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Bewertung von Joschne aus Sittensen

Die arabische Revolution und die Zukunft des Westens Hamed Abdel-Samad war während des Umsturzes im Frühjahr in Ägypten und anderen arabischen Staaten. Er analysiert die …


  • Format: ePub

2 Kundenbewertungen


Ursachen, Chancen und Gefahren des Umbruchs im Nahen Osten Hamed Abdel-Samad war während des Umsturzes im Frühjahr in Ägypten und anderen arabischen Staaten. Er analysiert die arabische Revolution, die wie ein Erdbeben eine Weltregion erzittern ließ. Er zeichnet Ursachen und Verlauf nach und skizziert zwei Szenarien, die die europäischen Länder einmal als wirtschaftlichen Gewinner, einmal als bedrohten Verlierer der neuen Strukturen im Nahen Osten erscheinen lassen. Seine engagierte Warnung lautet: Das Schlimmste, was der Westen jetzt tun kann, ist, die Entwicklung zu verschlafen. Hamed…mehr

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Produktbeschreibung
Ursachen, Chancen und Gefahren des Umbruchs im Nahen Osten Hamed Abdel-Samad war während des Umsturzes im Frühjahr in Ägypten und anderen arabischen Staaten. Er analysiert die arabische Revolution, die wie ein Erdbeben eine Weltregion erzittern ließ. Er zeichnet Ursachen und Verlauf nach und skizziert zwei Szenarien, die die europäischen Länder einmal als wirtschaftlichen Gewinner, einmal als bedrohten Verlierer der neuen Strukturen im Nahen Osten erscheinen lassen. Seine engagierte Warnung lautet: Das Schlimmste, was der Westen jetzt tun kann, ist, die Entwicklung zu verschlafen. Hamed Abdel-Samad gilt derzeit als einer der wichtigsten Kenner des Landes. Auch zum aktuellen Konflikt in Ägypten liefert er wesentliche Hintergrundinformationen in seinem Buch. Ein zentrales Kapitel dreht sich um das problematische Verhältnis von Kopten und Muslimen. »Der deutsch-ägyptische Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad ist eines der Gesichter der Revolution: als Interviewpartner von ARD und ZDF, als Zeitzeuge und als Sympathisant von Menschen, die sich nicht länger mit Armut, Unterdrückung und Gewalt abfinden wollen.« SWR

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  • Produktdetails
  • Verlag: Droemer Knaur
  • Seitenzahl: 300
  • Erscheinungstermin: 04.10.2011
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783426410745
  • Artikelnr.: 37451737
Autorenporträt
Hamed Abdel-Samad, geboren 1972 bei Kairo, studierte Englisch, Französisch, Japanisch und Politik. Er arbeitete für die UNESCO, am Lehrstuhl für Islamwissenschaft der Universität Erfurt und am Institut für Jüdische Geschichte und Kultur der Universität München. Abdel-Samad ist Mitglied der Deutschen Islam Konferenz und zählt zu den profiliertesten islamischen Intellektuellen im deutschsprachigen Raum.
Seine Autobiographie "Mein Abschied vom Himmel" sorgte für Aufsehen: "Was er von seinen Landsleuten erwartet, hat er selbst vorgemacht: Aufklärung durch Tabubruch." ZDF-Aspekte

Rezensionen
"Finanzprofi Dirk Müller erklärt, wie jeder im Handumdrehen mehr aus seinem Geld macht." [...] " Klare Worte - In "Cashkurs" (Dromer Knaur, 19,99EUR) erklärt Dirk Müller in leicht verständlicher Sprache, was Verbraucher über Geld wissen sollten." 20111221

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Der Hauptthese des Buches, die eine deterritorialisierte, weltweit vernetzte Gemeinschaft von Muslimen prognostiziert, die eher zu einem offenen Blick auf die Welt neigt und die Ursachen der zu bekämpfenden Misere in den jeweiligen Heimatländern sucht, macht Kai Mürlebach Hoffnung. Er vertraut dem Urteil des Autors, der ihm die Hintergründe zu den Demonstrationen in Ägypten liefert, sie in größere politische Zusammenhänge eingliedert und auch abseitigere Geschehnisse zum Thema beleuchtet und analysiert, etwa die Etablierung unabhängiger Zeitungen und TV-Sender in Ägypten und Tunesien. Laut Mürlebach schafft es Hamed Abdel-Samad auf diese Art, westliche Vorurteile aufzubrechen und Platz für neue Einsichten zu schaffen, alte Ängste abzubauen, wie die vor einem monolithischen islamistischen Block.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 19.01.2012
Mit Opportunisten wird das nichts

Aufstand der Jugend: Ein Jahr nach dem Beginn der Arabellion beschäftigen sich mehrere Bücher mit den Hintergründen, dem Verlauf und den Folgen der Umstürze.

Wer zu spät kommt, den belohnt der Wähler. Zumindest in Ägypten. Als Sieger aus den Parlamentswahlen gingen dort islamistische Parteien hervor, die sich am Aufstand gegen Husni Mubarak zunächst nicht beteiligt hatten. Erst als die von säkularen Kräften getragene Revolte Ende Januar 2011 an Fahrt aufnahm, rief die Führung der Muslimbruderschaft den Präsidenten zu Reformen auf; ohne dass sich ihre Anhänger an den Protesten beteiligten. Geschadet hat ihr diese Haltung nicht: Bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen kann sie zwischen liberalen Bündnispartnern und den extremistischen Salafiten der Nur-Partei wählen. Die hatten sich erst gar nicht der Freiheitsbewegung auf Kairos Tahrir-Platz angeschlossen, sondern warteten den Sturz Mubaraks ab, ehe sie die politische Bühne betraten.

Ein Jahr nach dem Sieg der Achtzehn-Tage-Revolution in Ägypten und der Flucht des tunesischen Präsidenten Zine al Abidine Ben Ali nach Saudi-Arabien ist fast ein Dutzend deutschsprachiger Sachbücher erschienen, die sich der schnell als "Arabischer Frühling" titulierten Aufstände in unterschiedlicher Form annehmen. Die Journalisten Karim El-Gawhary, Julia Gerlach und Jörg Armbruster etwa haben ihre Vororterlebnisse zu Papier gebracht; vornehmlich in Reportageform schildern sie den Verlauf der Ereignisse in Nordafrika in der ersten Jahreshälfte 2011. Der Deutsch-Ägypter Hamed Abdel-Samad, bis zu seiner Auswanderung nach Deutschland Anfang der neunziger Jahre selbst Mitglied der Muslimbruderschaft, nimmt dagegen sowohl die Rolle des Aktivisten wie des kritischen Beobachters ein.

Michael Lüders und Volker Perthes gehen darüber hinaus: Sie werfen den Blick nach vorn, entwerfen Szenarien, wo die arabischen Staaten in ein paar Jahren stehen könnten. Getragen sind ihre Analysen von verhaltenem Optimismus. Nicht zuletzt der sachkundige Blick auf die unterschiedlichen Vertreter des politischen Islam macht die Lektüre spannend. Die erwartete Pluralisierung der politischen Systeme fordere auch Ägyptens Muslimbrüder und ihre arabischen Geschwister heraus, so die einigende These: Sie müssten sich lösen "von einer dogmatisch verstandenen Scharia" und offen zeigen "für neue Ideen und Bündnisse", schreibt Lüders. Perthes, Direktor der Berliner Stiftung für Wissenschaft und Politik, kommt zu dem Schluss: "Die Öffnung der politischen Systeme zwingt auch das politisch-islamische Spektrum zu mehr Pluralismus."

Nicht den Durchmarsch der religiösen Kräfte, wie von manchem im Westen gefürchtet, sehen die Autoren als zwangsläufige Folge der arabischen Transformation an, sondern deren Ausdifferenzierung in extremistische, konservative und progressive Strömungen, was in manchen Fällen zu Spaltung und Zersplitterung führen wird. In Ägypten hat dieser Prozess längst begonnen. Abdel-Samad verweist darauf, dass die 1928 gegründeten Muslimbrüder schon immer unterschiedliche Flügel hatte - einen missionarischen, der sich mit der Al-Azhar-Universtität identifizierte, einen salafitisch-konservativen, einen dschihadistischen sowie einen liberalen.

Diese "innere Zerrissenheit" werde bald noch deutlicher hervortreten. Anschaulich beschreibt er, wie sich viele junge Muslimbrüder der Bewegung ihrer säkularen Altersgenossen auf dem Tahrir-Platz anschlossen - gegen das Votum ihrer Parteioberen, die für ihn "nur die andere Seite der Medaille Mubarak" darstellen. Auch Perthes widerspricht der These vom islamischen Erwachen. "Die wichtigste erklärende Variable für den Umbruch dürfte aber in der demographischen Entwicklung liegen: Die arabische Revolte von 2011 ist vor allem ein Aufstand der Jugend."

Trotz der breiten Basis für konservative Volksparteien religiöser Prägung werde die Zeit für die alte Garde der Muslimbrüder bald auslaufen; zu sehr drängten die jungen Reformer auf wirtschaftlichen und politischen Wandel. Ihr Ziel: der Aufbau eines erfolgreichen Staates und damit verbunden das Ende der Klientelwirtschaft, welche die Mubarak-Ära bislang überdauerte. Das könne nur ohne jene "kalkulierende(n) Opportunisten" gelingen, als die Abdel-Samad die Altvordern der Bewegung beschreibt.

Von Mubarak über Jahre geduldet, erklärten sie unmittelbar nach dessen Sturz dem Militärrat ihre ungebrochene Loyalität. Im Gegensatz zu den säkularen Gruppierungen stimmten sie den vom Bündnis der Generäle vorgeschlagenen Verfassungsänderungen zu: Als diese im Frühjahr 2011 in einem Referendum bestätigt wurden, benannten sie sich um in Partei für Gerechtigkeit und Freiheit. Die damit suggerierte Nähe zur Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyep Erdogan ist gewollt. Davon, ob sie dessen wirtschaftlichen und politischen Modernisierungskurs auf ägyptische Verhältnisse übertragen können, hängt Wohl und Wehe der Revolution letztlich ab.

Aber auch die Zukunft Tunesiens und der von Perthes als "halbdemokratische Transformateure" bezeichneten Staaten Jordanien, Marokko, Kuweit, Algerien und Irak steht und fällt mit der inneren Entwicklung des politischen Islam in diesen Ländern: Sollten sich reformerische Kräfte mit ihren Vorstellungen parlamentarischer Demokratie, Gewaltenteilung und der Abhaltung regelmäßig freier Wahlen durchsetzen, könnte dem türkischen Modell tatsächlich Erfolg beschieden sein in der arabischen Welt. Eng damit verbunden: der Einfluss der neben Ägypten großen islamischen Regionalmächte auf die Entwicklungen in den postrevolutionären Staaten, der mehr und mehr zu einem Wettstreit zwischen der liberalen Türkei und des reaktionären Saudi-Arabien wird.

Eines jedenfalls haben die arabischen Aufstände schon jetzt erreicht: den Siegeszug des gewaltsamen, terroristischen Dschihad beendet, den Al Qaida in der Dekade nach dem 11. September 2001 antrat. "Die Tötung Bin Ladens durch amerikanische Spezialeinheiten war für die junge Generation nicht mehr als eine historische Fußnote", so Perthes.

Auch die kläglich gescheiterten Versuche des neuen Al-Qaida-Chefs, Ayman al Zawahiri, die Bewegung auf dem Tahrir-Platz auf die Errichtung eines islamischen Staates einzuschwören, zeugen vom Niedergang des Dschihadismus als islamischer Ideologie. Im bündigen Resümé von Perthes: "Die arabischen Aufstände von 2011 waren nirgendwo auch nur ansatzweise eine islamische Revolution."

MARKUS BICKEL.

Hamed Abdel-Samad: "Krieg oder Frieden". Die arabische Revolution und die Zukunft des Westens.

Droemer Verlag, München 2011. 236 S., br., 18,- [Euro].

Michael Lüders: "Tage des Zorns". Die arabische Revolution verändert die Welt.

Verlag C.H. Beck, München 2011. 207 S., Abb., geb., 19,95 [Euro].

Volker Perthes: "Der Aufstand". Die arabische Revolution und ihre Folgen.

Pantheon Verlag, München 2011. 224 S., br., 12,99 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 05.12.2011
Noch ein Wort zum arabischen Frühling
Was wollen die Ägypter, die derzeit demonstrieren? Die Hintergründe erklärt Hamed Abdel-Samad
Was haben die Ereignisse von Kairo, Fukushima und Stuttgart gemeinsam? Eine solche Frage in der Einleitung eines Buches sollte skeptisch stimmen. Wer könnte diese Themen auf 240 Seiten so darstellen, dass er allen gerecht wird? Glücklicherweise geht der Deutsch-Ägypter Hamed Abdel-Samad dieser Frage in seinem Buch nicht weiter nach. Er beschränkt sich vielmehr darauf, einen informierten und politikwissenschaftlich reflektierten Augenzeugenbericht der Ereignisse in Kairo Anfang 2011 vorzulegen.
Abdel-Samad, Mitglied der Zweiten Islam-Konferenz und dem deutschen Fernsehpublikum aus politischen Talkshows bekannt, war als aus Kairo zugeschalteter Interviewpartner eines der in Deutschland sichtbarsten Gesichter der Revolution in Ägypten. Nun lässt er eine Einordnung der Ereignisse in den größeren politischen Zusammenhang folgen.
Seine Stärken zeigt das Buch vor allem im mittleren Teil, in dem der Autor auf Entwicklungen eingeht, die in der Presse aufgrund vermeintlich „interessanterer“ Entwicklungen in anderen Ländern (Libyen, Syrien) nur geringe Beachtung fanden. Damit ermöglicht Abdel-Samad nach der Beschreibung seiner Erlebnisse auf dem Tahrir-Platz und ersten Analysen über die Ursachen der Aufstände Einblicke in die Geschehnisse, die dem deutschen Publikum nicht ohne weiteres möglich sind.
Dazu gehört seine Betrachtung der regionalen Medienlandschaft: Dassdie arabische Version des Nachrichtensenders al-Dschasira wesentlich radikaler und tendenziöser berichtet als die „geglättete“ internationale, war zu vermuten. Interessanter ist es, Folgendes zu erfahren: Dass al-Dschasira offensichtlich eine eigene politische Agenda verfolgt, wird in der arabischen Welt kritisch reflektiert. Neu gegründete Zeitungen und TV-Sender in Ägypten und Tunesien grenzen sich explizit ab von der Berichterstattung von al-Dschasira. Auf ihre Unabhängigkeit und Neutralität legen sie großen Wert.
Abdel-Samad war Mitglied der ägyptischen Muslimbruderschaft. Er sagte sich von ihr los, nachdem er ihre trotz oberflächlicher Opposition letztlich doch systemstabilisierende Funktion erkannt hatte. Er bietet neue Einsichten in eine Debatte, die derzeit im Westen von Vorurteilen geprägt ist. Abdel-Samad erklärt, warum die Muslimbruderschaft auch eine Möglichkeit zur Emanzipation vom von Traditionalismen und Herrschaftstreue geprägten Islambild der Altvorderen bietet. Einige ihrer Strömungen, schreibt er, verträten durchaus moderne Ansichten. Seine Worte sind geeignet, westliche Ängste vor einem angeblich monolithischen islamistischen Block abzuschwächen.
Die provozierendste These des Buches findet sich in der Analyse der Rolle des militanten Islamismus nach der Revolution und der Erschießung Osama bin Ladens.
Sei die erste Terroristengeneration durch al-Qaida noch gezielt zusammengesucht worden, so habe die zweite Generation selbst den Kontakt über das Internet gesucht. Diese zweite Generation stamme vor allem aus der muslimischen Diaspora in Europa und den USA, die sich plötzlich für die Probleme ihrer Herkunftsländer (beziehungsweise der ihrer Eltern und Großeltern) zu interessieren begann.
Damit habe man sich von den geographischen Grenzen des Dschihad gelöst, und es sei zur Erfindung einer imaginären globalen muslimischen Identität jenseits der Grenzen des Territorialstaats gekommen. Al-Qaida – mehr als Idee denn als Organisation – brachte mithin Muslime aus aller Welt miteinander in Kontakt und diente so als Kristallisationspunkt einer neuen Form der Vergemeinschaftung. Grundlage dieser Gemeinschaft sei eine muslimische Identität, die sprachliche, geographische und ethnische Differenzen überwinde und nur auf gemeinsamen Werten aufbaue. Es ließe sich sagen, so der Autor, dass dies – bei allen offensichtlichen Unterschieden bezüglich des Inhalts der geteilten Werte – genau jenes Modell sei, welches in Europa für die EU seit Jahren gepredigt werde.
Befürchtungen, dass diese zunehmende weltweite Vernetzung junger Muslime zur Radikalisierung und zu mehr Anschlägen führe, stünden die Erfahrungen des Frühjahrs 2011entgegen. Nicht nur hielt die ägyptische Protestbewegung über Facebook Kontakt zu den Demonstrantenin Tunesien und konnte auf dortige Erfahrungen zurückgreifen, auch der Umstand, dass sich viele Auslandsägypter (prominent etwa der Google-Marketing-Chef für den Nahen Osten, Wael Ghonim, oder eben der Autor des hier besprochenen Buches) mit ihren Kenntnissen einbrachten, spricht für die Hoffnung, dass zunehmende Kontakte eher zu einem offeneren Blick auf die Welt führen.
Hinter dem arabischen Frühling steht nicht eine auf ein geschlossenes und mithin vereinfachendes Weltbild setzende Ideologie, wie al-Qaida sie vertritt. Vielmehr wurde erstmals nicht gegen Phantomfeinde und Sündenböcke protestiert, sondern junge, international vernetzte Menschen wandten sich gegen die tatsächlichen Ursachen der Misere in ihren Heimatländern: Das ist die Botschaft des Buches.
Eine der bleibenden Einsichten ist: Das ist kein Zufall, es ergibt sich aus der Zunahme grenzüberschreitender Kommunikationsmittel, was wiederum als Hinweis auf die Existenz der „Weltgesellschaft“ interpretiert werden könnte.
Die im letzten Teil gegebenen geostrategischen Ausblicke und die Skizze eines „Marshallplans für die arabische Welt“ dagegen dürften der allgemeinen Beratungsfixiertheit der Politikwissenschaften geschuldet und von der fortlaufenden Entwicklung eigentlich jetzt schon überholt sein.
KAI MÜRLEBACH
HAMED ABDEL-SAMAD: Krieg oder Frieden. Die arabische Revolution und die Zukunft des Westens. Droemer Verlag, München 2011. 240 S., 18 Euro.
Der Autor ist Doktorand der Soziologie in Bielefeld. Er geht der Frage nach, wie sich die weltpolitische Generalisierung von Macht auf das innere System von einzelnen Staaten auswirkt.
Strukturell haben die kleine
Terrororganisation al-Qaida und
die große EU dieselben Interessen.
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