Phaidon Design Classics - Alderson, Simon; Ball, Ralph; Barber, Edward
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Eine dreibändige und 999 Objekte umfassende Sammlung ausgesuchter Designklassiker der letzten 200 Jahre

Produktbeschreibung
Eine dreibändige und 999 Objekte umfassende Sammlung ausgesuchter Designklassiker der letzten 200 Jahre
  • Produktdetails
  • Verlag: Phaidon, Berlin
  • Artikelnr. des Verlages: 4399
  • Seitenzahl: 3300
  • Erscheinungstermin: 1. Januar 2006
  • Englisch
  • Abmessung: 535mm x 320mm x 280mm
  • Gewicht: 9710g
  • ISBN-13: 9780714843995
  • ISBN-10: 0714843997
  • Artikelnr.: 20796052
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 16.06.2006

Der Gemüseschäler Rex sah sich eines Tages der Odol-Flasche gegenüber
Wenn das Tragegestell erst einmal fehlt, wird alles gut: Die "Phaidon Design Classics" zeigen eine Kulturgeschichte der Dinge, die unser Konsumzeitalter in Form zu halten versuchen

Die drei wuchtigen Bände der "Phaidon Design Classics" stecken fest in einem von Konstantin Grcic gestalteten Tragegestell, ohne welches sie nur mühsam zu transportieren wären. Damit die Klötzchen beim Nachhausetragen nicht ans Bein schlagen und dort häßliche Flecken hinterlassen, hat Grcic dem schwarzen Kunststoffgestell die Form einer kleinen Treppe mit Griff gegeben. Der dreistufige Transportschutz ist kein Bibliothekstreppchen - er kippt. Und weil sich, was wie Schrauben aussieht, lustig mitdreht, fordert das Freilegen der Bände am Ende sein Opfer: das Gestell. Nachhaltigkeit im Verpackungsdesign? Fehlanzeige.

Doch sind wir - Grcic sei Dank - damit sofort mittendrin im Design-Diskurs. Schließlich offenbart vieles, was gut aussieht, erst im Gebrauch seine Tücken. Den kam man zwar in keinem Lexikon und in keiner Produktübersicht erproben, doch tritt in der Geschichte der Dinge an seine Stelle oft die Dauer der Produktion. Was sich bewährt hat, wird meist nicht nur ein paar Jahre lang hergestellt. Aber das ist nur eines von vielen Kriterien für gutes, weniger gutes oder einfach erfolgreiches Design, die bei der Lektüre dieses Kompendiums ausfindig gemacht werden können, ohne explizit genannt werden zu müssen.

Gut nachvollziehbar strebt dieses Buch mit seinen 999 Design-Klassikern danach, triviale Alltagsgegenstände auf das Niveau wohlgestalteter Klassiker der industriellen Ding-Produktion zu heben und anhand von Fotos, Originalzeichnungen, Prototypen und Patenten deren Geschichte nachzuzeichnen. Was es da - chronologisch geordnet - alles zu entdecken gibt!

Nahezu alle Gebrauchsgüter sind vertreten, ob Schere oder Flugzeug, Puzzle oder Stuhl, Parkbank oder Boot, Telefon oder Dübel, Korkenzieher, Wäscheklammer oder Tisch. Man erfährt etwas über Kühlschrank und Benzinkanister, Auto und Surfbrett, Fotoapparat und Koffer, Limonadenflasche, Milchtüte und Solarzelle. Von der Fender Stratocaster bis zur Isetta, vom Pez-Spender bis zu Wilhelm Wagenfelds Salz- und Pfefferstreuer "Max und Moritz", vom legendären Porsche 356 A Speedster über Kenji Ekuans Soja-Soßen-Flasche für Kikkoman bis zur pummeligen Boeing 747 und dem wie ein Bilderahmen gestalteten neuesten Apple iMac von 2004 reicht die Produktpalette.

Unter 001 firmiert eine auf das Jahr 1663 zurückgehende Baumschere, die von Hangzhou Zhang Xiaoquan bis heute gefertigt wird. Angeblich besitzt jeder Haushalt in China eine Schere von Zhang Xiaoquan, einem Unternehmen, das heute 45 Millionen Scheren pro Jahr herstellt. Das Exemplar aus dem siebzehnten Jahrhundert ist ein Musterbeispiel funktionalen und ästhetisch ansprechenden Designs, das aus zwei von einer Kupferniete zusammengehaltenen, sich am Ende verjüngenden Teilen aus geschmiedetem Eisen besteht, die sowohl die Schneide als auch - bogenförmig umgebogen - die beiden, für Links- und Rechtshänder gleichermaßen geeigneten Griffe bilden.

Unter Nummer 055 findet sich die Odol-Flasche, unter 059 die Dart-Scheibe von 1896 - auch wenn die Urspünge des Spiels wohl bis ins Mittelalter zurückreichen. Bei 102 lernt man, daß der Reißverschluß seine Karriere 1893 als "Whitcomb Judson's ,clasp locker'", sprich als Hackenverschluß für Schuhe begonnen hat, wobei die parallelen Reihen von Metallhaken in der Frühzeit noch eher einem Folterinstrument ähnelten. Oder wußten Sie, daß der "Rex Gemüseschäler" von 1947 damals ein innovatives Meisterstück in Hinsicht auf Reduktion und Qualität war? Daß der Erfolg des "Moleskine" Notizbuchs, das auf ein rund zweihundert Jahre altes Produkt zurückgeht, das noch bis 1985 von einem Familienbetrieb im französischen Tours gefertigt wurde, sich vor allem der Mystifizierung des Originals und einem guten Marketing ("Das legendäre Notizbuch von Hemingway, Picasso und Chatwin") verdankt? Daß Howard Head mit seinen Aluminium-Skiern die Haltbarkeit und Manövrierfähigkeit der jahrhundertelang aus Holz gefertigten Bretter revolutionierte und Kinder schon im alten Ägypten Hula-Hoop spielten?

Auch graphisch kommt auf den von Alan Fletcher von Pentagram gestalteten Seiten nie Langeweile auf. Ob die Seiten des Dymo-Schriftprägegeräts in der für diese Apparatur aus den späten fünfziger Jahren charakteristischen Typographie gehalten sind, ob Konstruktionszeichnungen, Verpackungen oder Werbeanzeigen einbezogen werden - es macht Laune, die Dinge zu betrachten und ihre Entstehungsgeschichte kennenzulernen. Die Bände servieren keine Appetithappen für Design-Freaks; sie fungieren eher als kulturhistorisches Kompendium, das jeden anspricht, der sich für die Geschichte der industriell hergestellten Dinge interessiert. Prägen nicht all die Einmalfeuerzeuge, Taschenmesser, Uhren, Fotoapparate, Stühle und Kochtöpfe unsere Vorstellung davon, wie etwas sein und aussehen muß? Erzählen sie nicht ebenso von unseren Bedürfnissen und Wünschen wie vom Erfindergeist und der Freude an gelungenen technischen Lösungen?

Auch wenn man über die Anfänge des Designs und über dessen Verhältnis zum Kunsthandwerk streiten könnte, auch wenn es ein gewisses Übergewicht von Objekten aus der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts gibt und die Wahl des einen oder anderen sich dem Geist der Britishness verdankt - diese "Classics" machen Lust auf Design, ohne in die Nähe eines Versandhauskataloges zu geraten. Auch wird das gute Alte nicht ideologisch gegen das Allerneueste ausgespielt. Und selbst wenn das Prozeßhafte von Design in der Konzentration auf einzelne Objekte manchmal zu kurz kommt, am Ende siegt der Zusammenhang über das isolierte Einzelding.

Was sich beim Schauen und Lesen entfaltet, ist eine kleine Geschichte der Verfeinerung des menschlichen Werkzeuggebrauchs und dessen Verbindung mit Fragen des Geschmacks. Oft schafft sich der Zweck nicht beliebige, sonder elegante Mittel. So kommt das Herstellen - trotz der Gemengelage aus Bedürfnis, Ökonomie, Gestaltungswille und Technik, die man Design nennt - nicht ohne Sinn für jenen Teil des Schönen aus, der sich im Alltag zeigt. Weshalb man beruhigt feststellt: Die Welt wird nicht nur häßlicher. Das Porträt unseres Konsumzeitalters ist ein Puzzle aus Dingen und ihren Geschichten.

THOMAS WAGNER

"Phaidon Design Classics". Phaidon Press, London 2006. 3 Bde., geb., jeweils 950 S. mit 1000 Farb- und 150 Schwarzweiß-Abbildungen, zusammen 150,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Rezensent Gerhard Matzig ist begeistert von den 999 "Phaidon Design Classics", all den Alltagsgegenständen, die nicht nur funktional, sondern vor allem schön anzusehen sind. Besonders verzückt ist er vom Stapelgeschirr TC 100, das Designer Hans Roericht vor vierzig Jahren für seine Diplomarbeit entworfen hat. Dieses Geschirr erfülle zwar seine Funktion, stapelbar und damit raumsparend zu sein, aber darüber hinaus sehe es auch einfach besonders gut aus. So wolle man von ihm "nicht nur essen, sondern speisen". Neben dem TC-100-Set werden noch 998 weitere Design Classics versammelt und kurz charakterisiert. Für den eingenommenen Rezensenten wirkt das dreibändige Werk wie eine einzige "große, spannende Erzählung".

© Perlentaucher Medien GmbH