Verschwörung / Millennium Bd.4 (1 MP3-CDs) - Lagercrantz, David
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Salander und Blomkvist sind zurück. Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist haben Millionen Leser begeistert. Weltweit erstürmte die Millennium-Trilogie die Bestsellerlisten und sprengte mit mehr als 80 Millionen verkauften Exemplaren alle Dimensionen. Ein Welterfolg, der seinesgleichen sucht. Nun geht die Geschichte weiter. Grandios gelesen von Dietmar Bär, DER Stimme der Millennium-Trilogie. (2 mp3-CDs, Laufzeit: 10h 21)…mehr

Produktbeschreibung
Salander und Blomkvist sind zurück. Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist haben Millionen Leser begeistert. Weltweit erstürmte die Millennium-Trilogie die Bestsellerlisten und sprengte mit mehr als 80 Millionen verkauften Exemplaren alle Dimensionen. Ein Welterfolg, der seinesgleichen sucht. Nun geht die Geschichte weiter. Grandios gelesen von Dietmar Bär, DER Stimme der Millennium-Trilogie. (2 mp3-CDs, Laufzeit: 10h 21)
  • Produktdetails
  • Verlag: Edel
  • Anzahl: 2 MP3 Audio CDs
  • Gesamtlaufzeit: 550 Min.
  • Erscheinungstermin: 20. Juli 2015
  • ISBN-13: 9783837131352
  • Artikelnr.: 42165199
Autorenporträt
David Lagercrantz, Jahrgang 1962, arbeitete mehrere Jahre als Korrespondent für den Expressen und ist seit 1992 freier Schriftsteller und Fernsehjournalist.
Trackliste
MP3CD 1
1Verschwörung
MP3CD 2
1Verschwörung
Rezensionen
Besprechung von 04.09.2015
Verkäufliche Verschwörung

War das wirklich im Sinn des Autors? David Lagercrantz hat die "Millennium"-Trilogie von Stieg Larsson fortgesetzt. Die Kundschaft ist erfreut.

Der Drang nach Fortsetzung macht in unserer modernen Welt nur noch vor Krankheit und Tod halt. Wenn es gut war, will man mehr und noch viel mehr, und wenn es nicht gut war, auch. Jetzt hat es Stieg Larsson erwischt, dessen "Millennium"-Trilogie zu den erfreulicheren Erscheinungen in der Welt des politischen Thrillers zählt. Was sich in einer Auflage von achtzig Millionen Exemplaren weltweit niederschlug, davon mehr als ein Zehntel in Deutschland. Wie groß der Erfolg war, lässt sich auch daran ablesen, dass gleich zwei Verfilmungen entstanden, eine schwedische und eine amerikanische. Wer die überzeugendere Darstellerin der Hackerin Lisbeth Salander ist - Noomi Rapace oder Rooney Mara -, diese Frage stellt sich nicht.

Wo ein solcher Erfolg ist, lauert die Fortsetzung auch. Larsson schied wegen seines frühen Todes im Jahr 2004 als Autor aus - den Erfolg seiner Romane, die von 2005 an erschienen, hat er nicht mehr erlebt. Aber er hatte Pläne, projektierte zehn Bände. Daraus leiten die Rechteinhaber, Larssons Vater und Bruder, wohl die Legitimation ab, eine Fortsetzung zu konzessionieren. Sie fanden und beauftragten den schwedischen Schriftsteller David Lagercrantz, der mit der Fußballer-Biographie "Ich bin Zlatan Ibrahimovic" (2011) auf sich aufmerksam gemacht hatte.

"Verblendung", "Verdammnis", "Vergebung" - die deutschen Titel der Trilogie vermieden die umständlicheren Originaltitel, gaben dem Schlagwort den Vorzug, so auch bei der nun vorliegenden "Verschwörung", die im Original "Det som inte dödar oss" (Was uns nicht umbringt) heißt. Zäh hielt sich das Gerücht, Larssons langjährige Lebensgefährtin Eva Gabrielsson besitze noch einen vierten Band. Da sie das nie bestätigte, kam es zu einem unappetitlichen Erbstreit mit der Familie Larssons, in dem sie schlechte Karten hatte, weil sie ohne Trauschein mit Larsson zusammengelebt hatte.

Wie sehr sich deutsche Leser nach Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander sehnten, zeigte sich nun binnen einer Verkaufswoche. Am Donnerstag erklomm der Roman aus dem Stand den Spitzenplatz der "Spiegel"-Bestsellerliste, die blödsinnigerweise als Verfasser "Lagercrantz & Larsson" ausweist, obwohl auf dem Schutzumschlag "nach Stieg Larsson" steht.

Die Ausgangslage des Romans ist stürmisch bis depressiv: Blomkvist ist in einer Schaffenskrise, man hetzt gegen ihn als verbrauchten Investigativ-Opa, sein auf Reportage spezialisiertes Magazin "Millennium" (das der Trilogie den Titel gab) läuft auch nicht mehr so recht, eine große Verlagsgruppe hat sich eingekauft und versucht das Übliche - mit gefälliger Flachware Richtung Massenmarkt. Anderswo läuft es entschieden besser. Blomkvists ehemalige Mitstreiterin Lisbeth, die als Hackerin den Kampfnamen "Wasp" führt, hat gerade das Unmögliche vollbracht und sich in das Innerste der NSA vorgearbeitet. Was die amerikanischen Abhör- und Mitlesekönige mit einer Kriegserklärung nebst Todesandrohung quittieren.

Das ungleiche Tandem wird wie seinerzeit zusammengekoppelt, indem Lagercrantz es ein gemeinsames Interesse an einem Fall entwickeln lässt. Frans Balder, ein weltweit anerkannter Guru der künstlichen Intelligenz, wird kurz nach seiner Rückkehr aus den Staaten, wo er für einen Internetgiganten machte, was er wollte, ermordet. Er hinterlässt einen Sohn, der selbstredend kein normaler Autist ist - was täte die zeitgenössische Spannungsliteratur ohne Autisten! -, sondern ein Savant. Will sagen, er spricht nicht, verfügt aber über eine sogenannte Inselbegabung, ja eigentlich gleich über zwei. Er kann komplizierte mathematische Berechnungen durchdringen, und er kann Szenen besser als nur fotografisch genau zeichnen. Weswegen er auf der Abschussliste des Killers steht, denn August war Augenzeuge der Ermordung seines Vaters.

Literarisch ist das Handwerk im mittleren Bereich, mit sechshundert Seiten durchaus im gewohnten Umfang. Auch schaukelt sich die Geschichte erst recht langsam in Richtung Spannung und ist insgesamt nicht auf Cliffhanger getrimmt. Stattdessen immer wieder Kurzreferate über Software, vollkommene Zahlen, psychische Störungen, Sicherheitstechnik, den Zustand der Verlagsindustrie. Das bewährte Ermittlerteam um Kommissar Bublanski ist wieder dabei, Stunts fehlen ebenso wenig wie Akte sexueller Gewalt. Und natürlich wird nicht eine mögliche Fortsetzung der Fortsetzung aufs Spiel gesetzt. So füllt das fertige Buch mit Routine jene kommerzielle Leerstelle, die es bei der Ankündigung, es werde geschrieben, künstlich erzeugt hatte.

Und genau das will so gar nicht zum Klassenkämpfer Larsson passen. Denn "Verschwörung" unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von den drei Vorgängern: Der Roman ist viel weniger politisch grundiert. Larsson war nicht nur ein anerkannter Experte für Rechtsradikalismus, er war nach seinem Selbstverständnis ein bekennender Kommunist. Und zwar einer, der sein gesellschaftliches Anliegen zunächst als Journalist publizierte und es später in Romane packte. Ob es geschmackvoll oder gestattet ist, eine Fortsetzung zu schreiben, diese Fragen hat die Buchindustrie längst beantwortet - nicht nur Agatha Christie, Ian Fleming und Mario Puzo wurden fortgeschrieben. Das ging indes in keinem Fall ohne den Aufschrei der Fans über die Bühne, der Autor habe das nie gewollt.

So auch diesmal. Denn falsch ist das Argument nicht, das der dänische Auflagenmillionär Jussi Adler-Olsen vorbrachte: Lagercrantz nutze einen Mann aus, der Ausnutzung hasste. Er rief deshalb zu einem Boykott des Romans auf. Die Leser, darunter mit Sicherheit viele seiner eigenen, sind ihm nicht gefolgt.

HANNES HINTERMEIER

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 08.09.2015
Gefangene Seelen
David Lagercrantz hat eine Fortsetzung zu Stieg Larssons erfolgreicher „Millennium“-Trilogie geschrieben.
Kein Sakrileg, aber natürlich haben sich die Interessen in die Zukunft hinein entwickelt– das heißt, die NSA ist auch dabei
VON FRITZ GÖTTLER
Eine schöne Hilfestellung für die Akteure dieses Buchs liefert Oliver Sacks, der kürzlich verstorbene Neuropsychologe und Erzähler. Seinem Bestseller „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“ entnehmen sie – auch die legendäre Lisbeth Salander – brauchbare Hinweise darüber, was sie von dem kleinen August halten und wie sie mit ihm umgehen sollen. August ist ein autistisches Kind, das nicht spricht und daher andere Wege der Kommunikation nutzt, Primzahlen zum Beispiel oder das Malen.
  Was man vom neuen Band der erfolgreichen „Millennium“-Serie halten soll, darüber wird nun schon zwei Jahre diskutiert. Im September 2013 hatte der Autor David Lagercrantz zugesagt, eine Fortsetzung zu liefern zur Geschichte um den Investigations-Starreporter Mikael Blomkvist vom unabhängigen Journal Millennium und die punkig radikale Hackerin Lisbeth Salander.
  Die beiden sind ein Heldenpaar, dessen Aktualität gesteigert ist durch die politischen und ökonomischen Krisen der letzten zehn Jahre und den Widerstand gegen sie, bis hin zu Whistleblowing und Occupy. Folgerichtig legt Lisbeth sich nun mit der omnipotenten NSA an. Der engagierte Journalist Stieg Larsson hatte sich Anfang des dritten  Jahrtausends in drei schwarzen Krimiromanen seinen Ekel und seine Wut über die schwedische Gesellschaft von der Seele geschrieben, eine Gesellschaft, die von latentem Faschismus, Gewalt, männlicher Perversion, Korruption und organisiertem Verbrechen geprägt ist.
  Larsson starb im November 2004 an einem Herzinfarkt, gerade mal fünfzig Jahre alt. Er konnte den Hype um sein Werk, das ab 2005 erschien, nicht mehr erleben. Mit dieser Fortsetzung von fremder Hand, so die Vorwürfe, wird er ein weiteres Mal um seine Verdienste gebracht, eine postume Ausbeutung, genehmigt von seinem Vater und Bruder, die sein Erbe verwalten. Das Buch zeigt nun aber doch Respekt und Diskretion dem Vorbild gegenüber, und den gleichen Willen zur Kolportage.
  David Lagercrantz, der Autor von „Verschwörung“ (Aus dem Schwedischen von Ursel Allenstein, Heyne Verlag, München 2015. 605 Seiten, 22,99 Euro, E-Book 18,99 Euro), kommt aus einer ganz anderen Ecke der Gesellschaft als Stieg Larsson – einer intellektuellen Familie, einer der bekanntesten in Schweden. Sein Vater Olof war viele Jahre Chefredakteur der Zeitung Dagens Nyheter, hat Bücher über Dante, Proust, Strindberg geschrieben. Seine Verachtung galt jeder Form von Mittelmäßigkeit und Kommerz. „Wir galten als Rotweinsozialisten“, erinnert sich David, dem seine Herkunft immer unangenehm war und der sich als Kriminalreporter bei einem Boulevardblatt verdingt hat, um sich freizuschreiben. Später hat er dann die „Autobiografie“ des in einem Arbeiterviertel aufgewachsenen Fußballstars Zlatan Ibrahimovic erzählt. Das „Millennium“-Buch hat David Lagercrantz als ein literarisches Spiel mit Formen angenommen, er ist ein bricoleur, ein erzählerischer Strukturalist, insofern der modernere Autor als Larsson, der seine Bücher emotional herausrotzte, mit linkem Furor und gesundem Kommerzinstinkt: „Sex sells.“
  Man vermisst im neuen Band in der Tat das Rohe, Wilde, quälend Obsessive aus den Larsson-Büchern. Die hässlichen Schweden sind nicht mehr ganz so hässlich. Auch sind Lagercrantz’ Interessen sehr global, seine Zentralfigur ist Augusts Vater, Frans Balder, ein Wissenschaftler, der auf der Suche nach der übermenschlichen künstlichen Intelligenz ist, einer Super-, also Computer-KI. Von amerikanischen Firmen ausgetrickst, kehrt er nach Stockholm zurück, mit wertvollem Geheimwissen. Mikael muss zunächst passen bei diesem Thema, er ist in dieser Nerdwelt nicht heimisch, auch im Darknet nicht, das Lisbeth ungeniert und provokant erforscht. Den Monstern gegenüber, die dort lauern, wirken die Verbrechen, gegen die Stieg Larsson anschrieb, fast überkommen. Zudem ist die Zeitungskrise spürbar, Millennium droht gerade seine Unabhängigkeit zu verlieren, im Internet wird Mikael, weil er dort nicht präsent ist, mit Hohn überschüttet, als Versager, der keinen Scoop mehr hinkriegt.
  Die neue Lisbeth ist stark entdämonisiert, sie ist, wie Lagercrantz nachdrücklich darlegt, inspiriert vom Marvel-Fantasy-Universum. Sie hackt nicht mehr aus persönlicher Rache, sondern aus politischen Motiven. Und, um den kleinen August zu retten. Als Frans Balder eines Nachts ermordet wird, muss Lisbeth sich um den Jungen kümmern, der den Mörder gesehen hat und bald unnachsichtig gesucht und gejagt wird. Die Punker-Einzelkämpferin Lisbeth Salander wird Actionmutter. Und ihr großer Gegenspieler, die NSA – von einem der dort Tätigen selbstironisch als der „größte Spucknapf der Welt“ bezeichnet – ist am Ende gar nicht per se pervers und böse, sondern nur, weil dort ein paar korrupte Typen sitzen.
  Am meisten interessiert den Intellektuellen Lagercrantz allerdings die künstliche Intelligenz – und was sie für die Zukunft des Menschen bedeuten mag. Der Wissenschaftler Balder hat in seinem Schlafzimmer ein schwarzweißes Karomuster anlegen lassen, und „es gab Tage, an denen ihm die Verdoppelung der Felder im Spiegel wie ein wimmelndes Rätsel vorkam, als würde sich etwas Lebendiges aus dem Schematischen, Regelmäßigen herausbilden, so wie Gedanken und Träume aus den Neuronen des Gehirns erwuchsen oder Computerprogramme aus den Binärcodes.“ Der kleine August malt Szenen nach, die er sah, mit einer Akkuratesse, die ins Mystische hineinspielt. Er hat den Mörder seines Vaters gesehen, einen eiskalten Kämpfer, Veteranen, Killer. Er hat ihn gezeichnet – und so mit einem Bann belegt: „My soul was captured in a drawing.“  
Das Rohe, Wilde, quälend
Obsessive der Larsson-Bücher
gibt es hier nicht mehr
Systemkritische Heldin: Rooney Mara als Lisbeth Salander in „Verblendung“, der US-Verfilmung des ersten Bandes von Stig Larssons „Millenium“-Trilogie.
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"Dietmar Bär, als Tatortkommissar vertraut mit dem Grauen, verwandelt die Dialoge der Guten und Bösen gekonnt in wiedererkennbare Figuren." NDRKultur
"Besser als bei Lagercrantz waren Larssons Charaktere nie."