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Kaum ein Begriff wird derzeit heftiger diskutiert als der des Politischen, der im starken Kontrast zu dem steht, was gemeinhin unter »Politik« verstanden wird. Oliver Marchart legt nun den ersten systematischen Vergleich der Denker des Politischen vor. Er unterzieht die Schriften von Jean-Luc Nancy, Claude Lefort, Alain Badiou, Ernesto Laclau und Giorgio Agamben einer kritischen Analyse, verortet sie in den breiteren Strömungen eines Linksheideggerianismus und bezieht sie auf den systematischen Horizont eines Denkens ohne Letztbegründungen. In diesem Horizont zeigen sich die philosophischen,…mehr

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Produktbeschreibung
Kaum ein Begriff wird derzeit heftiger diskutiert als der des Politischen, der im starken Kontrast zu dem steht, was gemeinhin unter »Politik« verstanden wird. Oliver Marchart legt nun den ersten systematischen Vergleich der Denker des Politischen vor. Er unterzieht die Schriften von Jean-Luc Nancy, Claude Lefort, Alain Badiou, Ernesto Laclau und Giorgio Agamben einer kritischen Analyse, verortet sie in den breiteren Strömungen eines Linksheideggerianismus und bezieht sie auf den systematischen Horizont eines Denkens ohne Letztbegründungen. In diesem Horizont zeigen sich die philosophischen, politischen und ethischen Implikationen eines Denkens der politischen Differenz: die heutige Rolle politischer Ontologie, die Möglichkeiten einer »minimalen Politik« und eine demokratische Ethik der Selbstentfremdung.

Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in A, D ausgeliefert werden.

  • Produktdetails
  • Verlag: Suhrkamp Verlag AG
  • Seitenzahl: 391
  • Erscheinungstermin: 15.04.2013
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783518732878
  • Artikelnr.: 37714037
Autorenporträt
Oliver Marchart, geboren 1968 in Wien, ist Philosoph und Soziologe. Seit 2016 wirkt er am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Wien.

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 03.01.2011

Neue Nahrung für den Dünkel gegen Politikerpolitik

Heidegger als Hilfsmittel gegen die gefühlte Profanisierung linker Politik: Oliver Marchart sichtet spätmarxistische Versuche der politischen Philosophie, einen Dogmatismus des Eigentlichen vor allzu viel Pluralismus zu retten.

Differenz - dieser Ausdruck kann wie ein Fähnchen eine in den sechziger und siebziger Jahren vollzogene Veränderung auf der Landkarte der Großtheorien markieren. Der sogenannte Poststrukturalismus, ein neues begriffliches Rahmenwerk, erfasst die Sozial- und Geschichtswissenschaften. Die Bewegung ist philosophisch inspiriert, Marx, Nietzsche und Freud stehen Pate, sie formt sich aber in den Einzelwissenschaften: als Kritik der Ethnologie, der Psychologie, der Geschichtsschreibung. Man lässt den Glauben an das messbare Sosein der Menschen und Dinge hinter sich, aber auch das "dialektische" Denken und den Glauben an "Strukturen". Stattdessen geht es um die Vervielfältigung und Verschiebbarkeit von Unterscheidungen, von "Differenzen" also. Mit Autorennamen wie Lévi-Strauss, Lacan, Foucault, Deleuze, Derrida verbreitet sich die Diskussion von Frankreich aus weltweit. Alles ist politisch: diese Überzeugung gehört zum Differenzdenken hinzu.

Deutlich anders eine zweite Welle französischer Theoriebildung. Sie beginnt in den achtziger und neunziger Jahren. Nun geht es um "die" Differenz im Singular - und gefordert ist ausdrücklich politische Theorie. Ein neues Denken "des Politischen" (ebenfalls im Singular) soll die Überzeugung, dass alles immer und überall politisch sei, radikalisieren. "Mangels einer besseren Formulierung" spricht der österreichische Soziologe Oliver Marchart von einem "französischen Heideggerianismus der Linken". Er hat das linksheideggerianische Differenzdenken - zu sprechen ist von Autoren wie Jean-Luc Nancy, Claude Lefort, Alain Badiou, Jacques Rancière, Ernesto Laclau sowie dem Italiener Giorgio Agamben - in einer prägnanten Studie vergleichend bilanziert. Marchart gruppiert die genannten Theoretiker um das gemeinsame Anliegen des Denkens einer "politischen Differenz".

Der Glaube an feste Gewissheiten - in der Begrifflichkeit Heideggers: an "den Grund" beziehungsweise an "die Gründung" von Politik - sei gescheitert. Damit beginne, so Marchart, der "postfundamentalistische" Zustand heutiger politischer Theorie. Ohne Grund zu sein bedeute freilich weder, tatsächlich grundlos zu handeln, noch auf die Frage nach der Grundlegung überhaupt verzichten zu können. Vielmehr schärft sich für die genannten Autoren nun erst recht der Sinn für das, was Marchart die "politische Differenz" nennt: nämlich die Differenz zwischen alltäglicher Politik und einem "Politischen", das jenseits tagespolitischen Handelns liegt: Es gibt grundsätzliche politische Spannungslagen oder auch Ereignisse, Entladungen, die sich dem Zugriff profanen politischen Entscheidens entziehen. Pragmatik von Politik greift also womöglich mit einer gewissen Notwendigkeit an dem vorbei, worauf es aus der - radikaleren - Sicht des Politischen eigentlich angekommen wäre.

Beginnt das Politische im eigentlichen Sinne also dort, wo politische Routinen enden? Aus postfundamentalistischer Perspektive lautet die Antwort: Ja. Diese Intuition teilt auch Marchart: Gegen Politikerpolitik komme es darauf an, die Frage nach den Fundamenten politischen Entscheidens wach zu halten. Alles andere wäre "antipolitischer" Verzicht. Jenseits der Alternativen von Politikerpolitik sorgt die Dimension eines stets unabgegoltenen Politischen für eine Spannung - wobei weder Politik im Politischen letzte Gewissheiten finden kann noch umgekehrt.

Im Jargon von Heidegger und Derrida liest sich das wie folgt: "Das unabstellbare Spiel zwischen Grund und Abgrund (. . .) fordert Entscheidungen unter der Prämisse ontologischer Unentscheidbarkeit". Gemeint ist: Politisches Handeln und die Unmöglichkeit von dessen "Gründung" verweisen aufeinander. Und in der Aufgabe, beide Ebenen, wiewohl das nicht geht, auf politisch-theoretische Weise zu verklammern, besteht die "politische Differenz". Und wie denkt man die politische Differenz als Differenz? Eben hier soll Heidegger helfen. Es geht also gewissermaßen um Grundlegung trotz entgleitender Grundlagen: um politische Ontologie. Welchen Status hat die Unterscheidung, welche "die" Politik und "das Politische" trennt? Welches "Sein" hat die politische Differenz? Und natürlich: Wie funktioniert sie? Wie geht man - politisch angemessen - mit ihr um?

Heidegger bietet Figuren an wie diejenige eines in konkreter Politik anwesenden "Entzugs" oder auch eines "entgründenden Gründens". Mit Hannah Arendt und Carl Schmitt stehen außerdem zwei zusätzliche historische Blaupausen zur Verfügung: Während Arendt eine assoziative Verbindung von Politik und Politischem für möglich hält - zuweilen übersteigt die Gemeinsamkeit eines ausdrücklich politischen Tuns unser normales Miteinander -, folgt Schmitt einem dissoziativen Schema: Normale Alltagspolitik wird überboten durch den politischen Ernstfall eines Auseinandertretens von Freund und Feind.

Vor dem Hintergrund dieser Alternativen unternimmt Marchart einen engagierten und angenehm klaren Durchgang, der in fünf Kapiteln und einem Exkurs eine ganze Anzahl unterschiedlicher Spielformen der politischen Differenz schildert, dabei auch gewichtet und kritisiert. Das am Ende diffuse Gemeinschaftsdenken von Nancy wie auch der maoistische Rigorismus Badious siedeln die Differenz eher im Bereich einer moralisch-ethischen Wahrheit an. Die auf Konfliktkultur angelegten Theorien von Lefort oder Laclau laufen eher auf "negative" Demokratietheorien hinaus: Im streitbaren Ringen um das, was Politik nicht zusammenbringt, kann das Politische erscheinen. Mit den moralisierenden Theorien von Rancière - der den Anteil der "Anteilslosen" einfordert - und vor allem Agamben, der als Anwalt des "nackten Lebens" auftritt, geht Marchart hart ins Gericht. Hier wird die politische Differenz zugunsten einer Idee von "reiner" Politik quasitheologisch aufgelöst: Das Politische zerstört so jede Möglichkeit konkreter Politik.

Eine Stärke von Marcharts Buch ist die Vielzahl der Querbezüge, von Balibar bis Zizek, mit welcher im Laufe der Lektüre ein ganzes Diskussionsfeld plastisch wird. Und er vermittelt auch, wie erstaunlich unterschiedlich die differenztheoretischen Bauteile bei den jeweiligen Autoren in ihre ursprünglich marxistische Theoriematrix integriert worden sind. Will man ein gemeinsames Anliegen benennen, so heißt es wohl: Radikalisierung. Ausgerechnet die Heideggersche Spätphilosophie mit ihrer Seinsrhetorik und ihren unterschwellig auf Einheit angelegten Entzugsfiguren funktioniert offenkundig für den ideologischen Ausweichbedarf einer post-dogmatischen Linken als attraktives Rollenmodell. Außeralltäglichkeit ist Radikalität.

Mit dem von Marchart gewählten Blickwinkel wird deutlich, wie die "politische Differenz" auf eine Abwendung linker Theorie vom empirischen Paradigma der Gesellschaft hinausläuft. Faktisch bricht der Primat des Politischen mit der Soziologie, will überhaupt jeden neuen Materialismus vermeiden - und landet so bei gebrochenen Formen eines Weltbezuges, der sich neu zu erfinden sucht: postfundamental, aber bei unvermindertem Willen zum Fundamentalen. Vokabeln wie "Ereignis" oder "Abenteuer" schlagen hier den Bogen: Eine politische Erfahrung soll zugleich eine Erfahrung "des Politischen" sein. Oder jedenfalls sein können. Marchart moniert verschiedentlich einen "Philosophismus" und auch "Ethizismus" seiner Autoren. Lefort und Laclau vermeiden dies am ehesten. An sie schließt Marchart mit seinen eigenen Merkpunkten für eine "minimale Politik" dann selbst auch an. Differenz von sich selbst als Voraussetzung demokratisch funktionierender Handlungspositionen sowie ein differenztheoretischer Solidaritätsbegriff sollen Politik im Spannungsfeld des Politischen (also nicht gründend) begründen.

Keine klare Antwort erhält der Leser in der Landkartenfrage, also derjenigen nach den aktuellen Konkurrenten zu den von Marchart vorgestellten Theorien. Wogegen läuft der Linksheideggerianismus Sturm? Reagiert er wirklich, wie auch Marchart zu glauben scheint, auf einen angeblich vorherrschenden Fundamentalismus, der Politik für fest untermauert hält - oder lässt sich in der spätmarxistischen Begeisterung für Heidegger nicht doch etwas ganz anderes vermuten? Ein Versuch nämlich, einen gewissen Dogmatismus des Eigentlichen vor allzu viel Pluralismus zu retten: Heidegger als Hilfsmittel gegen die gefühlte Profanisierung linker Politik.

Mit viel Charme umschifft Marchart die Schwächen seiner Autoren, um am Ende dann aus der politischen Differenz doch die Notwendigkeit einer - "politischen" - prima philosophia zu folgern. Damit darf der Singular weiter hochgehalten werden: Mit einem Bekenntnis zur überhistorischen Bedeutung "des" Politischen schließt das Buch. So lädt Marchart zum Mitdenken ein, ist aber nicht um kritische Begrenzung seines Gegenstandsfeldes bemüht. Das schmeckt nach Universaltheorie, zumal die in Zeiten des Poststrukturalismus politisch so wichtigen heterogenen Perspektiven der Einzelwissenschaften am Horizont verschwunden scheinen. Das Denken "der" politischen Differenz im Singular sucht nicht seinerseits nach Differenzen. Es sucht vor allem nach sich selbst.

PETRA GEHRING.

Oliver Marchart: "Die politische Differenz". Zum Denken des Politischen bei Nancy, Lefort, Badiou, Laclau und Agamben.

Suhrkamp Verlag, Berlin 2010. 391 S., br., 14,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

"Eminent anregend" findet Thomas Assheuer diese dreihundertseitige Studie, die er als "erste enggeführte Zusammenfassung der französischen politischen Philosophie" bezeichnet. Das besondere Augenmerk des Kritikers liegt auf der französischen Heidegger-Rezeption und der Frage, wie ein rechter deutscher Denker linke Demokratiekritik inspirieren konnte. In großen, sehr kundigen Bögen zeichnet Assheurer die Themenkomplexe und verhandelten Philosophen von Jean-Luc Nancy bis Chantal Mouffe oder Giorgio Agamben nach, arbeitet sich an der von Heidegger inspirierten Trennung von "Politik" und dem "Politischen" ab, um in letzterem das immer schon Dissidente und Unterdrückte zu identifizieren. Grundsätzlich hat Assheuer bei aller Inspiration, die er dem Buch verdankt, Zweifel, ob derart aufgerüstetes Denken tatsächlich der Sache (sprich der Demokratie) dienlich ist.

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