Winterwarnung - Charyn, Jerome
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Todfeinde hatte Isaac Sidel schon immer, aber diesmal ist alles anders. Jetzt ist er da, wo er nie hinwollte: im Weißen Haus, als Präsident der Vereinigten Staaten. Den Law-and-Order-Mann von der Lower East Side hatte keiner auf der Rechnung, und als Neuling verfängt er sich prompt im Netz der Macht. Er kann keinen Schritt mehr ohne den Secret Service und seinen Adjutanten mit dem Atomkoffer tun. Seine Glock ist nur noch Requisit - und seine Partei würde ihn lieber heute als morgen absägen.
Bald zeigt sich, Isaacs Leben ist in höchster Gefahr. Doch wer betreibt seinen Tod und warum? Die
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Produktbeschreibung
Todfeinde hatte Isaac Sidel schon immer, aber diesmal ist alles anders. Jetzt ist er da, wo er nie hinwollte: im Weißen Haus, als Präsident der Vereinigten Staaten. Den Law-and-Order-Mann von der Lower East Side hatte keiner auf der Rechnung, und als Neuling verfängt er sich prompt im Netz der Macht. Er kann keinen Schritt mehr ohne den Secret Service und seinen Adjutanten mit dem Atomkoffer tun. Seine Glock ist nur noch Requisit - und seine Partei würde ihn lieber heute als morgen absägen.

Bald zeigt sich, Isaacs Leben ist in höchster Gefahr. Doch wer betreibt seinen Tod und warum? Die Washingtoner Elite, Gangstersyndikate, Spätkommunisten, die Finanzwelt? Unaufhaltsam dreht sich die Spirale einer weltumspannenden Verschwörung. Und Präsident Sidel ist die Spielfigur einer aberwitzigen Lotterie um Leben und Tod.
  • Produktdetails
  • Verlag: Diaphanes
  • Erscheinungstermin: 16. Januar 2017
  • Deutsch
  • Abmessung: 21, 5 cm
  • Gewicht: 500g
  • ISBN-13: 9783037346488
  • ISBN-10: 3037346485
  • Artikelnr.: 47235537
Autorenporträt
Charyn, Jerome
Jerome Charyn lebt und arbeitet in New York als Romancier, Comic-Szenarist, Sachbuch-Autor, Tischtennis-Crack und Film- und Genrehistoriker. Sein Werk umfasst weit über 50 Bücher der verschiedensten Art. Mit seiner Figur Isaac Sidel ist er einer der wichtigsten ästhetischen und intellektuellen Innovatoren der Kriminalliteratur und damit auch der Gegenwartsliteratur. Charyn erhielt den Rosenthal Award der American Academy of Arts and Letters und zahlreiche weitere internationale Preise und Ehrungen.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 06.02.2017

Moralisten mit Makeln
Krimis in Kürze: Charyn, Connelly, Mendelson

Was für ein Kontrast! Oder ist es eine merkwürdige Koinzidenz? Wofür man sich auch entscheidet, es macht Jerome Charyns Roman "Winterwarnung" (Diaphanes, 328 S., geb., 24 [Euro]) zum Buch der Stunde. Da ist gerade einer ins Weiße Haus eingezogen, den man sich dort nie hatte vorstellen können. Und dort sitzt einer in Charyns Buch, der Isaac Sidel heißt und ein mindestens so unwahrscheinlicher Bewohner ist wie Donald Trump. Sidel war Polizeichef und Bürgermeister in New York, ins Weiße Haus ist er eher hineingerutscht. Aber er lässt den Apparat rotieren, weil er anders als die anderen ist.

"Winterwarnung" ist der zwölfte und letzte Teil der Sidel-Serie. Mehr als vierzig Jahre hat Charyn mit Isaac verbracht, es war keine leichte Beziehung, von der er in seinem wunderbaren Nachwort erzählt, seit er 1973 Manfred Coen als eine Kombination aus sich selbst und seinem Bruder Harvey, einem New Yorker Cop, erfand und ihn Sidel als Chef unterstellte, der dann bald das Kommando an sich riss und die Serie zu seiner Saga machte.

Als Präsident ist Sidel ein Tarantino-Charakter, was nicht verwundert, da Charyn auch ein (leider nicht übersetztes) Buch über Tarantino geschrieben hat. In "Winterwarnung" wird Washington daher zur wilden Landschaft mit bizarren Gestalten. Das Unwahrscheinliche ist der Normalzustand, die Routinen der Plot-Entwicklung sind suspendiert. Charyn kann sich das leisten, weil er das Genre kennt, weil er dessen Asphaltblüten liebt und weil in seinem Biotop zahlreiche neue gedeihen. Er macht Sidel, den "Golem mit der Glock", zum Ziel einer Verschwörung, hinter der ein begnadeter russischer Fälscher, ein Basler Bankier, ein deutscher Nachtclubbesitzer, ein "Darth Vader der Devisenmärkte" und noch ein paar andere Sinistre stecken. "Winterwarnung" mit seiner funkelnden, bildreichen Prosa ist ein Buch, das mit dem Washingtoner Establishment auf seine Weise Schlitten fährt.

Für Michael Connelly sind die Gesetze des Genres der Goldstandard. Dafür schätzt man ihn, weil Subversion bei vielen Adepten nur der Deckname für Konfusion ist, deswegen liest man ihn seit mehr als zwanzig Jahren. Deshalb ist sein Hieronymus "Harry" Bosch zu einer stabilen Größe in der "Hall of Fame" des Kriminalromans geworden. Er hat einiges mitgemacht mit Vorgesetzten und Verbrechern in den nunmehr zwanzig Büchern, in denen er aufgetaucht ist; auch wir haben mit ihm einiges erduldet und verziehen, dass er, während seiner kurzen Auszeit als privater Ermittler, auf einmal in der ersten Person Singular zu erzählen begann. Die Scheuklappen des Ichs bekamen den Büchern nicht, weil einer wie Bosch mit seinem ausgeprägten Gerechtigkeitsdrang und einem gewissen Hang zur Selbstgerechtigkeit mehr erzählerischen Überblick braucht, um nicht unsympathisch zu werden.

In "Scharfschuss" (Droemer, 464 S., geb., 22,99 [Euro]) gelingt Connelly auch wieder eine komplexe Konstruktion, die zwei Fälle überzeugend verknüpft. Bosch hat eine neue Partnerin, Lucia Soto, sie bearbeiten einen "cold case", den ungeklärten Mord an einem Mariachi-Musiker, bis sich eine Querverbindung ergibt zu einem traumatischen Erlebnis aus Sotos Kindheit. Und weil Boschs moralischer Grundsatz "entweder zählt jeder oder keiner" unerschütterlich ist, arbeiten sie bald zweigleisig. Klar, Bosch nervt, aber er wäre nicht Bosch, wenn er das nicht täte, und so wünscht man sich, er möge nicht demnächst in Pension gehen, obwohl Alter und Arbeitsvertrag das nahelegen.

Colonel Vaughn de Vries könnte so etwas wie Boschs südafrikanischer Stiefbruder werden. Ein Moralist mit Makeln, zu deren schwersten zählt, dass er schon Polizist zu Zeiten des Apartheid-Regimes war, ohne dadurch vollends kompromittiert zu sein. Auch der Brite Paul Mendelson hat einen extrem sturen, schon leicht verbitterten Cop erfunden, der von Dienstweg und diplomatischem Verhalten nicht viel hält und dem seine schwarzen Vorgesetzten nicht trauen.

Die Schatten der Vergangenheit fallen noch immer in seinen Alltag, in einem Land, das sich mühsam nach den Jahren der Apartheid als Nation konstituieren und als Gesellschaft finden muss. "Die Straße ins Dunkel" (Rowohlt, 400 S., br., 16,99 [Euro]) ist daher ein passender deutscher Titel, denn der Weg nach der Ermordung einer reichen Erbin, deren Vater eine Säule des alten Regimes war, führt de Vries auf vermintes Terrain. Der Fall zieht Kreise bis nach Pretoria. Zugleich ist da die Angst, ein Rächer könne auch de Vries beseitigen, da mehrere andere Beteiligte an einem lange zurückliegenden Einsatz tot aufgefunden werden.

Paul Mendelson erzählt klar und hart und mit gutem Gespür für Situationen und Schauplätze, für die politischen Verwicklungen und moralischen Verstrickungen. Es ist ein kompakter, politisch aufgeladener Roman, der mal wieder demonstriert, dass man ein Genre manchmal "nur" konsequent und präzise ausfüllen muss, um etwas über die zentralen Widersprüche und Friktionen einer Gesellschaft zu erfahren.

PETER KÖRTE

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 26.01.2017

Der letzte Tango in Washington
So zwangsläufig wie versehentlich wird Polizeikommissar Isaac Sidel zum US-Präsidenten.
Jerome Charyn gelingt mit „Winterwarnung“ ein subversives Gegenstück zu aktuellen Ereignissen
VON FRITZ GÖTTLER
Tango One an Rio. Klar Schiff, Citizen im Anflug… Die Meldung ist verschlüsselt, aber eindeutig: Tango One ist die Kommandozentrale im Weißen Haus, der Citizen ist der neue amerikanische Präsident, der in zwanzig Minuten einen Hubschrauber braucht, und Rio ist Colonel Stefan Olivier, der Kommandeur des Hubschrauber-Korps in Quantico und Chefpilot des Präsidenten. Er ist nicht sehr erfreut, denn nach Quantico kommen Präsidenten gewöhnlich nicht, und außerdem steckt er gerade mitten in einem Tischtennismatch mit dem Champion der Base, einem Sergeant von den Philippinen: „Ich stehe hier in Unterhosen und spiele gerade das Spiel meines Lebens…“
Aber dann ist der Präsident auch schon da, Isaac Sidel, ein Nolens-volens-Präsident, ins Amt gekommen, weil sein Vorgänger zurücktreten musste, von Establishment, Bürokratie und den eigenen Mitarbeitern verachtet und schikaniert, Opfer des immer noch virulenten Antisemitismus der amerikanischen Ostküstengesellschaft. Isaac fühlt sich nicht wohl im Weißen Haus, deshalb will er nun kurz entschlossen nach Camp David fliegen, dem Sommersitz der Präsidenten. „Sidel kam in blauem Sweatshirt und kurzen Hosen – den traditionellen Nylon-Shorts der Marines – in den Gemeinschaftsraum spaziert. Er musste sich einen Schläger borgen. ,Ein paar Bälle, Stef. Ich kann besser denken, wenn ich das Klacken höre.‘“
„Winterwarnung“ ist der zwölfte Roman in Jerome Charyns Isaac-Sidel-Saga, und er liest sich wie ein lebenslustiges, komisches, subversives Gegenstück zu dem, was sich derzeit in Amerika und im Weißen Haus tut. Über vierzig Jahre hat die Geschichte um Isaac ihn beschäftigt, „im Wach- wie im Schlafzustand“, und irgendwann könnte man, wenn man in dieser Zeit dessen Entwicklung mitverfolgte, vom Polizeikommissar zum New Yorker Bürgermeister und darüber hinaus, wohl ahnen, dass er so zwangsläufig wie versehentlich im Weißen Haus enden würde – immer noch mit seiner Dienstmarke und mit seiner Glock in der Hosentasche, die ihm manchmal herausrutscht und über den Boden schlittert.
In seinem Nachwort berichtet Jerome Charyn von der Geburt der Figur und der Saga aus seinem eigenen Familienroman heraus. Im ersten Roman „Blue Eyes“ von 1975 war Isaac nur eine Nebenfigur, das Buch erzählte von seinem Adjutanten Manfred Coen, Blue Eyes genannt, seinen Kämpfen gegen die Gangs der Bronx und mit dem zerstörerischen und selbstzerstörerischen Mädchen „Marilyn the Wild“, der der zweite Roman gewidmet wurde und die Isaacs Tochter war. Natürlich war auch Blue Eyes ein starker Tischtennisspieler, er war von Charyns Bruder Harvey inspiriert: „Wir beide wuchsen im Hexenkessel der South Bronx auf. Harve war meine Überlebensgarantie.“
Als der Schauspieler Richard Harris dann begeistert von Jerome Charyn verlangte, er solle ihm eine irische Version von Blue Eyes auf den Leib schreiben, entstand „The Education of Patrick Silver“ – ohne allerdings verfilmt zu werden. 1976 kam dann „Secret Sidel“, der erste wirklich Isaac gewidmete Roman. Und das Pingpong-Stakkato von Jerome Charyns Erzählstil hat sich darauf von Roman zu Roman noch einmal kräftig gesteigert.
Sidel legt sich im neuen Roman nur noch mit den ganz großen, gefährlichen globalen Gemeinschaften an – in den sibirischen Lagern entstandenen Geheimbünden, den Söhnen Russlands mit ihren dämonischen Greifen-Tattoos, oder den skrupellosen Wirtschafts- und Finanzkonglomeraten. Eine Lotterie wurde eingerichtet, in der man auf seinen Tod wetten kann. Killer kommen sogar unerkannt ins Weiße Haus, und auch auf Camp David wird ein Überfall durchexerziert.
Der Roman ist den Achtzigern und Neunzigern näher als unserer Zeit, die Solidarität der Nachkriegszeit spukt restweise noch durch das Land und die alten Formen, in der selbst kriminelle Organisationen familiäre Strukturen hatten, und manchmal greifen auch die alten Deutungsmuster noch: „Wir halten nach Zeichen Ausschau“, erklärt ein alter Geheimdienstler, „oder besser, nach Vektoren, Millionen Vektoren, die das Dunkel durchziehen, im leeren Raum verschwinden, ihr Ziel niemals berühren. Wenn jedoch diese Vektoren miteinander kollidieren, dann haben wir den sogenannten Smash Point.“ Was auch eine gute Beschreibung ist für die Romantheorie und -dramaturgie von Jerome Charyn.
Isaac Sidel, der Werwolf im Weißen Haus, fühlt sich den anderen Outsider-Präsidenten sehr nahe, Franklin Roosevelt mit seiner Kinderlähmung, der in Camp David sein Shangri-La sah, die mythische Traumregion, in der er Zuflucht fand vor Krieg und Krisen. Und Abraham Lincoln natürlich, der nie heimisch wurde in Washington, „isoliert, mutterseelenallein, in einer Stadt, die immer noch mit ihrer Südstaateneleganz kokettierte“.
Diese Eleganz wird bei Jerome Charyn gern mit den Farben eines alten Schtetls getarnt. „Winterwarnung“ ist ein politischer Roman, der als Märchen daherkommt, eine jüdische Gegenvision von der Geschichte und Zukunft Amerikas, in der dessen Herkunft aus und Beziehungen zu Europa ganz offensichtlich sind.
Eine frühe Reise bringt Isaac an den Geburtsort Kafkas, den „schwindsüchtigen Werwolf, der über wundersame Verwandlungen und Hungerkünstler schrieb. Isaac war aufs Äußerste verblüfft zu erfahren, dass Kafka über eins achtzig groß gewesen war. Er hatte ihn sich immer als winzig kleinen Mann mit Melone vorgestellt, der in ein Schnellrestaurant am East Broadway hätte eintreten und eine Schale Graupensuppe bestellen können.“
Jerome Charyn: Winterwarnung. Roman. Aus dem Englischen von Sabine Schulz. Diaphanes Verlag, Zürich und Berlin 2016. 328 Seiten. Die zwölf Romane der Sidel-Saga sind in einer kompletten Edition verfügbar.
Schon Lincoln war isoliert in
der Stadt, die mit ihrer
Südstaateneleganz kokettierte
Franklin Roosevelt nannte den Rückzugsort Shangri-La, seit Eisenhower heißt er Camp David. Auch Isaac Sidel verschlägt es hierher.
Foto: Bettmann/Getty Images
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"Realisten gibt es wie Sand am Meer. Schlafwandler wie Charyn, die mit offenen Augen durch die Stadt ihrer Kindheit und die Gegenwart gehen, deren Phantasie sich an dieser Mischung entzündet, findet man nur sehr selten." Peter Körte, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung