EUR 18,00
Portofrei*
Alle Preise inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln

  • Gebundenes Buch

10 Kundenbewertungen

Willkommen in QualityLand, in einer nicht allzu fernen Zukunft: Alles läuft rund - Arbeit, Freizeit und Beziehungen sind von Algorithmen optimiert. Trotzdem beschleicht den Maschinenverschrotter Peter Arbeitsloser immer mehr das Gefühl, dass mit seinem Leben etwas nicht stimmt. Wenn das System wirklich so perfekt ist, warum gibt es dann Drohnen, die an Flugangst leiden, oder Kampfroboter mit posttraumatischer Belastungsstörung? Warum werden die Maschinen immer menschlicher, aber die Menschen immer maschineller? Marc-Uwe Kling hat die Verheißungen und das Unbehagen der digitalen Gegenwart zu…mehr

Produktbeschreibung
Willkommen in QualityLand, in einer nicht allzu fernen Zukunft: Alles läuft rund - Arbeit, Freizeit und Beziehungen sind von Algorithmen optimiert. Trotzdem beschleicht den Maschinenverschrotter Peter Arbeitsloser immer mehr das Gefühl, dass mit seinem Leben etwas nicht stimmt. Wenn das System wirklich so perfekt ist, warum gibt es dann Drohnen, die an Flugangst leiden, oder Kampfroboter mit posttraumatischer Belastungsstörung? Warum werden die Maschinen immer menschlicher, aber die Menschen immer maschineller? Marc-Uwe Kling hat die Verheißungen und das Unbehagen der digitalen Gegenwart zu einer verblüffenden Zukunftssatire verdichtet, die lange nachwirkt. Visionär, hintergründig - und so komisch wie die Känguru-Trilogie.
  • Produktdetails
  • dunkle Edition
  • Verlag: Ullstein Hc
  • Seitenzahl: 381
  • 2017
  • Ausstattung/Bilder: 2017. 384 S. 210 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm x 126mm x 30mm
  • Gewicht: 440g
  • ISBN-13: 9783550050152
  • ISBN-10: 3550050151
  • Best.Nr.: 48219464
Autorenporträt
Marc-Uwe Kling ist Liedermacher, Autor und Kabarettist. Er ist zweifacher deutscher Poetry-Slam-Meister und gewann zahlreiche renommierte Kabarettpreise. Seine Känguru-Geschichten werden als wöchentliche Kolumne auf RBB Radio Fritz gesendet. Marc-Uwe Kling lebt in Berlin.
Rezensionen
Besprechung von 07.10.2017
Dem Junker kann ich nicht vergeben

Marc-Uwe Kling wurde mit einem sprechenden Känguru bekannt: Jetzt erzählt er von einem, der loszog, für sein Recht auf Warenrückgabe zu kämpfen.

Von Sandra Kegel

Den Roman von Marc-Uwe Kling gibt es in zwei Ausführungen, die sich schon optisch so deutlich voneinander unterscheiden, dass man sich leicht denken kann, welche für Apokalyptiker und welche für Optimisten gedacht ist. Was genau es damit auf sich hat, soll an dieser Stelle nicht verraten werden, nur so viel, dass es in beiden Büchern am Ende gut ausgeht und gleichzeitig schlimm. Das ist nicht schlecht gedacht, ist es doch schon nicht einfach, sich einen Reim auf die Gegenwart zu machen. Wie aber soll das erst in Hinblick auf die Zukunft gehen? Denn das ist die Welt, von der Marc-Uwe Kling erzählt: eine Welt, in der die Computer übernommen haben.

Das Leben der Bewohner von Qualityland wird von Algorithmen bestimmt: Ob bei der Arbeit, in der Liebe oder in der Politik, die Entscheidungen trifft am Ende eine Rechenmaschine. Gegen den Optimierungsdrang der Maschinen steht der Mensch mit all seinen Makeln. Wie dieses Kräftemessen in der näheren Zukunft aussehen mag, das hat Autoren vielfach zu literarischen Stoffen inspiriert. Der Mythos von den Elektrogehirnen, die alles berechnen können und deshalb die Menschheit in den Untergang führen, ist so allgegenwärtig wie die Angst davor.

Marc-Uwe Kling aber erzählt seine Geschichte über einen, der auszog, um für sein Rückgaberecht bei einem Online-Shop zu kämpfen, nicht etwa als grimmige Dystopie, sondern als federleichte Komödie. "Qualityland" ist ein Märchen, eine Geschichte für Kinder, mit bösem Witz und originellen Bildern und lässt eher an den "Zauberer von Oz" denken als an "The Circle". Das nimmt der Erzählung ihre kulturpessimistische Wucht. Der 1982 in Stuttgart geborene Autor, der einst mit einem sprechenden Känguru berühmt wurde, auf das sich Verweise auch hier finden lassen, und der heute Konzertsäle füllt, wenn er auf Lesereise geht, überlässt die säuerliche Miene anderen und setzt stattdessen lieber die nächste kuriose Pointe. Dabei prägt seine permanente Bereitschaft zum Wortspiel die Sprache des Romans in hohem Maße.

Auch Peter Arbeitsloser lebt im Roman in diesem seltsamen Land, das mit dem Slogan für sich wirbt: "Come to where the quality is!" Nach dem letzten großen Knall, den Menschen als Jahrhundertkrise noch gut in Erinnerung, hatte die Regierung einen Neustart beschlossen und dabei auch einige historische Verpflichtungen über Bord geworfen: Nicht nur das Land, auch Städte wurden umbenannt. Seither wächst im Süden das Industriezentrum Growth, die alte Handelsmetropole in der Mitte heißt nun Profit, und an der Spitze von allem thront die Hauptstadt Qualitycity. Aber auch die Bewohner, die sogenannten "Qualitätsmenschen", sollen keinen mittelalterlichen Namensballast mehr mit sich herumschleppen, weshalb aus den Müllers, Schneiders und Wagners kurzerhand die Steuerberaters, Mechatronikers und Sexarbeiterins wurden. Jeder hier ist nach dem Beruf der Eltern benannt, "entscheidend ist dabei der zur Zeit des Zeugungsakts ausgeübte Job", wie es in der Gründungsakte heißt.

Dass Türen und Autos sprechen, in Restaurants Androiden bedienen und man als Fußgänger auf der Straße von Drohnen belästigt wird, die einem etwas verkaufen und dafür auch noch bewertet werden wollen, daran hat sich Peter Arbeitsloser fast schon gewöhnt. Schwerer nimmt er es, dass seine Liebesbeziehung zu Mildred Bürokraft zerbrach, nachdem Qualitypartner ermittelt hatte, dass ihre Liebesprofile nicht zueinanderpassten. Aber auch die vom Algorithmus vorgeschlagene Paarung mit Sandra Admin ging gründlich schief. Aus der Fassung gerät Peter Arbeitsloser aber erst, als ihm von der Online-Firma TheShop unverlangt ein Delphinvibrator zugesandt wird. Er will ihn nicht, will ihn zurückgeben, doch man lässt ihn nicht. Weder telefonisch noch persönlich ist es ihm möglich, das Gerät an den Absender zurückzuschicken. Das ist der Moment, als in Peter Arbeitsloser der Keim des Protestes zu wachsen beginnt, der schließlich in einem abenteuerlichen Feldzug gegen TheShop und dessen ominösen Chef Henryk Ingenieur gipfelt.

Dabei ist der Maschienenverschrotter nicht allein. Zwar könnte Peter Arbeitsloser ein auskömmliches Leben führen in einem Land, das per Konsumgesetz jegliches Reparieren unter Strafe stellt. Doch der Schrottspezialist hat ein Herz für Maschinen, weshalb er es nicht fertigbringt, die defekten Roboter wie befohlen zu entsorgen. Stattdessen lässt er sie in einer heimlichen Wohngemeinschaft bei sich leben: Kalliope, die E-Poetin mit der Schreibblockade, ebenso wie Mickey, den Kampfroboter, der unter posttraumatischer Belastungsstörung leidet, Romeo, den Sexdroiden mit Erektionsstörungen, die Drohne mit Flugangst und den Staubsauger mit Messie-Syndrom.

Gemeinsam mit Peter Arbeitsloser ziehen sie los, als dieser wie ein neuzeitlicher Michael Kohlhaas für sein Recht gegen den mächtigen Henryk Ingenieur streitet. Während der abenteuerliche Weg die Truppe schließlich zu einem geheimnisvollen Anwesen führt, das kein Navi je finden würde, herrscht gleichzeitig in ganz Qualityland Aufregung: Denn es ist Wahlkampf, und zum ersten Mal in der Geschichte hat sich ein Androide, der smarte John of Us, zur Präsidentenwahl aufstellen lassen.

Wie Spekulation und Simulation anhand von gigantischen Zahlenkolonnen unser Leben online wie offline beherrschen, davon erzählt diese Satire. Aus der Vergangenheit heraus die Zukunft ganzer Märkte und Gesellschaften vorauszusagen ist so töricht wie gefährlich. Marc-Uwe Klingt arbeitet die Komik heraus, die dieser schönen neuen Welt innewohnt. Es ist zum Totlachen.

Marc-Uwe Kling: "Qualityland" (dunkle Edition). Roman.

UllsteinVerlag, Berlin 2017. 384 S., geb., 18,- [Euro].

Marc-Uwe Kling: "Qualityland" (helle Edition). Roman.

UllsteinVerlag, Berlin 2017. 384 S., geb., 18,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr