einem Buch umgebogen wurde.
In Interviews hatte Atwood, die neue Herausforderungen noch immer gerne annimmt, sich auf Charles Dickens als Pionier der von Subskribenten finanzierten Serienschreiberei berufen. Diese Analogie muss allerdings als Altershybris verbucht werden, denn bei dem Projekt „Positron“, wie es ursprünglich hieß, sind Plot, Charaktere und Sprache von einer Unbedarftheit, die Dickens nicht einmal mehr im Grabe rotieren ließe – es wäre seinen Knochen die Mühe nicht wert.
Die jungen amerikanischen Eheleute Stan und Charmaine sind Opfer der größten Immobilienkrise aller Zeiten geworden, leben in ihrem Auto und schlagen sich mit Gelegenheitsjobs durch – ein Schicksal, das sie in einer gemäßigt postapokalyptischen Zukunft mit vielen anderen US-Bürgern teilen.
Bis sie sich für ein komfortables, aber totalitär organisiertes Wohnexperiment anwerben lassen: Eine futuristisch gestylte Stadt namens „Consilience“ ist um das „Positron“-Gefängnis herumgebaut worden; ihre Bewohner leben, komplett isoliert von der übrigen Welt, monatlich abwechselnd in Gefängniszellen und in luxuriösen Domizilen, die sie dadurch abarbeiten, dass sie im Gefangenentrakt als Hilfswärter tätig sind. Die gut verdienende Führungsspitze des Unternehmens bleibt unsichtbar, sorgt für Totalüberwachung und aufmunternde Propaganda und hält die Ausgänge versperrt. Der Topos der geschlossenen Gesellschaft, den Atwood häufig variiert hat, wird hier mit fast infantiler Simplizität und unbekümmert um jede Logik inszeniert. Und es bleibt schwer auszumachen, ob Atwood die intellektuelle und emotionale Schlichtheit ihrer Protagonisten als Ironie-Signal verstanden wissen will, oder ob sie einfach nur keine Lust mehr auf seriöse Schwarzseherei hatte.
Zu beschränkt, um sich für die Hintergründe und Geheimnisse des Menschen-Experiments zu interessieren, verstricken sich Stan und Charmaine in sexuelle Obsessionen und Fantasien, die sie auf ihre monatlichen Wohnungstauschpartner projizieren – sie in der Praxis, er bloß in der Theorie. Am Ende entkommen sie aus dem sinistren Komplex und landen in einem bizarren Milieu-Mix aus Las Vegas und Science-Fiction-Labor, wo Elvis-Sexbots hergestellt und Gehirne umprogrammiert werden. Was sich zumindest bei Charmaines Denkorgan erübrigt, da es selbsttätig in den Idiotenmodus geschaltet hat.
Das alles soll womöglich komisch sein, ist aber leider so unbeholfen reißerisch, so geistlos, flach und witzfrei erzählt, dass man davon sehr schlechte Laune bekommt: Hier hat es eindeutig nicht zur Satire, sondern nur zum Extrem-Trash gereicht. Ray Bradbury, einer der hellsichtigsten Dystopiker des 20. Jahrhunderts, hat in „Fahrenheit 451“ die Schreckensvision einer Endzeitgesellschaft heraufbeschworen, in der Bücher verboten sind. Plötzlich ist etwas noch Grauenhafteres denkbar: Eine Zukunft, in der Bücher wie „Das Herz kommt zuletzt“ als Zwangslektüre verordnet würden.
Margaret Atwood: Das Herz kommt zuletzt. Roman. Aus dem Englischen von Monika Baark. Berlin Verlag, Berlin 2017. 396 Seiten, 22 Euro. E-Book 17.99 Euro.
Die Kritik an konkreten
politischen Verhältnissen hat sie
nie aus den Augen verloren
Das alles soll womöglich komisch
sein, ist aber so witzfrei erzählt,
dass es schlechte Laune erzeugt
Margaret Atwood hat sich auf Dystopien spezialisiert.
Foto: AP
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