Die Inder - Kakar, Sudhir; Kakar, Katharina
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Indien gibt viele Rätsel auf. Als Reiseland boomt es, die USA und Europa streiten sich um den größeren Einfluß in einem Land, das schon jetzt alle Wachstums- und Entwicklungsrekorde schlägt. Inder wie Gandhi faszinieren auch heute. Gibt es eine gemeinsame indische Identität, lässt sich eine „indische“ Essenz finden, die eine Milliarde Menschen teilen? Dieses Buch spürt sensibel und kenntnisreich dieser Frage nach und entwirft ein eindrucksvolles Porträt des modernen Indien. Wer sind „die Inder“? Gibt es überhaupt so etwas wie eine indische Identität? Tatsächlich berichten seit der Antike viele…mehr

Produktbeschreibung
Indien gibt viele Rätsel auf. Als Reiseland boomt es, die USA und Europa streiten sich um den größeren Einfluß in einem Land, das schon jetzt alle Wachstums- und Entwicklungsrekorde schlägt. Inder wie Gandhi faszinieren auch heute. Gibt es eine gemeinsame indische Identität, lässt sich eine „indische“ Essenz finden, die eine Milliarde Menschen teilen? Dieses Buch spürt sensibel und kenntnisreich dieser Frage nach und entwirft ein eindrucksvolles Porträt des modernen Indien.
Wer sind „die Inder“? Gibt es überhaupt so etwas wie eine indische Identität? Tatsächlich berichten seit der Antike viele Reisende von den Gemeinsamkeiten unter den indischen Völkern. Die Hindu-Zivilisation hat Übereinstimmungen hervorgebracht, die man als ein „Indisch-Sein“, als eine indische Identität bezeichnen kann, die sich klar akzentuiert gegenüber „Europäern“, „Chinesen“ oder „Amerikanern“.
Der Band bietet ein facettenreiches Porträt dieser indischen Identität. Er entwirft ein Gesamtbild, das sich zusammensetzt aus der besondern Form der indischen Familienbeziehungen, der Institution der erweiterten Großfamilie; aus einer sozialen Wahrnehmung, die zutiefst vom Kastenwesen beeinflusst ist; und aus einer Vorstellung von Körper und Körperlichkeit, die auf dem System des Ayurveda basiert sowie einer kulturellen und religiösen Vorstellungswelt, die von Mythen und Legenden nur so wimmelt.
Dieses Buch, geschrieben von einem international angesehenen Kulturwissenschaftler und Psychoanalytiker, der wie kaum ein anderer die indische und westliche Gesellschaft kennt, und einer Religionswissenschaftlerin, die seit vielen Jahren in Indien lebt, eröffnet neue Einsichten in eine Kultur, die sicher zu den einflussreichsten in diesem Jahrhundert gehören wird.
  • Produktdetails
  • Verlag: Beck
  • 3. Aufl.
  • Seitenzahl: 205
  • Erscheinungstermin: August 2006
  • Deutsch
  • Abmessung: 225mm x 147mm x 22mm
  • Gewicht: 387g
  • ISBN-13: 9783406549694
  • ISBN-10: 3406549691
  • Artikelnr.: 20849679
Autorenporträt
Katharina Kakar ist Religionswissenschaftlerin und spezialisiert auf asiatische Religionen. Sie lebt in Goa.

Sudhir Kakar, geboren am 25. Juli 1938 in Nainital (Indien), ist praktizierender Psychoanalytiker in Neu-Delhi. Lehraufträge führten ihn an die Universitäten von Harvard, Princeton, Chicago, Wien und Melbourne. 1998 wurde ihm in Frankfurt die Goethe-Medaille verliehen. Seine zahlreichen Sachbücher wurden in viele Sprachen übersetzt.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 30.09.2006

Die Zeit brennt
Wir haben alles zu verlieren: Die Sachbücher des Herbstes

In diesem Herbst wird die Zeit knapp. Wir leben unter Bedrohungen unserer Freiheit und unserer Kultur. Wir haben keine Zeit mehr für Diskussionen, die am Leben vorbeilaufen. Die Existenz ist das Argument, das zählt.

Der diesjährige Bücherherbst der Sachbücher zeigt eines ganz klar: daß die unmittelbare Gegenwart einen fest am Wickel hat, daß man sich aus ihr ohne große Verluste nicht herauswinden kann. Gegenwart - das ist in hohem Maße wieder Politik, und die Politik, die wir machen, entspricht unserer gelebten Kultur.

Doch unsere Lebenswelt ist durchgehend porös geworden, überall zeigen sich Risse; was festgefügt erschien, driftet mit ungeheurem Tempo auseinander; was aussah, als würde es noch eine Weile funktionieren, funktioniert nicht mehr. Das gilt für die Kreise im Großen, das gilt für die Kreise im Kleinen.

Der Philosoph Peter Sloterdijk, der Gespür hat für allgemeine mentale, für kollektivseelische Verschiebungen, gibt uns mit seinem aufregenden Buch über "Zorn und Zeit" (erschienen im Suhrkamp Verlag) ein neues Vokabular an die Hand, mit dem wir unsere Gegenwart besser in den Griff kriegen sollen: Zornkollektive heißt sein rasantes Stichwort zur rasenden Zeit - gefaßt vor dem düsteren Hintergrund der islamistischen Bedrohungen der westlichen Kultur, vor der wir nicht in falscher Ruhe und eingebildeter Ausgeglichenheit, vor der wir nicht in Starre verharren dürfen.

Wer das neue Buch der holländischen Frauenrechtlerin und Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali liest ("Mein Leben, meine Freiheit", Piper), die Holland wegen der Bedrohung durch islamistische Dunkelmänner verlassen mußte und jetzt in den Vereinigten Staaten lebt, der wird sich nicht zurückziehen können, der wird die Bedrohung unserer Freiheitsrechte durch Extremisten als das zentrale Thema begreifen, eine Bedrohung durch Extremisten, die im Namen des Islam Morddrohungen auch gegen Hirsi Ali ausgestoßen haben - Morddrohungen, die ihrem Freund, dem Filmregisseur Theo van Gogh, mitten im freien Westen das Leben gekostet haben, als er wegen eines islamkritischen Films im November 2004 in Amsterdam erschossen wurde.

Die eigene Lebensgeschichte wird in die Waagschale der Politik geworfen - als sei man der großen Worte müde geworden, die sich nur im Prinzipiellen bewegen, in lauter Tüfteligkeiten, aber das gelebte Leben nicht erreichen, geschweige denn aufrütteln. Das gelebte Leben wird zum Argument, mit dem man sich Gehör zu verschaffen versucht. Das alles sieht so aus, als wären die Diskussionen um theoretische Feinheiten öffentlich an ein gewissen Ende gelangt, als würde jetzt die Wahrheit ganz auf die Existenz gestützt. Dem entspricht die Einsicht der Baseler Philosophen Michael Hampe ("Die Macht des Zufalls", Wolf Jobst Siedler jr.), daß wir letztlich besser mit dem Zuspruch zum Zufall als mit der Risikovermeidungshysterie leben - so wie wir allen klugen Erwägungen zum Trotz immer mit der Existenz und mit dem Lebensgefühl rechnen müssen.

Wir sitzen in Westeuropa auf einer Insel der Freiheit und Gerechtigkeit - und stellen zunehmend fest, daß diese Insel der halbwegs Seligen ganz real bedroht ist. Diese Insel schwimmt in einem Meer, das uns mit allem drum herum verbindet. Ein Blick allein in das riesige Reich China, wo der Aufbruch in die industrielle und technische Moderne mit einer unsäglichen Armut auf dem Land korrelliert, lehrt uns, daß hier Sprengstoff für eine soziale Revolution in China lagert, deren Fernwirkungen nicht abzusehen sind. Noch können wir uns täglich über unserer Errungenschaften freuen. Der aufsehenerregende und erschütternde monumentale Bericht "Zur Lage der chinesischen Bauern" (Zweitausendeins) - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei ihrem Staatsbesuch in China die beiden Autoren Chen Guidi und Wu Chuntao besucht - ist auch ein Korrektiv für alle banalen Globalisierungsvorstellungen, aus denen die trügerische Hoffnung spricht, daß der freie Markt einmal eine freie Welt entstehen lassen wird, wo wir alle in Frieden leben werden.

Der amerikanische Journalist Thomas L. Friedman hat diesen auf fatale Weise naiven Traum auf vielen flott geschriebenen Seiten gleichsam repräsentativ für die neoliberalistischen Träume geträumt ("Die Welt ist flach", Suhrkamp) - und damit eineinhalb Millionen Leser, die von den kursierenden globalen Zukunftszenarien verunsichert sind, letztendlich in einer falschen Sicherheit gewiegt - einer Sicherheit, die aus seiner ökonomistischen Sicht auf die Welt kommt und die er vor allem seinen amerikanischen Landsleuten nahebringen möchte, damit sie mehr arbeiten und leisten, um so vor dem anrückenden Heer von Indern und Chinesen, die alle mit Computern bewaffet sind, zu bestehen. Doch die Welt ist nicht so flach wie ein Geldschein.

Die Bewohner des blauen Planeten trennen grabentief immer noch ihre Kulturen, ihre unterschiedlichen Lebensentwürfe. Eine weltweite Diskussion darüber, wie wir leben wollen, wird durch die Globalisierung nicht ausgelöst werden. (Und nicht einmal hierzulande wird es, leider, zu einem solchen Gespräch kommen.)

Sudhir und Katharina Kakars Buch über die Inder ("Die Inder. Porträt einer Gesellschaft" C. H. Beck) vermag in Hinblick auf den diesjährigen Gast der Frankfurter Buchmesse (Indien eben) diese Unterschiede der allgemeinen Daseinsbewältigung anschaulich und deutlich vor Augen zu führen - entscheidende Unterschiede der Kulturen, die nicht dadurch verlorengehen oder weggebügelt werden, daß einige halbwegs pfiffige Amerikaner ihre Steuererklärungen in Indien erstellen lassen, wie Thomas L. Friedman in heller Aufregung vermerkt.

Vielleicht entsteht diese blinde Welteinheitseuphorie nur in den Köpfen von Leuten, die gar nichts mehr oder wenig von den Grundlagen und der gedanklichen Schwere der westlichen Kultur wissen - in den Köpfen von Leuten, die einige Tendenzen der Gegenwart vorschnell und vorlaut extrapolieren und damit an der Gegenwart und Zukunft vorbeisausen.

Wie aber kam es, daß in den Köpfen nichts mehr drin ist? Die Schulen haben versagt, die Universitäten haben versagt bei der Tradierung des ideellen Stoffes, aus dem wir auch gemacht sind. Ob wir mit mehr Disziplin, wie ein ehemaliger Internatsdirektor in diesem Herbst energisch fordert (Bernhard Bueb: "Lob der Disziplin", List), die Schüler dazu kriegen, ihre Hausaufgaben zu machen?

Konrad Adam weist einen anderen Weg. Er hat mit seinem Rundgang durch die Welt der Antike ("Die alten Griechen", Rowohlt) vorbildlich vorgemacht, wie man jenen geistigen und faktischen Stoff, der die Grundlage unserer Kultur ist, darstellen muß, damit die intellektuelle Jugend nicht den Faden der Tradition verliert und darauf völlig im luftleeren Raum hängt. Gegen beleidigte Zornkolletive hilft immer auch das Wissen um die Größe und Eigenart des eigenen Herkommens - ein Wissen, das der Globalisierung meistens rasch zum Opfer fällt.

Die wackelige unsichere Gegenwart ermahnt uns gleichsam mit dem Dichter Gottfried Benn, endlich besser mit unseren Beständen zu rechnen und vehementer für diese Bestände einzutreten. Das reine, das kühle Wissen um das Eigene aber nützt wenig, wenn es nicht mit Temperament angeeignet und vorgebracht wird (wofür Konrad Adams Buch ein sehr gutes Beispiel gibt). Nicht eine Gesellschaft allein, sondern eben eine vitale Gemeinschaft bildet das beste Haus gegen die Angriffe der Beleidigten.

Der Weg von jener auch intellektuellen Vitalität bis zur Traurigkeit des großen Gelehrten George Steiner ("Warum Denken traurig macht", Suhrkamp) ist weit - und er ist nur dann als konsequent zu verstehen, wenn man diesen Weg einmal umgekehrt geht: Die Traurigkeit, die das Denken dem Denkenden bereitet, kommt ja aus der Einsicht, daß nur das Temperament dem Denken jene Farbe, Wärme und Kontur gibt, die es braucht, um sich nicht zu verlieren und aufzulösen.

Wir lesen in diesem Herbst deswegen nicht mehr zur Erbauung, wir lesen, um zu retten, was zu retten ist. Im Buch steckt nicht alle Zeit der Welt, die besten Bücher rennen uns voraus, weil uns die Zeit der Welt davonrennt. Wer heute auf Langsamkeit setzt, der hat aufgegeben.

Wir wissen: Man kann nicht wirklich alles verstehen, man kann nicht wirklich für alles Verständnis haben. Denn wer das glaubt, wer so weit gekommen ist, der hat sich, der hat seine, der hat die Welt verloren.

EBERHARD RATHGEB

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

"Ein richtiges Standardwerk!" freut sich Rezensentin Rene Zucker über dieses Buch des berühmtesten indischen Psychoanalytikers und seiner Frau, einer deutschen Religionswissenschaftlerin. Das Buch sei eine wahre Fundgrube für Indienkenner, besonders, was die Überlegungen des Autorenpaars zu Sexualität, Gesundheit, Hygiene und den Umgang mit den Kastenlosen betrifft. Auch vom diskursiven Ansatz dieses Versuchs, Westlern das "indische Wesen" und seine Gesellschaft zu erklären, ist Zucker sehr angetan. Da beide Autoren sehr genau wissen würden, was Westler irritieren oder faszinieren würde, könnten sie aufschlussreiche Erklärungen und Beobachtungen liefern, die Zucker als "kluge Mischung aus alter Kultur und lebendigem Alltag" beschreibt. Deren Reiz scheint gerade im souveränen Spiel mit Innen- und Außenperspektive zu liegen. In diesem Zusammenhang erweist sich für die Rezensentin die teils "psychoanalytische Ausrichtung" der Autoren als ausgesprochen anregend und unterhaltsam.

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