16,99
versandkostenfrei*

Preis in Euro, inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln

    Broschiertes Buch

1 Kundenbewertung

Der Übergang von der Schule in Ausbildung und Studium verläuft heutzutage nicht mehr reibungslos und friedlich. In den Familien spielen sich wahre Dramen ab. Ulrike Bartholomäus erklärt, wie es gelingen kann, hartnäckige Nesthocker, ewige Selbstzweifler und tiefenentspannte Dauerchiller in die Selbstständigkeit zu entlassen.
Ulrike Bartholomäus widmet sich unterhaltsam und wissenschaftlich fundiert einem echten Gesellschaftsphänomen. Während die einen auf die Straße gehen und für ihre Zukunft demonstrieren, hockt ein anderer Teil auf dem Sofa und bräuchte ein Schild auf der Stirn: "Wegen
…mehr

Produktbeschreibung
Der Übergang von der Schule in Ausbildung und Studium verläuft heutzutage nicht mehr reibungslos und friedlich. In den Familien spielen sich wahre Dramen ab. Ulrike Bartholomäus erklärt, wie es gelingen kann, hartnäckige Nesthocker, ewige Selbstzweifler und tiefenentspannte Dauerchiller in die Selbstständigkeit zu entlassen.

Ulrike Bartholomäus widmet sich unterhaltsam und wissenschaftlich fundiert einem echten Gesellschaftsphänomen. Während die einen auf die Straße gehen und für ihre Zukunft demonstrieren, hockt ein anderer Teil auf dem Sofa und bräuchte ein Schild auf der Stirn: "Wegen Umbau geschlossen".
Eckart von Hirschhausen, Arzt, Autor und Gründer der Stiftung HUMOR HILFT HEILEN

Dieses Buch ist Nervennahrung für Eltern von Heranwachsenden, die nach der Schule nicht wissen, was sie wollen, was sie können und wer sie sind.
Stefan Klein, Bestseller-Autor

Die große Orientierungslosigkeit nach der Schule ist ein Massenphänomen: Junge Erwachsene, ob mit Einser-Abitur oder weniger glanzvollen Abschlüssen, sind nach der Schule blockiert. Statt mit wehenden Fahnen ins Leben zu starten, fühlen sie sich unfähig zur Entscheidung - für die richtige Ausbildung, den richtigen Beruf. Es wird gelitten, gestritten und viel gechillt. Ulrike Bartholomäus erzählt anschaulich und mitunter nicht ohne Komik von den Dramen, die sich in den Familien abspielen.

Die Wissenschaftsjournalistin recherchiert bei Pädagogen, Ärzten und Wissenschaftlern, um dem Phänomen auf die Spur zu kommen. Sie hat zahlreiche junge Menschen, die länger für ihre Orientierungsphase gebraucht haben, begleitet. Sie haben für dieses Buch auch Gespräche mit Gleichaltrigen geführt. Die Autorin liefert damit das Porträt einer Generation zwischen Gap year, Sinnsuche, langwieriger Studienfachfindung, Verweigerung und Aufbruch ins Unbekannte.

Eine lebensnotwendige Lektüre für alle Eltern, die nichts sehnlicher wünschen, als ihr Kind in die Selbständigkeit zu entlassen.
  • Produktdetails
  • Verlag: Berlin Verlag
  • Seitenzahl: 304
  • Erscheinungstermin: 2. April 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 203mm x 136mm x 32mm
  • Gewicht: 400g
  • ISBN-13: 9783827013880
  • ISBN-10: 3827013887
  • Artikelnr.: 54398765
Autorenporträt
Bartholomäus, Ulrike
Ulrike Bartholomäus, geboren 1965, arbeitet als Wissenschaftsjournalistin und schreibt über die Themen Medizin, Politik und Kommunikation. Sie war als Redakteurin für "Focus" im Ressort Forschung tätig und arbeitet heute als Autorin für verschiedene Medien. Sie ist verheiratet und lebt mit ihrer Familie in Berlin. Sie hat eine 19-jährige Tochter und weiß, wovon sie spricht.
Rezensionen
Besprechung von 31.03.2019
Die große Pause nach dem Abitur

Australien oder Asien? Das ist heute die Frage für Schulabgänger. Universität und Karriere können warten. Das muss nicht mal schlecht sein.

Von Ulrike Bartholomäus

Ein Grillabend in Hamburg. Das Wetter ist grandios, die Steaks brutzeln neben einem von der Dame des Hauses fein kuratierten Sortiment aus Bio-Würstchen ihrem optimalen Garpunkt entgegen. Susanne meldet sich zu Wort, will wissen, was denn nun mit der Tochter von Helmstedts ist. "Nina hat doch letztes Jahr Abitur gemacht, oder? Was macht sie denn jetzt?"

Das ist das Stichwort für Rainer. Ninas Vater streckt kurz den Rücken durch und knallt eine Antwort raus, noch bevor seine Frau einatmen kann: "Sie ist arbeitslos." Die Worte wirken wie ein Torpedo. Stille in der Runde. Gundula Helmstedt, alarmiert, übernimmt: "Na ja, sie weiß noch nicht so genau, was sie machen will. Sie nimmt sich gerade ihr Gap Year."

Allgemeines Nicken in der Grillgemeinde. Thomas weiß zu berichten, dass sein ältester Sohn seit seinem Abitur vor 15 Monaten nicht eine einzige Bewerbung rausgeschickt hat. "Er jobbt jetzt im Schuhgeschäft." Thomas' Frau ergänzt schulterzuckend: "Er meint, mit Sportschuhen kenne er sich bestens aus. Der Job sei mega."

Noch ehe sich Ratlosigkeit breitmachen kann, setzt Ninas Vater noch einen drauf: "Na, immerhin arbeitet er. Nina tut den ganzen Tag nichts - außer duschen und ins iPhone starren."

Die Würstchen und Steaks scheinen fertig, alle greifen zu. Das Fleisch ist von außen perfekt angegrillt, aber innen noch lange nicht durch. Ein bisschen wie der Entwicklungszustand der Kinder, denkt sich Susanne, sagt aber lieber nichts.

Gap Year, Sabbatical, Auszeit - die große Orientierungslosigkeit nach der Schule ist ein Massenphänomen: Junge Erwachsene sind nach der Schule blockiert. Sie tauchen nicht ein ins Leben, sondern fühlen sich unfähig zur Entscheidung für den richtigen Beruf, die richtige Ausbildung, das richtige Studium. Es wird gelitten, gestritten und ganz viel gechillt. Die Kinder fühlen sich schuldig.

Eltern verzweifeln an der Rat- und Tatenlosigkeit ihrer ewigen Teenager-Kinder, die wochen- und monatelang herumhängen. Je länger diese Phase andauert, desto stärker macht sich bei ihnen Panik breit. Auf die Verzweiflung folgt der Aktionismus. Die Erwachsenen drängen die Heranwachsenden zu einer Entscheidung. Oft übernehmen sie das Handeln. Es wird mitunter europaweit nach einem passenden Praktikum oder Studienplatz gefahndet. Medizin an der Privatuni in Riga oder Psychologie in Maastricht, noch schnell einen Crash-Kurs Holländisch.

Dabei braucht die Reifung der Teenager Zeit. Deutschlands Schüler der Mittelschicht nehmen sich nach der Schule deshalb eine Pause. Sie kümmern sich nicht die Bohne darum, dass die Verfechter des Turbo-Abiturs sie mit Warp-Geschwindigkeit durch Schule und Studium katapultieren wollten - und dann auf den Arbeitsmarkt. Je schneller jemand im Leben der Millennials auf Vorspulen drückt, desto langsamer werden sie. Die Mehrheit von ihnen, gerade mal 17 oder 18 Jahre alt nach dem Abitur, denkt nicht im Traum daran, früher mit dem Studium zu beginnen. Sie wollen nach der Schule erst einmal Party machen, überlegen, wie es weitergeht. Sie fühlen sich zu jung für eine Entscheidung und wählen instinktiv eine Auszeit.

56 Prozent planen zunächst ein Jahr Pause, die große Mehrheit von ihnen im Ausland. "Der Klassiker ist, erst mal ein paar Monate nach Australien zu fahren, weil da der Mindestlohn zwischen 18 und 21 Dollar liegt. Dann, wenn man genug Geld hat, ab nach Asien. Da ist alles billig, und man macht sich einen lauen Lenz", sagt Luise, frisch zurück aus Australien.

Nur knapp 44 Prozent aller künftigen Studenten wollen direkt nach dem Abitur an eine Hochschule. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des Trendence-Instituts unter 21 000 Schülern in Deutschland. "Wenn meine Freunde nach Australien reisen, fahre ich auch dorthin", ist das Motto dieser reiselustigen Generation. Man trifft sich am Strand von Bali, war schon mit 20 Jahren auf mindestens drei Kontinenten. Im Schülerbarometer des Trendence-Instituts 2018 zeigt sich: Der Einfluss der Eltern als wichtige Ratgeber in beruflichen Zukunftsfragen ist bei Schülern noch sehr wichtig, nimmt aber kontinuierlich ab. 58 Prozent der Schüler finden das Gespräch mit ihren Eltern hilfreich. 2015 waren es noch 77 Prozent. Für ein knappes Drittel der Schüler ist der Rat ihrer Freunde das Nonplusultra. Der Einfluss von Verwandten und Lehrern ist in den vergangenen drei Jahren deutlich zurückgegangen. Kein Wunder: Mit den Peers kommunizieren die Jugendlichen über Social Media zehn Stunden am Tag, mit ihren Eltern oft nur zehn Minuten.

Wahr ist: Ein Sabbatical nach dem Abi ist für die Mehrzahl der Schulabgänger gut investierte Zeit. Denn viele bekommen ihren Wunschstudienplatz ohnehin nicht sofort und sind für Bewerbungen um eine Ausbildung für den Herbst zu spät dran. Dabei sitzen Eltern und Heranwachsende allerdings zwei Irrtümern auf.

Irrtum Nummer 1: Im Ausland kann man nur gute Erfahrungen sammeln.

Irrtum Nummer 2: Wenn man wiederkommt, weiß man automatisch, was man machen will.

Das Plädoyer für Auszeiten bezieht sich daher auf solche, die vorab gut geplant werden, um in Australien nicht den Backpacker-Abzockern in den Working Hostels in die Hände zu fallen. Darüber hinaus sollte das Gap Year dafür genutzt werden, aus seiner Komfortzone herauszukommen, neue Erfahrungen zu sammeln und sich Zeit dafür zu nehmen, über die Zukunft nachzudenken. Es kommt also sehr darauf an, was jemand plant und mit wem. Die Auswahl ist groß.

Eine spezialisierte Industrie befasst sich inzwischen damit, Abgänger auf der ganzen Welt in den Orbit zu schicken, je nach individuellen Wünschen: Zur Auswahl stehen zum Beispiel ein Bildungsprojekt in Ghana mit der Organisation Weltwärts oder wahlweise Work & Travel in Australien und Neuseeland. "My Auslandspraktikum" vermittelt ein Sozialpraktikum in England oder Irland mit Stipendium. Der American Field Service (AFS) bietet international Hilfsprojekte an, bei denen sich Jugendliche einbringen können. Deutsch unterrichten in Kolumbien? Mit AFS kein Problem: Die Reise wird gefördert, so dass der Aufenthalt mit einer freiwilligen Spende von rund 2000 bis 2500 Euro abgedeckt ist - inklusive Flug.

Wer nicht arbeiten möchte, kann auch eine Sprachreise unternehmen. Das geht einfach oder, wenn gewünscht, exklusiv. Ein Sprachenjahr in Cambridge bietet ein Anbieter derzeit für knapp 18 000 Euro an. Au-pair-Stellen vermitteln spezielle Agenturen. Allerdings stehen diese bei Jugendlichen zurzeit nicht so hoch im Kurs. O-Ton einer 18-Jährigen: "Was bringt es mir denn, wenn ich auf Kinder von anderen Leuten aufpassen soll?"

Deutlich beliebter sind Freiwilligenprojekte, wie sie zum Beispiel David erlebt hat. Der 18-jährige Hamburger hat 2017 sein Abitur gemacht und sich ein zweimonatiges Projekt mit Straßenkindern in Nepal ausgesucht. "Ich habe den Tag für die Kinder geplant, sie von der Schule abgeholt, mit ihnen Fußball gespielt und Hausaufgaben gemacht. Was man mit Kindern halt so unternimmt", erzählt David.

Äußerst kritisch sieht Timon das, was er auf seiner Reise durch Vietnam in einigen Hostels erlebt hat. "In einer von uns ,Kiffer Hostel' genannten Jugendherberge gab es sehr billig Cannabis zu kaufen. Ein Gramm kostet dort einen Euro, in Deutschland zehn. Das reicht für drei Joints. Alle haben dort gekifft - ich selbst nicht. Einige haben drei bis zehn Joints am Tag geraucht, weil es so billig war und sie den ganzen Tag high sein wollten. Damit hatte ich ein Problem." Timon berichtet, dass einer von den deutschen Hostelkiffern dort hängen geblieben sei: "Er wollte im Frühjahr schon weiterreisen, ist aber immer noch am selben Ort."

Ganz anders sind die Erfahrungen bei einem Gap Year als All-inclusive-Version. Sie ähnelt einer Kreuzfahrt: Zu Beginn muss nur die Route und die Kabinenkategorie festgelegt werden, der Rest wird organisiert. Dabei ergibt sich wie von selbst, dass sich am Zielort, etwa einem Party-Strand auf Bali, lauter Gleichaltrige tummeln. Schnell noch per Instagram ein paar Freundinnen herlotsen - "#Strandpartyalarm. Hier ist es mega, kommt her." Nur Einheimische lernt man dabei nicht unbedingt kennen.

Unter Abiturienten haben sich die Locations der Beach-Partys in Asien überall herumgesprochen. Was sie erwartet, wenn sie dorthin reisen, sind Hotspots voller deutscher Abiturienten. Überall trifft man auf Gleichgesinnte. Es macht sich ein Spring-Break-Feeling breit, das man bislang aus den Urlaubsorten der amerikanischen Studenten in Florida oder Mexiko kannte.

Reisen bildet. Aber eben nicht immer. Die "Man-spricht-deutsch-Hotels" in Asien vermitteln dem Post-Abi-Touristen, dass er sich eben nicht anstrengen muss in der Fremde. Alles läuft wie beim Thailänder in Castrop-Rauxel, nur das Essen ist ein bis zwei Chili-Schoten schärfer. Ob ein Heranwachsender nun die Rucksack-Variante oder die All-inclusive-Version mit Flatrate-Saufen bucht, macht den entscheidenden Unterschied im Gap Year. Denn schon die individuelle Vorbereitung ist ein Prozess, bei dem der eine etwas lernt, der andere nur auf Knopfdruck das Hotel bucht.

Vorsicht ist geboten in den sogenannten Working Hostels. Die 19-jährige Berlinerin Luise, die demnächst Architektur studieren möchte, erzählt: "Viele Farmen in Australien arbeiten mit Working Hostels zusammen. Du bekommst nur einen Job auf der Farm, wenn du in dem überteuerten Hostel buchst. Einmal habe ich 700 Dollar pro Woche für die Unterkunft bezahlen müssen. Da es aber weit und breit nur diese eine große Mandarinenfarm gab, musste ich das Angebot annehmen. Blöderweise hat es dann an einem Morgen ein ganz kleines bisschen geregnet, und wir wurden angewiesen, nicht zu pflücken. Die Mandarinen würden sonst platzen, hieß es. Dabei war der Regen schnell vorbei. Nach drei Stunden, in denen alle Backpacker unter dem Baum gewartet hatten, wurden wir dann nach Hause geschickt. Wir haben an dem Tag nichts verdient, aber 100 Dollar Übernachtungskosten bezahlt. Solche Abzocke gibt es bei den Farmen häufig. Sie versuchen so, unter den Mindestlohn zu kommen, der in Australien vorgeschrieben ist."

Neben dem Reisen gibt es weitere Möglichkeiten, das Jahr Auszeit zu gestalten: Die Mischung aus Chillen, von den Eltern gecasteten Praktika und dem Versuch, sich in einem Studium auf Probe zu sammeln, sind dabei eine besonders gut gebuchte Variante. Der Entwicklungsprozess bis hin zu einer passenden Laufbahn kann über viele Stationen erfolgen und Zeit in Anspruch nehmen. Denn es ist ja nicht nur die Karriere, welche die Heranwachsenden in dieser Zeit beschäftigt. Die erste Liebe, vielleicht der erste Sex, Eifersucht und Beziehungsdramen fallen ebenfalls in diese Zeit. Dabei erweisen sich gerade die scheinbaren Umwege als wichtige Eckpfeiler für eine Entscheidung. Lernprozesse lassen sich nicht einfach verkürzen. Die Auszeit gibt jungen Menschen die Möglichkeit, Berufsfelder auszuprobieren, vor allem, sich selbst auszuprobieren, langsam zu reifen.

Ulrike Bartholomäus "Wozu nach den Sternen greifen, wenn man auch chillen kann?" Berlin Verlag, 16,99 Euro. Das Buch erscheint am Dienstag, 2. April

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr
"Die Autorin liefert (damit) das Porträt einer Generation zwischen gap year, Sinnsuche, langwieriger Studienfachfindung, Verweigerung und Aufbruch ins Unbekannte. Eine lebensnotwendige Lektüre für alle Eltern, die nichts sehnlicher wünschen, als ihr Kind in die Selbständigkeit zu entlassen.", Sat. 1 Frühstücksfernsehen, 17.04.2019
»Eine wichtige Lektüre für alle Eltern, die nichts sehnlicher wünschen, als ihr Kind in die Selbständigkeit zu entlassen.«, die-ratgeber.info, 01.04.2019