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Zehn Tage im Leben Hugo von Hofmannsthals: Ein alternder Schriftsteller kehrt an einen Ort seiner Kindheit zurück. August 1924: mehr aus Verlegenheit kehrt der alternde Schriftsteller H. an einen Ort seiner Kindheit zurück - Fusch, ein Kurbad in den Salzburger Bergen, wo er mit seinen Eltern als Heranwachsender Jahr für Jahr lange Sommerwochen verbracht hat. Inzwischen hat sich viel verändert: Freunde sind abhanden gekommen, sein Ruhm liegt Jahre zurück, sein Schaffen ist bedroht von seiner labilen Gesundheit und den leisesten Störungen. Auch im abgelegenen Bad Fusch hat die neue Zeit nach dem…mehr

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Produktbeschreibung
Zehn Tage im Leben Hugo von Hofmannsthals: Ein alternder Schriftsteller kehrt an einen Ort seiner Kindheit zurück. August 1924: mehr aus Verlegenheit kehrt der alternde Schriftsteller H. an einen Ort seiner Kindheit zurück - Fusch, ein Kurbad in den Salzburger Bergen, wo er mit seinen Eltern als Heranwachsender Jahr für Jahr lange Sommerwochen verbracht hat. Inzwischen hat sich viel verändert: Freunde sind abhanden gekommen, sein Ruhm liegt Jahre zurück, sein Schaffen ist bedroht von seiner labilen Gesundheit und den leisesten Störungen. Auch im abgelegenen Bad Fusch hat die neue Zeit nach dem Krieg Einzug gehalten, an der er nur mehr als Beobachter teilnimmt, der sich selbst zunehmend fremd geworden ist. Bei einem Spaziergang wird H. ohnmächtig. Als er wieder zu sich kommt, lernt er den jungen Doktor Krakauer kennen, den Privatarzt einer Baronin - auch er ist ein Rückkehrer in einer fremden Welt. H. sucht seine Freundschaft, doch da ist die Baronin - und da ist die Einsamkeit, der er nicht entkommt. Walter Kappacher erzählt von einem Leben, das die Zeit überholt hat: mit fesselnder Intensität und luzidem Einfühlungsvermögen, so souverän wie virtuos. Er bestätigt damit seine Ausnahmestellung in der deutschsprachigen Literatur der Gegenwart: "ein Seltener" (Peter Handke)

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  • Produktdetails
  • Verlag: Residenz Verlag
  • Seitenzahl: 176
  • Erscheinungstermin: 08.11.2011
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783701742516
  • Artikelnr.: 37075910
Autorenporträt
Walter Kappacher geboren 1938 in Salzburg. Seit 1978 freier Schriftsteller. Lebt in Obertrum bei Salzburg. Zahlreiche Auszeichnungen, u. a. Hermann-Lenz-Preis 2004, Großer Kunstpreis des Landes Salzburg 2006; Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Zuletzt erschienen: "Selina oder Das andere Leben" (2005) und "Hellseher sind oft Scharzseher" (2007). "Der Fliegenpalast" (2009) ist sein erster Roman im Residenz Verlag. 2009 wurde er mit dem Georg Büchner Preis ausgezeichnet.
Rezensionen
Besprechung von 12.03.2009
Epiphanien und Magie, das ist vorbei

Der vergessene Ruhm: Walter Kappachers großartiger Hofmannsthal-Roman "Der Fliegenpalast"

Von Hans-Jürgen Schings

Dies ist ein Buch über Hofmannsthal, wie es feiner, behutsamer, dezenter und doch todtrauriger nicht sein könnte. Wir erleben ein paar Urlaubstage in Bad Fusch im Sommer 1924. H., so Walter Kappachers Kürzel, kehrt an einen Ort jugendlicher Genialität und glorreicher Antizipation zurück, freilich ohne den leise erhofften Erfolg. Die Produktionsauffrischung oder das "Another Go", der "neue Anlauf", den er sucht, bleibt aus.

Ein stiller Sog erfasst den Leser, ohne dass der weiß, wie ihm geschieht. Denn Kappacher bietet nichts Sensationelles auf, keine Entlarvungen, keine Denunziation, keine radikal neue Sicht. Nirgends erhebt er sich über seinen Autor. Er verzichtet auf jede Anbiederung durch Lob oder durch Kritik. Man hört eigentlich, abgesehen von ein paar Automobilen, die H. faszinierten, keinen lauten Ton. So bringt Kappacher das Kunststück fertig, seinen fiktiven Vertrauten praktisch zu siezen - er kennt ihn durch und durch, und doch stellt er sich nicht gleich, denn natürlich weiß er, wie vernichtend H. über die Anmaßungen der Biographen dachte.

H. ist aus der Schweiz, wo er zusammen mit Carl (Jacob Burckhardt) Ferien machte, nach Bad Fusch gekommen und sehnt sich doch gleich wieder zurück nach Lenzerheide oder schon wieder weg hinüber zum Ferienquartier seiner Familie in Aussee. Alles, was er sucht, ist ein Platz, der das Arbeiten begünstigt, ja überhaupt erst ermöglicht. Die Schreibkrise beruht nicht zuletzt auf der Wahl der falschen Arbeitsplätze - aber gibt es überhaupt den richtigen? Sein Briefwerk sei mehr, als die meisten Autoren geleistet hätten, sagt ihm seine Frau, aber auch Briefe werden nicht mehr beendet und abgeschickt. Bleiben Zeitungen und die nachgeschickte Post als Verbindungen nach außen und der Fliegenpalast, die verglaste, fliegenübersäte Hotelterrasse, auf der man den Kaffee nimmt.

Unglückszeichen drängen sich vor, so, bei der Zeitungsnachricht von der Strafermäßigung für den Herrn Hitler in Landsberg, das vorbeihuschende Gespenst des Kunstmalers, das H. zusammen mit Peter Altenberg im Wiener Café Central gesehen hat. Kränkungen werden wieder wach und mit ihnen der Hang zur Selbstbezweiflung. Die Festschrift zum fünfzigsten Geburtstag, der nur ein paar Monate zurückliegt, führte zum Bruch mit Rudolf Borchardt, dem einzigen Autor und Kritiker, den er ganz ernst nimmt.

Den unscheinbaren Schlüsselsatz von Kappachers Buch spricht H. in einem Gespräch mit einem jungen Arzt aus, der nach langen Jahren in den Vereinigten Staaten nach Österreich zurückgekehrt ist. "Wir sind ja alle Zurückgekehrte, nicht wahr?", sagt H. Damit versetzen sich die beiden in den Zusammenhang von Hofmannsthals "Briefen des Zurückgekehrten", die schon früh, 1907, die europäische Krise der Moderne beschrieben haben, gleichrangig durchaus mit dem berühmteren Brief des Lord Chandos.

Nun muss H. "mit Grausen" begreifen, dass die Schuld am Kriegsausbruch bei den Österreichern und Deutschen gelegen hat. Endgültig vorbei ist es deshalb auch mit der gloriosen Lieblingsmaxime, in deren Zeichen sich Hofmannsthal so gern verstanden hatte: "The whole man must move at once." Das ist der Leitsatz auch des "Zurückgekehrten", dessen "Briefe" in Kappachers Buch am häufigsten von allen Werken Hofmannsthals genannt werden. Obwohl Kappacher den Satz selbst ausspart, wirkt er doch wie das geheime Richtmaß, das den Verfall anzeigt, auch den körperlichen. "Der Fliegenpalast" ist darauf angelegt, die erzwungene Abdankung, ja die Auslöschung dieser Maxime zu zeigen.

Früher gab es Therapien, und Hofmannsthal hat sie als grandiose Weltzuwendungen inszeniert. Es waren Erlebnisse, punktuell und plötzlich, in denen die Daseinskraft von Leben und Welt sich verdichten und aus den unscheinbarsten Dingen leuchtend hervortreten konnte - Epiphanien, wie Joyce sie nannte. Anders der fünfzigjährige H. - am Anfang und am Ende der Tage in Bad Fusch stehen Erschöpfungen und der Zusammenbruch auf einem Waldspaziergang, ein leichter Schlaganfall, der schon den letzten ankündigt. Doch zuständig ist jetzt der Arzt und nicht mehr ein von Metaphysik und Mystik geborgter Glanz. Kollaps und Arterienverkalkung statt Magie und Epiphanie.

Der Ton bleibt höflich, gemessen, beherrscht, bei H. wie bei Kappacher. Aber Höflichkeit kommt der neuen Zeit nicht mehr bei. Unspektakulär melden sich Dissoziationen, in denen das Nichts vordringt, geht die Verknüpfung mit dem Leben verloren, auch in kleinen Details, löst sich das Leben von einer großen, geschlagenen Kultur. H. greift allenthalben ins Leere. Nirgends wird man Kappachers nüchterne Sympathie und seine dichte Prosa bei Sentimentalitäten ertappen. Und doch stimmt die unaufhaltsam absteigende Linie, auf welcher er H. in ruhiger Sachlichkeit begleitet, unendlich traurig.

Walter Kappacher: "Der Fliegenpalast". Residenz Verlag, Salzburg 2009. 171 S., geb., 17,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 09.06.2010
Dichters
Dämmerung
Peter Handke sagte über den Büchner-Preisträger Walter Kappacher, er sei „ein Seltener“. Ein Kompliment, wie es wohl nur unter Österreichern möglich ist. Kappachers kleiner, hochfeiner Roman „Der Fliegenpalast“ handelt von einem dritten Österreicher, Hugo von Hofmannsthal, der sich im August 1924 für zehn Tage ins salzburgische Kurbad Fuschl zurückzieht, wo er vor dem Krieg mit seinen Eltern einst glückliche Sommerferien verbrachte. Inzwischen ist eine Epoche zu Ende gegangen, der Dichter steckt in einer Schaffenskrise und spürt die Zeichen des Alters, er fühlt sich einsam und hängt erlittenen Kränkungen nach.
Inspiriert von wenigen Notizen Hofmannsthals und intimer Ortskenntnis, zeichnet Kappacher mit subtilem Stilgefühl und traumwandlerischer Empathie das Porträt eines Künstlers, den die Zeit überholt hat.
Kristina Maidt-Zinke
Walter
Kappacher: Der
Fliegenpalast.
dtv,
München 2010.
172 Seiten,
8,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Unendlich traurig stimmt das Buch den Rezensenten. Weil es behutsamer, dezenter nicht sein könnte, wie Hans-Jürgen Schings schreibt. Und weil es ihn tief hineinzieht in die Krise der europäischen Moderne, wie sie sich Hofmannsthal dargestellt haben muss und in der er selber als Künstler sein Ende fand. Dabei wundert sich Schings, wie es Walter Kappacher auf so gänzlich unspektakuläre und distanzierte Weise gelingt, diesen Sog zu bewirken. Ganz sachte spürt Schings, wie das "Nichts vordringt", sachlich beschrieben, mit "nüchterner Sympathie" für den Dichter, doch unaufhaltsam.

© Perlentaucher Medien GmbH