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'Was macht einen Menschen aus? Ist es die Familie, die Schule, die erste Lektüre, die frühen Reisen? Tomas Tranströmer, der schwedische Dichter und Literaturnobelpreisträger 2011, versucht sich in diesem Prosaband, dem Kern zu nähern, seiner Existenz.

Produktbeschreibung
'Was macht einen Menschen aus? Ist es die Familie, die Schule, die erste Lektüre, die frühen Reisen? Tomas Tranströmer, der schwedische Dichter und Literaturnobelpreisträger 2011, versucht sich in diesem Prosaband, dem Kern zu nähern, seiner Existenz.
  • Produktdetails
  • Verlag: Hörbuch Hamburg
  • ISBN-13: 9783899033700
  • Artikeltyp: Hörbuch
  • ISBN-10: 3899033701
  • Best.Nr.: 34221789
  • Laufzeit: 109 Min.
  • Erscheinungstermin: Dezember 2011
Autorenporträt
Tomas Tranströmer, geboren 1931 in Stockholm, lebt in Västeras / Schweden. Er gilt als der bedeutendste schwedische Lyriker der Gegenwart, seine Gedichte wurden in mehr als dreißig Sprachen übersetzt. 2011 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Tomas Tranströmer verstarb im März 2015.
Rezensionen
Besprechung von 06.12.2011
Die Lesung
des Freundes
Tomas Tranströmers Gedichte
Der schwedische Dichter Tomas Tranströmer war, als ihm der Literaturnobelpreis des Jahres 2011 zugesprochen wurde, in Deutschland kaum bekannt. Auch passionierte Leser wussten bestenfalls, dass sein Name immer wieder auf der Liste der Preiskandidaten stand, wirklich vertraut mit seinem Werk waren die wenigsten. Umso aufmerksamer hatte der Verleger Michael Krüger seit 1968 Leben und Dichtung Tranströmers verfolgt. Nun, wenige Tage vor der Nobelpreis-Zeremonie in Stockholm, erscheint ein Hörbuch, auf dem Krüger aus dem einzigen Prosaband Tranströmers liest ( Tomas Tranströmer: Die Erinnerungen sehen mich. Aus dem Schwedischen von Hanns Grössel. Gelesen von Michael Krüger. Hörbuch Hamburg, Hamburg 2011. 2 CD, 109 Minuten, 12,99 Euro ). Hinzu kommen sechs Gedichte in deutscher Übersetzungen, vier Gedichte trägt Tranströmer auf schwedisch vor.
So bietet dieses Hörbuch die Gelegenheit, mit dem Werk des Preisträgers Bekanntschaft zu schließen. Tranströmers Erinnerungen vermeiden Pathos und Idyllisierung; sie scheinen kunstlos erzählt, aber so überzeugend ist das Vergängliche des Heranwachsens, das Bedeutung gewinnt, wenn es schon vorüber, selten berichtet worden: Ein großer, starker Junge bedroht das schwächere Kind, Widerstand zwecklos, bis es zur List greift: „Wenn er sich näherte, tat ich so, als wäre das, was ich selber war, weggeflogen und hätte nur eine Leiche zurückgelassen, einen leblosen Fetzen, den er nach Belieben niedertreten durfte. Das bekam er über.“ So klingen Sätze, die man schwer vergisst.
jby
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Besprechung von 06.08.1999
Alte Lehrer vergisst man nicht
Tomas Tranströmer schaut der Erinnerung in die Augen

Als er fünfzehn Jahre alt war, erzählt Tomas Tranströmer, sei er von einer großen Angst befallen worden. "Ich wurde von einem Scheinwerfer eingefangen, der Dunkel ausstrahlte statt Licht." Und nach zwei weiteren Seiten setzt er hinzu: "(Neulich las ich von einigen Teenagern, die jegliche Lebensfreude verloren hatten, weil sie von der Vorstellung besessen waren, Aids habe die Weltherrschaft. Die hätten mich verstanden.)" Wie? Wir anderen könnten ihn demnach nicht verstehen? Offenbar. Und dennoch lässt es Tranströmer dabei bewenden, er unternimmt keinen Versuch, den höllischen Zustand, den er einmal durchlaufen und lebendig in seinem Gedächtnis bewahrt hat, den anderen, die davon keine Kenntnis haben, zu vergegenwärtigen. Das Bändchen "Die Erinnerungen sehen mich an" begnügt sich, um von einer Kindheit und einer Jugend im Schweden der dreißiger und vierziger Jahre zu berichten, mit rund achtzig locker bedruckten Seiten.

Es ist eine Prosa, deren gelassene Knappheit durch die Lyrik hindurchgegangen ist. Der Lyriker weiß, dass er seine Erfahrung niemals ihrem erlebten Gehalt nach transportieren wird, dass sie im Gedicht nicht aufersteht, sondern sich in etwas verwandelt, woran andere ihre Erfahrungen machen. Die empörte und ein wenig einfältige Enttäuschung, mit der Leser und Verfasser von Romanen auf deren Verfilmung reagieren, weil immer etwas ganz anderes dabei herauskommt, als sie sich vorgestellt haben, ist ihm fremd. Er findet sich ohne Groll damit ab, dass das Individuum keine fortführbare Tradition hinterlässt, sondern lediglich mehr oder minder deutlich geformte Scherben, wie die frühen Kulturen Europas, die Bandkeramiker und Glockenbecherleute, die in späteren Zeiten nach dem wenigen heißen, das von ihnen übrig ist.

Tranströmer erzählt, durchaus zufrieden, wie er selbst zur Lyrik gekommen ist, durch die Oden des Horaz und über einen zähen Lateinlehrer mit dem Spitznamen "der Bock", der "Übersetzen!" ruft, woraufhin es losgeht, mit vielen Ähs und Öhs: "Jetzt war der aus sich selbst leuchtende römische Text wirklich auf die Erde heruntergeholt worden. Aber im nächsten Augenblick, bei der nächsten Strophe, kam Horaz mit der wundervollen Präzision der Verse wieder. In diesem Wechselspiel zwischen dem Klapprig-Trivialen und dem Federnd-Sublimen lernte ich eine Menge. Es waren die Bedingungen der Poesie. Es waren die Bedingungen des Lebens." Tranströmer, so scheint es, fühlt sich alt genug, um die Forderung, Leben und Poesie zu scheiden, die an einen jungen Autor so streng herantritt, für sich außer Kraft zu setzen. Genug liegt hinter ihm und nicht mehr gar so viel vor ihm, und so bietet sich ihm das Wechsel- und Gegenspiel von Verlauf und Bestand nunmehr schon, wenn er auf das Leben blickt: "Palle, der vor fünfundvierzig Jahren gestorben ist, ohne erwachsen zu werden - ihm fühle ich mich gleichaltrig. Aber meine alten Lehrer, die ,Greise', wie sie allesamt genannt wurden, sie bleiben in der Erinnerung Greise, obwohl die älteren unter ihnen genau in dem Alter waren, wie ich jetzt bin, da ich dies schreibe. Man fühlt sich immer jünger, als man ist. In mir trage ich meine früheren Gesichter, wie ein Baum seine Jahresringe hat. Die Summe daraus ist das, was ,ich' ist. Der Spiegel sieht nur mein letztes Gesicht, ich spüre all meine früheren."

Es ist gar nicht mehr wichtig, ob es glückliche Gesichter waren (was man bei biographischer Literatur jeder Art doch sonst immer vor allem wissen will). Zu den Eigenheiten des Texts gehört es, dass er sich nahezu indifferent zum positiven oder negativen Vorzeichen der damaligen Vorgänge verhält. In ihrer Besonderung jedoch lösen sie den Autor in dem Moment, da er es schreibt, von der Tyrannei und Aussichtslosigkeit der verrinnenden Zeit. Und hier verallgemeinert sich das Private, von dem der Band handelt: Es mag als solches dem Autor unvermittelbar und dem Leser unerreichbar bleiben, aber es lässt den, der zuhören möchte (auch wenn er jung ist), teilhaben an einer Atmosphäre beglückender Freiheit, die dem Alter zuwächst.

BURKHARD MÜLLER

Tomas Tranströmer: "Die Erinnerungen sehen mich". Aus dem Schwedischen übersetzt von Hanns Grösel. Carl Hauser Verlag, München 1999, 78 S., br., 22,- DM.

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"Hanns Grössel muß für die Übersetzung gedankt werden. Man liest sie als deutsche Literatur. Sie ist schlank, treffend und evokativ, Poesie eben, Gefäß für das Unvergeßliche." Hugo Dittberner, Frankfurter Rundschau, 10.07.2000 "Der Poet Tomas Tranströmer hat es verstanden zu warten auf Erfahrungen, die ganz seine und doch immer auch Erfahrungen jedermanns sind. Seine Gedichte vibrieren geradezu von der Offenheit und Intensität seiner Wahrnehmung. Und sie sind auf erstaunliche Weise egalitär. Tranströmer ist vorbehaltlos und realitätsgetreu dem Wirklichen zugewandt, mit dem jedermann lebt, nur ist es für ihn nicht programmiert und reglementiert, sondern unabsehbar und in seiner Einfachheit voller Überraschungen. Er verweigert da alle Ausflüchte, auch wenn er nichts in einem Gedicht festhalten kann als Ratlosigkeit, auch wenn ihm nichts bleibt, außer dem immer neuen ungesicherten Versuch, verlässlich zu sprechen im Unverlässlichen. (...) Immer wieder gelesen, erschöpfen sich seine Gedichte nicht, sondern enthüllen immer deutlicher ihre Kraft." Heinrich Vormweg, Süddeutsche Zeitung, 14.04.01 "In einer lauten Welt könne nur die leisen Worte berühren. Das wusste Nelly Sachs, als sie 1965 Gedichte Tomas Tranströmers erstmals ins Deutsche übertrug. Sie ahnte wohl, dass keiner die Sprache der Dichtung im 20. Jahrhundert so verändern würde, wie der am 15. April 1931 in Stockholm geborene Tranströmer. (...) Unter den großen zeitgenössischen Dichtern Europas ist Tranströmer derjenige, bei dem das Hermetische und das Für-Jedermann-Offene eine selten glückliche Verbindung eingehen." Dorothea von Törne, Die Welt, 14.04.01 "Einen ruhigeren, gelasseneren Ton als den seinen findet man kaum, einen Ton, dem nichts fremder wäre als das nervöse Herumsuchen nach einer Regung des Gefühls." Thomas Steinfeld, Frankfurter Allgemine Zeitung, 14.04.01…mehr