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Ein Auftakt zu 500 Jahre Reformation Die Austrittszahlen steigen seit Jahren und sprechen für sich: Der Kirche laufen die Menschen davon. Und daran, so Urban, ist die evangelische Kirche auch selbst schuld: Sie hat vergessen, dass sie eine Kirche der Aufklärung ist. Stattdessen wird sie immer konservativer und fundamentalistischer. Immer mehr Intellektuelle kehren ihr den Rücken, womit jeglicher intelligente Dialog verloren geht. Doch nicht nur die Protestanten bekommen ihr Fett ab, Urban rechnet mit den Kirchenoberen beider großen Konfessionen in Deutschland ab. Er entlarvt die…mehr

Produktbeschreibung
Ein Auftakt zu 500 Jahre Reformation
Die Austrittszahlen steigen seit Jahren und sprechen für sich: Der Kirche laufen die Menschen davon. Und daran, so Urban, ist die evangelische Kirche auch selbst schuld: Sie hat vergessen, dass sie eine Kirche der Aufklärung ist. Stattdessen wird sie immer konservativer und fundamentalistischer. Immer mehr Intellektuelle kehren ihr den Rücken, womit jeglicher intelligente Dialog verloren geht. Doch nicht nur die Protestanten bekommen ihr Fett ab, Urban rechnet mit den Kirchenoberen beider großen Konfessionen in Deutschland ab. Er entlarvt die Rückwärtsgewandten und die Evangelikalen weltweit und beschreibt deren Einfluss bis in die höchsten Kreise der Politik. Anhand vieler Beispiele und Zitate zeigt er auf, wie weltfremd und hanebüchen sich Kirchenvertreter oft verhalten, und ruft zu ideologischer Selbstkritik auf.
  • Produktdetails
  • dtv Taschenbücher Bd.26118
  • Verlag: Dtv
  • Seitenzahl: 272
  • Erscheinungstermin: 18. März 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 134mm x 30mm
  • Gewicht: 372g
  • ISBN-13: 9783423261180
  • ISBN-10: 3423261188
  • Artikelnr.: 43903938
Autorenporträt
Urban, Martin
Martin Urban stammt aus einer evangelischen Theologenfamilie. Nach einem Studium der Physik, der Chemie und der Mathematik an der FU Berlin arbeitete Urban als Diplom-Physiker auf dem Gebiet der Plasmaphysik. 1965 trat er der Redaktion der 'Süddeutschen Zeitung' bei und gründete 1968 die Wissenschaftsredaktion, die er bis zu seinem Ruhestand im Jahre 2001 leitete und immer weiter ausbaute. Er hat mehrere Sachbücher zu philosophischen, psychologischen und theologischen Themen veröffentlicht.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 22.03.2016

VON SZ-AUTOREN
Martin Urban über
den Protestantismus
500 Jahre nach Martin Luthers Reformation steht die evangelische Kirche in der Kritik: Sie habe sich davon verabschiedet, auch Kirche der Aufklärung zu sein und sei zum bloßen Sozialverein geworden, in dem zunehmend antiintellektuelle, bildungsfeindliche Fundamentalisten das Wort führten, die die Bibel wörtlich nehmen und die Erkenntnisse der Wissenschaften, einschließlich der Theologie, missachten. Ein fundamentalistischer Glaube provoziert heute weltweit in allen Religionen Intoleranz und Gewalt.
  Martin Urban, einst Gründer der SZ-Wissenschaftsredaktion, schildert die Diskussion und erklärt zugleich die aggressiven Reaktionen der Exponenten des protestantischen Fundamentalismus auf das, was sie Zeitgeist nennen. Sein Buch wendet sich an die Christen, die sonntags nicht mehr in die Kirche gehen, denen aber die Fragen nach Gott und dem Sinn ihres Lebens wichtig sind. Er zeigt, wie notwendig ein aufgeklärtes Christentum in einer Welt voller Aberglauben wäre.  
SZ
Martin Urban: Ach Gott, die Kirche! Protestantischer Fundamentalismus und 500 Jahre Reformation. dtv premium, München 2016. 270 S., 14,90 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Ach Herrje, seufzt auch Rezensentin Heike Schmoll nach Martin Urbans Kritik am protestantischen Fundamentalismus . Nicht nur, weil Urban immer wieder zur Überheblichkeit neigt, etwa wenn er "schlichtere Gemüter" über Aberglauben und neueste Erkenntnisse der Hirnforschung und der Naturwissenschaften aufkären will, sondern auch, weil der Autor die theologie- und ideengeschichtlichen Diskurse der letzen Jahrzehnte schlichtweg übergeht, schreibt die Kritikerin. Immerhin, seine Diagnose einer "Banalisierung des Glaubens" scheint Schmoll überzeugend, dennoch erscheint ihr das Buch in seiner Argumentation "naiv". Und ein strenges Lektorat hätte auch nicht geschadet, moniert die Rezensentin mit Blick auf sachliche Fehler.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 12.04.2016

Luther als Playmobil?
Überheblich: Martin Urban reibt sich am Protestantismus

"Im normalen Leben gilt Leichtgläubigkeit als dumm (. . .). Nur die Kirchen verkünden Leichtgläubigkeit als Tugend, indem sie daraus Glaubensstärke machen", konstatiert Martin Urban in seinem neuen Buch. Er will es als Plädoyer "gegen eine Kirche für Dummies" verstanden wissen. Gemeint sind fundamentalistisch denkende schlichtere Gemüter, die sich mit einem naiven Welt- und Gottesverständnis zufriedengeben. Für ihn ist das menschliche Geschwätz über Gott nichts anderes als Spekulation, Aberglauben. Urban, der aus einer Theologenfamilie kommt und sich in seiner Gemeinde engagiert, fordert die Kirche auf, zur Aufklärung zurückzukehren.

Die Aufklärung versteht der frühere Wissenschaftsredakteur der "Süddeutschen Zeitung" und gelernte Physiker als Abgleich jedes Glaubenssatzes mit den neuesten Erkenntnissen der Hirnforschung und der Naturwissenschaften. Er verordnet der Kirche der Reformation deshalb einen "Faktencheck" und einen langwierigen Reformationsprozess zu ihrem Jubiläum. Der Widerstreit von Vernunft und Glaube, Naturgesetz und Wunder, Fakten und Deutungen - das sind ernsthafte Themen, die allerdings nicht erst Urban beschäftigen, sondern Generationen von Theologen und Philosophen vor ihm. Doch die theologie- und ideengeschichtlichen Diskurse der vergangenen Jahrzehnte und Jahrhunderte berücksichtigt er nicht.

Was die katholischen Lehrmeinungen und das katholische Kirchenverständnis als unfehlbare Heilsinstitution vom protestantischen Kirchenverständnis unterscheidet, wird nicht klar, zumal sowohl katholische als auch evangelische Kirchenfunktionäre zitiert werden. Urban wäre zu Recht entsetzt, wenn Theologen sich so wenig kenntnisreich über die Naturwissenschaften äußerten. Der mehrfach von ihm zitierte Neutestamentler Rudolf Bultmann hat schon vor mehr als siebzig Jahren gemeint, man könne nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben.

"Und wer meint, es für seine Person tun zu können, muss sich klar machen, dass er, wenn er das für die Haltung des christlichen Glaubens erklärt, damit die christliche Verkündigung in der Gegenwart unverständlich und unmöglich macht", schrieb Bultmann. Er hat gezeigt, dass die Jungfrauengeburt oder die Präexistenz Christi nicht dazu geeignet sind, die historische Herkunft Jesu zu erklären, sondern ihre Bedeutung für den Glauben haben.

Es ist kein Zufall, dass der Begriff der Hermeneutik in Urbans Register fehlt. Nur so kann man vermutlich zu dem Schluss kommen, dass die Kirchen "Legenden ohne adäquate Deutung" verbreiten und die Frage stellen: "Wer ist bereit, für die Verkündigung von Mythen Kirchensteuern zu bezahlen?" Das Widersprüchliche und Ärgerliche an diesem Buch: Urban will nicht verstehen, dass die Rede in alten Bildern selbst Deutung ist, und fordert fortwährend kirchliche Deutungspraxis ein. Es ist nun wirklich keine neue Erkenntnis, dass die kosmologischen und biologischen Vorstellungen der Bibel im Widerspruch zu den heutigen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen stehen, das war schon zu Luthers Zeiten so, und vermutlich werden Naturwissenschaftler in hundert Jahren auch über den naturwissenschaftlichen Kenntnisstand lachen, auf dessen Grundlage er im Jahre 2016 urteilt.

Trotz seines eigenen Naturwissenschaftler-Fundamentalismus sieht der Autor auch Richtiges. Er ist entsetzt über die Banalisierung des Glaubens, die manche Kirchenfunktionäre wie der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland Heinrich Bedford-Strohm oder die Lutherbotschafterin Margot Käßmann betreiben. Es ist ihm ein Greuel, dass Käßmann ihren Gastgebern Luther-Playmobilfiguren schenkt und damit die Chance des Reformationsjubiläums im kommenden Jahr zu verspielen droht. Auch die von ihm beschriebene Theologievergessenheit der evangelischen Kirche sowie das Schattendasein der theologischen Fakultäten an staatlichen Universitäten sind nicht zu leugnen.

Selbst wenn man Urbans Buch als autobiographische Auseinandersetzung mit seiner eigenen religiösen Sozialisation in einer Theologenfamilie liest und als Fortführung einer 1934 von seinem Vater verfassten Schrift gegen das Aufkommen des Völkisch-Religiösen sieht, bleiben die wenig stringente, in weiten Teilen naive Argumentation dieses Buches sowie die Überheblichkeit des Autors gegenüber den "Glaubens-Dummies" ein Ärgernis. Ganz abgesehen von sachlichen Fehlern wie der Auffassung, das hessische Wissenschaftsministerium habe eine freie theologische Hochschule in Gießen akkreditiert (das war bekanntlich der Wissenschaftsrat), scheint das Buch entweder gar nicht oder nur oberflächlich lektoriert zu sein. Sonst hätten solche offenkundigen Fehler wie "Rudolf Harnack" statt Adolf von Harnack und "Arnd Brunner" statt Arnd Brummer auffallen müssen.

HEIKE SCHMOLL

Martin Urban: "Ach Gott, die Kirche!" Protestantischer Fundamentalismus und 500 Jahre Reformation.

dtv premium, München 2016. 270 S., 14,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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"Ein mit Herzblut geschriebenes Buch in Sorge um eine, eben auch seine, Kirche, die der Autor auf dem falschen Weg sieht und mit seinem Plädoyer zu retten hofft. "
Manfred Egenhoff, Deutsche Lehrer im Ausland September 2017