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Als Kind dachte Nicola Gardini, seine Mutter spräche perfekt Latein, weil er sie das «Ave Maria» und das «Pater noster» beten hörte. Erst viel später hat sie ihm gebeichtet, dass sie sonst kein Wort Latein kann. Gardini beschreibt seinen Zugang zur lateinischen Literatur als persönliches Erweckungserlebnis, das ihm schon früh eine neue Welt erschlossen hat. Sein unterhaltsames Buch liefert kein verzweifeltes Plädoyer für das Schulfach Latein und die Bedeutung seiner Grammatik. Gardini zeigt vielmehr, dass wir nie aufgehört haben, Latein zu sprechen. Dass wir unsere Gegenwart kulturell und…mehr

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Produktbeschreibung
Als Kind dachte Nicola Gardini, seine Mutter spräche perfekt Latein, weil er sie das «Ave Maria» und das «Pater noster» beten hörte. Erst viel später hat sie ihm gebeichtet, dass sie sonst kein Wort Latein kann. Gardini beschreibt seinen Zugang zur lateinischen Literatur als persönliches Erweckungserlebnis, das ihm schon früh eine neue Welt erschlossen hat. Sein unterhaltsames Buch liefert kein verzweifeltes Plädoyer für das Schulfach Latein und die Bedeutung seiner Grammatik. Gardini zeigt vielmehr, dass wir nie aufgehört haben, Latein zu sprechen. Dass wir unsere Gegenwart kulturell und literarisch nur verstehen können, wenn wir wissen, wo wir herkommen: Er geht Metaphern auf den Grund, er erklärt anhand eines Textes von Cato über das Pökeln das Futur oder analysiert ein Gedicht von Catull über den Tod eines Spatzen. Und so vermittelt er auf literarische Weise seine These: Latein ist nicht nützlich, Latein ist schön.

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  • Produktdetails
  • Verlag: Rowohlt Verlag GmbH
  • Seitenzahl: 304
  • Erscheinungstermin: 17.11.2017
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783644001275
  • Artikelnr.: 48161303
Autorenporträt
Nicola Gardini, geboren 1965, ist Professor für Italienisch und Vergleichende Literaturwissenschaften in Oxford. Er hat in Mailand und New York an der NYU studiert und ist Experte für die Literatur der Renaissance.
Rezensionen
Besprechung von 06.02.2018
Warum reden die denn so komisch?
Der italienische Philologe Nicola Gardini weiß, dass man Latein seiner Schönheit wegen
lernen sollte. Aber dieses Argument reicht nicht aus
VON BURKHARD MÜLLER
Warum sollte man heute noch Latein lernen? Seine Verteidiger, meint der italienisch-britische Philologe Nicola Gardini, machen alle denselben Fehler: Sie versuchten, den Nutzen dieser Sprache herauszustreichen, das, was unter dem Namen der formalen Bildung läuft. Demgegenüber hebt er den ästhetischen Wert hervor, und den Genuss, den sowohl seine sprachlichen Strukturen als auch der darin vermittelte Inhalt schenken. Wenn man Latein seines Nutzens wegen lernen oder lehren wollte, sagt er, wäre das so, als würde man den Besuch des Louvre oder der Scala empfehlen, um Gesichts- und Gehörsinn zu schärfen.
„Um es auf den Punkt zu bringen“, schreibt er gegen Ende seines Buchs „Latein lebt“, „und gleichzeitig sowohl der ,Nützlich-‘ als auch der ,Nutzlos‘-Fraktion den Wind aus den Segeln zu nehmen: Latein ist s c h ö n. (…) Die Schönheit ist das Antlitz der Freiheit selbst. (…) Mit dem Adjektiv ,schön‘ möchte ich zum Ausdruck bringen, dass Latein eine facettenreiche, dehnbare, wandlungsfähige, leichte und schwierige, einfache und komplizierte, regelmäßige und unregelmäßige, klare und nebulöse Sprache ist.“
Es ist ein sehr persönliches Zeugnis, das Gardini vorlegt. Hierin liegt die Stärke und die Schwäche des Buchs zugleich. Es spricht von der Begegnung und lebenslangen Erfahrung mit dieser Sprache in anrührenden Worten, es erzählt eine Liebesgeschichte. Gerade zu den glücklichsten Liebesgeschichten aber gehört es, dass sie etwas Einzigartiges sind, etwas, das andere ausschließt, ja das sie kaum zu begreifen vermögen.
Dies jedoch ist ein Werk, das sich auch als Plädoyer versteht, als eine Aufforderung, es dem Autor gleichzutun und sich bezaubern zu lassen von dem, was ihn bezaubert hat. Diese Aufgabe wird es allerdings schwerlich erfüllen, wenn es das, wozu es überreden will, schon voraussetzt. Wer in der Lage ist, die langen Zitate aus Lukrez und Tacitus in der Originalsprache zu goutieren, der muss ins Lateinische nicht mehr eingeladen werden, der ist schon drin. So fragt man sich, an welchen Leser Gardini gedacht hat, insofern er noch etwas anderes als ein Bekenntnis beabsichtigte. „Preaching to the converted“, heißt das auf Englisch: denen predigen, die schon bekehrt sind. Die Wirkung ist eine ausschließlich erbauliche.
Bei dieser Feststellung könnte man es bewenden lassen. Doch der Rezensent, der seit vielen Jahren Lateinunterricht an der Hochschule gibt, gesteht, dass er mit diesem Buch noch aus anderen Gründen unzufrieden ist. Er kennt die Praxis der Lehre und die Lage des Fachs. Latein steht mit dem Rücken zur Wand, es muss seinen Anspruch auf allgemeinbildende Geltung immer stärker rechtfertigen. Da hilft es wenig, wenn ein einzelner Liebhaber von seinen Erlebnissen spricht: Damit hat er die Abdrängung zu den Orchideenfächern bereits ratifiziert.
Das formale Argument, das Gardini so leichthin verabschiedet, gilt es im Gegenteil nachzuschärfen. Käme es nur auf den Erwerb bestimmter Fähigkeiten und Dispositionen an, so ließe sich Latein in der Tat durch andere Sprachen und Disziplinen ersetzen, Chinesisch etwa oder Mathematik, ja selbst, wie es zuweilen polemisch heißt, durch das Auswendiglernen eines Telefonbuchs. Demgegenüber sollte man gerade den Wert betonen, der in der einzigartigen Schwierigkeit dieser Sprache liegt: Schwierigkeit erzeugt Abstand und Abstand Besinnung. Während der Unterricht in den modernen Sprachen das besinnungslose Hineinwachsen ins Fremde, als ob es ein Eigenes wäre, als sein didaktisches Ideal pflegt, bringt die unumgängliche Anstrengung, die das Lateinische erfordert, zum Vorschein, wie Sprache überhaupt funktioniert.
Ähnliches trifft zu auf das Verhältnis zur Geschichte. In den lateinischen Texten, soweit sie über die elementare Stufe hinausgehen, tritt das zeitlich und mental weit Entfernte dem Leser unmittelbar entgegen, eine Erfahrung, die er nur hier (oder allenfalls noch im Altgriechischen) machen kann. Sprache und Geschichte aber sind das, was den Menschen selbst von den nächstverwandten Tieren unterscheidet.
In Bezug auf sie im Stand der Unschuld zu verharren, steht einem erwachsenen Menschen nicht an. Latein zerstört jene Einfalt, die sich bei der ersten Begegnung gern in dem Satz ausdrückt „Warum reden die denn so komisch?“ Wie schon Nietzsche bemerkt hat: Ein Geist, der gezwungen wird, sich mit dem Konjunktiv zu befassen, geht daraus nicht unverwandelt hervor. Ja, gezwungen: den Erzwiderspruch aller Erziehung, dass sie die Lernenden zur angestrebten Freiheit nur mittels Zwang zu führen vermag, teilt Latein zwar mit der Schule überhaupt. Da der Zwang hier jedoch fühlbarer ausfällt als etwa im Sachkunde-Unterricht, erreicht auch die spätere Dankbarkeit derjenigen, die es dann doch gelernt haben, höhere Grade.
Jeder bewahrt, was ihm aus dem Lateinunterricht geblieben ist, und sei es noch so wenig, Jahre später wie eine Kostbarkeit. Latein erzeugt Bewusstheit. Das einzig Unwillkürliche, das die Befassung mit dem Lateinischen hervorbringt, ist Stil; und wer Goethe, Nietzsche, Schopenhauer, ja auch noch Bert Brecht mit der Prosa neuerer Zeiten vergleicht, in denen Latein nicht mehr Standard ist, merkt, was das heißt.
Gardinis Argument der Schönheit muss noch in anderer Hinsicht eingeschränkt werden. Nur ganz selten erreichen die Lernenden an Schule und Universität solche Vertrautheit mit dieser Sprache, dass sie seine Schönheit wirklich zu empfinden vermöchten. Ihnen erscheint jeder Satz als Problem, und die Befriedigung, die ihnen zuteil wird, bezieht sich auf dessen Bewältigung und nicht auf die Anschauung eines wohlgefälligen Ganzen. Am meisten vom Lateinunterricht profitieren, in einem praktischen Sinn, Schülerinnen aus bildungsfernen Elternhäusern, die später Jura studieren. Diese Sätze waren ihre ersten „Fälle“, und sie bringen im Prinzip bereits das Werkzeug mit, um sie zu knacken. Und dann: Wer nur die Schönheit der lateinischen Texte sehen will und ihre Hässlichkeit verdrängt, der leidet an ästhetischem Zyklopismus. Man braucht zwei Augen, um gut und tiefenscharf zu sehen. Nicht nur, dass der bärbeißige Cato, der messerscharfe Caesar und der herrlich vulgäre Martial es verschmäht hätten, ob ihrer Schönheit gerühmt zu werden; sondern die Humanisten (zu denen Gardini sich rechnet) ignorieren die inhumane Härte der Gesellschaftsordnung, die in allen Fällen die Voraussetzung und in vielen Fällen den Gehalt dieser Dichtung darstellt.
Natürlich ist Caesar der Meister der geschliffenen Syntax; aber eben diese Syntax dient ihm dazu, um die Tatsache, dass er 430 000 Germanen einschließlich Frauen und Kindern hat massakrieren lassen, in einem bloßen Nebensatz abzumachen. Selbst die von Gardini so hochgeschätzte Äneis hat stellenweise ganz rohe Züge. Die Gewalt, die allenthalben statthat, wird so gut wie nie als solche reflektiert – außer bei dem Historiker Tacitus, der darüber sarkastisch wird.
Man sollte auch nicht verschweigen, wie eng der gedankliche Umkreis der klassischen lateinischen Literatur ist. Philosophie ist ihr kein Prozess, sondern ein Habitus, und zwar der des reichen Rentiers; in immer neuen Formulierungen erscheinen die immer selben alten Weisheiten. Wer bei Seneca Trost findet, dessen Schmerz kann nicht tief gewesen sein. Latein ist der stärkste Träger von Tradition überhaupt. Dass man aber Tradition, um sie fortzuführen, der Kritik unterziehen muss: auch das kann man am Lateinischen lernen.
Gardinis Haltung ist sympathisch. Seiner Sache hat er keinen guten Dienst erwiesen. Das müsste man anders machen, als auf dem Titelblatt zu behaupten „Latein lebt“ – wie es übrigens auch schon der Münchner Ordinarius Wilfried Stroh tat, der sein Buch betitelt hatte „Latein ist tot – es lebe Latein“. Totgesagte leben länger, heißt es; von Lebendiggesagten gilt das nicht unbedingt. Weder seiner Schönheit noch seines Nutzens wegen allein wird man es als Schulfach (und darum geht es letztendlich) erhalten können. Auch Marathonläufer haben sich ihren Sport nicht nach diesen Kriterien ausgesucht. Seinen Eigensinn und die Mühe, die es bereitet, sollte man nicht unterschlagen. Vielleicht ist es an der Zeit, dass jemand zugunsten des Lateinischen eine Blut-, Schweiß- und Tränenrede hält wie Churchill 1940, als das bedrängte England fast den Barbaren erlag. Dem Rezensenten ist einmal ein Bilderwitz in die Hände geraten, der in einer Schule für Eintagsfliegen spielt. Der Lehrer erklärt den Schülern resigniert: „Es bringt nichts, jetzt noch mit Latein anzufangen. Geht nach Hause und pflanzt euch fort.“ Die Pointe dieses Witzes, bedenkt man sie recht, besagt nichts für die Eintagsfliegen und alles für Latein.
Nicola Gardini: Latein lebt. Von der Schönheit einer nutzlosen Sprache. Aus dem Italienischen von Stefanie Römer. Rowohlt Verlag, Reinbek 2017. 301 Seiten, 19,95 Euro. E-Book 16,99 Euro.
Man braucht zwei Augen,
um gut und
tiefenscharf zu sehen
Via Appia: Giovanni Battista Piranesi inszenierte 1748 den ästhetischen Wert des Antiken. Aber was nützt die Schönheit des Lateinischen?
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Wie gegenwärtig die Sprache von Cato, Catull u. v. m. ist, das beweist Nicola Gardini mit seiner Liebeserklärung "Latein lebt" Kronen Zeitung