Der Ort des Terrors, 9 Bde. / Der Ort des Terrors - Benz, Wolfgang / Distel, Barbara (Hgg.)
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Jetzt vollständig: Die umfassende Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager
"Für dieses wichtige Überblickswerk kann man nur dankbar sein." Dieter Pohl, Süddeutsche Zeitung

Produktbeschreibung
Jetzt vollständig: Die umfassende Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager

"Für dieses wichtige Überblickswerk kann man nur dankbar sein."
Dieter Pohl, Süddeutsche Zeitung
  • Produktdetails
  • Verlag: Beck
  • Ersch. 2005-09
  • Deutsch
  • Abmessung: 380mm x 240mm x 165mm
  • Gewicht: 8474g
  • ISBN-13: 9783406529603
  • ISBN-10: 3406529607
  • Artikelnr.: 21336000
Autorenporträt
Wolfgang Benz, geboren 1941, ist Mitgründer und Mitherausgeber der Dachauer Hefte und war von 1969 bis 1990 Mitarbeiter des Instituts für Zeitgeschichte in München. Er ist Prof. em. der Technischen Universität Berlin; Wolfgang Benz leitete bis März 2011 das Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin. 1992 erhielt er den Geschwister-Scholl-Preis.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 19.01.2009

Im Dickicht der Lager
Die detailreichen Bände der Reihe „Der Ort des Terrors” – ein schon jetzt unentbehrliches Nachschlagewerk
In Fred Zinnemanns Verfilmung von Anna Seghers’ Roman „Das siebte Kreuz” aus dem Jahr 1944 verkündet – während die Kamera über das „Konzentrationslager Westhofen” schweift – eine Stimme aus dem Off: „Deutschland im Jahr 1935. Die Konzentrationslager sind überfüllt.” So stellte man sich in Exilkreisen die Lage und Lager im Dritten Reich vor. Fragt man heute Geschichtsstudenten unterer Semester, wie viele KZ-Häftlinge es denn 1935 gegeben habe, so bekommt man Zahlen zwischen 100 000 und einer Million genannt. In Wirklichkeit waren es zu diesem Zeitpunkt „erst” dreieinhalbtausend.
Denn 1935 war das Jahr, in dem die frühen, spontan eingerichteten Lager, in denen meist politische Gegner eingesperrt waren, geschlossen wurden und die SS mit der Errichtung eines Lagersystems betraut wurde, das unter rassepolitischen und „rassehygienischen” Vorzeichen stehen und bis Ende des Krieges sich über nahezu ganz Europa erstrecken sollte. Zu diesem Lagersystem gehörten völlig unterschiedliche Typen von Lagern, vom „Jugendschutzlager” bis zum Vernichtungslager. Sie wiesen zwar gewichtige Gemeinsamkeiten wie die exzessive Gewalt oder die Zwangsarbeit auf –, dass allerdings eine Massenvernichtungsstätte wie Auschwitz eine qualitativ andere Dimension hatte als das SS-Sonderlager/KZ Hinzert im Hunsrück liegt auf der Hand.
Einen systematischen und vergleichenden Überblick über Konzeption und Praxis, Entwicklung und Funktionswandel des Lagersystems im Ganzen wie der einzelnen Lager selbst bietet die Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager von Wolfgang Benz und Barbara Distel leider nicht. Die auf neun Bände angelegte Reihe „Der Ort des Terrors” ist mittlerweile bei Band 8 angekommen, und man muss schon den ersten Band in die Hand nehmen, um die Konzeption zu verstehen: Die Herausgeber folgen der Chronologie der Entstehung der Lager und nicht etwa seiner Funktion.
So kommt es eben, dass das bereits 1943 aufgelöste Lager Niederhagen neben dem Vernichtungslager Lublin-Majdanek oder Auschwitz zusammen mit Hinzert abgehandelt werden, denn das Konzentrationslager Auschwitz wurde bereits im Mai 1940 errichtet und war zunächst eine Haft- und Folterstätte für oppositionelle Polen, ehe es im Sommer 1941 zu einem zentralen Lager des Massenmordes an Juden und „Zigeunern” wurde. Die äußerst knappen Einleitungen sind ebenfalls wenig geeignet, Orientierung im Dickicht der Lager zu bieten. Immerhin: Je später die Bände, desto klarer werden die verschiedenen Lagertypen, die sich zwischen zwei Buchdeckeln vereinen, kenntlich gemacht und herausgestellt. Die Herausgeber haben damit der seit Entstehung der Reihe schon häufig geäußerten Kritik in Fachpublikationen Rechnung getragen.
Das lexikalisch angelegte Projekt hat ohnehin eigene Stärken. Die Topographie der Konzentrationslager beeindruckt durch akribische Recherche und Detailfülle, vor allem durch seine Konzentration auf die vielen KZ-Außenlager, die nicht selten mitten in den deutschen Städten lagen. Manch ein sich gut informiert glaubender Bürger wird verwundert zu Kenntnis nehmen, dass auch seine Heimatstadt in das Netz der Lager eingebunden war. Es ist vor allem Geschichtswerkstätten und anderen lokalen Initiativen zu verdanken, dass nun in lexikalischer Form die manchmal üppigeren, manchmal schmaleren Informationen über die Außenlager gebündelt werden konnten. Ein Orts- und Lagerregister ermöglicht dem gezielt Suchenden hier schnelle Rechercheerfolge.
Gerne hätte man mehr über den Kontakt zwischen Lagergesellschaft und der sie umgebenden „Volksgemeinschaft” erfahren, zumal die Orte des Terrors eben nicht nur in abgelegenen Moorlandschaften wie Westhofen lagen. Immerhin spielt der Faktor Zwangsarbeit eine tragende Rolle in allen Beiträgen. Und hier waren nicht nur die in der Rüstungsindustrie engagierten Großunternehmen an der brutalen Ausbeutung von KZ-Häftlingen beteiligt, sondern auch lokal verankerte mittelständische Unternehmen. Mit Band 8 sind alle Konzentrationslager im nationalsozialistischen Herrschaftsgebiet erfasst und vorgestellt, einschließlich der Vernichtungslager Chelmno, Belzec, Sobibór und Treblinka, die formell nicht im KZ-System integriert waren. Der abschließende Band 9 soll einen Überblick über die anderen Lagerwelten bieten: Ghettos, Gefängnisse, „Arbeitserziehungslager”, „Zigeunerlager”.
Die Forschung, aber auch das an Detailfragen interessierte Publikum ist mit der Reihe um ein unentbehrliches Nachschlagewerk reicher, auf dessen Grundlage nun eine strukturgeschichtliche Analyse der NS-Konzentrationslager in Europa entstehen kann. Der quantitative Zugriff ist schon deshalb sinnvoll, weil es insgesamt nicht weniger als 24 Hauptlager mit rund 1000 Außenlagern gab, in denen nicht weniger als zwei Millionen Menschen gelitten haben, von denen wiederum 800 000 bis 900 000 ums Leben kamen – die Unzähligen nicht eingerechnet, die in den Vernichtungslagern ohne Registrierung direkt ermordet wurden. Das siebte Kreuz, das für den aus Westhofen entflohenen Georg Heisler bestimmt war, blieb anders als in Seghers’ Roman in der Regel nicht leer. JÖRG SPÄTER
WOLFGANG BENZ/BARBARA DISTEL (Hg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 5: Hinzert, Auschwitz, Neuengamme. 591 Seiten, 59,90 Euro. Band 6: Natzweiler, Groß-Rosen, Stutthof. 840 Seiten, 69,90 Euro. Band 7: Niederhagen/Wewelsburg, Lublin-Majdanek, Arbeitsdorf, Herzogenbusch (Vught), Bergen-Belsen, Mittelbau-Dora. 360 Seiten, 59,90 Euro. Band 8: Riga-Kaiserwald, Warschau, Vaivara, Kauen (Kaunas), Plaszów, Kulmhof/Chelmno, Belzec, Sobibór, Treblinka. 464 Seiten, 59,90 Euro. C. H. Beck, München 2007 und 2008.
In dem fiktiven Konzentrationslager „Westhofen”, das an die realen Lager in Osthofen, aber auch in Dachau erinnert, spielt der Ro- man „Das siebte Kreuz” von Anna Seghers. Das Buch, das später Pflichtlektüre in der DDR wurde, hat der aus Österreich emigrierte amerikanische Regisseur Fred Zinnemann 1944 verfilmt – hier ein Bild mit den Baumkreuzen, an die nach ihrer Flucht gefasste Häftlinge gebunden wurden. Foto: Cinetext
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Der hier rezensierende Historiker Hans-Jürgen Döscher erkennt diese Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager als ein neues Standardwerk an und stellt es neben Raul Hilbergs Lebenswerk "Die Vernichtung der europäischen Juden". Dabei beschränkt sich Döscher darauf, ausführlich den Aufbau dieses Mammutwerks zu erklären, dessen neun Bände es auf jeweils rund tausend Seiten bringen: Der erste Band biete grundlegende Artikel zur Entstehung, Struktur und Funktion der Konzentrationslager als dem allgegenwärtigen Instrument des nationalsozialistischen Unterdrückungs- und Vernichtungssystems, Inbegriff der NS-Schreckensherrschaft. Die anschließenden acht Bände widmen sich den einzelnen Konzentrationslagern und ihren Außenstätten, chronologisch geordnet nach der, wie Döscher meint, üblichen Periodisierung: Zuerst werden die Lager behandelt, die der Ausschaltung der politischen Gegner dienten, dann die im Rahmen der Kriegsvorbereitungen errichteten Lager, und schließlich die, die der Ausbeutung und Ermordung der europäischen Juden dienten. Über Gewichtung, Interpretation oder neue Erkenntnisse sagt Döscher nichts, lobt aber die Beiträge allesamt als "umfassend, zuverlässig und stets auf dem neuesten Stand der Forschung".

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