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Ingrid Bergman (1915-1982) zählt zu den wenigen weiblichen Weltstars des Kinos. Zu ihren bekanntesten Filmen gehören Klassiker wie "Berüchtigt" von Alfred Hitchcock, "Das Haus der Lady Alquist", "Casablanca", "Wem die Stunde schlägt", "Die Kaktusblüte" oder "Herbstsonate". Im Lauf ihrer fast 50-jährigen Karriere erhielt sie drei Oscars.
Ihr Leben hingegen war für die Tochter eines schwedischen Vaters und einer deutschen Mutter, die beide früh starben, eines ohne festen Boden. Als Johanna von Orleans verehrt, entfachte ihre Beziehung mit Regisseur Roberto Rossellini vor allem in Amerika
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Produktbeschreibung
Ingrid Bergman (1915-1982) zählt zu den wenigen weiblichen Weltstars des Kinos. Zu ihren bekanntesten Filmen gehören Klassiker wie "Berüchtigt" von Alfred Hitchcock, "Das Haus der Lady Alquist", "Casablanca", "Wem die Stunde schlägt", "Die Kaktusblüte" oder "Herbstsonate". Im Lauf ihrer fast 50-jährigen Karriere erhielt sie drei Oscars.

Ihr Leben hingegen war für die Tochter eines schwedischen Vaters und einer deutschen Mutter, die beide früh starben, eines ohne festen Boden. Als Johanna von Orleans verehrt, entfachte ihre Beziehung mit Regisseur Roberto Rossellini vor allem in Amerika einen Skandal, der sie über Jahre die Sympathien des Publikums kostete. Auf der Basis neuer Quellen und zahlreicher Gespräche mit der Familie - u. a. mit den Töchtern Isabella Rossellini und Pia Lindström - sowie mit Weggefährten - u. a. mit Schauspiellegende Liv Ullmann - schildert Thilo Wydra in dieser ersten neuen Biographie seit vielen Jahren das beeindruckend vielfältige Schaffen und leidenschaftliche Leben der großen Schauspielerin, die in sich zerrissener war, als ihr öffentliches Bild es nahelegt.
  • Produktdetails
  • Verlag: Dva
  • Seitenzahl: 752
  • Erscheinungstermin: April 2017
  • Deutsch
  • Abmessung: 233mm x 156mm x 48mm
  • Gewicht: 1042g
  • ISBN-13: 9783421046734
  • ISBN-10: 3421046735
  • Artikelnr.: 41831152
Autorenporträt
Wydra, Thilo
Thilo Wydra, geboren 1968 in Wiesbaden, studierte Komparatistik, Germanistik, Kunstgeschichte und Filmwissenschaft. Seit den 1990er Jahren arbeitet er als freier Autor und Publizist. Seit 1996 ist er Mitglied im "Verband der deutschen Filmkritik" (VdFK) und nimmt an Jurys auf internationalen Filmfestivals teil. Er hat zahlreiche Beiträge in Filmbüchern und Filmlexika verfasst, publiziert in Zeitungen (Der Tagesspiegel) und Zeitschriften (Filmecho/Filmwoche) und hat Biographien u. a. über Romy Schneider, Alfred Hitchcock und Grace Kelly veröffentlicht.
Rezensionen
Besprechung von 27.05.2017
Aura im Schauspiel ist Anmut als Rüstung

Berühmte Regisseure muss man nerven: Eine neue Biographie zeichnet Ingrid Bergman als heimliche Regisseurin ihrer steilen Karriere.

Bei Männern ist die Sache klar: Wird der Schauspieler erwachsen, will er den Hamlet spielen. In der Reifezeit verlässt er dann heutzutage das Theater Richtung Kino und verdient als James Bond oder Batman viel Geld. Im Alter darf er auf die Bühne zurückkehren und sich an Lears Verzweiflung freuen. Gibt es Rollen wie diese vier, die völlig andere Texturen und Temperamente annehmen, je nachdem, wer sich darin kleidet, auch für Frauen? Eine zumindest gibt es, die eine Schauspielerin im richtigen Alter erwischen muss, nicht mehr kindlich, noch keine Lady: Die historisch-mythische Figur, die mit Vornamen Jehanne oder Jeanne hieß, mit Nachnamen je nach Quelle Darc, Tart, Darx oder Tarc, inzwischen meist: d'Arc.

Maria Falconetti gab sie 1928 bei Carl Theodor Dreyer stumm und schwarzweiß als Goethes Gretchen mit Schwert. Bei Luc Besson 1999 interpretierte Mila Jovovich sie als Gottes liebstes Computer-Pin-up. Jeanne scheint endlos wandelbar, in einem Manga von Masugitsune und Kawazu-Ku aus dem Jahr 2014 sieht sie aus wie eine blonde japanische Miezekatze, und im Internet geben ihr rechte Blogger diesseits und jenseits des Rheins das Gesicht Marine Le Pens.

Dass aber Filmenthusiasten Jeanne auch heute noch als Ingrid Bergman im Gedächtnis haben, ist Ergebnis der Sturheit dieser großen Schauspielerin, die den Part unbedingt wollte. Dreimal hat sie ihren Willen bekommen, auf dem Theater zunächst in Maxwell Andersons "Joan of Lorraine", im Kino dann bei Victor Fleming in "Joan of Arc" und dank ihres Gatten Roberto Rossellini schließlich auch in dessen Bearbeitung von Paul Claudels und Arthur Honeggers "Giovanna d'Arco al rogo".

In Thilo Wydras neuer Biographie Ingrid Bergmans kann man nachlesen, wie steinig der Weg dorthin war: "Im Sommer 1945, während Ingrid Bergman, Robert Capa und Larry Adler gemeinsam mit Jack Benny und Marty Tilton durch das zerstörte Europa tingeln, um US-Truppen zu besuchen und zu unterhalten, kommt es Ingrid vor einer der Aufführungen in den Sinn, aus dem gerade neu erschienenen Stück ,Joan of Lorraine' des Bühnenautors Maxwell Anderson zu rezitieren. Sie hält das für eine ganz wunderbare Idee. Die Soldaten jedoch, die in Kassel und anderen Städten von der Show eher seichte Unterhaltung, aufmunternde Späße und derbe Witze erwarten denn anspruchsvolle Rezitationen aus einem schwerfälligen Historiendrama über das 15. Jahrhundert, sind ungeduldig. Und unverständig. Bald schon buhen sie Ingrid aus, die auf der improvisierten Bühne steht und aus Andersons ,Joan' vorträgt. Die GIs beginnen mit Kondomen in der Luft zu wedeln, bis Ingrid schließlich die Bühne verlässt. Dabei laufen ihr die Tränen vor Enttäuschung."

Wydra schildert die Szene so deutlich, dass man dazu düstere, pathetische Musik hört. Wer sollte diese Joan spielen, wenn nicht Ingrid Bergman? Der Passus ist typisch für das Buch, Wydra erzählt, wie ein Kritiker eine Filmhandlung referiert, nicht so, wie ein Klatschreporter einer Person auf den Leib rückt. Noch erfreulicher als diese Wahl eines höchst angemessenen Tonfalls ist, dass Wydra nie in den bei Biographien von Kunstschaffenden im darstellenden Fach beliebten Fehler fällt, seine Figur als passive Puppe durch allerlei Kulissen zu schieben. In Wirklichkeit braucht man, wenn man's zu Ruhm in der Größenordnung bringen will, den Ingrid Bergman sich erarbeitete, Durchsetzungsvermögen, Planungsgeschick und als Frau außerdem die Art von Aura, die aus gleichen Teilen Anmut und Charakterpanzer besteht. Wydra zeigt uns seine Heldin als stets aktive, mal sture, mal flexibel berechnende Regisseurin ihrer Karriere, die auch Autorenfilmgrößen hinter der Kamera nicht erlaubt, sie aufzuhalten.

Ihren unheimlich-grandiosen späten Auftritt in Ingmar Bergmans "Herbstsonate", eine denkbar riskante Rückkehr ins Schwedische, hat sie dem Regisseur gleichsam andrehen können, nachdem dieser sie erst in einem Brief angeschwärmt, aber dann, wie das bei launischen Genies vorkommt, auch gleich wieder vernachlässigt hatte. Auf dem Filmfestival in Cannes steckte sie ihm zur Erinnerung eine Kopie seines eigenen Schreibens in die Jackentasche und ließ dann nicht mehr locker, bis das Projekt verwirklicht wurde. Vom schwedischen Filmfrühwerk (das Wydra in Wort und Bild vorstellt; die Diva wirkt da erstaunlich jodiefosteresk) über "Casablanca" und die Arbeit mit Hitchcock (der über sie sagte: "Sie wollte nur Meisterwerke drehen") bis in Alter und Krankheit begleitet Wydra seine Heldin, die mit allen Mitteln, von eigenen Aufzeichnungen bis zur werkstrategischen Rollenwahl, dafür sorgte, dass sie möglichst nur selbstgestaltete Spuren hinterließ. Kein Fremder sollte über ihr Nachleben verfügen.

Die Henker der Jeanne d'Arc warfen das, was nach der Hinrichtung übrig blieb, noch einmal gesondert in ein zweites Feuer, damit keine Reliquien übrig blieben. Die Legende, an der die Phantasie großer Schauspielerinnen sich entflammt, haben sie damit nicht verhindern können.

DIETMAR DATH

Thilo Wydra: "Ingrid Bergman". Ein Leben.

DVA, München 2017. 752 S., Abb., geb., 28[Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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»Anytime I need information about my family I shoot Thilo an email – he knows it all!«