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Als Autor, Übersetzer und Kritiker ist Tim Parks geradezu prädestiniert dafür, alle Fragen, die sich im Zusammenhang mit dem Buch stellen - sei es als Leser, Autor, Kritiker, Juror -, zu untersuchen: Muss man jedes Buch, das man angefangen hat, auch auslesen? Was prägte mein Lesen? Was ist literarischer Stil? Brauchen wir Geschichten? Ist Copyright wichtig? Warum sind Leser unterschiedlicher Meinung? Was bedeuten literarische Preise? Für Tim Parks gibt es keine Gewissheiten. Die Neugier und die Skepsis, mit der er den Literaturbetrieb und seine Protagonisten betrachtet, sind so provozierend…mehr

Produktbeschreibung
Als Autor, Übersetzer und Kritiker ist Tim Parks geradezu prädestiniert dafür, alle Fragen, die sich im Zusammenhang mit dem Buch stellen - sei es als Leser, Autor, Kritiker, Juror -, zu untersuchen: Muss man jedes Buch, das man angefangen hat, auch auslesen? Was prägte mein Lesen? Was ist literarischer Stil? Brauchen wir Geschichten? Ist Copyright wichtig? Warum sind Leser unterschiedlicher Meinung? Was bedeuten literarische Preise?
Für Tim Parks gibt es keine Gewissheiten. Die Neugier und die Skepsis, mit der er den Literaturbetrieb und seine Protagonisten betrachtet, sind so provozierend wie amüsant. Was Leser von Büchern wollen und welche Bedeutung Literatur heute hat, leuchtet Tim Parks neu aus. Seine Essays sind voller literarischer Anspielungen und Anekdoten, so klug wie witzig und lebensnah. Wie wollen wir lesen? So, wie Tim Parks es vorschlägt.
  • Produktdetails
  • Verlag: Verlag Antje Kunstmann
  • Originaltitel: Where I'm reading from
  • Seitenzahl: 234
  • Erscheinungstermin: 24. August 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 216mm x 144mm x 25mm
  • Gewicht: 398g
  • ISBN-13: 9783956141300
  • ISBN-10: 395614130X
  • Artikelnr.: 44917191
Autorenporträt
Parks, Tim
Tim Parks, geboren 1954 in Manchester, wuchs in London auf und lebt seit 1981 in Italien. Seine Romane und seine erzählenden Sachbücher wurden von der Kritik hochgelobt und sind in viele Sprachen übersetzt. Er hat das Werk von Italo Calvino, Roberto Calasso, Alberto Moravia und Machiavelli ins Englische übersetzt und unterrichtet Literarisches Übersetzen an der Universität Mailand.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Tim Parks Essays über das Lesen und das Schreiben stoßen bei Judith von Sternburg auf offene Ohren. In "unterhaltsam und herausfordernder" Art befasse sich Parks - als Schriftsteller, Kritiker und Leser - mit den verschiedensten Aspekten der Literatur und des Betriebs, erklärt die Rezensentin, die sich dabei weniger über einzelne Thesen freut als vielmehr über Parks Ansatz, denn in allen Punkten zustimmen würde sie ihm nicht. "Wachsamkeit" ist sein oberstes Gebot, nie den allgemeinen Wahrheit glauben, die Leser aber auch nicht unterfordern oder unterschätzen. Leser wollen gern mal stolpern, nur fallen sollte man sie nicht lassen, lernt Sternburg, die an Parks selbst bei weniger aufregenden Abschnitten einfach seine ungeheure Erfahrung zu schätzen weiß.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 23.12.2016

Der Roman und die Welt
„Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen“ –
der englische Autor Tim Parks analysiert die Globalisierung der Literatur
VON CARLOS SPOERHASE
Die Entscheidung des Suhrkamp Verlags, die neapolitanischen Romane Elena Ferrantes zu publizieren, kam spät, aber sie wurde von einem aufwendigen Werbefeldzug gefolgt, der das Werk als „Weltliteratur“ ankündigte. Auf dem Rückumschlag des ersten Romans der Reihe schreibt der Weltliteratur-Autor Jonathan Franzen: „Ich empfinde gegenüber Elena Ferrante tiefste Dankbarkeit.“
Tim Parks ist nicht dankbar. Jedenfalls nicht für Weltliteratur. In den pointierten Kleinessays, die er für die New York Review of Books verfasst, erkundet der in Italien lebende Schriftsteller und Literaturkritiker die Gegenwart der globalisierten Literatur. „Weltliteratur“ ist für ihn wenig mehr als ein Schlüsselwort dafür, dass wir die Güte eines literarischen Werks immer häufiger danach beurteilen, ob es einen globalen Erfolg erzielt hat. Parks zufolge „sehen sich immer mehr europäische, afrikanische, asiatische und südamerikanische Autoren als ‚gescheitert‘ an, wenn sie kein internationales Publikum finden“.
Auch ein italienischer Autor gelte mittlerweile „erst dann als arriviert, wenn er in New York veröffentlicht wird“. Elena Ferrante ist dafür das beste Beispiel. Ihr Aufstieg zu einer Autorin von weltweitem Ansehen ist schlicht undenkbar ohne die weltweit wahrgenommene Eloge, die der in den USA hoch angesehene Kritiker James Wood im Januar 2013 im New Yorker auf ihr Œuvre verfasst hat.
Auch gegenüber James Wood empfindet Parks keine Dankbarkeit. Woods moralische Perspektive auf Literatur stößt ihn ab. Und Parks kann auch Jonathan Franzen nicht leiden. Neben Salman Rushdie ist Franzen für Parks der musterhafte Weltliterat, Exponent einer hegemonialen kulturellen Weltordnung. Parks berichtet, wie er in der Woche, in der Franzens Roman „Freedom“ auf Englisch erscheint, durch Holland reist und erstaunt sieht, „dass die wichtigste internationale Buchhandlung von Amsterdam dem neuen Franzen ihr ganzes Schaufenster gewidmet hatte“. In die Beobachtungen zum globalen Erfolg Franzens mischt sich bei Parks hier und dort etwas Missgunst. Er gewinnt aber seinem Ressentiment überraschende Einsichten in die Funktionsweisen des internationalen Literaturbetriebs ab.
Der europäische Erfolg Franzens ist für Parks das Symptom einer „ewigen Sorge, Amerika verstehen zu müssen“. Je mehr man sich in Amerika produzierte Filme, Serien und Nachrichtensendungen anschaue, desto mehr Genuss bereiten amerikanische Romane wie „Freedom“. Denn Franzen entwirft darin das Bild eines „gestörten Amerika, das Europäern gut gefällt“. Franzens internationale Romanerfolge setzen ebenjene Popkultur voraus, die er in diesen Romanen und in seinen kulturkritischen Essays vehement kritisiert. Und der europäische Leser kann auf diese Weise amerikanische Popkultur in vollen Zügen genießen, sich zugleich aber in der kritischen Distanz zu allem oberflächlichen kulturellen Konsumismus gefallen.
Parks geht weiteren kulturellen Globalisierungsphänomene nach. Er ironisiert die internationalen Literaturpreise (an erster Stelle den Nobelpreis) und schildert die ins Kraut schießenden internationalen Literaturfestivals, schreibt über die Globalisierung des Copyrights und die globalen Verlagskonzerne und Literaturagenturen und die weltweite Verbreitung der amerikanischen Popkultur und den schulischen Englischunterricht.
Die kommerziellen Interessen des angloamerikanisch geprägten globalisierten Verlagswesens, die das aktuelle Verständnis von Weltliteratur bestimmen, sieht Parks durch die linguistische Hegemonie des angloamerikanischen Kulturbetriebs begünstigt, für den das Erlernen fremder Sprachen zunehmend überflüssig werde. Wer nur Englisch spricht, kann sich damit beruhigen, dass jedes Werk von weltliterarischer Geltung ihn früher oder später in einer Übersetzung erreichen werde – und wenn nicht, dann kann das Werk nur von regionaler Bedeutung und eben nicht der Mühe wert sein. Mit einem polyglotten Kosmopolitismus hat die aktuelle Weltliteratur für Parks wenig zu tun.
Weltliteratur aber kommt nicht ohne Übersetzer aus. Das weiß keiner so gut wie Parks, der unter anderem die Werke von Giacomo Leopardi, Alberto Moravia, Italo Calvino und Antonio Tabucchi ins Englische übertragen hat und selbst literarisches Übersetzen unterrichtet. Die Gegenwartsliteratur ist für ihn vor allem dann Weltliteratur, wenn sie bereits mit ihrer eigenen Übersetzung rechnet. Die phänomenalen Vorschüsse, die in New York für globalisierungsträchtige Romane überwiesen werden, kalkulieren bereits die internationalen Übersetzungsrechte ein. Noch vor dem Erscheinen in der Originalsprache müssen diese weltliterarischen Bestseller übersetzt werden, damit „sie in vielen Ländern und durch eine einheitliche Werbekampagne unterstützt zeitgleich erscheinen können“. Das Schielen auf die globale Übersetzbarkeit führt für Parks zu Romanen, welche die kulturelle Komplexität lokaler Verhältnisse, die möglicherweise nur für ein begrenztes Milieu verständlich sind, sehr viel geringer schätzt als scheinbar universale moralische Probleme, die weltweite Verständlichkeit und einen globalen Absatz versprechen.
Sollten wir uns also vom internationalen Globalroman abwenden und die Literatur als eine „Kunst, die zu Hause bleibt“, pflegen? Sollte der Schriftsteller der globalisierten Gegenwart sich nicht besser von dem Anspruch verabschieden, einer literarischen „Weltgemeinschaft“ anzugehören? Diesen Gedanken haben bereits einige Jahre zuvor die Herausgeber der Zeitschrift n+1 in ihrem Editorial „The Intellectual Situation“ formuliert. In der „World Lite“ betitelten Polemik charakterisieren sie im Herbst 2013 die Weltliteratur als Produkt einer an nordamerikanischen Metropolen und Universitätsstädten situierten Schriftstellerelite, deren universalistischer Anspruch letztlich einem Verlust an sozialer Situiertheit geschuldet sei: „Die heutige Weltliteratur ähnelt eher dem Weltwirtschaftsforum in Davos, wo Experten, nationale Delegierte und Berühmtheiten, gelassen und kollegial, nur unterbrochen von einem Nippen an der Wasserflasche, die schrecklichen Probleme einer Menschheit diskutieren, deren Zwangslagen sie selbst längst nicht mehr teilen.“
Als Heilmittel für eine kapitalistisch geprägte Weltliteratur empfehlen die Herausgeber von n+1 dann aber, anders als Parks, nicht eine kulturelle, sondern eine sozialistisch inspirierte politische Relokalisierung der Literatur. Merkwürdig ist aber, dass sowohl Parks als auch n+1 von einem schreibenden Subjekt ausgeht, das sich entscheiden kann, ob es sich lokal situieren oder global agieren möchte. Die transnationale textuelle Mobilität von Weltliteratur ist aber häufig nicht allein das Ergebnis einer weltanschaulichen Wahl, sondern selbst das Produkt von Zwangslagen: Dort, wo Migration stattfindet, wandern häufig auch Texte mit.
Übersetzungsprozesse lassen sich nicht immer steuern. Das bekommt auch Tim Parks zu spüren. Mit großer Spannung erwartet er die Verfilmung seines Romans „Cleaver“, eine österreichische Produktion. Schon der Vorspann ist eine herbe Enttäuschung: „Jan Fedder, Iris Berben, Florian Bartholomäi, Anna Fischer.“ Für ihn völlig unbekannte Schauspieler. Parks schaut sich den Film mit zunehmender Verwirrung an: Viele der im Film aufgerufenen Bezüge sind nur für Deutsche und Österreicher verständlich. Der süße Traum von der kulturellen Übersetzung endet in einer Niederlage: „Mein potenziell globales Werk ist auf lokale Zusammenhänge geschrumpft. Es ist jetzt in die deutsche Kultur eingeschlossen.“ Parks entdeckt etwas widerstrebend die unausgesprochene Voraussetzung seiner Forderung, die Literatur müsse sich kulturell relokalisieren: Sie klingt sehr reizvoll, solange man sich den entsprechenden Ort selbst aussuchen darf.
Tim Parks: Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen. Aus dem Englischen von Ulrike
Becker, Ruth Keen. Verlag Antje Kunstmann, München 2016. 240 Seiten, 20 Euro. E-Book 15,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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