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7 Kundenbewertungen

Eigentlich möchte Jonas Brand nur sein Filmprojekt "Montecristo" verwirklichen. Doch dann gerät der Journalist immer tiefer in eine Sache, die größer ist als jeder Blockbuster - mit immensen Folgen für unser Finanzsystem.

Produktbeschreibung
Eigentlich möchte Jonas Brand nur sein Filmprojekt "Montecristo" verwirklichen. Doch dann gerät der Journalist immer tiefer in eine Sache, die größer ist als jeder Blockbuster - mit immensen Folgen für unser Finanzsystem.
  • Produktdetails
  • detebe Diogenes Taschenbücher Nr.24366
  • Verlag: Diogenes
  • Seitenzahl: 308
  • Erscheinungstermin: Oktober 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 182mm x 115mm x 23mm
  • Gewicht: 279g
  • ISBN-13: 9783257243666
  • ISBN-10: 3257243669
  • Artikelnr.: 45012190
Autorenporträt
Martin Suter, geboren 1948 in Zürich, arbeitete bis 1991 als Werbetexter und Creative Director, bis er sich ausschließlich fürs Schreiben entschied. Seine Romane - zuletzt erschien 'Elefant' und 'Allmen und die Erotik' - sowie seine 'Business Class'-Geschichten sind auch international große Erfolge. Martin Suter lebt mit seiner Familie in Zürich.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Martin Suter ist ein Bestsellerautor im besten Sinne, freut sich Rezensent Andreas Fanizadeh: Mit hohem Tempo und sichtlichem Gespür für den Unterhaltungswert - oder kurz: mit "schriftstellerischer Finesse und Eleganz" - erzählt der Autor hier eine Falschgeld-Geschichte, die alsbald auch von der Bankenkrise handeln wird. Neben den glänzenden Recherchen in der Finanzwelt und der leichten Schreibe ist es dabei vor allem auch die an Christoph-Marthaler-Inszenierungen gemahnende Komik, die aus diesem Buch eine so unterhaltsame Lektüre macht, schließt der Kritiker seine Besprechung.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 07.03.2015
Wer den Franken nicht ehrt, ist den Krimi nicht wert

Tunnelblick: Martin Suter lässt in seinem neuen Roman "Montecristo" die Interessen von Banken, Spekulanten und Staat kollidieren.

Von Rose-Maria Gropp

Wer kennt ihn nicht, den "Graf von Monte Christo"? Jenen Abenteuerroman von Alexandre Dumas, geschrieben Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, ursprünglich in Fortsetzungen für die Zeitschrift "Le Journal des débats". Martin Suter kennt ihn bestimmt, sein neues Buch heißt "Montecristo" (geschrieben wie die berühmte kubanische Zigarrenmarke). Nicht zufällig erinnert Suters Roman denn auch an Dumas' berühmte Geschichte aus dem nachrevolutionären Frankreich um Intrige und Verrat, jedenfalls was das Milieu einer korrupten gesellschaftlichen Kaste angeht. Freilich ist sein Protagonist kein Wiedergänger von Dumas' Held Edmond Dantès. Jonas Brand ist bloß einer, der unverschuldet in ein Netz von Verfilzung und Verbrechen gerät, dessen Ausmaße seinen kleinen Horizont übersteigen. Und es fehlt nicht viel, dass ein mörderisches Gefängnis in Thailands Hauptstadt Bangkok zu Brands persönlichem Kerker wird, vergleichbar dem Château d'If vor Marseille, aus dem Dantès entrinnen konnte, um seine Rache zu nehmen. Martin Suter geht es nicht um Rache, es geht ihm um Wachsamkeit.

Denn "Montecristo" spielt in der Schweiz und dort in den höchsten Kreisen - da, wo sich Bankenwesen und Staat innig verflechten zu einer opaken Melange. Die Vermischung wird gefährlich, wenn einer ebendiese Kreise zu stören droht, sei es auch zunächst aus Versehen. Und sei es ein "VJ", ein Videojournalist, wie Jonas Brand einer ist. Brand ist Ende dreißig, seine Ehe ist gescheitert, und er hat seine Ambitionen als Filmemacher - vorerst - begraben müssen unter Beiträgen für ein Boulevardmagazin namens "Highlife" im öffentlich-rechtlichen Schweizerischen Fernsehen. Alle Romane Suters spielen, im Kern jedenfalls, in der Schweiz; er selbst ist Schweizer, der international erfolgreichste Schriftsteller seines Landes, und er lebt in Zürich. Es ist gar nicht so, dass Suter seine Heimat und seine Landsleute nicht mag, im Gegenteil. Doch er hält der Schweiz immer wieder einen Spiegel der Mechanismen ihres Funktionierens vor. Das tut er unter der Hülle seines genial geschmeidigen Erzählstils, mit dem er Leser auf der ganzen Welt erreicht.

Für "Montecristo" beginnt die Geschichte mit einem Zug, der in einem Tunnel durch die Notbremse zum Stehen kommt. Der frühabendliche Intercity nach Basel ist mit Pendlern besetzt, man kennt sich vom Sehen. Jemand ist offenbar aus dem Zug gestürzt, mit dem auch Jonas Brand unterwegs ist: "Ein abgebrühter Videojournalist wäre jetzt ausgestiegen und hätte das Bündel, das dort lag, aus etwas kürzerer Distanz gefilmt. Aber Jonas Brand war nicht abgebrüht." Vielmehr filmt er im Zug und befragt einige der Mitreisenden, eher zufällig. Schon diese Exposition macht klar: Suters Protagonist ist kein Profi mit Biss, sondern bis auf weiteres ein Zauderer; ihm steht noch einiges bevor. Und die Atmosphäre im Intercity erscheint plötzlich als unheilschwanger; von hier aus wird schlimmes Geschehen seinen Lauf nehmen: Genau so kündigt sich die Meisterschaft eines Thrillers an, in dem das gedrehte Material aus dem Zug allerdings erst einmal liegenbleibt.

Zweieinhalb Monate später, am Beginn eines zu warmen Dezembers, macht Jonas Brand eine rätselhafte Entdeckung. Ihm kommen durch einen Zufall, der jede Wahrscheinlichkeit von Statistik unterläuft, zwei Hundert-Franken-Scheine in die Hände, deren Seriennummern identisch sind. Was nicht wahr sein kann, erweist sich als wirklich: Beide sind echt, das bestätigt ihm der Berater bei seiner Hausbank, der General Confederate Bank of Switzerland, angesichts der weiteren Merkmale der Geldscheine. Und das bestätigt ihm auch, völlig überrumpelt, Adam Dillier, der Chef der "Coromag", jener Sicherheitsdruckerei in Zürich, bei der die Banknoten einiger Länder gedruckt werden - auch die der Schweiz. Dillier ist sofort klar, dass "der Super-GAU eingetreten war". Und Suter weiß genau, was er tut, wenn er sich auf das Terrain von Finanzmachenschaften begibt: Wenn GAU schon das Kürzel für den "größten anzunehmenden Unfall" ist, dann ist die Steigerung "Super-", die dem Coromag-Chef ins Hirn schießt, blanker Sarkasmus. Wie Suter derartige Wechsel der Erzählperspektive an den Schnittstellen der Romanhandlung, nachgerade spielerisch, hinkriegt, muss man bewundern. Auf diese Weise wird er die Charaktere des Personals, das die Fäden zieht in der Verstrickung von Wirtschaft und Politik, die da peu à peu sichtbar wird, mehrmals ins grelle Licht seiner Schreibkunst stellen.

Die unverständlichen Geschehnisse führen dazu, dass Jonas Brand doch noch der Ehrgeiz zur Recherche packt. Immerhin ist vor der Begegnung mit dem nervösen Adam Dillier seine Wohnung durchwühlt worden, und er selbst wurde auf der Straße zusammengeschlagen. Außerdem hat er gerade privat einigermaßen Oberwasser, denn die wunderschöne Marina hat sich mit ihm eingelassen. Keineswegs flicht Martin Suter eine Lovestory ein, weil sie halt zu einem gut dreihundert Seiten starken Kriminalroman gehören würde. Sondern er zeigt, wie zerstörerisch die Machenschaften von Hochfinanz und Staatsorganen in die Intimsphäre von Menschen übergreifen können, die in diese Netze geraten.

Martin Suter hat einen heiß-kalten Thriller über jene Sphäre geschrieben, in der sich Großbanken und Börsenspekulationen gefährlich mit staatlichen Interessen amalgamieren und dabei nicht nur metaphorisch über Leichen gehen. Der Schauplatz ist die Schweiz, aber es ist mehr als eine ironische Pointe, dass ein globales Szenario aufgemacht wird. Und es ist davon auszugehen, dass die Realität Suters absolut plausible Fiktion noch lässig überbietet.

Martin Suter: "Montecristo". Roman.

Diogenes Verlag, Zürich 2015. 320 S., geb., 23,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 12.03.2015
Die Bank
gewinnt immer
Martin Suters Wirtschaftskrimi „Montecristo“
ist ein Meisterwerk der Desillusionierung
VON CHRISTOPHER SCHMIDT
Drei Morde geschehen in diesem Roman, drei Morde, für die sich keiner interessiert, am wenigsten die Polizei. Zu mächtig sind die Kräfte der Finanzwirtschaft, die hier greifen, mächtiger als Politik und Staatsgewalt. Wie weit die Hochfinanz in das Leben Einzelner hineinwirkt und selbst die privatesten Beziehungen korrumpiert, das führt Martin Suter mit unbestechlichem Blick und kaltem Grimm in seinem neuen Buch vor, einem globalen Wirtschaftskrimi.
  „Montecristo“ heißt der Roman, genauso wie das Drehbuch von Suters Hauptfigur Jonas Brand, der von einer Karriere beim Film träumt, sich einstweilen aber als Videoreporter eines Lifestyle-Magazins durchschlägt. Ein zeitgemäßes Remake des berühmten Abenteuerromans „Der Graf von Monte Christo“ will er drehen – über einen jungen Dotcom-Unternehmer, dem seine Geschäftspartner Heroin ins Gepäck schmuggeln lassen, woraufhin er in einem thailändischen Gefängnis verschwindet wie Edmond Dantès bei Alexandre Dumas in den Kerkern des Château d’If. Der Unterschied liegt in der Schreibweise: „Montecristo“ spielt an auf den ikonischen Bonzen-Lolli, die bevorzugte Zigarre der Entscheider.
  Noch ahnt Jonas Brand nicht, dass seine Rolle bei diesem Film weniger die des Regisseurs sein könnte als vielmehr die des Hauptdarstellers, und dass er sie statt im Kino im wahren Leben spielt – womit Martin Suter gleich mal ein Spiegelmotiv einführt, eine Mise en abyme, die einmal mehr beglaubigt, wie viel der Autor Suter der romantischen Literatur verdankt. Aber Suter hat nicht nur E.T.A. Hoffmann und Dumas gelesen. Er kennt auch seinen Hitchcock und seinen Michelangelo Antonioni. Der Roman beginnt damit, dass jemand die Notbremse zieht im Intercity nach Basel, ein Personenschaden, heißt es, und dieses Wort ist genauso zynisch, wie es die Kommentare der Reisenden sind. Sie empfinden diese Art, sich umzubringen, als unsozial, sehen darin einen Anschlag auf den wohlverdienten Feierabend.
  Es ist ein perfides Kammerspiel, das Suter hier inszeniert. Auf engstem Raum porträtiert er das Milieu der Berufspendler, zeigt das gehetzte, verschwitzte Proletariat der Finanzwirtschaft, Sklaven auf dem Ruderdeck der Galeere namens Globalisierung. Aufs Geratewohl filmt Jonas Brand ein wenig im Zug, sammelt ein paar O-Töne, ein journalistischer Reflex, nicht mehr. Und hier kommt Antonionis „Blow Up“ ins Spiel, der Film, dem Martin Suter seine Reverenz erweist. Denn mit seiner Kamera hat Jonas Brand ein wichtiges Detail eingefangen, das ihm später das Verbindungsstück liefern wird zu einem ganz anderen Vorfall, einem, der zunächst in keinem Zusammenhang mit dem Personenschaden zu stehen scheint.
  Als Brand das Wirtschaftsgeld für seine Haushälterin herauslegt, entdeckt er, dass die beiden Hundert-Franken-Scheine identische Seriennummern aufweisen, und vermutet Falschgeld. Er geht der Sache nach, ohne Erfolg. Dann wird in seine Wohnung eingebrochen und alles verwüstet, kurz darauf schlagen ihn Unbekannte auf der Straße zusammen. Doch als sich plötzlich die Möglichkeit bietet, sein eigentlich längst beerdigtes Filmprojekt doch noch zu realisieren, verfliegt sein Interesse. Er will nicht sehen, dass die Fördertöpfe sich aus dem selben Grund so wundersam aufgetan haben könnten, weshalb man ihn einzuschüchtern versuchte: um ihn von seinen Nachforschungen abzubringen.
  Mitten in der Midlife-Crisis muss Jonas, der zum Staatsfeind Nummer eins aufgestiegene Naivling, sich entscheiden: Will er als Filmregisseur Karriere machen oder als Enthüllungsjournalist, als Illusionskünstler oder als einer, der die Wahrheit ans Licht bringt? In die eine Richtung zieht ihn sein Freund Max, ein gewesener Polit-Anchorman, den der Tod seiner Frau aus der Bahn geworfen hat. Max recherchiert weiter und stößt auf den Fall eines Derivate-Händlers, der einen zweistelligen Milliardenbetrag verzockt und sich kurz darauf das Leben genommen hat. Jonas indessen gibt fürs erste dem Drängen seiner neuen Liebe Marina nach und stürzt sich in die Dreharbeiten.
  Dass die schöne, exotisch wirkende Marina dabei nicht nur von romantischen Motiven getrieben wird, verleiht der frischen Beziehung Züge einer erotischen Farce. In einer Szene stellt Suter sie nackt bis auf eine aus zwei Küchentüchern improvisierte Schürze an den Kochherd, als wäre sie dem Pirelli-Kalender entsprungen. Hier ist Suter etwas zu viel Testosteron aus der Feder geflossen, und das wird nicht ganz dadurch ausgeglichen, dass er hinter dem Rücken seiner Figuren Zyankali in Marinas Tomatensugo rührt.
  Suters dreiteilige These: Weil alle genauso weitermachen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Bankenkrise kommt. Und weil der Staat die Finanzinstitute nicht noch einmal retten wird, scheuen sie vor keinem Mittel zurück. Doch weil alle darin verstrickt sind, wird Wirtschaftskriminalität irgendwann zur Staatsräson erklärt. Suter hat einen Kriminalroman geschrieben, der alle Kriminalromane übersteigt. Die Behauptung, dass es kein Verbrechen gibt, wenn es keiner mehr beim Namen nennt, das, so Suter, ist das größte Verbrechen von allen.
  Nie zuvor hat der Verschwörungstheoretiker Suter so gut zusammengearbeitet mit dem Beschwörungspraktiker Suter. Den verspiegelten Fassaden der Global Player, hinter die man nie richtig dringt, setzt er viel Lokalkolorit entgegen. Und er sagt ganz genau, wie viel Geld eigentlich 8,4 Milliarden in Hundert-Franken-Scheinen sind: ein Lastwagen voll, achtzehn Paletten. Hervorragend gelingt es ihm, eine Atmosphäre seelenloser Professionalität zu erzeugen, die ebenso an die Kriminalromane von Friedrich Dürrenmatt denken lässt wie an Anton Corbijns Film „A Most Wanted Man“. Zum Beispiel, wenn er einen Auftragskiller nicht als brutale Hackfresse zeichnet, sondern als hochqualifizierten Freelancer mit einer umweltschonenden E-Zigarette im Mundwinkel. Dass der Mann auch noch Opern liebt, ist eigentlich fast schon zu viel, wäre es nicht wieder eine Verneigung vor einem großen Film, Billy Wilders „Manche mögen’s heiß“, in dem die Mobster sich als Freunde der italienischen Oper tarnen.
  „Montecristo“, der in dieser Woche die Spitze der Spiegel -Bestsellerliste erklommen hat, also Suters Stammplatz, ist ein Wunderwerk der Konstruktion. Herrlich allein schon, wie er das Motiv der Schatzsuche in allen Varianten durchspielt, von der Geheimschublade in einer asiatischen Statue über das Bankschließfach bis zum Computer-File. Und dass Suter die Spur irgendwann erkalten lässt wie eine schlecht angerauchte Montecristo, darin besteht sein bester Trick. Als wollte er sagen, dass eigentlich die Wirklichkeit der wahre ungelöste Fall ist. Und dass die Zigarre nur noch bitter schmeckt, wenn es die Welt selbst ist, die brennt.
Liquiditätsprobleme?
Einfach einmal den Lastwagen
voll machen, bitte!
              
  
  
  
  
Marin Suter: Montecristo. Roman. Diogenes Verlag, Zürich 2015. 320 Seiten, 23,90 Euro. E-Book
21,99 Euro.
Der Verschwörungstheoretiker als Beschwörungspraktiker: Martin Suter.
Foto:  Alberto Venzago
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