Die Alpen - Küster, Hansjörg
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Jahrtausende galten sie als unüberwindlich: Die Lage der Alpen zwischen dem früh zivilisierten Mittelmeer und dem sehr fruchtbaren, ebenso früh besiedelten Mitteleuropa machte aus ihnen lange Zeit einen Riegel, der überwunden werden musste, um die beiden Gebiete zu verbinden. Hansjörg Küster folgt der Geschichte der Alpen von ihrer Entstehung durch die Kollision der afrikanischen mit der europäischen Platte, ihrer Überformung durch die Eiszeitgletscher und der erstaunlich frühen Nutzung auch ihrer Hochlagen bis hin zu ihrer Erforschung und zum heutigen Tourismus. Die Alpen sind das erste…mehr

Produktbeschreibung
Jahrtausende galten sie als unüberwindlich: Die Lage der Alpen zwischen dem früh zivilisierten Mittelmeer und dem sehr fruchtbaren, ebenso früh besiedelten Mitteleuropa machte aus ihnen lange Zeit einen Riegel, der überwunden werden musste, um die beiden Gebiete zu verbinden. Hansjörg Küster folgt der Geschichte der Alpen von ihrer Entstehung durch die Kollision der afrikanischen mit der europäischen Platte, ihrer Überformung durch die Eiszeitgletscher und der erstaunlich frühen Nutzung auch ihrer Hochlagen bis hin zu ihrer Erforschung und zum heutigen Tourismus. Die Alpen sind das erste Hochgebirge der Welt, das gut erschlossen wurde; hier wurde der Typ des Alpinen erstmals festgelegt. Doch diese Entwicklung hat auch Schattenseiten.
  • Produktdetails
  • C.H. Beck Wissen 2909
  • Verlag: Beck
  • Seitenzahl: 127
  • Erscheinungstermin: 14. Mai 2020
  • Deutsch
  • Abmessung: 180mm x 119mm x 12mm
  • Gewicht: 118g
  • ISBN-13: 9783406748288
  • ISBN-10: 3406748287
  • Artikelnr.: 58013220
Autorenporträt
Hansjörg Küster ist Professor für Pflanzenökologie am Institut für Geobotanik der Leibniz Universität Hannover.
Inhaltsangabe
Einleitung

1. Die Alpen - eine geographische Übersicht
2. Geologie der Alpen
3. Vegetation der Alpen
4. Frühe Besiedlung der Alpen
5. Die Herausbildung der für traditionell gehaltenen Alpenlandschaft seit dem Mittelalter
6. Die Schweiz, ein besonderes Land
7. Musik, Krippen, Dirndl und Lederhosen
8. Erschließung der Alpen für den Tourismus
9. Die Gegenwart der Alpen

Literatur
Bildnachweis
Register
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 29.06.2020

Ohne Lift
kein Enzian
Hansjörg Küster schreibt
eine Geschichte der Alpen
Der Biologe Hansjörg Küster ist ein Augenöffner. Wer seine Bücher gelesen hat, über die Geschichte des Waldes, die Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa, über die Elbe, das Korn, das Gartenreich Wörlitz, der weiß dank ihm: Alles, was wir um uns herum sehen und als ewige Natur erleben, die angeblich unbedingt genauso geschützt werden muss, wie wir sie kennen – ist nur Momentaufnahme eines Bildes, das sich rasch wandelt.
Wer „Natur“ bewahren will, will alte menschliche Nutzungsformen konservieren, welche es in Wahrheit sind, die die Vielfalt hierzulande verbürgen; denn wenn man gar nichts täte, wäre Deutschland in wenigen Jahrzehnten ein einziger formenarmer und düsterer Wald, wie ihn Tacitus vor zweitausend Jahren beschrieb. Landschaft ist das Gegenteil von Natur; Landschaft wird aus einer Gegend nur dann, wenn Menschen sie erst umgestalten und dann betrachten.
„Die Alpen – Geschichte einer Landschaft“ hat Küster sein neues Buch genannt. Es erscheint in der Reihe C.H. Beck Wissen, die es mittlerweile auf Hunderte von Titeln gebracht hat, von denen jeder sein Thema – Beethoven, die Alchemie, das chinesische Schriftsystem – so zusammenfasst, dass der interessierte Laie sich auf der Höhe des aktuellen Diskussionsstands befindet und alles erfährt, was er wissen muss. Dass es dieser Reihe gelang, jemanden wie Küster zu verpflichten, beweist ihr Niveau.
Die Alpen sind eine Region, die dem Hannoveraner Professor für Pflanzenökologie gewiss erst einmal nicht besonders nahestand. Nach einer nächtlichen Ankunft öffnet er morgens die Fenster und spricht von seiner ersten Begegnung: „Unter einem herrlich blauen Himmel und der strahlenden Sonne lagen weite, frisch grüne Matten vor mir, darin eingestreute Einzelhöfe, die sich an einigen Stellen zu Dörfern verdichteten, dazwischen Kirchen mit spitzen Türmen. Dunkelgrüne Wälder bedeckten die Hügel. Im Hintergrund stieg das Gebirge an. Auf dem unteren Teil des steilen Hanges erstreckte sich ein geschlossener Waldstreifen, darüber erhoben sich gebänderte Felsen, auf deren Spitzen Schnee lag (…) Ich hörte Kirchen- und Kuhglocken sowie deren Widerhall, und über der gesamten strahlenden Szenerie lag ein wunderbarer Duft nach frischem Gras.“
Sehen, hören und riechen kann das jeder, der Augen, Ohren und Nase aufmacht. Aber diesen Eindruck vertieft Küster ins Historische – eigentlich zwei Historien, eine lange alte und eine kürzere jüngere. Die lange hat es zu tun mit dem Zerbrechen von Urkontinenten und der sedimentierenden Auffüllung flacher Meere, mit der Kollision tektonischer Platten und schließlich, geologisch fast schon Gegenwart, mit der außerordentlich gewalttätigen Wirkung der Gletscher, die sich ihren Weg durch die Täler bahnten, wieder und wieder, und aus einem V, wie es typisch ist für Flusstäler, ein breitsohliges U machten.
Eigentlich noch interessanter aber ist, wie die Menschen dieses wilde Massiv umgestaltet haben. Nicht nur Ötzi beweist, dass sie schon in ältester Zeit bis in die Felsregion vorgedrungen sind. Küster liefert ein Gesamtbild der traditionellen Alpen-Ökonomie, die über 2 000 Höhenmeter hinweg zwischen talsässigem Getreideanbau, der nie genug Kalorien lieferte, und dem auf den Almen erzeugten Käse-Überschuss keineswegs ein Musterbild der Autarkie abgab, wie man es sich gern vorstellt, sondern geschäftlich mit dem halben Europa verbandelt war.
Eigene Kapitel haben es mit den Pässen und Tunneln zu tun, mit dem Schweizer Sonderweg, mit der Herstellung von Musikinstrumenten im Vorland, deren hohe Qualität nur möglich wurde, weil man Alpenhölzer verwendete. Heute könnte keine Stradivari mehr gebaut werden, denn man braucht dazu Fichten mit extrem engstehenden Jahresringen, wie sie nur in der alpinen Kaltzeit bis ins 17. Jahrhundert wuchsen.
Nach all dem versteht es sich fast von selbst, dass Küster die Alpen nicht (wie manch anderer) in ein riesiges Schutzgebiet verwandelt sehen möchte und auch den Tourismus nur als eine von vielen Nutzungsarten betrachtet, die es in den Alpen gegeben hat und gibt. Almen und Skipisten würden sich ausschließen? Im Gegenteil: Nur wenn in den Hochlagen im Sommer die Kühe weiden, kann die Verbuschung und Verwaldung der Skipisten verhindert werden, zumal die Baumgrenze im Zeitalter des Klimawandels ansteigt; und nur aus den Einkünften des Wintersports lässt sich die inzwischen unrentable Almwirtschaft finanzieren.
Ohne Lift kein Enzian, ohne Enzian kein Lift. Man braucht sie nicht unbedingt, und es gab Zeiten, da fehlten sie beide. Aber es ist doch hübsch, wenn man sie zusammen haben kann.
BURKHARD MÜLLER
Almen und Skipisten
würden sich ausschließen?
Im Gegenteil
Hansjörg Küster:
Die Alpen. Geschichte einer Landschaft.
Verlag C.H. Beck,
München 2020.
128 Seiten, 9,95 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 20.12.2020

Für die Tasche In einem Jahr, in dem viele Menschen zum ersten Mal ihren Urlaub in den Alpen verbracht haben, passt ein weiteres Buch über den Gebirgszug ganz gut. "Geschichte einer Landschaft" lautet der Untertitel des Buches von Hansjörg Küster. Der Professor für Pflanzenökologie am Institut für Geobotanik der Universität Hannover setzt zum Gewaltmarsch an - geographisch von Ost nach West, zeitlich von der Tektonik der Erdplatten über die landschaftsprägende Eiszeit ("Die Artenarmut europäischer Wälder ist nicht vom Menschen gemacht, sondern Ergebnis des Zusammenwirkens von Vegetationsgeschichte und Topographie") bis zu den landschaftsverändernden Eingriffen durch die Menschen und die Erschließung für den Tourismus ("Alpinisten, Touristen, die die Berge für sich zum Spielplatz machten, drängten später auch in die alpinen Hochgebirge der Welt"). Manches Mal hätte man sich ausführlichere Information gewünscht, was angesichts des Umfangs von 112 Textseiten nicht zu leisten ist, am Ende aber steht ein klares Plädoyer: "Auch in Zukunft sollte es in erster Linie darum gehen, den Menschen im Alpenraum einen Eindruck von dieser ungewöhnlich schönen Landschaft von weltweiter Bedeutung mit allen ihren Natur-, Kultur- und Ideenschätzen zu ermöglichen." Fahren wir hin, sobald es wieder geht, und schauen uns die Alpen an.

sgr.

Hansjörg Küster: "Die Alpen. Geschichte einer Landschaft", C.H. Beck-Wissen, Broschur, 127 Seiten, 9,95 Euro

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