Die Wolke - Pausewang, Gudrun
7,99
versandkostenfrei*

Preis in Euro, inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln

    Broschiertes Buch

54 Kundenbewertungen

Wenn die Ängste unserer Zeit wahr werden. Eine todbringende Wolke über Deutschland. Was niemand wahrhaben wollte, passiert: Deutschland erlebt einen Super-GAU. Die 14-jährige Janna-Berta verliert ihre Familie und landet selbst im Lazarett.
Wichtig für den Schulunterricht: Seitenzählung unverändert! Zu diesem Buch gibt es "Materialien zur Unterrichtspraxis" des Ravensburger Buchverlags.…mehr

Produktbeschreibung
Wenn die Ängste unserer Zeit wahr werden.
Eine todbringende Wolke über Deutschland. Was niemand wahrhaben wollte, passiert: Deutschland erlebt einen Super-GAU. Die 14-jährige Janna-Berta verliert ihre Familie und landet selbst im Lazarett.

Wichtig für den Schulunterricht: Seitenzählung unverändert!
Zu diesem Buch gibt es "Materialien zur Unterrichtspraxis" des Ravensburger Buchverlags.
  • Produktdetails
  • Ravensburger Taschenbücher Bd.58014
  • Verlag: Ravensburger Buchverlag
  • 21. Aufl.
  • Seitenzahl: 224
  • Altersempfehlung: ab 14 Jahren
  • Erscheinungstermin: April 2008
  • Deutsch
  • Abmessung: 180mm x 123mm x 25mm
  • Gewicht: 204g
  • ISBN-13: 9783473580149
  • ISBN-10: 3473580147
  • Artikelnr.: 06780142
Autorenporträt
Pausewang, Gudrun
Gudrun Pausewang wurde 1928 als das älteste von sechs Kindern in Wichstadtl (Ostböhmen) geboren. Ihr Vater kam 1943 in Russland um und ihre Mutter musste nach Kriegsende allein mit den sechs Kindern in den Westen fliehen. Gudrun Pausewang arbeitete als Lehrerin an verschiedenen Schulen in Deutschland und Mittel- und Südamerika. So lehrte sie in Chile, Venezuela und Kolumbien. 1972, zwei Jahre nach der Geburt ihres Sohnes, kehrte sie endgültig nach Deutschland zurück. Hier unterrichtete sie bis 1989 an einer hessischen Grundschule. Im Ruhestand beendete sie ihr Germanistikstudium und promovierte 1998 an der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Gudrun Pausewang ist seit 1958 schriftstellerisch tätig. Sie hat - neben Romanen für Erwachsene - zahlreiche Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht, in denen sich ihre eigenen Erfahrungen und die Betroffenheit über die Armut in Südamerika, das Schicksal von Flüchtlingen und über die atomare Bedrohung niederschlagen. Sie engagiert sich in ihren Büchern für den Frieden, die Umwelt und soziale Gerechtigkeit. Ein wichtiges Thema ist auch die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und dem Dritten Reich. Ihr Bücher wurden in 25 Sprachen übersetzt. Für ihr literarisches Werk wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 1988 für "Die Wolke". 1999 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz und 2009 bekam sie den Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur Volkach für ihr Lebenswerk. 2017 verlieh ihr der Arbeitskreis für Jugendliteratur für ihr literarisches Gesamtwerk den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises 2017. Dies ist die größte Auszeichung, die in der deutschensprachigen Kinder- und Jugendbuchszene verliehen wird.
Rezensionen
Besprechung von 15.03.2011
Moralin
Gudrun Pausewangs „Die Wolke“
schwebt in die Bestsellerlisten
Erst stirbt Opas Wellensittich Coco, dann der kleine Bruder Uli, anschließend verenden 18 000 Deutsche an radioaktiver Strahlung oder unter den Maschinengewehren-Salven skrupelloser Soldaten: Die Protagonistin Janna-Berta aus Gudrun Pausewangs Kinderbuch „Die Wolke“ watet nach einem fiktiven GAU im Atomkraftwerk Grafenrheinfeld durch ein postapokalyptisches Deutschland. Seit dem Beginn der Katastrophe in Japan nimmt das Buch auf der Bestsellerliste für Jugendliteratur wieder einen der vordersten Plätze ein, weil die Kinder was Passendes lesen sollen, während Mama und Papa zur Menschenkette nach Neckarwestheim fahren.
Die moralinversäuerte Wolke hat seit ihrem Erscheinungsjahr 1987 genügend Schülern Geistesleben und Träume verseucht: „Die Politiker“ sind „schuld“ am Störfall, „die Bonzen“ haben sich „als erste abgesetzt“ und wie: Einmal pflügt ein Mercedes durch die Stiefmütterchen im Vorgarten – die Guten fahren dagegen einen bunt bemalten VW-Bus und wollen in die DDR fliehen. Anfangs prophezeit der kluge (aber bald tote) Vater, dass „erst hier bei uns was passieren muss, damit es dem Bundesbürger den Hintern aus dem Sessel reißt“, am Ende kann die überlebende Janna-Berta tatsächlich den Nazi-Opa, der auf Mallorca überlebt hat, überzeugen, dass Faschismus und Kernkraft doch irgendwie böse sind: Sie nimmt die Mütze vom haarlosen Kopf.
Die Katastrophe als Katharsis: Radioaktiv gereinigt behalten die Guten Recht und die reichen Bösen müssen wenigstens mal für eine Weile den Mund halten. Eine Moral wie diese ist Hohn und Spott für die Menschen in Japan, die tatsächlich die Hölle auf Erden durchleben: Größtenteils und soweit bislang ersichtlich solidarisch, tapfer, und mutig. Der eine oder andere flieht vielleicht sogar in einem Mercedes.
JOHANNES BOIE
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
…mehr
Besprechung von 16.03.2011
Das Angstmacherbuch unserer Schulzeit
"Die Wolke" war Pflichtlektüre - jetzt hat sie die Realität eingeholt

"An diesem Freitagmorgen wehte eine starke Brise", so harmlos fängt das an. Und am Ende heißt es: "Da zog Janna-Berta die Mütze vom Kopf und begann zu sprechen."

Was wird sie ihren Großeltern jetzt erzählen? Ganz sicher von dem Tag, als plötzlich in der Schule die Sirene schrillte, von der Panik, die sich ausbreitete, als bekannt wurde, dass ein nahe gelegenes Atomkraftwerk explodiert war. Von der Flucht über die Dörfer im Schatten der atomaren Wolke, von den Familien, die sich zerstreuten, vom Kampf ums Überleben, vom Unfalltod des kleinen Bruders und der Zeit im Krankenhaus auf der Station mit den vielen leukämiekranken Kindern. Dass sie die Mütze dafür abnimmt, ist eine Geste mit doppelter Bedeutung: Sie ist Zeichen der Trauer und des Respekts vor den vielen Toten. Und sie entblößt die Glatze der strahlenkranken Erzählerin.

Natürlich ist Gudrun Pausewangs Buch "Die Wolke", das 1987 erschienen ist, ein Jahr nach Tschernobyl, als Appell gemeint. Und der richtet sich nicht nur an Janna-Bertas Großeltern, die während der Reaktorkatastrophe auf Mallorca im Urlaub waren und dort offenbar nur sehr gefilterte Informationen erhielten. "Die Wolke" wurde 1988 mit dem deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet - ein Politikum, denn der Preis wird vom Familienministerium vergeben, so dass Rita Süssmuth ein Buch prämierte, das die Atompolitik ihres Kabinettskollegen Klaus Töpfer scharf kritisierte. Vor allem aber wurde es seither von allen deutschen Schülergenerationen gelesen.

Auch deshalb ist das Buch vermutlich so tief im kollektiven Gedächtnis der heute Zwanzig- bis Fünfundvierzigjährigen verankert wie kaum ein zweites. Und deshalb unterfüttert es die Schlagzeilen aus Japan nun automatisch mit Bildern aus dem Fundus des Gelesenen, so dass wir zumindest ahnen, was es bedeutet, wenn die Bevölkerung vor einer atomaren Wolke fliehen muss, auch wenn kein Leser so naiv sein dürfte, Tokio mit Fulda oder 2011 mit 1987 zu verwechseln. Heute würde kein Mensch mehr den Liveticker der Katastrophe ignorieren können, auch nicht auf Mallorca. Aber heute antizipieren Leser der "Wolke" aus Meldungen über ausgetretene Radioaktivität das Elend der Evakuierten, lange bevor die realen Bilder um die Welt gehen.

In einer Zeit, in der das sogenannte Mutmacherbuch als Genre der Kinderliteratur erfunden wurde, kann man Pausewangs Jugendromane - "Die Wolke" ebenso wie "Die letzten Kinder von Schewenborn" - mit Fug und Recht als Angstmacherbücher bezeichnen. Irgendein Trost ist in ihnen nicht zu haben. Genau darin liegt ihre Wirkung auf Jugendliche begründet.

TILMAN SPRECKELSEN

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr
Band 11

GAU in Grafenrheinfeld

Gudrun Pausewang: „Die Wolke”

Leicht macht es Gudrun Pausewang ihren Lesern bestimmt nicht. Aber darum geht es ihr ja gerade. Die inzwischen 77-jährige Schriftstellerin will in ihren vielen Büchern, in denen sie immer wieder vor der Gefährdung der Menschheit durch Krieg und Umweltzerstörung warnt, aufrütteln und Veränderungen herbeiführen. Das mag heutzutage, wo Pazifismus und „grüne Themen” als ein bisschen altmodisch gelten, nicht mehr angesagt sein. Doch der Erfolg der streitbaren Autorin, die erst mit 70 Jahren über „Vergessene Jugendschriftsteller der Erich-Kästner-Generation” promoviert hat, beweist das Gegenteil.

Das gilt auch für „Die Wolke”, die Gudrun Pausewang (eigentlich Gudrun Wilcke) noch unter dem frischen Eindruck der Tschernobyl-Katastrophe 1986 schrieb. In dem, mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichneten Buch kommt es zum GAU in einem deutschen Atomkraftwerk, im fränkischen Grafenrheinfeld. Die Folgen sind grauenhaft. Aus der Sicht der 14-jährigen Janna-Berta wird das sich anbahnende Inferno mit allen seinen fürchterlichen Folgen, dem Versagen des Staates und seiner überforderten Politiker geschildert - bei aller Tragik packend und einfühlsam. Dabei müssen die Leser, ob jugendlich oder erwachsen, einiges verkraften.

Die beiden kleinen Brüder von Janna-Berta überleben die Katastrophe ebenso wenig wie ihre Eltern, ihre liebste Großmutter und ihre beste Freundin. Sie selbst wird strahlengeschädigt in einem Nothospital mehrere Wochen lang versorgt, sie verliert ihre Haare. Sie ist nun eine „Hibakusha”, wie die überlebenden Opfer der Atombombenabwürfe in Japan genannt werden. Aus der Klinik, in der, neben vielen anderen, auch ihre Bettnachbarin, das türkische Mädchen Ayse stirbt, bringt sie ihre Tante Helga zu sich nach Hamburg.

Die Hibakushas, die selbst im Sommer Mützen tragen, werden von den äußerlich noch gesunden Passanten angegafft und geschnitten. Vor den Lebensmittelläden stehen lange Schlangen, weil gerade Milchpulver aus den USA eingetroffen ist, Turnhallen und Lagerhallen sind mit Flüchtlingen überfüllt. Da Janna-Berta sich bei der überkorrekten, kühlen Helga nicht wohlfühlt, trampt sie zu ihrer Lieblingstante Almut und deren Mann Reinhard nach Wiesbaden. Allmählich sprießen bei ihr auch wieder Härchen auf dem Kopf, so dass sie es schließlich wagt, nach Hause in das Dorf Schlitz zu fahren, das außerhalb der Todeszone liegt. Dort sind bereits ihre Großeltern Hans-Georg und Berta aus dem Mallorca-Urlaub zurück, nichts ahnend vom Ausmaß der Katastrophe und vom Tod der Verwandten. Sie wollen auch nichts wissen und machen sich über die allgemeine „Hysterie” lustig. Da reicht es Janna-Berta, sie reißt ihre Mütze herunter und beginnt zu sprechen.

So endet das Buch, das beileibe nicht nur aus Tod und Verderben besteht, sondern auch die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Charaktere überzeugend und anrührend beschreibt. Es ist bis zum Schluss spannend und lässt - trotz allem - auch der Hoffnung noch eine Chance.

RALF HUSEMANN

Vom Schrecken der Kühltürme

Illustration: Rotraut Susanne Berner

SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH

…mehr