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The Marvel characters have been passed along among generations of brilliant editors, artists, and writers who struggled with commercialism and a fickle audience. Written by Howe, former comic book reviewer and editor at "Entertainment Weekly," here is a gripping narrative of one of the most extraordinary, beloved, and beleaguered pop cultural entities in America's history.…mehr

Produktbeschreibung
The Marvel characters have been passed along among generations of brilliant editors, artists, and writers who struggled with commercialism and a fickle audience. Written by Howe, former comic book reviewer and editor at "Entertainment Weekly," here is a gripping narrative of one of the most extraordinary, beloved, and beleaguered pop cultural entities in America's history.
  • Produktdetails
  • Verlag: Harper Collins Publ. USA
  • Seitenzahl: 485
  • Erscheinungstermin: Oktober 2012
  • Englisch
  • Abmessung: 235mm x 164mm x 50mm
  • Gewicht: 703g
  • ISBN-13: 9780061992100
  • ISBN-10: 0061992100
  • Artikelnr.: 35267932
Rezensionen
Besprechung von 02.01.2013
Superhelden müssen episch leben

Doktor Doom gegen die Fantastischen Vier: Sean Howe erzählt die Geschichte der "Marvel Comics" und von Stan Lee, der ihre Bilder- und Erzählwelt prägte und gerade neunzig Jahre alt wurde.

Comichefte, zumal diejenigen, deren Helden Eisenträger wie Keks knabbern, seit sie versehentlich ein radioaktives Serum getrunken haben, werden für ein männliches jugendliches Publikum gemacht. Die Macher sind manchmal kaum älter. In keiner anderen kreativen Branche kann die Karriere so früh beginnen. Das lag in der Gründerzeit daran, dass die Verleger von künstlerischen Anforderungen der Gattung nichts wissen wollten. Man fing als Botenjunge an und sprang, wenn kurz vor der Drucklegung die allgemeine Hektik ihren Höhepunkt erreichte, beim Ausmalen von Hintergründen ein. Später rekrutierte sich der Nachwuchs häufig aus dem organisierten Fanwesen. Man lernte das Zeichnen durch Abzeichnen und pflegte in Clubzeitschriften eine auf abseitige Details bezogene Kennerschaft.

Zwei der erfolgreichsten Kinofilme des Jahres 2012 fanden ihre Hauptfiguren im Pantheon der Marvel-Comics: "The Avengers" und "The Amazing Spider-Man". In beiden Filmen - wie in allen Filmen mit dem Marvel-Markenzeichen seit den "X-Men" von 2000 - hat der Mann einen schmückenden Kurzauftritt, der vor einundsiebzig Jahren zum ersten Mal interimistisch die redaktionelle Verantwortung für das Marvel-Universum trug. Martin Goodman, der Eigentümer des Verlags, der damals Timely Comics hieß, setzte Stanley Lieber, einen Cousin seiner Frau, als Chefredakteur ein, nachdem er Jack Kirby und Joe Simon entlassen hatte, die Schöpfer von Captain America. Seine erste kurze Prosageschichte mit dem Nationalhelden im Sternenbannerkostüm signierte der achtzehnjährige Lieber mit einem Kürzel: Stan Lee. Seinen vollständigen Namen wollte er sich aufheben für Romane und Kinodrehbücher.

Von 1945 bis 1972 wirkte der Sohn jüdischer Einwanderer aus Rumänien, der in der Bronx die Schule besucht hatte, an der Madison Avenue als Chefredakteur aller Marvel-Comichefte. Nach einigen Jahren in der Geschäftsführung siedelte er nach Kalifornien über, blieb aber über alle Eigentümer hinweg Gesicht und Sprecher des Verlags. Wie ein antiker Staatsmann betätigt er sich als erster Geschichtsschreiber seines Reiches. Zuletzt publizierte er ein Handbuch des Comicschreibens auf der Basis von Interviews mit Kollegen. Letzte Woche wurde Stan Lee neunzig Jahre alt.

Die ersten Jahrzehnte der Comicheftindustrie stehen im Zeichen einer Identität des Personals, wie man sie in unserer Zeit nur von der englischen Monarchie kennt. Die Kehrseite der Kontinuität lässt sich als Entwicklungshemmung bestimmen. Der in Brooklyn lebende Journalist Sean Howe, dessen Geschichte der Marvel-Comics es auf die Bestsellerliste der "New York Times" gebracht hat, obwohl sie keine Abbildungen enthält, ist wie die Zeichner der zweiten Generation als Fan zu seinem Thema gekommen. Der Untertitel des Buches ist eine ironische Hommage an den ehrwürdigsten Branchentrick zur Erneuerung der Markenloyalität: die Wiedereinführung des heroischen Personals. Alle paar Jahre erscheint eine neue Nummer eins von jeder klassischen Heftreihe. Die Ursprungssage wird in einer neuen Version geboten, die als die unerzählte Geschichte ausgegeben wird, obwohl das meiste natürlich schon erzählt worden ist.

So verhält es sich auch mit "Marvel Comics - The Untold Story". Namentlich die Auseinandersetzung zwischen Stan Lee und Jack Kirby, die gemeinsam in den sechziger Jahren die Charaktere schufen, die dem Disney-Konzern 2004 beim Kauf von Marvel vier Milliarden Dollar wert waren, ist oft dargestellt worden. Der Begriff "episch" darf dabei nicht fehlen und wird im gleichen Sinne verwendet wie in den Comics für die Kämpfe zwischen Doktor Doom und den Fantastischen Vier. Für Howe ist die gesamte Geschichte der Marvel-Angestellten eine Variante der Saga, an der sie gemeinschaftlich gestrickt haben. Wie Stan Lee über die Jahre immer wieder dieselben Kollegen anheuert und vergrault, so ist die Welt der Marvel-Figuren tatsächlich ein Universum: Der Unglaubliche Hulk und die X-Men assistieren einander wechselseitig. Diese Erweiterung von Balzacs Menschlicher Komödie ins Kosmische nennt Howe die am aufwendigsten verschachtelte Erzählung der Weltliteratur. In einem Interview hat er einen Vergleich mit der populären Gattung angestellt, die im gegenwärtigen Moment den Maßstab des anspruchsvollen Erzählens vorgibt: Man stelle sich vor, von der Fernsehserie "Lost" gäbe es achtzig Staffeln - und jede Nebenfigur hätte ihre eigene Spin-off-Serie.

Der Reiz des Buches sind die in hundertfünfzig Interviews mit Veteranen gesammelten Originaltöne. Howe bietet keine systematischen Betrachtungen zu Comicästhetik oder Geschäftspolitik, sondern montiert seine Geschichte aus Szenen und Kommentaren. Damit trägt er der Macht des Zufalls in der Evolution des Marvel-Kosmos Rechnung. Innovation war regelmäßig ein Ergebnis von Improvisation. Das Emblem der Branche könnte der Meteor sein. Turnusmäßig gab es Grund zur Besorgnis, das Comicheft werde verschwinden. Jetzt ist der Ernstfall da: Die Jugend von heute kauft die Hefte nicht mehr. Das Geheimnis der Fantastischen Vier: Superhelden trugen plötzlich Komplexe mit sich herum und sahen dabei so lässig aus wie nie zuvor. Aus einer Nonchalance der Ratlosigkeit waren diese Figuren geboren worden, weil sich alle Formeln des Genres erschöpft hatten.

Die von Stan Lee patentierte "Marvel-Methode" gewann der Zeitnot der arbeitsteiligen Produktion die Tugenden des Jazz ab. Die Zeichner erhielten nur einen Umriss der Story und arbeiteten die Geschichte freihändig Bild für Bild aus. Der Text entstand erst nach den Bildern. So wirkt eine Kirby-Geschichte auf zwei Ebenen: durch eine Bildsprache der dynamischen, kompakten Gesten wie im Stummfilm und durch einen Text, der sich wie ein nachträglicher, ironischer Kommentar liest. Zu dieser Selbstbezüglichkeit, die Studenten begeisterte, gehört, dass Lee in den eigenen Heften auftrat: als Figur in den Comics und als Briefkastenonkel, der um die prosaische Schufterei an den Zeichentischen eine glamouröse Legende vom freien Künstlerkollektiv wob. Der Redakteur wurde zum Star: Federico Fellini besuchte ihn, Alain Resnais wollte einen Film mit ihm machen.

Jahrzehntelang war Lee auf die Idee fixiert, die Bestimmung der Marvel-Helden sei das große Kino. Als es endlich so weit war, wurde er nur als Maskottchen gebraucht. Kirby behauptete nach dem Bruch mit Lee, dieser habe nie ein Wort geschrieben, sondern nur kommandiert. Aber Mario Puzo, der die Illustrierten eines Schwesterverlags redigierte, hat bezeugt, dass Lee sogar weiterschrieb, als der Rest der Belegschaft am Radio auf die Nachricht vom Tod Präsident Kennedys wartete. Howes implizites Urteil über Lee ist bestechend fair. Die melancholische Selbsterkenntnis, dass er der perfekte Mann der Firma war, sichert ihm das heroische Format - nach dem Maß der Marvel-Welt, deren Helden naturgemäß beschädigt sind. Stan Lee gab die Devise aus, in der Entwicklung der Charaktere dürfe es nur "die Illusion des Wandels" geben. Er hat dafür gesorgt, dass die Comichefte kein Kinderkram mehr sind und dennoch nicht erwachsen wurden.

PATRICK BAHNERS

Sean Howe: "Marvel Comics". The Untold Story.

Harper Collins Publishers, New York 2012. 496 S., geb., 26,99 $.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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"Sean Howe's history of Marvel makes a compulsively readable, riotous and heartbreaking version of my favorite story, that of how a bunch of weirdos changed the world. That it's all true is just frosting on the cake." Jonathan Lethem