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Since the 1949 Communist Revolution, China has devised nine different military strategies, which the People's Liberation Army (PLA) calls "strategic guidelines." What accounts for these numerous changes? Active Defense offers the first systematic look at China's military strategy from the mid-twentieth century to today. Exploring the range and intensity of threats that China has faced, M. Taylor Fravel illuminates the nation's past and present military goals and how China sought to achieve them, and offers a rich set of cases for deepening the study of change in military organizations. Drawing…mehr

Produktbeschreibung
Since the 1949 Communist Revolution, China has devised nine different military strategies, which the People's Liberation Army (PLA) calls "strategic guidelines." What accounts for these numerous changes? Active Defense offers the first systematic look at China's military strategy from the mid-twentieth century to today. Exploring the range and intensity of threats that China has faced, M. Taylor Fravel illuminates the nation's past and present military goals and how China sought to achieve them, and offers a rich set of cases for deepening the study of change in military organizations. Drawing from diverse Chinese-language sources, including memoirs of leading generals, military histories, and document collections that have become available only in the last two decades, Fravel shows why transformations in military strategy were pursued at certain times and not others. He focuses on the military strategies adopted in 1956, 1980, and 1993--when the PLA was attempting to wage war in a new kind of way--to show that China has pursued major change in its strategic guidelines when there has been a significant shift in the conduct of warfare in the international system and when China's Communist Party has been united.
  • Produktdetails
  • Princeton Studies in International History and Politics
  • Verlag: Princeton University Press
  • Seitenzahl: 376
  • Erscheinungstermin: Mai 2019
  • Englisch
  • Abmessung: 241mm x 164mm x 41mm
  • Gewicht: 766g
  • ISBN-13: 9780691152134
  • ISBN-10: 0691152136
  • Artikelnr.: 43370527
Autorenporträt
M. Taylor Fravel is the Arthur and Ruth Sloan Professor of Political Science and a member of the Security Studies Program at the Massachusetts Institute of Technology. He is the author of Strong Borders, Secure Nation (Princeton). Twitter @fravel
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 23.07.2019

Bezugspunkt Amerika
Die Entwicklung der Militärstrategie der Volksrepublik China

Seit kurzem vertreten hauptsächlich die Vereinigten Staaten, aber auch andere westliche Staaten wie Deutschland die Auffassung, die Volksrepublik China müsse in künftige Rüstungskontrollvereinbarungen einbezogen werden. Tatsächlich hat sich China in den vergangenen 15 Jahren zu einer bedeutsamen Militärmacht entwickelt. Mit immer noch deutlichem Abstand zu den Vereinigten Staaten verfügt es im weltweiten Vergleich über den zweitgrößten Verteidigungsetat und sektoral herausragende technologische Fähigkeiten. Besonders gewachsen sind in den vergangenen Jahren Umfang und Qualität der chinesischen Volksbefreiungsmarine. Bemerkenswert ist, dass Chinas Nukleararsenal keinen vergleichbaren Aufbau erfahren hat und mit etwa 290 nuklearen Sprengköpfen (davon gut die Hälfte einsatzbereit) nach wie vor sogar kleiner ist als die Nuklearstreitkräfte Frankreichs. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage nach der Entwicklung von Chinas Militärstrategie der "aktiven Verteidigung" sowie den damit verknüpften Denkweisen, Konzepten und Entscheidungsprozessen aktuelle wissenschaftliche und natürlich auch politische Relevanz.

Mit der Arbeit von M. Taylor Fravel liegt nun die erste umfassende und systematische Studie zur Entwicklung der chinesischen Militärstrategie seit Gründung der Volksrepublik im Jahr 1949 vor. Dem Autor, der am Bostoner Massachusetts Institute of Technology Politische Wissenschaft lehrt, kommt es darauf an, solche inhaltlichen Gesetzmäßigkeiten herauszuarbeiten, die entscheidend waren - und sind - für die Entstehung und Ausgestaltung dieser Strategie. Dabei weist er auf einen grundlegenden Unterschied zwischen der Volksbefreiungsarmee (VBA) und den Streitkräften der meisten anderen Staaten hin. Bei der VBA handelt es sich um eine Parteiarmee, geführt von der Kommunistischen Partei Chinas und der direkten Kontrolle ihrer Zentralen Militärkommission unterstehend. Die Leitung dieser Zentralen Militärkommission obliegt seit mehr als drei Jahrzehnten dem jeweiligen Parteichef. In dieser Kommission und im Politbüro werden alle Grundsatzentscheidungen über Chinas Militärpolitik getroffen. Es ist selbstverständlich, dass das Führungspersonal dieser "politisierten", gleichwohl inzwischen hochprofessionellen Streitkräfte selbst zur Kommunistischen Partei gehört. Fravel weist in seiner Studie nach, dass fast alle wichtigen Initiativen für die Fortentwicklung der chinesischen Militärstrategie von dieser militärischen Führung ausgegangen und dann politisch sanktioniert worden sind. Ausgenommen davon sei die Nuklearstrategie, über die im gesamten Untersuchungszeitraum ausschließlich die engere Parteiführung bestimmt habe, wobei den Grundüberzeugungen der jeweiligen Parteiführer von Mao Tse-tung bis Xi Jinping ein ausschlaggebender Einfluss zu attestieren sei.

1964 führte China seinen ersten erfolgreichen Atomtest durch. Die chinesische Nuklearstrategie ist bis heute in Doktrin und Potential klar defensiv ausgerichtet. Als einzige Nuklearmacht hat China auf den Ersteinsatz von Atomwaffen verzichtet. Es hat sich ebenfalls verpflichtet, Staaten ohne Atomwaffen nicht nuklear anzugreifen. Chinas Raketenstreitkräfte - bis 2016 als "zweite Artillerie" bezeichnet - erfüllen den Auftrag, Minimalabschreckung und Zweitschlagsfähigkeit glaubwürdig zu gewährleisten und damit eine nukleare Erpressung zu verhindern.

Von einer Verknüpfung konventioneller und nuklearer Optionen in der Militärstrategie hat das Land bisher stets Abstand genommen. Fravel führt diese Kontinuität auf harmonierende Denkweisen der jeweiligen Staats- und Parteiführungen zurück. Das Führungspersonal stimmt bis in die Gegenwart darin überein, dass Nuklearwaffen keine nützliche Funktion bei der Kriegführung zukomme. Mao bezeichnete sie in den sechziger Jahren sogar als "Papiertiger". Denkbare, auf eine stärkere Rolle und quantitative Aufrüstung von Nuklearwaffen gerichtete Eigeninteressen in der militärischen Führung der VBA konnten sich unter den Rahmenbedingungen strikter politischer Vorgaben nicht entfalten.

Ganz anders sah die Entwicklung im konventionellen Bereich aus. Nach Auffassung von Fravel erfolgten alle grundsätzlichen Veränderungen der chinesischen Militärstrategie als Reaktion auf fundamentale Veränderungen der Kriegführung im internationalen System. Das gelte besonders in Bezug auf die Vereinigten Staaten, aber auch - von den sechziger bis zu den achtziger Jahren - für die damalige Sowjetunion. Chinas erste Militärstrategie für den konventionellen Krieg wurde im Jahr 1956 formuliert und richtete sich damals gegen eine Invasion durch die Vereinigten Staaten. Vor dem Hintergrund der Kriegführung im Zweiten Weltkrieg und - zu einem geringeren Teil - im Korea-Krieg (1950-1953) entschied sich die chinesische Führung für eine Strategie der Vorwärtsverteidigung. Im Zusammenwirken von mechanisierten Einheiten, Luftwaffe und Marine sollte der Aggressor zunächst aufgehalten, abgenutzt und dann aus dem Land gedrängt werden. Obwohl die VBA seinerzeit auf umfangreiche sowjetische Beratung und Ausrüstung angewiesen war, entschied sich die chinesische Führung gegen eine Offensivstrategie, wie sie von Moskau verfolgt und empfohlen wurde. Die 1956 verabschiedete Strategie wurde 1964 auf Initiative Mao Tse-tungs insofern verändert, als dass der Gegner nun weit ins chinesische Hinterland gelockt werden sollte, um ihn dort zu vernichten. Damit erfolgte eine Wiederanknüpfung an die Strategie der Volksbefreiungsarmee während des Bürgerkrieges. Allerdings wurde diese Strategieveränderung angesichts der Wirren der Kulturrevolution nie durchgreifend in die Tat umgesetzt.

Der zweite große Einschnitt erfolgte erst 1980 und richtete sich diesmal gegen die Sowjetunion. Ziel war es, einen sowjetischen Angriff abzuwehren, und zwar wiederum mittels mobiler mechanisierter Einheiten mit starker Luftunterstützung. Obwohl China die Sowjetunion seit Ende der sechziger Jahre als gefährlichsten Gegner betrachtete, kam die neue Strategie als Folge der innenpolitischen Auseinandersetzungen und Machtkämpfe vor und nach dem Tod von Mao Tse-tung (1976) erst ein Jahrzehnt später zustande. Der dritte große Strategiewechsel erfolgte dann 1993 und orientierte sich an den Erfahrungen des zweiten Irak-Krieges (1990- 1991). Nach dem Wegfall der sowjetischen Bedrohung sollte nun die Fähigkeit, "lokale Kriege an der Peripherie unter den Bedingungen von Hochtechnologie" führen und gewinnen zu können, bestimmend für die Ausrüstung und Ausbildung der Streitkräfte sein. Diese Strategie gilt im Grundsatz bis heute. Sie wurde zuletzt 2014 ergänzt durch das Ziel der "informationellen Kriegsführung" unter Einsatz der besten verfügbaren Kommunikations- und Steuerungstechnologien.

Das Bemühen, technologische Vorsprünge anderer Mächte (aktuell der Vereinigten Staaten) einzuholen und die jeweils aktuellen internationalen Diskurse über Kriegführung und Strategieentwicklung im Sinne einer Optimierung der eigenen Fähigkeiten inhaltlich zu verarbeiten, kennzeichnet nach Fravels Überzeugung bis heute das militärstrategische Denken Chinas. Die Entwicklung einer eigenen, fortgeschrittenen industriell-technologischen Basis könnte dazu führen, dass die chinesische Führung künftig selbst Trends zu setzen versucht, statt nur "aufzuholen". Zu einem ähnlichen Ergebnis könnten auch grundlegende Veränderungen im internationalen System führen.

Nach wie vor, so Fravel, strebt China nach einem friedlichen, kooperativen Umfeld als zentraler Rahmenbedingung für seine weitere Entwicklung. Sollte China den 2018 begonnenen Handelskonflikt und damit verknüpfte Aktivitäten der Vereinigten Staaten als umfassende, dauerhafte Strategie interpretieren, um seinen wirtschaftlichen, technologischen und politischen Aufstieg nicht nur zu behindern, sondern das Land in seiner Entwicklung zurückzuwerfen, könnte seine Militärstrategie ebenfalls grundsätzlich neu formuliert werden. Gegenwärtig aber würden die ungelösten sicherheitspolitischen Probleme an seinen Grenzen, insbesondere der Grenzstreit mit Indien, die Konflikte über Territorialansprüche im Südchinesischen Meer und die Taiwan-Frage, unverändert die Militärstrategie der VBA bestimmen.

Mit seiner erfreulich nüchternen, faktenbezogenen und auf Originalquellen gestützten Analyse leistet M. Taylor Fravel einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis dieser Strategie in Vergangenheit und Gegenwart. Er hebt sich damit auf erfreuliche Weise ab von alarmistischen Sichtweisen und einem Denken in Worst-case-Szenarien, das längst in die sicherheitspolitische Debatte zurückgekehrt ist.

MICHAEL STAACK.

M. Taylor Fravel: Active Defense. China's Military Strategy since 1949.

Princeton University Press, Princeton 2019. 396 S., 35,- $

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