Der Roman beruht auf einer wahren Begebenheit: Von 1936 bis 1945 stellte eine spektakuläre Diebstahlserie in Schweizer Luxushotels die Polizei vor ein Rätsel. Bei über neunzig Einbrüchen wurden Schmuck, Uhren, Geld und sonstige Wertgegenstände im Gesamtwert von heute umgerechnet rund 3,5 Millionen Franken erbeutet. Erst 1946 konnte die Täterin ermittelt und verhaftet werden.
Das Leben dieser Frau, die fast ein Jahrzehnt lang für die Ermittlungsbehörden ein Phantom geblieben ist, hat Christine Jaeggi zu ihrem Buch «Die Meisterdiebin» inspiriert. Ihre Protagonistin, die jüdische Kaufhauserbin Elise, flüchtet vor den Nationalsozialisten, die ihr alles genommen haben, aus Wien in die Schweiz. Als Emigrantin erhält sie keine Arbeitsbewilligung. Verzweifelt sucht sie einen Ausweg, um nicht als mittellos zu gelten und die Ausweisung zu riskieren. Zudem muss sie eine hohe Bürgschaft aufbringen, um auch ihre Mutter und ihre Schwester in die Schweiz zu retten. Und sie will Rache nehmen.
Ein Nachwort der Journalistin Lena Berger, deren Blog-Artikel «Das 91. Zimmer» die Autorin auf den Fall aufmerksam gemacht hat, bettet den Roman in den historischen Kontext ein.
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Weiblicher Robin Hood…
Chris aus Wuppertal am 08.03.2025
Bewertungsnummer: 2927095
Bewertet: eBook (ePUB)
Weiblicher Robin Hood bestiehlt reiche Nazis in der Schweiz Eine jüdische Kaufhauserbin in Wien verliert das Geschäft und ihre Liebsten. Die verfolgte junge Frau wird zur Meisterdiebin, die überwiegend Nazis bestiehlt. Ich finde es interessant, dass Elise mit der Zeit die Beutezüge als Widerstand begreift. Sie verhält sich wie eine Art Robin Hood und spendet auch Beträge an Flüchtlingsorganisationen. Elise hat sich allerdings nicht im Griff. Sie macht sich angreifbar, wenn sie öffentlich hohe Tiere der Nationalsozialisten verbal angeht. Sie bringt sich immer wieder in Gefahr. Diese auf wahren Ereignissen beruhende Geschichte erzählt die Autorin Christine Jaeggi so spannend und eingehend, dass man meint, dass man mit Elise auf Beutezug geht. Die wahre Erika B., auf deren Geschichte das Buch basiert, hat sich zu über 90 Schweizer Hotelzimmern Zutritt verschafft und zwischen 1936 und 1946 millionenschweren Schmuck erbeutet, wie im Nachwort erläutert wird. In dem ersten Teil des Buches mit dem Titel Die Meisterdiebin, im Zytglogge Verlag erschienen, erzählt Jaeggi, wie aus dem kleinen Mädchen die erwachsene Meisterdiebin wird. Und davon, dass die Weichen früh gestellt werden. Ihr Großvater ist ihr Ein und Alles und hat einen Laden, in dem er Uhren repariert und teuren Schmuck herstellt, den Steinen ihren Schliff verpasst. Elise hat also in frühester Kindheit einiges zum Thema Schmuck mitbekommen. Elise erlebt das Einmarschieren von Hitlers Truppen in Österreich und alles Grauen, was dazu gehört. Man kann Elises Gefühle als Leser sehr gut nachvollziehen, ihre Ängste und ihre Verzweiflung. Das Zeitgeschehen ist in vielen kleinen Szenen erlebbar gemacht worden. Die Figur Elise ist sehr lebendig gezeichnet. Frühere Freunde verleugnen sie und helfen nicht. Sie steht irgendwann alleine da. Mit der Protagonistin fühlt man als Leser mit und man möchte gerne wissen, wie es weitergeht. Elise macht eine schwere Zeit durch, verliert alles und kann in die Schweiz flüchten. Die Tante ihres Mannes entpuppt sich entgegen der Erwartungen als gute Seele, die selbst Verluste erlitten hat. Nun ist auch klar, wie Elise zur Meisterdiebin werden konnte. Eine Gelegenheit in Wien hat den Anfang gemacht, um die Flucht überhaupt erst zu ermöglichen. Zufälle und Rachegedanken, aber auch Sachzwänge sind mitentscheidend, besonders der, dass sie als Emigrantin in der Schweiz nicht arbeiten darf. Aber sie will Mutter und Schwester nachholen, dafür braucht sie Geld. Das Buch nimmt an Fahrt auf. Elise gerät in einen regelrechten Rausch und wird immer professioneller, besorgt sich Verkleidungen. Ich finde, dass sie dennoch unvorsichtig agiert. Die Spannung steigert sich bis zum Finale immer mehr, was mir sehr gut gefällt. Die Schlinge legt sich immer enger um Elises Hals, denn ein Korporal heftet sich an ihre Fersen. Das Finale ist überraschend, denn es kommen noch verstörende Details aus der Vergangenheit zu Tage. Fazit: Das Buch von Christine Jaeggi, das auf wahren Begebenheiten basiert, ist ein äußerst spannender historischer Krimi aus der Sicht der Diebin, die durch ihre Verfolgung durch die Nazis aus einer Opferrolle heraus gehandelt hat. Der Roman ist der Figur einer legendären Meisterdiebin gerecht geworden. 5 Punkte!
Flucht und Überleben
Alexandra (Mitglied der Book Circle Community) am 24.09.2025
Bewertungsnummer: 2605306
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Elise wächst in einer gesellschaftlich anerkannten Familie in Wien auf. Für ihre Mutter ist sie unscheinbar. Denn diese ist vernarrt in den einzigen Sohn Wolfi und die körperlich beeinträchtigte Tochter Adèle. Als Wolfi auf tragische Weise stirbt, macht die Mutter ihr Leben lang Elise Vorwürfe dafür. Trost und Halt findet sie bei ihrem Grossvater, welcher sie auch in die Kunst der Edelsteine einführt. Mit ihm kann sie sich unterhalten und erhält Ratschläge und Weisheiten, welche ihr im späteren Leben zu nutze kommen. Elise ist Anfang 20 als die Nationalsozialisten in Österreich an die Macht kommen. Ihr Leben ändert sich fort an, denn Elise ist Jüdin. Zusammen mit ihrem Mann plant sie die Flucht. Am Liebsten würde sie auch ihre Mutter und die Schwester zur Flucht überreden, doch beide wollen in Wien bleiben, in der Hoffnung, dass alles bald wieder besser wird. Als Elises Mann kurz vor der Flucht ebenfalls auf tragische Weise stirbt, muss sie die Flucht in die Schweiz alleine antreten. Als Emigrantin darf Elise keiner Arbeit nachgehen, muss aber trotzdem finanzielle Mittel nachweisen können um nicht Ausgeschafft zu werden, erst recht als sie ihre Mutter und die Schwester doch noch zur Flucht überreden kann. In ihr reift die Idee, dass sie in der Schweiz jene bestehlen kann, welche ihr alles genommen haben. Denn die Schweiz ist eine Hochburg für Nationalsozialisten, welche in den Kurorten in der ganzen Schweiz absteigen.
Der Roman basiert auf wahren Begebenheiten. Die Figuren und ihre Charaktereigenschaften sind bildhaft beschrieben. Während man die Mutter mehrmals für ihre Unverschämtheiten ohrfeigen möchte, möchte man Elise am liebsten in die Arme nehmen und ihr Mut zusprechen, dass alles wieder gut wird. Der Schreibstil ist klar, bodenständig, nicht romantisiert und fesselnd. Sätze wie: “Dumm wie Stroh aber trägt eine Uniform.” oder “Moral zählt nicht mehr, nur noch das Überleben.” zeigen klar auf, was für Menschen die Nationalsozialisten damals schon waren und heute noch sind (ja sie existieren noch, auch wenn man sie anders nennt). Mich hat es erschrocken zu erfahren, was für eine Hochburg die Schweiz für die Nationalsozialisten war. Denn dieser Punkt wurde im Geschichtsunterricht nie besprochen. Ich finde, hier hätte die Schweiz noch einiges aufzuarbeiten. Aber sei es drum.
Ich kann das Buch absolut empfehlen.
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