Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
Zur Bildergalerie

Statt EUR 16,99**
EUR 5,99
Portofrei*
Alle Preise inkl. MwSt.
**Früherer Preis
Sofort lieferbar
3 °P sammeln

  • DVD

8 Kundenbewertungen

Aberwitzige Gangstergeschichte und eigenwilliger Jahrhundertrückblick um einen dickköpfigen Oldie auf Abwegen.
32 Wochen auf Platz 1 der Spiegelbestsellerliste - Jonas Jonassons kultiges Erstlingswerk "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" schrie sozusagen nach einer Verfilmung. Und was Felix Herngren daraus gemacht hat, ist zum Schreien komisch und passt zum Trend, Alte nicht in die Tattergreis-Ecke zu stecken, sondern aufmüpfig durchs Rest-Leben ziehen zu lassen. Allan Karlsson ist einer dieser "Senioren", die sich nicht im Altenheim betütteln lassen wollen. Er…mehr

Produktbeschreibung
Aberwitzige Gangstergeschichte und eigenwilliger Jahrhundertrückblick um einen dickköpfigen Oldie auf Abwegen.

32 Wochen auf Platz 1 der Spiegelbestsellerliste - Jonas Jonassons kultiges Erstlingswerk "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" schrie sozusagen nach einer Verfilmung. Und was Felix Herngren daraus gemacht hat, ist zum Schreien komisch und passt zum Trend, Alte nicht in die Tattergreis-Ecke zu stecken, sondern aufmüpfig durchs Rest-Leben ziehen zu lassen. Allan Karlsson ist einer dieser "Senioren", die sich nicht im Altenheim betütteln lassen wollen. Er läuft zwar nicht Marathon wie der "Jungspund" Dieter Hallervorden in "Sein letztes Rennen", aber seinen 100. Geburtstag mag er nicht mit Luftballons, Liedern und Kuchen feiern, er macht sich klammheimlich auf die Filzpantoffeln, raus aus dem Fenster, rein in ein neues Abenteuer. Als er sich am Bahnhof ein Ticket für das nächste Kaff kauft, brüllt ihn ein Typ an, er soll auf seinen Koffer aufpassen, bevor er aufs Örtchen verschwindet. Da der Bus kommt, steigt Allan ein, mitsamt Koffer. Dass darin 50 Mio. Kronen stecken, merkt er erst später, als er mit einem neuen Kumpel Elchgulasch im früheren Bahnhofshäuschen verdrückt. Natürlich verlangen der Ganove und seine unfreundlichen Kumpanen den Koffer wieder zurück. Das führt über mehrere Leichen bis ins sonnige Bali, wo es sich Allan gut gehen lässt und auch noch zum Matchmaker wird. Mit 100 ist noch lange nicht Schluss.

Schwedens Komiker-Ass Robert Gustafsson mimt den schlitzohrigen Oldie mit hinterhältiger Chuzpe und lässt in seinen Anekdoten aus sehr eigenwilliger Perspektive das politische Geschehen des 20. Jahrhunderts Revue passieren - sein Wodka-Besäufnis mit Stalin, den Stress mit Albert Einsteins Halbbruder, seine Begegnung mit Franco, Kontaktpflege zu wichtigen Geheimdiensten. Natürlich mischte er auch kräftig mit beim Bau der Atombombe und dem Fall der Berliner Mauer. Skurriler Humor inklusive kleiner Morde unter Mafiagesellen, eine große Unverzagtheit und Lust an der Subversion prägen diese Geschichte über einen Querdenker, der sich ganz cool nach dem Motto seiner Mutter "Es ist, wie es ist, und wie's kommt, so kommt's" durchs Leben laviert. Regisseur Felix Herngren enttäuscht die hohen Erwartungen nicht, setzt auf herrliche Situationskomik und eine bunte Schauspielerriege - und nicht zu vergessen Elefantendame Sonja, die schon mal eingreift, wenn's nötig ist und wie die anderen ihren Lebensabend unter Palmen genießt. mk.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag

Bonusmaterial

Making of, Interview, Trailer, Wendecover
  • Produktdetails
  • EAN: 4010324200938
  • Best.Nr.: 40522795
  • Artikeltyp: Film
  • Anzahl: 1
  • Datenträger: DVD
  • Erscheinungstermin: 07.08.2014
  • Hersteller: EuroVideo
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren gemäß §14 JuSchG
  • Sprachen: Deutsch, Schwedisch
  • Untertitel: Deutsch
  • Regionalcode: 00
  • Bildformat: 1:2, 40/16:9
  • Tonformat: Dolby Digital 5.1/dts
  • Gesamtlaufzeit: 111 Min.
Autorenporträt
Jonas Jonasson, geb. 1962 im schwedischen Växsjö, arbeitete nach seinem Studium in Göteborg als Journalist unter anderem für die Zeitungen Smålandsposten und Expressen. Später gründete er eine eigene Medien-Consulting-Firma. Doch nach 20 Jahren in der Medienwelt verkaufte er alles und zog in den schweizer Kanton Tessin, wo er sich seither mit Blick auf den Luganersee dem Schreiben widmet.
Rezensionen
Nach Jonas Jonassons schon kultigem Bestseller, der allein in Deutschland über zwei Mio. Mal verkauft wurde, inszeniert der Schwede Felix Herngren mit Komiker-Ass Robert Gustafsson in der Hauptrolle ein aberwitziges Roadmovie mit skurrilen Figuren, das nicht nur in der Gegenwart spielt, sondern auch das politische Geschehen des 20. Jahrhunderts im Rückblick aus einer sehr eigenwilligen Perspektive erzählt und völlig neu interpretiert. Humor vom Feinsten, und in Schweden der absolute Rekordbrecher an der Kinokasse.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag
Besprechung von 21.03.2014
Der ahnungslose Anarch
Sprengen und saufen: "Der Hundertjährige" im Kino

Kein Buch, das in 35 Sprachen übersetzt und allein in Deutschland mehr als zwei Millionen Mal verkauft wurde, ist auf Dauer vor seiner Verfilmung sicher. Literarisch betrachtet, ist der Erfolg von Jonas Jonassons Weltbestseller ein gigantisches Rätsel. Im Kino hingegen lässt "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" nicht die kleinste Frage offen: eine filmgewordene Altherrenstrickjacke mit viel Platz für die ganze Familie. Nach spätestens einer Stunde sind dem Zuschauer Filzpantoffel gewachsen, mit denen er wie der Held Allan Karlsson aus dem Fenster steigen möchte, um zu verschwinden. Aber so einfach ist die Sache nicht: Kinosäle haben keine Fenster. Erst nach 114 Minuten ist endlich alles vorbei.

Was in diesem Zeitraum geschieht? Sehr viel, fast das gesamte zwanzigste Jahrhundert zieht vorüber. Karlsson flüchtet an seinem hundertsten Geburtstag aus dem Altersheim und tut, was er sein Leben lang getan hat: Er lässt sich treiben und hofft auf eine günstige Gelegenheit, den beiden einzigen Leidenschaften zu frönen, die er kennt, Dynamit und Schnaps. Beides hat mehr miteinander zu tun, als es zunächst den Anschein hat.

Denn obwohl im Buch wie im Film schal gewordene Lebensweisheiten zuhauf und meistens lauwarm serviert werden, folgt Karlsson im Grunde nur dieser einen Maxime: Was man nicht trinken kann, sollte man am besten gleich in die Luft sprengen. Von Kindheit an ist er vom Dynamit besessen, mit geringfügiger Verzögerung kommt die Lust am Schnaps hinzu: zum Sprengen geboren, zum Saufen bestellt.

Also sprengt er erst einmal den dicken Kolonialwarenhändler in die Luft. Das ist noch ein Versehen, wird aber hart bestraft: Einweisung in die Psychiatrie sowie Zwangssterilisation. Dann sprengt er Brücken im Spanischen Bürgerkrieg und rettet zufällig Franco das Leben, was ihm später Stalin so übel nehmen wird, dass er Karlsson ins Arbeitslager nach Wladiwostok verbannt, wo der Held die Gelegenheit nutzt, die ganze Stadt in die Luft zu jagen - und mit ihr die russische Pazifikflotte, die hier vor Anker liegt.

All dies und noch viel mehr wird in Rückblenden von Karlsson selbst erzählt, während der Alte auf der Gegenwartsebene mit ein paar Zufallsbekanntschaften samt einer Elefantendame auf der Flucht ist vor einigen Mitgliedern der schwedischen Räuber-Hotzenplotz-Mafia, denen er ebenso absichtslos-beiläufig einen Koffer mit fünfzig Millionen Kronen gestohlen hat, wie er Robert Oppenheimer in Los Alamos zum entscheidenden Schritt bei der Entwicklung der Atombombe verhalf.

Karlsson ist ein prototypischer Held des zwanzigsten Jahrhunderts: Mitläufer und Doppelagent, absolut unbeteiligt und in alles verwickelt, harmlos und tödlich, auf banale Weise genial und auf banale Weise böse. Ein einfältiger Mann ohne Eigenschaften und Interessen, der seine Bomben zündet, wie er seine zahllosen Schnäpse herunterkippt: als wäre das alles nichts. Eigentlich ist dieser Hundertjährige also eine durch und durch unheimliche Figur. Kein reiner Tor, sondern ein Anarch aus Ahnungslosigkeit, der Dominostein, der nicht zum Spiel gehört, aber absichtslos dessen Ausgang entscheidet.

Vom Potential her könnte er größer sein als Woody Allens "Zelig" (1983) und Robert Zemeckis "Forrest Gump" (1994). Aber das wollten weder der Autor Jonas Jonasson noch der Regisseur Felix Herngren. Sie haben diesem Hundertjährigen alles Unheimliche ausgetrieben, weil sie ihn lieber gemütlich wollten: ein schwedischer Michel als Zaungast der Weltgeschichte, in der einen Hand eine Stange Dynamit, in der anderen eine Flasche Schnaps. Unverwüstlich. Darin liegt sein Erfolg.

HUBERT SPIEGEL

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr