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Ein messerscharfes Plädoyer gegen Überbehütung und Förderwahn.
Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut. Sie spielen ihren Babys Mozart vor, bringen ihre Schulkinder bis zur Klassentür und wählen für sie die passende Uni aus: Aus Angst, etwas falsch zu machen oder zu versäumen, schweben immer mehr Eltern einer militärischen Eingreiftruppe gleich über ihren Kindern - bereit, bei den kleins- ten Unwägbarkeiten herbeizustürmen und alles wieder ins Lot zu bringen. Die Folge: Die Kinder werden unselbständig, unengagiert und maßlos anspruchsvoll. Ein messerscharfes Plädoyer gegen den…mehr

Produktbeschreibung
Ein messerscharfes Plädoyer gegen Überbehütung und Förderwahn.
Gut gemeint ist oft
das Gegenteil von gut.
Sie spielen ihren Babys Mozart vor, bringen ihre Schulkinder bis zur Klassentür und wählen für sie die passende Uni aus: Aus Angst, etwas falsch
zu machen oder zu versäumen, schweben immer mehr Eltern einer militärischen Eingreiftruppe gleich über ihren Kindern - bereit, bei den kleins-
ten Unwägbarkeiten herbeizustürmen und alles wieder ins Lot zu bringen. Die Folge: Die Kinder werden unselbständig, unengagiert und maßlos
anspruchsvoll.
Ein messerscharfes Plädoyer gegen den Förderwahn, gegen Überbehütung und Verwöhnung - und gleichzeitig der Appell, an Erziehung nicht
planwirtschaftlich heranzugehen, sondern mit
Intuition, Leichtigkeit und viel Humor.
  • Produktdetails
  • rororo Taschenbücher Bd.61304
  • Verlag: Rowohlt Tb.
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 222
  • Erscheinungstermin: Juni 2015
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 126mm x 17mm
  • Gewicht: 198g
  • ISBN-13: 9783499613043
  • ISBN-10: 3499613042
  • Artikelnr.: 41776492
Autorenporträt
Kraus, Josef
Josef Kraus, geboren 1949, ist seit 1987 Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL). Nach Studium und Referendariat des gymnasialen Lehramts in den Fächern Deutsch und Sport und dem Diplom in Psychologie arbeitete er fünfzehn Jahre lang als Gymnasiallehrer in Landshut und als Schulpsychologe für den Regierungsbezirk Niederbayern. 1995 wurde er Oberstudiendirektor eines bayerischen Gymnasiums, das er bis heute leitet. Josef Kraus ist Mitglied im Beirat für Fragen der Inneren Führung des Bundesministers der Verteidigung; drei Jahre lang war er Beisitzer in der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. 2009 wurde er für sein bildungspolitisches Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.
Rezensionen
Josef Kraus nimmt kein Blatt vor den Mund. FAZ

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 20.08.2013

Die von allem verschonte Generation
Eine Polemik gegen die sogenannten Helikopter-Eltern

Überidentifikation, Überbehütung und übertriebene Gratifikation von Kindern werden zu einem zunehmenden Problem, meint Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes und Direktor eines bayerischen Gymnasiums, der in seiner langen Lehrer- und Schulleiterlaufbahn so manches Prinzesschen und vor allem deren Eltern erlebt hat. In seinem Buch "Helikopter-Eltern", das aus einem Artikel in dieser Zeitung entstanden ist, trägt er eine Fülle von Beobachtungen aus Erziehung und Bildung zusammen, die das Bild einer überbehüteten Generation verwöhnter, zwar familiensinniger, aber unselbständiger und von der Windel bis zum Examen gepamperter Kinder zeichnet.

Am stärksten ist Kraus dann, wenn er polemisch und pointiert mit gängigen Mythen abrechnet. Das gilt etwa für das Kapitel über die Hirnforschung, das Gerhard Roth und Wolf Singer als seriöse und sachlich argumentierende Forscher beschreibt, Manfred Spitzer und Gerald Hüther dagegen scharf angreift. So übersehe Hüther in seinem Buch "Jedes Kind ist hochbegabt", dass keiner mehr hochbegabt sei, wenn alle hochbegabt seien.

Kraus entlarvt die sogenannte Zeitfenster-Theorie, die bei Eltern und Erziehern zu einem Alarmismus ohnegleichen führt, als Mythos, der längst widerlegt sei. Jeder gesunde Mensch könne bis ins zehnte Lebensjahrzehnt hinauf lernen. Bestenfalls für die Entwicklung grundlegender motorischer und sprachlicher Fähigkeiten gebe es sensible Phasen, aber auch im Erwachsenenalter könne eine Fremdsprache akzentfrei gelernt werden. Ein fünfjähriges Kind verstehe um die 3000 Wörter, ein Abiturient 20000, manche Menschen schafften es dann im Laufe ihres Lebens auf 60000.

Zu den Märchen der Hirnforschung gehöre auch die Hemisphärentheorie, denn es gebe keine Belege dafür, dass die jeweilige Hirnhälfte spezialisiert sei und dass es reine Linkshemisphäriker oder Rechtshemisphäriker gebe. Eltern könnten also mit ihren Kindern noch so viel Hirnjogging machen, die Intelligenz würden sie dadurch nicht erhöhen, allenfalls die Fähigkeit, Denksportaufgaben zu lösen. Die Neuroforschung werde die Lernforschung nicht revolutionieren. Verteiltes Lernen, Entspannung, Schlaf, Lob für echte Leistung (kein übertriebenes Elternlob für jedes gekrächzte Lied oder jeden Kreidekrakel auf der Straße), Neugier und vor allem Übung sind für Kraus wichtig beim Lernen.

Sein Buch ist eine herbe Abrechnung mit jenen Eltern, die nur das Beste für ihr Kind wollen und die Lufthoheit über jeden seiner Schritte haben wollen, ja die totale Steuerung anstreben. Überbehütung werde häufig als besonders verantwortungsvolles Erziehen angesehen, doch davon könne keine Rede sein. Die Ablösungsprozesse der Eltern von ihrem Kind seien schon deshalb schwieriger geworden, weil sie meist nur ein bis zwei Kinder hätten. Im Jahr 2010 lebte noch über die Hälfte der jungen Frauen zwischen 18 und 24 Jahren bei ihren Eltern, bei den jungen Männern waren es mehr als 70 Prozent.

Mangelhafte Abnabelung führt dann zu solchen Absurditäten wie den aus Amerika berichteten Besuchen der Eltern bei Ausbildungsbetrieben, Universitätsprofessoren und späteren Arbeitgebern ihrer Kinder, um möglichst gute Bedingungen für sie herauszuschlagen. Süffisant blickt Kraus auf die Elternveranstaltungen in Universitäten, die hierzulande zunehmen - in Konstanz freut sich schon die Touristeninformation über die Beliebtheit der Aktion "Eltern auf dem Campus", weil sie ein Beiprogramm mit Weinproben und Schiffsfahrt auf dem Bodensee vermarkten kann.

Ein eigenes Kapitel über die Verwöhnung durch Eltern, die zum Teil bis zur Wohlstandsverwahrlosung reicht, veranschaulicht Kraus mit der Flasche, die inzwischen nicht mehr in der Schule fehlen darf. Die Nuckelflasche wird je nach Lebensalter gegen eine andere Trinkflasche vertauscht, genuckelt wird bis ins Jugendalter. Kraus findet das ziemlich übertrieben und hält es für einen geschickten Werbegag der Mineralwasserindustrie. Er kann der Schonhaltung vieler Eltern gegenüber ihren Kindern nichts abgewinnen: "Viele Kinder wachsen in einem Schonraum auf, es werden ihnen keinerlei Pflichten zugemutet und viele Aufgaben zu schnell abgenommen."

Kindern und Jugendlichen sollte ruhig etwas zugemutet werden, weil ihnen sonst Wesentliches entgehe, meint Kraus. Das setzt sich dann in der Schule fort, wo Kindern auch nichts mehr zugemutet wird, weil gleich von Leistungsterror die Rede ist. Wer das Leistungsprinzip in der Schule aber untergrabe, setze eines der revolutionärsten demokratischen Prinzipien außer Kraft. Den sogenannten Schulstress in Deutschland hält er für einen eingebildeten. Deutschland liegt mit 6322 Stunden (in 60 Minuten umgerechnete Unterrichtsstunden) für 7 bis 14 Jahre alte Jugendliche unter dem OECD-Schnitt und weit unter Ländern wie England (7258 Stunden) und Frankreich (7432 Stunden). Schulstress gibt es einer WHO-Studie zufolge in Deutschland deutlich seltener als etwa in Finnland.

Es wird in diesem Buch viele Passagen geben, in denen sich überbehütende oder klammernde Eltern ertappt fühlen, wenn sie sich der Lektüre überhaupt aussetzen. Eine verwöhnende Erziehung wieder rückgängig zu machen ist äußerst schwierig, daran besteht kein Zweifel. Am Ende des Buches plädiert Kraus, dem dann doch vieles in der deutschen Bildungs- und Erziehungsdebatte zu bierernst ist, für mehr Humor in der Erziehung. Die Erziehenden müssten endlich die Schwächen und die Unvollkommenheit der eigenen Person als Vater, Mutter und Lehrer sowie der Kinder akzeptieren. "Humor befreit Eltern und Lehrer von der Annahme, alles immer richtig machen zu können." Ein versöhnlicher Schluss eines Buches, das mit vielen Sachinformationen, ein paar Lesefrüchten zu viel, aber treffenden Beobachtungen und bissigen Ernüchterungen aufwartet.

HEIKE SCHMOLL

Josef Kraus: Helikopter-Eltern. Schluss mit Förderwahn und Verwöhnung. Rowohlt Verlag, Reinbek 2013. 224 Seiten, 18,95 Euro.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Eine breite Leserschaft wünscht Johan Schloemann dem Buch des Lehrers und Schulpsychologen Josef Kraus. Obgleich er manche Ratschläge des engagierten Autors ausschließlich stabilen Elternhäusern anempfiehlt, scheinen ihm Kraus und sein Debattenbuch für selbstständige Kinder und gegen elterlichen Narzissmus und Kontrollwahn ein kraftvolles und vor allem wahres Plädoyer zu sein. Das liberalkonservative Weltbild des Autors führt zwar laut Schloeman immer wieder auch zu über das Ziel hinausschießenden, polternden Klagen und historisch-soziologischen Kulturdeutungen der fragwürdigen Art. Am grundsätzlichen Wert des Buches ändert das aber für den Rezensenten rein gar nichts.

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