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Ob Püppchen oder Powerfrau: Frauen wissen scheinbar nicht so recht, was sie eigentlich wollen. Wenn dann auch noch Männer mitreden, wird es wirklich kompliziert. So tobt er täglich, der Kampf der Geschlechter, und das seit über 100 Jahren. Ob in Werbung, Diskussionen, Hits und Filmen, Dorothee Meyer-Kahrweg und Hans Sarkowicz sind überall fündig geworden und haben die besten Originalaufnahmen der letzten Jahrzehnte zu einer so einzigartigen wie urkomischen Sammlung vereint. Und obwohl Bauknecht weiß, was Frauen wünschen und wir das beste im Mann gefunden haben bleiben zwei Rätsel ungelöst: "Was denkst du gerade?" und "Wie war's für dich?".…mehr

Produktbeschreibung
Ob Püppchen oder Powerfrau: Frauen wissen scheinbar nicht so recht, was sie eigentlich wollen. Wenn dann auch noch Männer mitreden, wird es wirklich kompliziert. So tobt er täglich, der Kampf der Geschlechter, und das seit über 100 Jahren. Ob in Werbung, Diskussionen, Hits und Filmen, Dorothee Meyer-Kahrweg und Hans Sarkowicz sind überall fündig geworden und haben die besten Originalaufnahmen der letzten Jahrzehnte zu einer so einzigartigen wie urkomischen Sammlung vereint. Und obwohl Bauknecht weiß, was Frauen wünschen und wir das beste im Mann gefunden haben bleiben zwei Rätsel ungelöst: "Was denkst du gerade?" und "Wie war's für dich?".
  • Produktdetails
  • Verlag: Dhv Der Hörverlag
  • ISBN-13: 9783867170321
  • Artikeltyp: Hörbuch
  • ISBN-10: 3867170320
  • Artikelnr.: 21457279
  • Laufzeit: 56 Min.
  • Erscheinungstermin: April 2007
Autorenporträt
Hans Sarkowicz studierte Geschichte und Germanistik in Frankfurt und arbeitet seit 1979 beim Hessischen Rundfunk. Er leitet das hr2-Ressort Kultur, Bildung und künstlerisches Wort, zu dem u. a. die Hörspiel-, die Literatur- und die Feature-Redaktion gehören. Ferner ist er als Autor von Biografien, z.B. über Erich Kästner und Heinz Rühmann, tätig und verfasste zahlreiche Bücher zu historischen Themen.
Rezensionen
Besprechung von 10.07.2007
DAS HÖRBUCH
Im Ring
Der Geschlechterkampf als Feature
Es ist ein Kampf Mann gegen Frau. Die Schauspielerin Leslie Malton steigt gegen ihren Ehegatten und Kollegen Felix von Manteuffel in den Ring, aber die beiden gehen nicht mit Fäusten aufeinander los. In ihren Sprecherrollen als unverkrampfte Emanze und zaghafter Macho hauen sie sich stattdessen die „witzigsten Originaltöne aus 100 Jahren Geschlechterkampf” um die Ohren. Ein Schlagabtausch, der selten informiert, aber meist amüsiert. Das Feature, das die verbale Fehde zwischen Weiblichkeit und Männlichkeit als Box-Spektakel aufführt, wurde vom Hessischen Rundfunk produziert. Es handelt sich um eine geschlechterübergreifende Gemeinschaftsarbeit von Dorothee Meyer-Kahrweg, bekannt als Sammlerin von historischen Tondokumenten, und Hans Sarkowicz aus der Kulturredaktion des Radiosenders. Der Titel „Sag jetzt nichts!” verheißt das Gegenteil dessen, was über eine knappe Stunde hinweg passiert.
Gesprochen wird ununterbrochen, zwölf Runden lang. Der Fight geht über die volle Distanz und ist selbstverständlich ein Schaukampf. Eine konkrete Ausgangsfrage, um deren richtige Beantwortung gestritten würde, gibt es nicht. Männliches Gehabe gegen frauliches Aufbegehren, das muss reichen. Die Angriffe und Verteidigungen sind so arrangiert, dass sie vor allem unterhalten. Was aber nicht immer gelingt. Wie sich Boxer manchmal müde in den Armen liegen, ruhen sich die kämpfenden Geschlechter gern in einer Aneinanderreihung von Klischees aus. Dem langweiligen „Wenn ihr Frauen keine Argumente mehr habt, werdet ihr irrational und ballert einfach drauf los” wird ein armseliges „Wir haben nur von euch gelernt” entgegengesetzt.
Reizvoll ist der Disput hingegen in den als Argumentationshilfen herangezogenen O-Tönen. Die können treffen wie eine schnelle Links-rechts-Kombination und machen zum Glück den Großteil des Hörstücks aus. Zwar tummeln sich auch hier Klischees und Banalität, aber weil es sich um historische Aufnahmen handelt, ist die Wirkung auf den Hörer eine andere. Erst die echten Unverschämtheiten und die reale Protestaktionen machen sensibel für die mangelnde Gleichbehandlung der Frauen, aber auch dafür, wie viel sich in den vergangenen Jahrzehnten doch getan hat.
Vor allem das Reflexionsniveau der Männer scheint beschränkt, gerade dann, wenn das sogenannte starke Geschlecht den Versuch unternimmt, sich ins weibliche Gegenüber einzufühlen. Bestes Beispiel ist die vielleicht grandioseste aller Dämlichkeiten eines Lothar Matthäus: „Ich möchte”, und das ist kein Witz, das hat er wirklich gesagt, „ich möchte keine Frau sein, sonst würde ich immer an meinen Busen spielen wollen.” Solche Aussagen kann man bedauern, aber von ihrer Lächerlichkeit zehrt der Unterhaltungswert des Features. Es bietet eine kleine Revue des Chauvinismus, und die lässt sich eben nur ertragen, wenn man sich über sie lustig macht – wie über den Herren, der völlig unbefangen seine eigene Definition der Frauenbewegung der siebziger Jahre kundtut. Es handle sich um „eine Vereinigung von geistig Minderbemittelten, die der Meinung sind, sie könnten Gleiches wie wir Männer leisten”.
Raus mit dem Männern
Das Gegenstück zu den Machoallüren bilden dann die sympathisch-frechen Aufmüpfigkeiten der Frauen. Im Jahr 1926 schmettert Claire Waldoff ihren Gassenhauer „Raus mit den Männern aus dem Reichstag!” in die Berliner Luft, Lotte Ulbricht beschwört 1963 die Vorbildfunktion der Kosmonautin Walentina Tereschkowa, der ersten Frau im All, vor allem für die unterdrückten Geschlechtsgenossinnen in den kapitalistischen Ländern, und selbst die mahnende Anklage der grünen Bundestagsabgeordneten Waltraud Schoppe von 1983 („Wir fordern Sie alle auf, den alltäglichen Sexismus hier im Parlament einzustellen.”) ist eher als Kuriosität angeführt denn als zu würdigende Leistung. Brisantes bleibt ohnehin ausgespart. Es geht nicht etwa um den Kampf fürs Frauenwahlrecht, und schon gar nicht um heikle Themen wie den Paragraphen 218. Während Mama Hesselbach aus der Familienserie ständig babbelt, kommt Alice Schwarzer nur ein einziges Mal zu Wort.
Aber warum wird diese harmlose Variante des Geschlechterkampfs ausgerechnet in der Form des männlich dominierten Boxens dargeboten? Ist diese Inszenierung nicht schon selbst unlauterer Wettbewerb mit Vorteilen für die Männer? Im Gegenteil: Der Boxkampf ist ja zum Streitgespräch geworden, und das bestätigt den im Feature zitierten Dietrich Schwanitz. Er verkündet, man brauche das, was man einmal „männlich” genannt habe, heute nicht mehr. Es komme auf die weiblichen Tugenden an, die Fähigkeit zu kommunizieren. Der Ausgang des Kampfes verwundert daher nicht: Klarer Sieg nach Punkten für die Frau. Der harte Mann von einst ist unter den neuen Kampfbedingungen zu keinem lucky punch mehr fähig, er ist nicht in der Lage, die entscheidende Pointe zu setzen. Aber er kommt mit einem blauen Auge davon. CHRISTOPH SCHMAUS
DOROTHEE MEYER-KAHRWEEG, HANS SARKOWICZ: Sag jetzt nichts. Die witzigsten Originaltöne aus 100 Jahren Geschlechterkampf. Regie: Burkhard Schmid. Sprecher: Leslie Malton, Felix von Manteuffel, Ralf Schlot. Hörverlag, München 2007. 1 CD, 56 Min., 14,95 Euro.
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Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Einigen Unterhaltungswert attestiert Christoph Schmaus diesem Hörstück von Dorothee Meyer-Kahrweg und Hans Sarkowicz, das den ewigen Geschlechterkampf als verbalen Boxkampf inszeniert. Besonders reizvoll findet er die zahlreichen historischen Tondokumente, die die Autoren in ihrem Feature montiert haben. Die von Stereotypen und Klischees wimmelnden O-Töne aus Werbung, Politik, Schlager und Fernsehen vermitteln in seinen Augen einen guten Eindruck für die realen männlichen Unverschämtheiten und den weiblichen Protest dagegen. Sie führten die mangelnde Gleichbehandlung der Frauen vor Augen, aber auch, wie viel sich in den vergangenen Jahrzehnten in dieser Beziehung geändert habe. Das Ganze wirkt auf Schmaus bisweilen wie eine "Revue des Chauvinismus", die ihm nur erträglich scheint, weil sich das Hörstück darüber lustig macht. Als Beispiel zitiert er eine Aussage des Ex-Fußballers Lothar Matthäus: "Ich möchte keine Frau sein, sonst würde ich immer an meinen Busen spielen wollen." Kritisch betrachtet er den Verzicht auf brisante Themen wie den Paragraph 218. Während Mama Hesselbach aus der Familienserie ständig babbele, kommt Alice Schwarzer zu seinem Bedauern nur ein einziges Mal zu Wort.

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