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Vom Theologen unter den Kardinälen Große Lesegemeinde
Das Nachdenken über die Barmherzigkeit führt zu den Grundfragen der Gotteslehre. Sie stellt den Kern und die Summe der biblischen Gottesoffenbarung dar. Das vorliegende Buch verbindet theologische Reflexion mit geistlichen, pastoralen und auch gesellschaftlichen Überlegungen, da ja das Thema Barmherzigkeit in viele Fragen christlicher, kirchlicher und sozialer Praxis hineinführt. Kasper regt dazu an, die christliche Gotteslehre und die daraus sich ergebenden praktischen Konsequenzen neu zu durchdenken, um damit dem, was mit der heute…mehr

Produktbeschreibung
Vom Theologen unter den Kardinälen
Große Lesegemeinde

Das Nachdenken über die Barmherzigkeit führt zu den Grundfragen der Gotteslehre. Sie stellt den Kern und die Summe der biblischen Gottesoffenbarung dar. Das vorliegende Buch verbindet theologische Reflexion mit geistlichen, pastoralen und auch gesellschaftlichen Überlegungen, da ja das Thema Barmherzigkeit in viele Fragen christlicher, kirchlicher und sozialer Praxis hineinführt. Kasper regt dazu an, die christliche Gotteslehre und die daraus sich ergebenden praktischen Konsequenzen neu zu durchdenken, um damit dem, was mit der heute dringend notwendigen theozentrischen Wende in der Theologie und im Leben der Kirche gemeint ist, Konturen zu geben.
  • Produktdetails
  • Verlag: Herder, Freiburg
  • 5. Aufl.
  • Seitenzahl: 260
  • Erscheinungstermin: 8. Juni 2012
  • Deutsch
  • Abmessung: 219mm x 141mm x 20mm
  • Gewicht: 458g
  • ISBN-13: 9783451306426
  • ISBN-10: 3451306425
  • Artikelnr.: 35676139
Autorenporträt
Kasper, Walter
Walter Kasper, geb. 1933, Professor für Dogmatik, 1989-1999 Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart. 1999 nach Rom berufen, 2001 zum Kardinal erhoben, bis 2010 Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 21.03.2013

Sogar Franziskus war beeindruckt
Walter Kardinal Kasper schreibt über "Barmherzigkeit" / Von Daniel Deckers

Die Liste der Gratulanten aus Anlass des 80. Geburtstags am 5. März war lang, die Fülle der Geschenke beträchtlich und die für einen ehemaligen deutschen Professor obligatorische Festschrift noch gewichtiger als die beiden ersten. Ein Geschenk freilich hatte sich der vormalige Bischof von Rottenburg-Stuttgart und Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen selbst gemacht: Er schrieb ein Buch, das rechtzeitig zu seinem 80. Geburtstag erschien.

Dann geschah etwas, was mit "glücklicher Zufall" unzureichend beschrieben ist. Eine Woche nach seinem Geburtstag musste der seit längerem in Rom ansässige Kardinal in ein Hotel ziehen. Das Zimmer, das ihm zugelost worden war, lag dem eines Argentiniers schräg gegenüber. Der Deutsche kannte den Argentinier schon lange und hatte immer viel von ihm gehalten. Vor acht Jahren hatte er ihm und sich sogar gewünscht, dass der Argentinier seinen Wohnsitz in seine Nähe verlegen würde. Daraus wurde nichts. In alter Verbundenheit schenkte er ihm jetzt sein neues Buch in spanischer Übersetzung. Inmitten diverser Verpflichtungen, die höchst unerwartet auf den Argentinier zukamen, nahm dieser sich Zeit, das Buch von der ersten bis zur letzten Seite zu lesen. Und anstatt wie geplant am vergangenen Sonntag nach Buenos Aires zurückzufliegen, stellte sich der Mann an ein offenes Fenster und pries das Buch einer in die Millionen gehenden Leserschaft aller Welt als wegweisend und lesenswert an. Walter Kardinal Kasper hatte Jorge Mario Bergoglio alias Papst Franziskus mit seinem Buch "Barmherzigkeit" aus dem Herzen gesprochen - nicht obwohl, sondern weil das stattliche Werk aus der Not geboren worden war.

Denn als Kasper sich vor Jahren daranmachte, einen Vortragszyklus zu entwerfen, wollte ihm der Vortrag über "Barmherzigkeit" nicht gelingen. Mochte das Neue Testament in dieser Tugend eine, wenn nicht die zentrale Eigenschaft des Gottes Jesu Christi sehen, hatte die Theologie seit der Antike die längste Zeit einen schlanken Fuß gemacht. Das Ergebnis langer Recherche war für den Wissenschaftler, der mehr als 25 Jahre in Münster und Tübingen Theologie gelehrt hatte, bitter: "Die christliche Spiritualität und Mystik ist in dieser wie in anderen Fragen der Schultheologie um Längen voraus."

Kasper wäre nicht Kasper, hätte er nicht aus der Not eine Tugend gemacht. Mit der Weisheit des hohen Alters gesegnet, hat er es unternommen, "theologische Reflexion mit geistlichen, pastoralen und auch gesellschaftlichen Überlegungen zu einer Kultur der Barmherzigkeit zu verbinden". Wem an dieser Stelle schwant, das Buch sei ein weiterer Beitrag zur Unkultur geistloser Banalität auf dem Markt sogenannter religiöser Bücher, der sei beruhigt. Unter den Theologen deutscher Zunge dürfte es mit Ausnahme seines Professor-, Bischofs- und Kardinalskollegen Karl Lehmann niemanden geben, der in abendländischer Philosophie wie auf den verschlungenen Pfaden der theologischen Traditionen so bewandert ist wie Kasper. Den Hürden und Klippen ausweichen gilt nicht - das ist Kasper sich schuldig.

Doch neben die methodische Strenge gegenüber dem Gegenstand tritt in der Durchführung immer wieder die Sache selbst - einfühlsam und anschaulich verwebt Kasper philosophische, biblische und theologische Fäden zu einem dichten Netz, das eine Fülle geistlicher und praktischer Wegweisungen enthält.

Entstanden ist ein kleines Vademekum der Menschlichkeit, das sich nicht scheut, auch konkrete gesellschaftliche, politische und kirchliche Fehlentwicklungen zu benennen. Letztere etwa sieht Kasper nicht zuletzt in einem falschen Verständnis von Barmherzigkeit angelegt: Nicht Laissez-faire ist das Heilmittel, sondern das rechte Maß zwischen Legalismus und Laxheit.

Doch nicht nur die Passagen über "Kirche und dem Maß der Barmherzigkeit" wird Papst Franziskus gelesen haben - auch jene über die klassischen "Werke der Barmherzigkeit" und deren Bedeutung im Privaten wie im Gesellschaftlichen. Und natürlich jene über die Gottesmutter Maria. Als er Dienstag zum Abschluss des Einführungsgottesdienstes schweigend vor der Marienstatue stand, sang die Schola den gregorianischen Marienhymnus "Salve Regina, mater misericordiae" (Sei gegrüßt, Königin, Mutter der Barmherzigheit).

Walter Kardinal Kasper, Barmherzigkeit. Grundbegriff des Evangeliums - Schlüssel christlichen Lebens. Herder, Freiburg i.Br. 2013, 252 S., 22 [Euro]

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