Indische Geschichte bis 1750 - Kulke, Hermann
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Indien ist die Heimat einer der großen Kulturen und eines Fünftels der Menschheit. Seine vorkoloniale Geschichte erstreckt sich über rund fünftausend Jahre.Hermann Kulke breitet im jüngsten Band des Oldenbourg Grundriss Geschichte die enorme Vielfalt dieser langen Geschichte aus: Er führt durch die frühe Induskultur, Einwanderung der Indo-Arya und die klassischen Großreiche; geht weiter zu den Regionalreichen des frühen Mittelalters und dann zum Zeitalter des Delhi-Sultanats sowie des Mogulreiches - mit dessen Untergang um 1750 die Kolonialzeit begann. Für Studierende, Dozenten und alle an der…mehr

Produktbeschreibung
Indien ist die Heimat einer der großen Kulturen und eines Fünftels der Menschheit. Seine vorkoloniale Geschichte erstreckt sich über rund fünftausend Jahre.Hermann Kulke breitet im jüngsten Band des Oldenbourg Grundriss Geschichte die enorme Vielfalt dieser langen Geschichte aus: Er führt durch die frühe Induskultur, Einwanderung der Indo-Arya und die klassischen Großreiche; geht weiter zu den Regionalreichen des frühen Mittelalters und dann zum Zeitalter des Delhi-Sultanats sowie des Mogulreiches - mit dessen Untergang um 1750 die Kolonialzeit begann. Für Studierende, Dozenten und alle an der Geschichte Indiens Interessierten erschließt der Autor außerdem zentrale Themen der heutigen Forschung wie Periodisierung, Theorien staatlicher Entwicklung und die "Indian Ocean Studies". Die thematisch gegliederte Bibliographie bietet wie immer wichtige Orientierung für eigene Forschungen.
  • Produktdetails
  • Oldenbourg Grundriss der Geschichte Bd.34
  • Verlag: Oldenbourg
  • Erscheinungstermin: 26. Januar 2005
  • Deutsch
  • Abmessung: 235mm x 154mm x 22mm
  • Gewicht: 440g
  • ISBN-13: 9783486557411
  • ISBN-10: 3486557416
  • Artikelnr.: 12801080
Autorenporträt
Hermann Kulke, geboren 1938, ist Professor für Asiatische Geschichte an der Universität Kiel.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 19.10.2005

Atombomben, quellennah
Zwei gut lesbare Bände zur Geschichte Indiens / Von Sabine Löhr

Es gab Zeiten in Indien, als "Kuhtöter" kein Schimpfwort war, sondern "Gast" bedeutete, denn dem Besuch zu Ehren schlachtete man ein Rind. Das ist lange her und leicht mit Textstellen zu belegen, ist aber heute so unerträglich für manchen Beschützer heiliger Kühe, daß er diese Lesart prompt als verleumderische Interpretation westlicher Wissenschaft geißelt. Es gab Zeiten, als Indien Werke zur Staatslehre, zum Rechtswesen, zur Mathematik, Astronomie, Grammatik und Medizin hervorbrachte, sich der Philosophie und Religion widmete, bezaubernde Dichtung schuf, selbst Zeit fand, sich mit Elefanten- und Baumheilkunde zu befassen. Von schier unendlichem Reichtum ist das Erbe an indischer Literatur in allen Bereichen menschlichen Interesses.

Die unermüdliche Arbeit von Archäologen, Historikern, Indologen und Numismatikern zur generellen Erforschung, Periodisierung und Chronologisierung der indischen Geschichte verliefe sicher weiter in steter Unbeachtetheit, wenn nicht vor allem seit den neunziger Jahren ein erstarkender Hinduchauvinismus in Indien die Forschung politisieren und sogar bedrohen würde. Das indische Staatsmotto "Satyameva jayate", daß nämlich die Wahrheit immer siege, gilt leider nicht immer. Als 1992 ein von der hindunationalen Partei BJP aufgepeitschter kreischender Hindumob eine - seit 1949 wegen des mirakulösen Auftauchens hinduistischer Götterbilder in ihr stillgelegte - Moschee aus dem sechzehnten Jahrhundert in Ayodhya überrannte, blieb kein Stein auf dem anderen. Nun wußte der Mob zwar ganz gewiß von einem ehemaligen Tempel des Gottes Rama an dieser Stelle. Doch unter den Trümmern der Moschee ließen sich keinerlei Tempelruinen finden. Dafür, daß an ebendieser Stelle der Gott Rama geboren wurde, fehlen ebenfalls jegliche Beweise. Versuche der Fanatiker, archäologische Fundstücke zu fälschen, flogen auf. Überzeugt sind sie nicht: Wen interessieren Fakten, wenn er einem Gott zu seinem Recht verhelfen muß?

Um in der Veröffentlichungsflut den Boden unter den Füßen zu behalten, kann man sich zur ersten Orientierung im indischen Meer der Geschichte an zwei vertrauenswürdige, einander ergänzende Einführungen halten, die die renommierten Indologen Hermann Kulke und Oskar von Hinüber verfaßt haben. Der emeritierte Indologe und Historiker Kulke, der ehemals den Lehrstuhl für Asiatische Geschichte der Universität Kiel innehatte, widmet daher in seinem Werk "Indische Geschichte bis 1750" nicht nur das in der Reihe "Oldenbourg Grundriss der Geschichte" übliche Drittel, sondern sogar die Hälfte des Textes dem Forschungsstand und neuen Entwicklungen. Der erste Teil seiner Darstellung überrascht niemanden, dem das selbst in Indien äußerst populäre Standardwerk "Geschichte Indiens" von Hermann Kulke und Dietmar Rothermund vertraut ist, da Kulke auch in diesem für die ersten etwa fünftausend Jahre indischer Geschichte von der frühen Harappa-Kultur im Indusgebiet bis zum Beginn der Mogulherrschaft verantwortlich zeichnete. In seinem neuen Werk schließt er die Moguln mit ein und schlägt über neunzig Seiten einen direkten wie verläßlichen Pfad für alle, die die indische Geschichte zum ersten Überblick schnell durcheilen wollen.

Nach dem Untergang der Harappa-Kultur (1700 bis 1500) und dem allmählichen Eindringen der nomadisierenden Aryas dauerte es immerhin tausend Jahre bis zu einer nennenswerten zweiten Urbanisierung. Etwa die nächsten tausend Jahre lang war indische Geschichte dann vor allem nordindische Geschichte, wo sich die großen Reiche des indischen Altertums unter den Dynastien der Mauryas und Guptas entfalteten. Im für Indien wohl typischen steten Wechsel zwischen Phasen von Großreichen und Regionalreichen schließen sich wiederum etwa tausend Jahre an, in der eine Vielzahl lokaler Königreiche besteht.

Allerdings bluteten vom Jahr 1000 nach Christus an die siebzehn Beutezüge des Afghanen Mahmud von Ghazni den Norden aus, während südliche Reiche in dieser Zeit blühten, regen Handel mit den Königreichen Südostasien trieben, sogar Botschafter nach China schickte. Erst die Mogulzeit von 1526 an brachte eine staatliche Einigung in der frühen Neuzeit, das Reich zerfiel jedoch bereits im achtzehnten Jahrhundert wieder, was den Briten den Weg zur Herrschaft über ganz Indien endgültig ebnete, die noch um 1770 keineswegs glänzend dastanden. Die Periodisierung der Geschichte hat wohl in keiner großen außereuropäischen Kultur derart kontroverse Diskussionen wie auf dem indischen Subkontinent hervorgerufen, von den Schwierigkeiten, zentrale frühe Ereignisse zu datieren, ganz zu schweigen. Die Lebensdaten des Buddha etwa sind nach dem kürzlich verstorbenen Göttinger Indologen Heinz Bechert ein knappes Jahrhundert später zu datieren als seit dem neunzehnten Jahrhundert üblich. Die hindunational geprägte Geschichtsschreibung wiederum versucht, die Perioden der Regierung durch Fremdmächte zu marginalisieren, indem sie die Zeiträume muslimischer und britischer Herrschaft verkürzt.

Über manche wilde Interpretation früher vedischer Texte mag man schmunzeln, deren Entstehungszeit bereits die neohinduistische Bewegung Arya Samaj vor hundert Jahren absurd früh ins achte Jahrtausend (!) vor Christus verlegt hatte. Einheimische Exegeten finden in alten Texten auch Bauanleitungen für Flugzeuge und Atomwaffen. Das ist selbstverständlich falsch, ein ironisches "Ach was" bleibt einem dennoch im Hals stecken, denn solcher Unsinn wirkt ganz diffus in der Gesellschaft nach. Selbst Frage nach der Einwanderung der Arya ("Edlen") vor Tausenden von Jahren wird da von manchem instrumentalisierend verbogen, um die eigene Kultur zur Wiege der Welt zu machen: Zwar gilt die lange gängige These einer überfallartigen Einwanderung arischer Stämme als überholt, mehrere Einwanderungswellen sind wohl wahrscheinlicher. Daneben existiert das Konzept einer von ihren ursprünglichen ethnischen Trägern isolierten Sprach- und Kulturwanderung - irgendwie mußten indoarische Sprachen ja in das ursprünglich dravidischsprachige Indien kommen.

Die neuere Geschichte Indiens seit den Zeiten des "British Raj", britischer Herrschaft, ist gut und ausufernd dokumentiert. Da aber Einführungen in diese Epoche dazu neigen, hauptsächlich den, zugegeben, manchmal ermüdenden politischen Entwicklungen zu folgen, ist "Indiens Weg in die Moderne" des Freiburger Indologen Oskar von Hinüber eine erfreuliche Abwechslung. Äußerst amüsant sind die kleinen, eingeflochtenen Anekdoten, man könnte fast versucht sein, auf diese hin zu lesen, anstatt Fürstentümer zu annektieren, wegen mit Tierschmalz gefetteter Patronen zu meutern, den indischen Nationalkongreß zu gründen, mit Gandhi zu fasten und schließlich mit Jinnah Pakistan abzuspalten und das Grauen der Teilung mit seiner Million Toten und zehn Millionen Vertriebenen zu erleben.

Aufschlußreich sind auch die Bemerkungen zum Wandel der britischen Bildungspolitik, die bis heute Auswirkungen auf die Stellung der indischen Muslime hat. Nach einer kulturell aufgeschlossenen Phase Anfang des neunzehnten Jahrhunderts, in der britische Beamte Persisch sprachen und in Hindi-Prüfungen aus der "Sammlung von fünfundzwanzig Erzählungen des Leichendämons" übersetzen mußten, ersetzte dann doch Englisch das seit den Moguln gängige Persisch als Verwaltungssprache. Getroffen vom Verlust ihrer Kultursprache und Absturz als politische Elite, verweigerten sich die meisten Muslime der neuen Sprache - anders als viele aufgeschlossene Hindus, die sowohl Sprache als auch britische Ideale übernahmen, Ideale, denen letztlich der säkularisierte, demokratische Staat Indien zu verdanken ist.

Doch Fortschritt und kulturelle Beharrlichkeit gehen in Indien weiter Hand in Hand, erklärt Oskar von Hinüber. So war etwa die von den Briten eingeführte Eisenbahn umgehend beliebt, nachdem ein religiöses Gutachten bestätigte, daß Pilger durch die Benutzung dieses Verkehrsmittels keineswegs ihre rituelle Reinheit verlieren. Darüber, ob das auch für Seereisen gelte, stritt man dagegen bis ins zwanzigste Jahrhundert. Heute nutzen Inder Computer auch, um Horoskope besser berechnen zu können, und suchen per Satellit nach dem mythischen Fluß Sarasvati. Indiens Weg in die Moderne ist eben kein schnurgerader Weg in den Westen, sondern in eine indische Moderne.

Hermann Kulke: "Indische Geschichte bis 1750". Oldenbourg Grundriß der Geschichte, Band 34. Oldenbourg Verlag, München 2005. 320 S., 12 Karten, br., 24,80, geb., 39,80 [Euro].

Oskar von Hinüber: "Indiens Weg in die Moderne". Geschichte und Kultur im 19. und 20. Jahrhundert. Indologica Halensis. Shaker Verlag, Aachen 2005. 266 S., br., 38,50 [Euro].

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"Gut lesbar und verständlich wendet sich das Buch vorrangig an Studenten und Hochschullehrer." Christa Chatrath in: ekz-Informationsservice 10/05 "Kulke hat mit diesem Buch seinen Lesern einen großen Dienst geleistet." Dietmar Rothermund in: Historische Zeitschrift 281 "'Der Lehrer wird dankbar sein, daß K. und der Verlag in Zeiten neuer universalhistorischer Bemühungen im Geschichtsunterricht (vgl. den Aufruf des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands im Oktoberheft der GWU) für Indien einen solchen Grundriß veröffentlicht haben." Helmut Michels in: Geschichte, Politik und ihre Didaktik Heft 1/2, 2006 "[...] eine vorzügliche und umfassende Einführung in die Geschichte des vormodernen Indiens. Das Werk wird nicht nur in der universitären Lehre einen festen Platz einnehmen, sondern auch dem außerhalb davon stehenden Leser informative und verständliche Lektüre bieten." Tilman Frasch in: Das Historisch-Politische Buch Heft 1, 2006 Kulkes Buch "wird zweifelsohne schnell zur Standardlektüre für Studenten der frühen, alten und mittelalterlichen Geschichte Südasiens avancieren ..." Michael Mann in:Periplus 2006