Brüste und Eier - Kawakami, Mieko
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An einem drückend heißen Sommertag wird die dreißigjährige Natsuko von ihrer älteren Schwester Makiko und deren Tochter Midoriko in Tokio besucht. Makiko, die mit zunehmendem Alter mit ihrem sich verändernden Körper nicht zurechtkommt, ist davon besessen, sich einer Brustvergrößerung zu unterziehen. Währenddessen ist ihre zwölfjährige Tochter Midoriko von der einsetzenden Pubertät überfordert und sieht sich außerstande, in einer Gesellschaft, die alles Intime und Körperliche tabuisiert, ihre Ängste, Bedürfnisse und Fragen offen zu kommunizieren. Und auch die asexuelle Natsuko hadert mit der…mehr

Produktbeschreibung
An einem drückend heißen Sommertag wird die dreißigjährige Natsuko von ihrer älteren Schwester Makiko und deren Tochter Midoriko in Tokio besucht. Makiko, die mit zunehmendem Alter mit ihrem sich verändernden Körper nicht zurechtkommt, ist davon besessen, sich einer Brustvergrößerung zu unterziehen. Währenddessen ist ihre zwölfjährige Tochter Midoriko von der einsetzenden Pubertät überfordert und sieht sich außerstande, in einer Gesellschaft, die alles Intime und Körperliche tabuisiert, ihre Ängste, Bedürfnisse und Fragen offen zu kommunizieren. Und auch die asexuelle Natsuko hadert mit der Frage, welche Rolle noch bleibt - als unverheiratete Frau, die nicht mehr Tochter ist und vielleicht nie Mutter sein wird.
Rasant und radikal widmet sich Mieko Kawakami der Diskriminierung von Frauen und damit einhergehenden Fragen nach sozialem Geschlecht, Schönheitsnormen sowie dem Alterungsprozess des weiblichen Körpers - und wagt es zu fragen, welchen Wert Frauen in der Gesellschaft haben, wenn sie sich all diesen Erwartungen widersetzen.

»Einer der hellsten Sterne am japanischen Literaturhimmel, der bald die ganze Welt zum Strahlen bringen wird. Kawakami ist sowohl eine Schriftstellerin als auch eine Unterhalterin, eine Intellektuelle und eine sich ständig weiterentwickelnde Stilistin, die es gleichzeitig schafft, sehr lesbar zu schreiben und ungemein beliebt zu sein.«
Japan Times
  • Produktdetails
  • Verlag: Dumont Buchverlag
  • Originaltitel: >Natsumonogatari<
  • 4. Aufl.
  • Seitenzahl: 494
  • Erscheinungstermin: 18. August 2020
  • Deutsch
  • Abmessung: 213mm x 144mm x 45mm
  • Gewicht: 690g
  • ISBN-13: 9783832183738
  • ISBN-10: 3832183736
  • Artikelnr.: 59287875
Autorenporträt
Kawakami, Mieko§Mieko Kawakami, 1976 in Osaka, Japan, geboren, begann ihre Karriere als Sängerin und Songschreiberin, bevor sie 2007 ihr literarisches Debüt vorlegte, für das sie mit dem Tsubouchi-Shoyo-Preis für Nachwuchsschriftstellerinnen ausgezeichnet wurde. Im folgenden Jahr veröffentlichte Kawakami die Novelle 'Brüste und Eier', die die Grundlage des vorliegenden Romans bildet. Hierfür gewann sie den Akutagawa-Preis, Japans wichtigste literarische Auszeichnung, und etablierte sich als eine der bedeutends
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 19.08.2020

Bleichmittel auf die Brustspitzen

Wie sehen japanische Frauen ihr Liebesleben? Mieko Kawakamis "Brüste und Eier" steht symptomatisch für eine ganze Reihe von Romanen, die darüber ungeschminkt Auskunft geben. Und damit ein Gesellschaftsporträt des Landes zeichnen. Nun erscheint das Buch auf Deutsch.

Alles ist schon äußerlich auf Erfolg gebürstet: Derber als mit "Brüste und Eier" kann ein als Roman ausgewiesenes Werk kaum betitelt werden. Im Kontrast dazu bedient das Cover in Hellblau, gerahmt von Kirschblüten und Schmetterlingen, ergänzt durch die Geste einer keusch ihre Brust bedeckenden jungen ostasiatischen Frau, konventionelle Erwartungen an eine japanische Autorin. Das Ganze wird verkaufsfördernd ergänzt durch ein Lob des männlichen Kollegen Haruki Murakami. "Brüste und Eier" basiert auf einer gleichnamigen, 2008 preisgekrönten Erzählung von Mieko Kawakami, die sich damit in die Riege der prominenten und neuerdings auch international sichtbaren japanischen Schriftstellerinnen hochgeschrieben hat.

Worum geht es? Natsuko, die dreißigjährige Ich-Erzählerin mit schriftstellerischen Ambitionen, bewohnt ein winziges Apartment in Tokio und erhält Besuch von ihrer älteren Schwester Makiko sowie deren zwölfjähriger Tochter. Makiko schlägt sich in einer heruntergekommenen Gegend von Osaka als Bardame durch und hat sich eine Brustvergrößerung in den Kopf gesetzt - in der Hoffnung, damit die nachwachsende Konkurrenz auf Distanz zu halten. Nach intensivem Studium der Prospekte von Schönheitskliniken in der Hauptstadt steht nun eine direkte Beratung an, auch wenn unklar bleibt, wie sie die für ihre Verhältnisse astronomischen Kosten stemmen will.

Nicht nur die Schwester, auch ihre Tochter Midoriko sieht das Unterfangen insgeheim skeptisch. Doch schon lange redet die nicht mehr mit der Mutter, und was in ihr vorgeht, erfahren wir nur aus in den Text eingestreuten tagebuchartigen Notizen. Midoriko findet es "voll eklig", dass ihr, wenn sie demnächst ihre Tage bekommt, "jahrzehntelang jeden Monat Blut zwischen den Beinen herausfließt". Alles, was auf Weiblichkeit und Sexualität hindeutet, ist ihr zuwider, zudem schreckt sie der Gedanke, selbst Mutter zu werden. Auch ihre Tante Natsuko kann sich ein Leben mit einem Mann schlichtweg nicht vorstellen und bezeichnet sich selbst als asexuell. Immerhin verfolgt sie im zweiten Teil des Buches, der acht Jahre später, im Sommer 2016, einsetzt, eine eigene obsessive Idee: Sie will ein Kind ohne Mann großziehen. Und das weiterhin ohne festes Einkommen.

Was treibt diese Frauen zu ihren einsamen und kaum begründeten Beschlüssen, die sie womöglich nur noch weiter ins gesellschaftliche Abseits führen? Hier zeichnet sich ein einigermaßen düsteres Bild von Weiblichkeit in Japan ab. Und es ist keinesfalls aus der Luft gegriffen. In einer Gesellschaft, die nach wie vor stark von Geschlechterseparierung bestimmt ist, klaffen die Lebenswelten von Männern und Frauen stärker auseinander als in anderen fortgeschrittenen Industriegesellschaften. Wo Firmen ihren weiblichen Angestellten zur Uniform gleich auch noch die Absatzhöhe ihrer Schuhe vorschreiben und Frauen auf dem Arbeitsmarkt, ungeachtet aller offiziellen Gleichstellungsgebote, von vornherein die schlechteren Karten haben, ist es um weibliche Selbstverwirklichung nicht gut bestellt. Doch ungeachtet der einigermaßen trostlos erscheinenden Verhältnisse sind die Frauen in diesem Roman nicht etwa depressiv oder wehleidig, sie klagen nicht an. Vielmehr scheinen sie nach dem Motto zu handeln: Uns hilft eh keiner, also müssen wir uns selbst helfen. So verfolgen sie hartnäckig ihre dann doch wieder nicht so ausgefallenen Ziele.

Entscheidend für die erzählerische Wirkung sind der unterschwellige Humor und die Kunst der Autorin, uns die teils grotesken Begebenheiten im zumeist ärmlichen oder schmuddeligen Ambiente mit peppigen Dialogen ungemein lebensecht vor Augen zu führen. Für diese Art von realitätsgesättigtem, stellenweise auch überzeichnendem Erzählen hat der Verlag in Katja Busson eine kongeniale Übersetzerin gefunden. Der Erfolg des Werks in Japan hatte nicht zuletzt mit dem besonderen Tonfall des weitgehend im Osaka-Dialekt verfassten Textes zu tun. Dessen in Japan vertrauter Sound ist gekennzeichnet durch Mutterwitz, entwaffnende Direktheit und - für Muttersprachler - Heimeligkeit. Der versierten und trickreichen Übersetzerin ist das Kunststück gelungen, diesen Klang ins Deutsche hinüberzuretten, mitsamt Kawakamis Mix an Komik, Übertreibung und, ja, existentieller Dringlichkeit.

In einer der wirklich urkomischen Szenen - die Schwestern entspannen sich abends im öffentlichen Badehaus - fordert Midoriko die Schwester auf, ihre nackten Brüste zu taxieren: "Größe weiß ich selbst, dazu brauchst du nichts zu sagen. Aber was ist mit der Farbe? Die Farbe! Findest du meine Brustwarzen auch schwarz? Wenn ja, wie schwarz? Sei ehrlich!" Natsuko fühlt sich bedrängt und druckst herum. denn was sie sieht, ist Folgendes: "Wieder und wieder rauschten ihre Brüste und mit den Brüsten ihre Brustwarzen aus dem Wasser, stiegen, noch dazu in Zeitlupe, auf, wie das Ungeheuer von Loch Ness oder ein riesiges U-Boot. Auf ihrer Brust, die nicht größer war als die Schwellung nach einem Mückenstich, saßen in großen Höfen zwei ebenso breite wie hohe, imposante Brustwarzen. Sie sahen förmlich wie Bedienknöpfe aus. Oder liegende Autoreifen."

Möglichst hellrosa sollen Brustwarzen in Japan sein, was dortige Frauen zu Bleichmitteln greifen lässt. Auch Makiko hat sich drei Monate lang mit Peeling- und Weißmachersalben - "kostet ein Heidengeld, tut weh, juckt wie Sau" - gequält. Um sich, nebenbei bemerkt, einer als europäisch geltenden Schönheitsnorm zu unterwerfen, die zudem mit Jugend und Reinheit gleichgesetzt wird. Übrigens auch in der Literatur männlicher Autoren. Übrigens auch bei Murakami.

Doch die Ich-Erzählerin urteilt nicht. Zwar fragt sie sich: "Warum wollte sie sich die Brüste vergrößern lassen und rosa Brustwarzen haben?" Nur um fortzufahren: "Wahrscheinlich gab es gar keinen besonderen Grund. Um nach Schönheit zu streben, braucht man keinen Grund. Schön ist gut. Und gut macht glücklich."

Nun sind Themen wie Selbstoptimierung durch Schönheitsoperationen, Reproduktion ohne Partner, Ablehnung von Weiblichkeit bei pubertierenden Mädchen oder auch zunehmende Aversionen gegen Sexualität und Erotik bei jungen wie älteren Erwachsenen nicht neu, weder in Japan noch international. Die Ursachen und Hintergründe sind in vielen Ländern und Regionen vergleichbar. Interessant ist eher der jeweilige Diskurs. Was wird aus welchen Gründen angestrebt oder abgelehnt?

Kawakamis Roman lässt hinter der unkommentierten Stimmenkakophonie zwei Grundlinien ihres Erzählens anklingen: die gleichermaßen von stiller Verzweiflung wie von Trotz getragene Beobachtung sozialer Vereinzelung und Prekarisierung der Lebensverhältnisse einerseits und die etwas utopisch anmutende Vorstellung familiären Zusammenhalts als Zuflucht und Kraftquelle andererseits. Genau besehen aber haben Männer darin gar keinen Platz mehr. War doch schon seit mehreren Generationen Familie für Natsuko nur als Rumpfgemeinschaft von Müttern und Töchtern erlebbar. Wie konservativ und vergangenheitsverklärend die Häufung ihrer nostalgischen Erinnerungen an Mutter und Großmutter einzuordnen ist oder ob diese nur das demonstrative Gegengewicht zur Kritik an der spätkapitalistischen Gesellschaft bilden sollen, mag eine japanische Leserschaft erwägen.

Von Europa aus gesehen, bestätigt sich mit Kawakamis stellenweise etwas geschwätzigen Ausführungen in "Brüste und Eier" aber eine Beobachtung, die sich schon seit den fünfziger und sechziger Jahren an der Literatur japanischer Autorinnen machen ließ. In ihren verblüffend kühnen Texten zur weiblichen Sexualität, Mutterschaft und zum Verhältnis der Geschlechter werden die Erwartungen an männliche Partner ausgesprochen niedrig angesetzt. Mit unerfüllbar hohen Erwartungen an Paarbeziehungen halten sich demnach japanische Frauen nicht auf. Vielmehr widmen sie ihre Energien einer emotionalen Autonomie, die ihnen Kraft zur Verfolgung ihrer Ziele lässt - pragmatisch und jenseits romantischer Ideale. Vielleicht ist es nun an der Zeit, die Literatur ihrer auch ins Deutsche übersetzten Vorgängerinnen, von Chiyo Uno bis Fumiko Enchi, Taeko Kono, Kazuko Saegusa, Sawako Ariyoshi oder Minako Oba bis hin zu Yuko Tsushima und Hiromi Ito, neu zu lesen und ihre Lebensentwürfe im 21. Jahrhundert wiederzuentdecken.

IRMELA HIJIYA-KIRSCHNEREIT

Mieko Kawakami: "Brüste und Eier". Roman.

Aus dem Japanischen von Katja Busson. DuMont Verlag, Köln 2020.

495 S., geb., 24,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur Dlf-Rezension

Rezensentin Katharina Borchardt ist gespaltener Meinung über Mieko Kawakamis Roman. Dass Männer darin kaum vorkommen und Frauen nur als um ihre Körper als Ware besorgte Wesen, findet die Rezensentin frech. Auch sprachlich geht der Text recht "direkt" los, meint sie. Bis auf die Passagen, in denen die drei weiblichen Protagonistinnen über Brustwarzenfarben und künstliche Befruchtung u.ä. schwadronieren. Diese Teile des Buches scheinen Borchardt eher essayistisch, spannungsarm und voller Längen. Dass in einem Roman über Brüste und Eier "null Erotik" vorkommt, findet Borchardt hingegen schon fast spektakulär.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 26.08.2020

Geschmorte Auberginen
Feminismus? Weltliteratur? Oder am Ende gar beides? Mieko Kawakamis Roman „Brüste und Eier“
erzählt von der japanischen Gesellschaft aus der Perspektive einer Frau am Existenzminimum
VON JULIANE LIEBERT
Manche Cover sind ein Verbrechen. Das hier zum Beispiel. Kirschblüten, Michelangelos sixtinische Adamspforte, makelloser, sich keusch rekelnder Frauenkörper und Schmetterlinge vor Himmelblau? Zum Glück kann die grausige Verpackung Mieko Kawakamis Roman nichts anhaben. Mit feiner literarischer Technik und doch im besten Sinne schlicht erzählt sie von Natsuko Natsume, oder besser gesagt: lässt diese selbst erzählen. Von ihrem Leben, ihrer Familie und den wenigen Menschen, die sie näher kennenlernt. Dem sommerlichen Namen angemessen, denn Natsu bedeutet auf Japanisch Sommer, beginnt die Geschichte in der brütenden Augusthitze des Jahres 2008. Die ältere Schwester Makiko und deren zwölfjährige Tochter Midoriko sind zu Besuch in Tokyo. Aus Osaka, wo die Schwestern in schwierigen Verhältnissen aufwuchsen.
„Wenn man wissen will, wie arm jemand war, fragt man ihn am besten, wie viele Fenster die Wohnung hatte, in der er aufgewachsen ist“, lautet der erste Satz. „Brüste und Eier“ ist nicht allein ein Buch über Frauen, sondern ganz wesentlich ein Buch über sozialen Status – und damit über Geld. Der Preis noch des kleinsten Einkaufs im Conbini (die japanischen 24/7-Läden, weltberühmt geworden durch Sayaka Muratas Roman „Die Ladenhüterin“) wird verzeichnet. Nach ein paar dutzend Seiten googelt man den Wechselkurs Yen/Euro und denkt an Dostojewski, bei dem der Rubel stets eine tragende Rolle spielt. Kawakami wählt für ihr Gesellschaftsbild die Froschperspektive der Frau am Rande des Existenzminimums.
Natsuko, gerade dreißig geworden, wohnt seit zehn Jahren in derselben bescheidenen Bude. Sie schlägt sich mit Zeitarbeitsjobs durch, hegt schriftstellerische Ambitionen, ohne diese jedoch zielstrebig zu verfolgen. Makiko hält sich als Hostess in einer Bar über Wasser, geht auf die vierzig zu und hat sich in die fixe Idee verrannt, ihre Brüste per OP zu optimieren. Ein Wunsch, der ihre finanziellen Mittel bei Weitem übersteigt. Ihre Tochter spricht seit Wochen nicht mit ihr, sorgt sich aber im Stillen um die Mutter. Midoriko hadert damit, wie ihr Körper sich zu verändern beginnt. Sie schreibt unaufhörlich in ein Notizbuch.
Ihre Aufzeichnungen über die (noch ausstehende) erste Monatsblutung und die philosophischen Abgründe der Fortpflanzung sind kursiv gedruckt in den Text montiert. Ein narrativer Kniff, der funktioniert, weil der Ton authentisch ist: „Was für eine beängstigende, schreckliche Vorstellung! Dass schon vor meiner Geburt in mir die Grundlage für neues Leben existiert. Noch dazu in solchen Mengen!“
So unschuldig radikal denken nur kluge Mädchen in der Pubertät. Das zweitägige Familientreffen mündet in ein dramatisches Finale, von dem nur so viel verraten sei, dass nicht mehr ganz frische Hühnereier zum Medium der Katharsis werden.
Mit Natsuko hat Mieko Kawakami eine aufmerksame, zurückhaltende, von ihrer Herkunft tief geprägte Erzählerin erschaffen. Keine Revolutionärin oder larmoyante Intellektuelle, sondern eine im Grunde menschenfreundliche Einzelgängerin. Darum bemüht, halbwegs klarzukommen, aber unfähig, in der Lüge zu leben.
Kawakami rhythmisiert die Orientierungssuche ihrer Protagonistin mithilfe der Jahreszeiten, arbeitet mit subtil variierten motivischen Reprisen, etwa wenn ein Riesenrad im ersten und im zweiten Teil zum Schauplatz einer wichtigen Szene wird. Sie zeigt damit das Leben, allen Zwängen zum Trotz, in leisem Optimismus als gleichermaßen zyklischen wie offenen Prozess.
Weibliche Körpererfahrung vom Pinkeln bis zum Schweißausbruch dokumentiert sie mit beiläufiger Genauigkeit, ohne provokativen Gestus. Die Vielzahl an Details aus dem japanischen Alltag, vom Essen bis zu den Stadtvierteln, erzeugt einen fast immersiven Effekt. Im Original wird oft der Osaka-Dialekt verwendet, Katja Busson vollbringt als Übersetzerin Höchstleistungen, um die verschiedenen Sprachebenen im Deutschen sichtbar zu machen. Auch robuster Witz gehört zum Repertoire. Natsuko fühlt sich etwa beim Blick in den Spiegel an „geschmorte Auberginen“ erinnert.
Aber Kawakamis größte Stärke als Autorin liegt vielleicht darin, im richtigen Moment vom unterhaltsamen, vielstimmigen Dialogstil und gelegentlich etwas zu wortreichen Ereignisbericht in die Anschauung zu wechseln. „Midoriko hatte die Stirn am Fenster und sah nach unten“, heißt es in einer Riesenradszene, „dann rutschte sie auf die andere Seite, wo sie wieder die Stirn ans Fenster presste. Ihr Pferdeschwanz war so locker, dass sich das Haar im Nacken bauschte.“ Die Schwelle zum Erwachsenwerden, der Moment, wenn die Kindheit zu flackern beginnt, ist hier in einer einfachen, auf jegliche Sexualisierung verzichtenden Beschreibung verdichtet. Und das in einem Roman, der „Brüste und Eier“ heißt. Man könnte, denn geschrieben wurde er von einer Frau, noch über Feminismus sprechen. Über das patriarchale Japan, denn dort spielt die Handlung, und welche Kraft es Frauen kostet, sich von den Normen dieser Gesellschaft zu befreien. Alternativvorschlag: Sprechen wir über Weltliteratur. Kaum ist es gesagt, breitet sich eine würdevolle Schwere im Hirn aus. Nobelpreise ziehen vorüber, magische Realisten, die ihrerseits für Brüste und Eier brennen, nur anders halt. Vor allem ist Weltliteratur jedoch Literatur, die von einem spezifischen Kultur- und individuellen Erfahrungsraum so eigenwillig erzählt, dass es alle Menschen und sonstigen Lebewesen, die denken und fühlen können, etwas angeht. In diesem Sinn ist, besser: sind „Brüste und Eier“ Weltliteratur.
Mieko Kawakami: Brüste und Eier. Roman. Aus dem Japanischen von Katja Busson. Dumont, Köln 2020. 496 Seiten, 19,99 Euro.
Weibliche Körpererfahrung
mit beiläufiger Genauigkeit, aber
ohne provokativen Gestus
Vom Finale sei nur so viel verraten, dass nicht mehr ganz frische Hühnereier zum Medium der Katharsis werden: die japanische Schriftstellerin Mieko Kawakami.
Foto: Wakaba Noda
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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ter Roman.«
Roland Mischke, LUXEMBURGER TAGEBLATT

»Mieko Kawakami, Idol junger Japanerinnen«
Peter Pisa, KURIER

»Mieko Kawakami gelingt es [...] ein detailreiches, faszinierendes Bild des heutigen Japans aus einer explizit weiblichen Sicht zu zeichnen.«
Anne Burgmer, KÖLNER STADT-ANZEIGER BÜCHERMAGAZIN

»'Brüste und Eier' ist ein vielschichtiger Roman, in dem es um Frauenkörper, um Mütter und Töchter und um das Erfüllen oder Nicht-Erfüllen von Rollenerwartungen geht.«
Maria Schmidt, FEMALE WRITERS CLUB

»Mieko Kawakami ist mit 'Brüste und Eier' ein wunderbar radikaler, feministischer und sehr unterhaltender Roman über die Rolle der Frau in der japanischen Gesellschaft gelungen.«
Silke Schröder, HALLO-BUCH.DE
»Die Schriftstellerin Mieko Kawakami [...] trifft einen Nerv.«
Alexandra Rojkov, DER SPIEGEL

»Eine[..] herrlich durchgeknallten Suche nach Mutterschaft. [...] man liest [das Buch] mit großem Vergnügen.«
Marlen Hobrack, DIE ZEIT

»Weltliteratur ist Literatur, die von einem spezifischen Kultur- und individuellen Erfahrungsraum so eigenwillig erzählt, dass es alle Menschen und sonstige Lebewesen, die denken und fühlen können, etwas angeht. In diesem Sinn ist, besser: sind 'Brüste und Eier' Weltliteratur.«
Juliane Liebert, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

»Warum Sie sich ein offensichtlich durchgeknalltes, feministisches Buch antun sollten [?]. [...] Wenn Sie es nicht tun, verzichten Sie auf den wildesten, wärmsten, lebensverknalltesten, ernsthaftesten und unterhaltsamsten Roman, den man gerade entdecken kann«
Peter Praschl, DIE LITERARISCHE WELT

»Mieko Kawakami schreibt lautstark gegen die verkrustete Gesellschaft Japans an.«
Frauke Fentloh, FOCUS

»[Kawakami] sucht hinter die Hochglanzfassade Japans.«
Esther Schneider, SRF2

»Umwerfend lässig und präzise beschreibt Mieko Kawakami die Realitäten des weiblichen Körpers.«
Ariane Heimbach, BRIGITTE

»Mieko Kawakamis meisterliche Erzählung von Weiblichkeit in der Postmoderne erweist sich als universeller Frauenroman
Ursula März, DEUTSCHLANDFUNK KULTUR

»Wunderbar boshaft schreibt Kawakami über die Themen der drei Protagonistinnen im gegenwärtigen Japan.«
Jörg Petzold, FLUX F.M.

»[Der Roman] ist frech und direkt erzählt und bebildert ein interessantes Sozialphänomen. Erzählerisch aber hat er einige Schwächen.«
Katharina Borchardt, DEUTSCHLANDFUNK BÜCHERMARKT

»Ein ungewöhnlich direkter Roman«
Marie Kaiser, RBB Radio Eins LITERATURAGENTEN

»Man [kann] sich dem Realismus in 'Brüste und Eier' kaum entziehen - vor allem den exakten Beschreibungen weiblicher Realitäten, denn die Männer kommen in diesem Buch nur am Rande vor.«
Samira Lazarovic, N-TV.DE

»Eindrucksvoll schreibt Mieko Kawakami über Körperfragen und teils irrwitzige gesellschaftliche Erwartungen an (uns) Frauen.«
Jana Felgenhauer, BARBARA

»Eine echte Empfehlung.«
Barbara Geschwinde, WDR 5 BÜCHER

»Das Buch ist eine intensive Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen«
Imke Weiter, EMOTION

»Setzt beim Lesen eine fette Ladung Glückshormone frei.«
Christine Hohwieler, BRIGITTE WOMAN

»[Kawakami] gelingen in dem Roman mehrere Dinge. Sie beschreibt die japanische Gegenwartsgesellschaft, in der traditionelle Geschlechterrollen mit individuellen Wünschen kollidieren. Sie beschreibt eindringlich das soziale Gefälle: [...]. Aber auch kulturelle Besonderheiten. [Natsuko Natsume ist] eine großartige Heldin.«
Jutta Sommerbauer, DIE PRESSE

»Eine Entdeckung.«
Thomas Andre, HAMBURGER ABENDBLATT

»[Der Roman ist] mit [...] warmherzig-witzigen, direkt aus dem Leben gegriffenen Episoden gespickt. Das macht ihn [...] zu einer inspirierenden, optimistisch stimmenden Lektüre.«
Kathrin Hillgruber, DIE RHEINPFALZ

»Mieko Kawakamis 'Brüste und Eier' ist ein wunderbar durchgeknallter Roman.«
Roland Mischke, LUXEMBURGER TAGEBLATT

»Mieko Kawakami, Idol junger Japanerinnen«
Peter Pisa, KURIER

»Mieko Kawakami gelingt es [...] ein detailreiches, faszinierendes Bild des heutigen Japans aus einer explizit weiblichen Sicht zu zeichnen.«
Anne Burgmer, KÖLNER STADT-ANZEIGER BÜCHERMAGAZIN

»'Brüste und Eier' ist ein vielschichtiger Roman, in dem es um Frauenkörper, um Mütter und Töchter und um das Erfüllen oder Nicht-Erfüllen von Rollenerwartungen geht.«
Maria Schmidt, FEMALE WRITERS CLUB

»Mieko Kawakami ist mit 'Brüste und Eier' ein wunderbar radikaler, feministischer und sehr unterhaltender Roman über die Rolle der Frau in der japanischen Gesellschaft gelungen.«
Silke Schröder, HALLO-BUCH.DE
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