Schöne Aussichten (Mängelexemplar) - Wegener, Manfred
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Der "Kampf" gegen "Verbrecher" und gesellschaftliche Randgruppen war ein wichtiges Politikfeld des NS-Regimes. Das Buch zeigt am Beispiel Kölns, welche Bedeutung "Verbrechensbekämpfung" und soziale Ausgrenzung für die Herausbildung der nationalsozialistischen "Volksgemeinschaft" hatten und welche Rolle Kriminalpolizei und Strafjustiz in der NS-Diktatur spielten. Es untersucht das Verhältnis der Bevölkerung zur NS-Kriminalpolitik, beleuchtet die Perspektive der Betroffenen und wirft einen genaueren Blick auf die verschiedenen Formen von Kriminalität im "Dritten Reich".…mehr

Produktbeschreibung
Der "Kampf" gegen "Verbrecher" und gesellschaftliche Randgruppen war ein wichtiges Politikfeld des NS-Regimes. Das Buch zeigt am Beispiel Kölns, welche Bedeutung "Verbrechensbekämpfung" und soziale Ausgrenzung für die Herausbildung der nationalsozialistischen "Volksgemeinschaft" hatten und welche Rolle Kriminalpolizei und Strafjustiz in der NS-Diktatur spielten. Es untersucht das Verhältnis der Bevölkerung zur NS-Kriminalpolitik, beleuchtet die Perspektive der Betroffenen und wirft einen genaueren Blick auf die verschiedenen Formen von Kriminalität im "Dritten Reich".
  • Produktdetails
  • Verlag: Emons Verlag
  • Seitenzahl: 167
  • Erscheinungstermin: 25. September 2008
  • Deutsch
  • Abmessung: 250mm
  • Gewicht: 885g
  • ISBN-13: 9783897055971
  • ISBN-10: 389705597X
  • Artikelnr.: 50785246
Autorenporträt
Manfred Wegener, 1951 in Arnsberg geboren, lebt und arbeitet in Köln und ist seit 1983 Fotograf bei der StadtRevue. 2006 zeigte das Kölner Sportmuseum in einer großen Ausstellung seine Fotografien deutscher Fußball-Arenen die er für sport.ARD.de fotografiert hatte.
Rezensionen
Der Rhein ist eine Pfütze

"Schöne Aussichten": Manfred Wegener stellt mit seinen Fotografien das Köln der Klischees lakonisch in Frage / Von Andreas Rossmann

Das hat es wahrscheinlich noch nie gegeben: einen Fotoband über Köln, in dem der Dom keinen Auftritt hat. Das Wahrzeichen der Stadt, das so majestätisch ihr Bild bestimmt, wird einfach übergangen, und auch der Karneval und der Rhein, die weitere Markenzeichen sind, lassen sich nur kurz blicken. Das kommt nicht von ungefähr und gibt einem Titel, der mit der Betonung ironisch die Bedeutung wechselt, einen geradezu bedrohlichen Unterton: Das sind ja, so heißt das Buch von Manfred Wegener, "Schöne Aussichten".

Aber ist Köln dann überhaupt noch Köln, wenn das Bild, mit dem die Stadt identifiziert wird, gar nicht vorkommt? Wenn statt des Doms nur die Domtreppe, und zwar die alte, aufsteigt, auf der die Menschen mit Sandalen an den Füßen nur bis zur Hüfte zu sehen sind? Wenn vom Rhein nur eine trübe Pfütze übrig bleibt, in der zwei Badelatschen trudeln und ein dicklicher Junge planscht? Oder sein Ufer auf ein lauschiges Plätzchen schrumpft, an dem - "dat is de Kölsche Riviera" - ein Schmerbauch, womöglich der Vater des Kindes, einen bunten Sonnenschirm aufspannt und Bier aus der Flasche trinkt? Sieht Köln nicht längst aus wie andere Städte auch, ist das Austauschbare, Ubiquitäre nicht bestimmender als das Eigene, Unverwechselbare? Das sind Fragen, die Wegeners Buch auslöst. Schön, dass es keine eindeutige Antwort darauf gibt. Noch schöner, dass sie mit fast jedem Foto wieder anders ausfällt.

Am Flughafen - aber ist das überhaupt noch Köln? - stellt sich die Frage natürlich anders als im Speckgürtel, im Veedel oder in der Innenstadt: Der einsame Passagier, der in der chromblitzenden Bar, mit dem Bild einer Propellermasche und der Werbung für "Big King XXL" im Rücken, vor seinen Burger-King-Tüten hockt, könnte auch irgendwo im amerikanischen Mittelwesten zwischengelandet sein; und das Wal Mart Supercenter ist geradeso wenig ortstypisch wie der Ein-Euro-Billig-Laden in der Venloer Straße, in der an der Ecke Ehrenfeldgürtel mit Strohhut's und McDonald's sich auch local und global player gegenüberstehen. Doch wie lange noch? Könnte es sein, dass das "So wie überall" der Marken und Märkte die Stadt in den Würgegriff und ihr nach und nach die spezifische Luft nimmt? Auch das lässt sich aus diesem Buch herauslesen, das dann doch den trutzigen, uneinnehmbaren Dom zum unsichtbaren Mittelpunkt hätte.

Auf die Kölner ist da einigermaßen Verlass, obwohl der Karnevalist auch nicht fröhlicher von der Sitzung zurückfährt, als die Berufstätige hinter ihm ins Büro strebt. Die U-Bahn-Station, mit grauem Granit ausgelegt, schmuddelt im Einheitslook, die Narrenkappe aber enttarnt die Anonymität des Orts. Was nicht heißt, dass Köln einem seiner populärsten Jecken gebührenden Platz einräumt: Noch ist das Straßenschild für Willy Millowitsch gar nicht aufgestellt, doch mehr als ein innerstädtisches Rasenstück, unter dem eine Tiefgarage schlummert, hat die Stadt nicht für ihn übrig. Manfred Wegener erwischt die Ehrung, kurz bevor sie vollzogen und absehbar wird, dass sie eher mickrig ausfällt: Nicht einmal eine Adresse, an der ein Brief ankommt, wird hier eingepflockt.

Indem er im vermeintlich falschen Moment abdrückt, erfasst Wegener eine Wirklichkeit, die nicht gewünscht ist, und genau dafür hat er ein sehr sicheres Gespür entwickelt. Der FDP ergeht es nicht besser: Vor den nicht mehr ganz neoliberal frisch glänzenden Fassaden des Mediaparks baut sie gerade ihren Stand auf, doch das Foto erzählt auch, wie verzweifelt sie noch unter ihrem wackligen Stehtisch nach Wählern sucht. Der 1951 in Arnsberg geborene Fotograf ist seit fünfundzwanzig Jahren bei der "Stadtrevue", einem "alternativen" Stadtmagazin, das im Eigenverlag überlebt hat. Auch ihre Geschichte vermittelt das Buch: Fotos von Hausbesetzungen, Demonstranten, die ausgerechnet vor der SPD-Zentrale einen Spurt hinlegen, und Polizeieinsätzen berichten von politischen Kämpfen, die bis ins Jahr 1973, zur Anti-Vietnamkrieg-Demonstration in Bonn, zurückreichen. Der Hund, der genau an dem Schild das Bein hebt, das ihm das verbietet, verlängert den Widerstand ironisch in die Gegenwart, und der Knirps im FC-Trikot, der sich mit dem Ball ins aufgemalte Tor stellt, ist zumindest bereit dazu.

Manfred Wegener ist ein Fotoreporter, der, anders als das in den vergangenen Jahren üblich geworden ist, seine Motive nicht thematisch ordnet oder einem Stil unterwirft. Das macht sein Buch heterogen, aber auch reich an Entdeckungen und Überraschungen: Der Bio-Metzger, den er porträtiert, ist der im Wirtschaftswunderdeutschland groß gewordene Nachfahre eines "Menschen" von August Sander, und das zündende Herz auf dem Garagentor wehrt sich gegen die angerostete Vorort-Spießigkeit. Auf einen Befund lassen sich diese schönen Aussichten so wenig bringen wie Köln auf einen Nenner.

"Schöne Aussichten. Köln fotografiert von Manfred Wegener". Emons Verlag, Köln 2008, 168 Seiten, zahlreiche Fotografien. Gebunden, 19,90 Euro.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 23.10.2008

Der Rhein ist eine Pfütze

"Schöne Aussichten": Manfred Wegener stellt mit seinen Fotografien das Köln der Klischees lakonisch in Frage / Von Andreas Rossmann

Das hat es wahrscheinlich noch nie gegeben: einen Fotoband über Köln, in dem der Dom keinen Auftritt hat. Das Wahrzeichen der Stadt, das so majestätisch ihr Bild bestimmt, wird einfach übergangen, und auch der Karneval und der Rhein, die weitere Markenzeichen sind, lassen sich nur kurz blicken. Das kommt nicht von ungefähr und gibt einem Titel, der mit der Betonung ironisch die Bedeutung wechselt, einen geradezu bedrohlichen Unterton: Das sind ja, so heißt das Buch von Manfred Wegener, "Schöne Aussichten".

Aber ist Köln dann überhaupt noch Köln, wenn das Bild, mit dem die Stadt identifiziert wird, gar nicht vorkommt? Wenn statt des Doms nur die Domtreppe, und zwar die alte, aufsteigt, auf der die Menschen mit Sandalen an den Füßen nur bis zur Hüfte zu sehen sind? Wenn vom Rhein nur eine trübe Pfütze übrig bleibt, in der zwei Badelatschen trudeln und ein dicklicher Junge planscht? Oder sein Ufer auf ein lauschiges Plätzchen schrumpft, an dem - "dat is de Kölsche Riviera" - ein Schmerbauch, womöglich der Vater des Kindes, einen bunten Sonnenschirm aufspannt und Bier aus der Flasche trinkt? Sieht Köln nicht längst aus wie andere Städte auch, ist das Austauschbare, Ubiquitäre nicht bestimmender als das Eigene, Unverwechselbare? Das sind Fragen, die Wegeners Buch auslöst. Schön, dass es keine eindeutige Antwort darauf gibt. Noch schöner, dass sie mit fast jedem Foto wieder anders ausfällt.

Am Flughafen - aber ist das überhaupt noch Köln? - stellt sich die Frage natürlich anders als im Speckgürtel, im Veedel oder in der Innenstadt: Der einsame Passagier, der in der chromblitzenden Bar, mit dem Bild einer Propellermasche und der Werbung für "Big King XXL" im Rücken, vor seinen Burger-King-Tüten hockt, könnte auch irgendwo im amerikanischen Mittelwesten zwischengelandet sein; und das Wal Mart Supercenter ist geradeso wenig ortstypisch wie der Ein-Euro-Billig-Laden in der Venloer Straße, in der an der Ecke Ehrenfeldgürtel mit Strohhut's und McDonald's sich auch local und global player gegenüberstehen. Doch wie lange noch? Könnte es sein, dass das "So wie überall" der Marken und Märkte die Stadt in den Würgegriff und ihr nach und nach die spezifische Luft nimmt? Auch das lässt sich aus diesem Buch herauslesen, das dann doch den trutzigen, uneinnehmbaren Dom zum unsichtbaren Mittelpunkt hätte.

Auf die Kölner ist da einigermaßen Verlass, obwohl der Karnevalist auch nicht fröhlicher von der Sitzung zurückfährt, als die Berufstätige hinter ihm ins Büro strebt. Die U-Bahn-Station, mit grauem Granit ausgelegt, schmuddelt im Einheitslook, die Narrenkappe aber enttarnt die Anonymität des Orts. Was nicht heißt, dass Köln einem seiner populärsten Jecken gebührenden Platz einräumt: Noch ist das Straßenschild für Willy Millowitsch gar nicht aufgestellt, doch mehr als ein innerstädtisches Rasenstück, unter dem eine Tiefgarage schlummert, hat die Stadt nicht für ihn übrig. Manfred Wegener erwischt die Ehrung, kurz bevor sie vollzogen und absehbar wird, dass sie eher mickrig ausfällt: Nicht einmal eine Adresse, an der ein Brief ankommt, wird hier eingepflockt.

Indem er im vermeintlich falschen Moment abdrückt, erfasst Wegener eine Wirklichkeit, die nicht gewünscht ist, und genau dafür hat er ein sehr sicheres Gespür entwickelt. Der FDP ergeht es nicht besser: Vor den nicht mehr ganz neoliberal frisch glänzenden Fassaden des Mediaparks baut sie gerade ihren Stand auf, doch das Foto erzählt auch, wie verzweifelt sie noch unter ihrem wackligen Stehtisch nach Wählern sucht. Der 1951 in Arnsberg geborene Fotograf ist seit fünfundzwanzig Jahren bei der "Stadtrevue", einem "alternativen" Stadtmagazin, das im Eigenverlag überlebt hat. Auch ihre Geschichte vermittelt das Buch: Fotos von Hausbesetzungen, Demonstranten, die ausgerechnet vor der SPD-Zentrale einen Spurt hinlegen, und Polizeieinsätzen berichten von politischen Kämpfen, die bis ins Jahr 1973, zur Anti-Vietnamkrieg-Demonstration in Bonn, zurückreichen. Der Hund, der genau an dem Schild das Bein hebt, das ihm das verbietet, verlängert den Widerstand ironisch in die Gegenwart, und der Knirps im FC-Trikot, der sich mit dem Ball ins aufgemalte Tor stellt, ist zumindest bereit dazu.

Manfred Wegener ist ein Fotoreporter, der, anders als das in den vergangenen Jahren üblich geworden ist, seine Motive nicht thematisch ordnet oder einem Stil unterwirft. Das macht sein Buch heterogen, aber auch reich an Entdeckungen und Überraschungen: Der Bio-Metzger, den er porträtiert, ist der im Wirtschaftswunderdeutschland groß gewordene Nachfahre eines "Menschen" von August Sander, und das zündende Herz auf dem Garagentor wehrt sich gegen die angerostete Vorort-Spießigkeit. Auf einen Befund lassen sich diese schönen Aussichten so wenig bringen wie Köln auf einen Nenner.

"Schöne Aussichten. Köln fotografiert von Manfred Wegener". Emons Verlag, Köln 2008, 168 Seiten, zahlreiche Fotografien. Gebunden, 19,90 Euro.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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