Hitlers Freunde in England - Kershaw, Ian
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"Sie und Deutschland erinnern mich an die Schöpfungsgeschichte in der Bibel. Nichts sonst beschreibt den Eindruck richtig", schreibt Lady Londonderry an Hitler. Wie war es möglich, daß die Spitzen der englischen Gesellschaft derartige Briefe schrieben? Und woraus speiste sich die krasse Fehleinschätzung der wahren Ziele Hitlers? Ian Kershaws neues Buch ist eine exzellente Darstellung Englands ambivalenter Beziehungen zu Deutschland in den Dreißigern und der fatalen Versuche einiger seiner hochrangigsten Vertreter, Freundschaft mit Hitler und seinem Regime schließen zu wollen. In Lord…mehr

Produktbeschreibung
"Sie und Deutschland erinnern mich an die Schöpfungsgeschichte in der Bibel. Nichts sonst beschreibt den Eindruck richtig", schreibt Lady Londonderry an Hitler. Wie war es möglich, daß die Spitzen der englischen Gesellschaft derartige Briefe schrieben? Und woraus speiste sich die krasse Fehleinschätzung der wahren Ziele Hitlers?
Ian Kershaws neues Buch ist eine exzellente Darstellung Englands ambivalenter Beziehungen zu Deutschland in den Dreißigern und der fatalen Versuche einiger seiner hochrangigsten Vertreter, Freundschaft mit Hitler und seinem Regime schließen zu wollen. In Lord Londonderry, Cousin Churchills und zeitweise Mitglied des englischen Kabinetts, finden sich wie in einem Brennglas Motive und Hintergründe für die britische Appeasementpolitik versammelt. Ein differenziertes und gleichzeitig beklemmendes Porträt von Hitlers Freunden in England und ihrem Verkennen der nahenden Katastrophe.
  • Produktdetails
  • Verlag: DVA
  • Seitenzahl: 544
  • Erscheinungstermin: 11. August 2005
  • Deutsch
  • Abmessung: 226mm x 156mm x 40mm
  • Gewicht: 776g
  • ISBN-13: 9783421058058
  • ISBN-10: 3421058059
  • Artikelnr.: 14165855
Autorenporträt
Ian Kershaw, geboren 1943, zählt zu den bedeutendsten Historikern der Gegenwart. Bis zu seiner Emeritierung war er Professor für Modern History an der University of Sheffield, seine große zweibändige Biographie Adolf Hitlers gilt als Meisterwerk der modernen Geschichtsschreibung. Für seine Verdienste um die historische Forschung wurde Ian Kershaw mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung und der Karlsmedaille. 1994 erhielt er das Bundesverdienstkreuz, 2002 wurde er zum Ritter geschlagen. Bei DVA sind außerdem von ihm erschienen »Hitlers Freunde in England« (2005), »Wendepunkte. Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg« (2010) und »Das Ende« (2013). Der erste Teil seiner großen Geschichte des 20. Jahrhunderts in Europa, »Höllensturz« (2016), ist ein hochgelobter Bestseller.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Als "große Studie" würdigt Martin Meyer dieses Buch über Lord Londonderry (1878-1949), das der englische Historiker Ian Kershaw vorgelegt hat. In einer recht umfangreichen Besprechung charakterisiert Meyer das Buch als Porträt Lord Londonderrys, eines Vertreters der britischen upper class und frühen Exponenten der Appeasement-Politik gegenüber Nazideutschland und Bewunderer Hitlers. Kershaw rekonstruiere die politische Biografie des erzkonservativen Lords vor dem Panorama der Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs. Zudem zeige er, wie sich weite Teile der englischen Elite in Politik und Medien über Rolle und Absichten Hitlers in Illusionen ergingen. Ausführlich schildert Meyer die historischen Hintergründe, zeichnet Londonderrys Karriere nach und berichtet über seine Kontakte zu Nazigrößen wie Göring und Ribbentrop. Kershaws Studie über Londonderry zeichnet sich zur Freude Meyers durch dieselben Stärken wie dessen Hitler-Biografie aus - diese "fesselte mit einer Mixtur aus genauen Fakten, hellen Analysen und glänzend erzählter Geschichte".

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 31.10.2005
Hitlers britischer Freund
Eine Biografie über den eigenartigen Lord Londonderry
Bei der Suche nach der Verantwortung für die Tragödie des 20. Jahrhunderts wird gerne die Frage gestellt, wie es nach dem Ersten Weltkrieg zu Deutschlands Wiederbewaffnung kommen konnte. Nazi-Deutschland stieg innerhalb weniger Jahre aus einem besiegten Land mit gerade 100 000 Soldaten und sechs Millionen Arbeitslosen zu einer militärischen Supermacht auf, die 1942 fast ganz Europa besetzt hielt und jahrelang einen Zwei-Fronten-Krieg führen konnte. Der britische Historiker Ian Kershaw hat die zweideutigen Beziehungen seines Landes zu Deutschland und die Gründe für die Beschwichtigungspolitik untersucht, die im unglückseligen Münchner Abkommen 1938 ihren sichtbarsten Ausdruck fand. Schockieren nach Hitlers Machtantritt die Gewaltausbrüche gegen politische Gegner und Juden auch die britische Öffentlichkeit, so bleibt doch die Gefahr, die von dem fieberhaft aufrüstenden Deutschland ausgeht, dessen Kanzler seinen Friedenswillen betont und gleichzeitig internationale Verträge missachtet, lange unklar.
Kershaw, bekannt durch seine zweibändige Hitler-Biografie, stieß durch Zufall auf Charles Stewart Henry Vane-Tempest-Stewart, den siebten Marquess of Londonderry, einen glühenden Verehrer Adolf Hitlers und Luftfahrtminister, der zeitweilig die britische Delegation bei der Genfer Abrüstungskonferenz leitete. „Die Wurzeln der Beschwichtigungstaktik” heißt der Original-Untertitel, aus dem in der deutschen Ausgabe „. . . der Weg in den Krieg” wurde. Londonderry, ein Vetter Churchills, war dabei nicht der einzige, doch ranghöchste britische Politiker mit einer Zuneigung zu den neuen Machthabern in Berlin, die er immer wieder in emphatischen Briefen ausdrückt. Konservative Lords oder pazifistische Labour-Führer pilgerten Mitte der 30er Jahre in Hitlers Reichskanzlei, um seine Absichten zu erkunden, und wurden so zu Helfern der nationalsozialistischen Außenpolitik. „Sie alle gingen”, schreibt Kershaw „ . . . aus ihrem Flirt mit den Nationalsozialisten mit relativ unbeschädigtem Ruf hervor, und ihre Stellung blieb unversehrt. Nur bei Londonderry sollte es anders sein.”
Nach seinem Sturz als Luftfahrtminister 1935 wegen Streitereien über die britische Bomberflotte und dem Übergangsposten des Lordsiegelbewahrers beginnen Lord und Lady Londonderry, sich um freundschaftliche Beziehungen zu NS-Größen zu bemühen. Von ihrem Besuch in Berlin im Februar 1936 zurück, wo sie von Hermann Göring, Joachim von Ribbentrop und Hitler wie Staatsgäste empfangen werden, berichtet der Außenpolitiker ohne Mandat in London von dem Wunsch des „Führers” nach Freundschaft mit den Briten, während sie in der Sunday Sun eine Lobrede auf Hitler und das neue Deutschland veröffentlicht. Die Ansprüche der Deutschen auf eine Luftwaffe seien legitim und nicht gegen England gerichtet. Fast gleichzeitig besetzt Deutschland das entmilitarisierte Rheinland.
Während Londonderrys Einschätzungen in Deutschland ein positives Echo finden, ist die Wirkung in Großbritannien verheerend. Von da an gilt der Ex-Tory-Führer im Oberhaus als naiver Propagandist deutscher Außenpolitik und manövriert sich als Politiker ins Abseits. Ende Mai 1936 besucht Ribbentrop (damals noch nicht AA-Chef) den Lord auf seinem Schloss bei Belfast und schenkt ihm die Figur eines SS-Mannes, durch die Kershaw 55 Jahre später auf Londonderry aufmerksam werden sollte.
Noch glaubt Premierminister Neville Chamberlain, Deutschlands Ansprüche mit Zugeständnissen zu befriedigen und den Krieg abwenden zu können, als er das Münchner Abkommen über die Aufteilung der Tschechoslowakei unterzeichnet. „Das Ende des Traums”(Kershaw) kommt mit Deutschlands Einmarsch in Prag im März 1939, der auch bei Londonderry Entsetzen hervorruft. Er könne „die Politik einfach nicht verstehen”, schreibt er Papen. Ähnlich äußert er sich im Juli gegenüber Göring. Im August 1939 verbot Außenminister Lord Halifax dem stolzen Adligen, der so besessen von der Idee des Ausgleichs mit Deutschland war, weitere Berlin-Reisen - just zu dem Zeitpunkt, da sein früherer Besucher Ribbentrop mit Stalin die Teilung Polens vereinbarte. Es war der letzte Friedenssommer in Großbritannien.
Kershaws Buch ist nicht nur die erste Biografie Londonderrys auf Deutsch, sondern auch das aufschlussreiche Porträt einer durch den Schrecken des Ersten Weltkrieges und den Labour-Aufstieg stark verunsicherten englischen Aristokratie. Es wurde mit dem „Elizabeth Longford Historical Biography-Prize” ausgezeichnet.
MARTINUS SCHMIDT
IAN KERSHAW: Hitlers Freunde in England. Lord Londonderry und der Weg in den Krieg; aus dem Englischen von Klaus-Dieter Schmidt. DVA München 2005. 546 Seiten, 39,90 Euro.
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