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Bewertung von kaffeeelse

"Die Ermordung des Commendatore - Eine Metapher wandelt sich" ist für mich stilistisch etwas anders geschrieben, dieses Dunkle ist nicht mehr so im Vordergrund, dafür erscheint …


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5 Kundenbewertungen

Hören Sie in Die Ermordung des Commendatore Band II: Eine Metapher wandelt sich wie die Geschichte des jungen Malers weitergeht.Menshiki gibt ein zweites Bild in Auftrag: Der junge Maler soll die 13-jährige Marie porträtieren. Das Mädchen, so glaubt Menshiki, könnte seine Tochter sei. Während der Sitzungen entwickelt sich allmählich ein vertrautes Verhältnis zwischen dem Ich-Erzähler und seinem Modell. Marie ist eine aufmerksame Beobachterin, und so hat sie vieles, was sich rund um das Haus des Malers abspielt, bemerkt. Eines Tages ist Marie verschwunden. Der Ich-Erzähler ist überzeugt davon,…mehr

Produktbeschreibung
Hören Sie in Die Ermordung des Commendatore Band II: Eine Metapher wandelt sich wie die Geschichte des jungen Malers weitergeht.Menshiki gibt ein zweites Bild in Auftrag: Der junge Maler soll die 13-jährige Marie porträtieren. Das Mädchen, so glaubt Menshiki, könnte seine Tochter sei. Während der Sitzungen entwickelt sich allmählich ein vertrautes Verhältnis zwischen dem Ich-Erzähler und seinem Modell. Marie ist eine aufmerksame Beobachterin, und so hat sie vieles, was sich rund um das Haus des Malers abspielt, bemerkt. Eines Tages ist Marie verschwunden. Der Ich-Erzähler ist überzeugt davon, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen ihrem Verschwinden und dem Gemälde Die Ermordung des Commendatore. Darüber könnte ihm allerdings nur der alte, demente Maler des Bildes Aufschluss geben.Wozu ist ein Mensch fähig, von dem er nichts ahnt und das er weit von sich weisen würde? Diese Frage stellt sich der junge Maler, als er erfährt, was er tun muss, um Marie zu finden. Wäre er bereit, einen Menschen zu töten?
  • Produktdetails
  • Verlag: Hörbuch Hamburg
  • Gesamtlaufzeit: 831 Min.
  • Erscheinungstermin: 16.04.2018
  • ISBN-13: 9783844917802
  • Artikelnr.: 52335987
Autorenporträt
Haruki Murakami ist einer der wichtigsten zeitgenössischen Autoren Japans. Die meisten seiner Bücher erzielten Millionenauflagen und wurden mit hohen japanischen Literaturpreisen ausgezeichnet.
Der Autor wurde 1949 in Kyoto geboren, studierte Theaterwissenschaften und begann mit dem Schreiben von Drehbüchern. Von 1974 bis 1982 leitete er einen Jazzclub und bedauerte später, dass er während dieser Zeit nicht geschrieben hatte. Er lebte danach viele Jahre in Europa und bis 1995 in den USA. Dorthin war er geflüchtet, weil er die Popularität nach seinem Erfolgsroman "Naokos Lächeln" in Japan nicht mehr ertragen mochte. Murakami sagt selbst: "Ich möchte mich nur aufs Schreiben konzentrieren". In seinen Büchern vermischen sich westliche Ansichten vom Schicksal des Individuums mit Fantasy- Elementen aus der japanischen Götterwelt.

Das meint die buecher.de-Redaktion: Murakamis Leser dürfen sich darauf freuen, in eine Welt entführt zu werden, in der Realität und Fiktion miteinander korrespondieren und in der sich immer wieder fantastische Geschichten ereignen.
Rezensionen

buecher-magazin.de - Rezension
buecher-magazin.de

Und weiter geht die Geschichte um den namen- wie planlosen Porträtmaler, der in verschiedene rätselhafte Geschichten hineingezogen wird. Angefangen bei dem Geheimnis eines gefundenen Gemäldes bis hin zum Verschwinden eines Mädchens, dessen Porträt er malen sollte. Wie die meisten der Protagonisten in Murakami-Romanen wird dem Maler bei der Suche nach der jungen Marie eine Reise auferlegt, die in das Grenzgebiet zwischen Realität und Illusion führt. Damit versteht Murakami immer noch, zu fesseln. Aber dieser Läuterungsweg hinterlässt keinen Nachhall bei der Hauptfigur. Und die Geschichte verästelt sich in zu viele Nebenhandlungen, bemüht philosophischen Reflexionen über den künstlerischen Schaffensprozess und allzu schlüpfrig wirkenden Sex-Passagen. Und David Nathan ist als Sprecher auch nicht die richtige Verkörperung für den 36-jährigen Ich-Erzähler. Seine Stimme wirkt 20 Jahre älter. Zudem erschwert seine Neigung zu Überbetonung  das Zuhören. Ganz zu schweigen von der fehlenden Gabe, lakonische und ironische Zwischentöne herauszuarbeiten. Nur in Dialogen ist Nathan packend.  Leider zu wenig für einen Hörgenuss.

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 17.04.2018

Alltägliche Unterweltfahrt
Der zweite Teil von Haruki Murakamis neuer Roman-Trilogie „Die Ermordung des Commendatore“ hat ein Problem:
Den schrägen Plot, der auch noch zu viel verrät. Überzeugen können aber wie immer seine detailliert gezeichneten Charaktere
VON BURKHARD MÜLLER
Der mittlere von dreien hat es schwer. Das gilt für Familien, in denen das sogenannte Sandwich-Kind weder die Vorzüge des Erstgeborenen noch die des Nesthäkchens genießt. Das gilt auch für literarische Trilogien, deren zweiter Band ohne den Zauber des Anfangs und ohne die Rasanz und Entschiedenheit des Schlusses auskommen muss, weshalb er oft etwas langatmig durchhängt.
Haruki Murakami dürfte das Problem bekannt sein, denn es handelt sich bereits um seine zweite große Trilogie. Bei der ersten, „1Q84“, war er der Schwierigkeit teilweise dadurch entgangen, dass er die Bände 2 und 3 zusammen unter einen Buchdeckel packte. Das Mittelstück von „Die Ermordung des Commendatore“ aber erscheint separat und muss die undankbare Aufgaben des kompositorischen Zentrums allein erfüllen.
Der erste Band hatte, wie es sich für ein solches Projekt gehört, mit einem ziemlichen Cliffhanger geendet. Der namenlose Ich-Erzähler, ein mäßig erfolgreicher 36-Jähriger, unscheinbar, freundlich und etwas passiv, wie Murakamis Protagonisten es ja öfter sind, hatte sich nach der Trennung von seiner Frau im Landhaus seines Freundes Masahiko in den Bergen einquartiert und dort ein sehr zurückgezogenes Leben geführt. So entstand ein leerer Raum für neue, unerwartete Ereignisse. Der Erzähler machte Bekanntschaft mit dem reichen und rätselhaften Herrn Menshiki, seinem Nachbarn vom gegenüberliegenden Hang, mit schneeweißem Haar und ebensolchem Anzug. Der drängte ihn, sein Bildnis zu malen. Zugleich erhielt er den Auftrag, die 13-jährige Marie Akikawa zu porträtieren, die zu den Sitzungen schicklichkeitshalber immer von ihrer Tante Shoko begleitet wird; Marie ist vielleicht die Tochter Menshikis, vielleicht aber auch nicht, jedenfalls beobachtet Menshiki das Haus ihrer Familie ständig mit einem Teleskop.
So kommt die schon halb aufgegebene künstlerische Karriere des Erzählers wieder in Gang. Als zweiter Impuls wirkt ein Bild, das er, dick eingewickelt, auf dem Dachboden findet und das die merkwürdige, den Buchtitel liefernde Bezeichnung führt „Die Ermordung des Commendatore“, ein Motiv, wie sich herausstellt, aus Mozarts Oper „Don Giovanni“. Das Gemälde ist ein Meisterwerk und stammt ganz offensichtlich von Masahikos Vater, dem seinerzeit hochberühmten und inzwischen im Pflegeheim vegetierenden Maler Tomohiko Amada, der in jenem Berghaus sein Atelier hatte. Der Commendatore, der gerade einen Schwertstich ins Herz empfängt und sein Blut verströmt, ist gekleidet wie ein japanischer Adliger alter Zeit. Mit dem Erscheinen dieses Bildes beginnt sich eine andere Realität aufzutun; in der Nacht ertönt das zarte Geräusch von Glöckchen, der Erzähler geht ihm nach, findet schließlich auf seinem Grundstück einen verborgenen ausgemauerten Schacht, lässt ihn öffnen und findet auf dem Boden einen Schellenstab. Und nicht viel später erhält er Besuch von eben jenem gemalten Commendatore, der nur sechzig Zentimeter groß ist, aber sich wie ein vollkommener Aristokrat benimmt und den anderen „Ihr“ nennt, wenn er selber gesiezt wird.
Diese Konstellation und dieses Personal muss der Leser präsent haben, wenn nun der zweite Teil einsetzt. Das übernatürliche, in die Tiefe der Geschichte eingesenkte Geheimnis war in der Schwebe geblieben und hatte seinen Charme bewahrt. So fangen ja auch Horrorfilme an: Das Beste an ihnen ist immer der Einstieg, wenn es sich hinter der Fassade zu rühren beginnt; da ist was, aber man weiß noch nicht, was. Wenn sich dann später die Monster oder Aliens manifestieren, wird die Wirklichkeit doch wieder ganz einschichtig, und, so grässlich bedrohlich die Lage auch sein mag, die Spannung lässt nach.
So ergeht es auch dem zweiten Band des „Commendatore“. Zum Genre des Horrors gehört dieses Buch nun zwar nicht; es ist gewissermaßen eine Gespenstergeschichte, bei der man sich nicht gruseln muss. Das Erzähltempo sinkt, da die Eckdaten bereits feststehen, erheblich ab, was bei einem Werk von 500 Seiten Umfang nicht unproblematisch ist. Dafür tritt die Geisterwelt nun in den Bereich des Handfesten über – nicht zu ihrem literarischen Vorteil.
Plötzlich ist die 13-jährige Marie verschwunden, Verwirrung und Sorge sind groß. Der Commendatore gibt dem Erzähler den Tipp, unbedingt einer Einladung zu folgen, die er morgen erhalten wird. Sie kommt dann auch wirklich, und zwar von Masahiko, der ihn fragt, ob er ihn nicht begleiten will, wenn er seinen dementen Künstler-Vater im Pflegeheim besucht. Im Krankenzimmer sitzt wieder der puppengroße Commendatore; auch der alte Vater sieht ihn, wenngleich er nicht mehr sprechen kann. Aber er sieht ihn offenbar in anderer Gestalt als der Erzähler, nämlich möglicherweise als jenen Nazi, der 1938, als Amada sich in Wien aufhielt und in ein Komplott gegen die deutschen Besatzer verwickelt war, dessen österreichische Verlobte umgebracht hat. Das Ganze wird einerseits immer komplizierter, andererseits aber auch simpler, weil das Gemälde, das im Zentrum der Trilogie steht, sein Mysterium verliert und allegorisch vereindeutigt wird. Der Commendatore besteht darauf, dass der Erzähler ihn ersticht, ganz wie auf dem Bild, was dieser mit zitternder Hand dann auch tut (warum das erforderlich ist, erfährt der Leser nicht). Aber schließlich ist der Commendatore nur die Verkörperung einer Idee, da stirbt es sich offenbar leichter. Dagegen legt der Emissär der Unterwelt, der gleich darauf durch eine Luke im Boden des Krankenzimmers heraufsteigt, zwergenklein auch er, Wert darauf, dass er wiederum keine Idee, sondern eine Metapher sei. Der Erzähler, der unbedingt Marie retten will, folgt ihm hinab durch ein düsteres Höhlengewirr, trifft auf einen gesichtslosen Fährmann, setzt über einen reißenden Fluss und kommt schließlich in der gemauerten Grube auf dem eigenen Grundstück heraus, wo er in ziemlich ramponiertem Zustand von Herrn Menshiki gefunden wird. Es ist eine Quest ins Jenseits, deren Zweck und Folgerichtigkeit man nicht so recht begreift.
Diesen Teil des Buches, in dem die andere Welt so umstandslos an die normale des Alltags anschließt, wie ein Kanalrohr in eine Zisterne mündet, muss man leider ziemlich enttäuschend nennen. Einmal merkt der Erzähler an: „Mittlerweile war mir die Fähigkeit, mich über irgendetwas zu wundern, größtenteils abhandengekommen.“ Dem Leser geht es genauso. Auch Marie taucht wieder auf, es ist ihr nichts weiter passiert; ihre parallel verlaufende Geschichte teilt der Erzähler im Nachhinein mit, als sie schon gerettet ist, was die Neugier bei der Lektüre nicht gerade steigert. Zum Schluss ist zwar noch längst nicht alles, aber jedenfalls viel zu viel klar geworden. Zwischen dem Erzähler und seiner entfremdeten Ehefrau bahnt sich eine Versöhnung an, und man darf mit aller gebotenen Vorsicht ein einstweiliges Happy End verbuchen.
So stellt der Plot den Schwachpunkt dieses zweiten Bandes dar. Es wäre aber kein Buch von Murakami, wenn es daneben und darüber hinaus nicht andere Qualitäten hätte, die für diese – sagen wir es ruhig – alberne Geschichte einigermaßen entschädigen. Seine Stärke liegt in den Charakteren, in deren stiller, höflicher Manier sich starke Emotionen verbergen. Da sie die direkte Aussprache meist scheuen, wächst den Dingen, die sie tun und haben, bezeichnende Kraft zu. Auch ohne viele Worte merkt man, dass Tante Shoko und Marie entzückt sind, wie leichthändig der Erzähler bei ihrem ersten Besuch für sie ein Mittagessen zubereitet. Wenn Masahiko ausführlich begründet, warum er keine CDs leiden mag und lieber Kassetten aus den Achtzigern hört, enthüllt er, ohne es zu merken, seine Seele. Shoko und Herr Menshiki werden später eine geheime Liebesbeziehung eingehen, über die man wenig erfährt; aber ihr Toyota Prius und sein edler alter Jaguar stehen schon vorher nebeneinander auf dem Parkplatz, als wären sie verheiratet. Und es entwickelt sich unwahrscheinlicherweise zwischen dem Maler und seinem jungen Modell Marie, einem bei aller schulmädchenhaften Wohlerzogenheit bockig schweigenden Teenager, ein Verhältnis des Vertrauens und der Zuneigung, das die Geschichte noch in ihren absurdesten Wendungen trägt. Sie beide wissen, anders als ihr Autor, wie man Geheimnisse wahrt.
Wie im Horror ist die Geschichte
dann am besten, wenn man
noch nicht alles weiß
Der Erzähler wundert sich
über gar nichts mehr – dem Leser
geht es genauso
Mit dem zweiten Teil seiner neuen Roman-Trilogie segelt der japanische Bestsellerautor Haruki Murakami in eine fantastische Unterwelt – mindestens die Handlung erleidet dabei allerdings Schiffbruch.
Foto: Murdo MacLeod/Polaris/laif
Haruki Murakami:
Die Ermordung des Commendatore II: Eine Metapher wandelt sich. Roman. Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe. DuMont, Köln 2018. 491 Seiten. 26 Euro. E-Book 20,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 19.04.2018

Japans Unterwelt hat westliche Wurzeln

Er interessiert sich nicht sehr für Philosophie, aber Kino, Kunst, Musik und Bücher inspirieren Haruki Murakami. Nun erscheint der Abschluss seines neuen Romans "Die Ermordung des Commendatore".

Es hat nicht lange gedauert, bis der zweite Band von Haruki Murakamis Roman "Die Ermordung des Commendatore" auf Deutsch erschienen ist: Nicht einmal drei Monate sind seit dem ersten Teil (F.A.Z. vom 23. Januar) vergangen. Da stellt sich die Frage, warum der Verlag den Text überhaupt geteilt hat, der in Japan im Vorjahr noch als Ganzes publiziert wurde. Scheu vor dem Umfang von dann fast tausend Seiten wird es nicht gewesen sein; sonst hätte man Murakamis bislang umfangreichsten Roman, "1Q84", vor acht Jahren auch auf Deutsch in den drei Bänden erscheinen lassen können, die er in Japan einnahm; stattdessen aber fasste der DuMont Verlag die ersten beiden zu einem monumentalen Tausendseitenwerk zusammen, das sich sehr gut verkauft hat, besser als der damalige Abschlussband mit dann nur noch fünfhundert Seiten. Bleibt also der Verdacht, dass dieses Mal kühl ökonomisch gedacht wurde: Für ein einziges Buch, und sei es noch so dick, hätte man keine 52 Euro verlangen können, die die beiden Einzelteile nun zusammen kosten.

Man könnte sich allerdings auch fragen, ob durch das etwas spätere Erscheinen des zweiten Bandes die bewährte Murakami-Übersetzerin Ursula Gräfe entlastet werden sollte, zumal sie für den Tropen-Verlag parallel noch Keigo Higashinos immerhin auch mehr als siebenhundertseitigen Thriller "Unter der Mitternachtssonne" auf dem Schreibtisch liegen hatte. Wenn dem so gewesen wäre, hat diese zusätzliche Frist allerdings keine Wunder bewirkt. Schon früh, noch im ersten Kapitel des zweiten Bandes (dem dreiunddreißigsten in der fortlaufenden Zählung), macht jemand ein "angstvolles Gesicht", und man fragt sich, wieso Frau Gräfe Angst vor "ängstlich" hatte. Generell ist der vielgerühmte lakonische Ton Murakamis hier oftmals ungewohnt unbeholfen, bisweilen fast mechanisch in seiner betonten Unvirtuosität. Das muss nicht der Übersetzerin anzulasten sein, aber wenn es Murakamis Original entspräche, würde sein Ich-Erzähler, ein Maler von gewissen Fertigkeiten, ungebührlich banal gemacht.

Nun hat Murakami immer schon gewöhnliche Helden in den Mittelpunkt durchaus ungewöhnlicher Stoffe gestellt, und auch bei seinem neuen namenlosen Ich-Erzähler, einem Mann von 36 Jahren, handelt es sich nicht um einen berühmten Meister seiner Zunft, sondern um einen Berufsporträtisten, der aber in einer Ehekrise steckt und deshalb sein Leben neu ordnet, darunter auch die Profession. Ein Freund bietet ihm das Haus seines ins Altersheim gelangten Vaters als Quartier an, und da es sich bei dem Greis auch um einen Maler handelt, und zwar diesmal um einen sehr berühmten, wird das Angebot gerne angenommen. Tatsächlich stellt sich beim Ich-Erzähler in der inspirierenden Umgebung neue Freude an der Kunst ein, nicht zuletzt durch den Fund eines vom Hauseigentümer irgendwann versteckten eigenhändigen Gemäldes, das eine Szene aus der Mozart-Oper "Don Giovanni" zeigt: die Ermordung des Commendatore durch den Titelhelden, allerdings gemalt in traditionell japanischem Stil. Murakami hat mit diesem Hybridkunstwerk - westliches Thema und fernöstliche Umsetzung - einen subtilen Kommentar zu den eigenen Schaffensprinzipien angelegt.

Denn er wird ja nicht nur deshalb als permanenter Literaturnobelpreiskandidat gehandelt, weil er in aller Welt begeistert gelesen wird - da gäbe es noch ganz andere Kandidaten -, sondern vor allem, weil er zwischen den Welten schreibt, geographisch wie metaphorisch. Kafka ist der wichtigste Einfluss auf seine Geschichten, und von diesem Autor hat Murakami auch das Unbestimmbare übernommen, das Changieren seiner Protagonisten zwischen Wachen und Träumen, zwischen realer und Phantasiewelt. In Band 1 der "Ermordung des Commendatore" entdeckte der Ich-Erzähler ein geheimnisvolles Erdloch, aus dem, wie sich bald herausstellt, ein Wiedergänger entwichen ist, der genauso aussieht wie der auf dem Gemälde erstochene Commendatore. Es ist jedoch, wie sich bald erweist, kein Geist, sondern eine Idee, was dem ersten Band seinen Untertitel "Eine Idee erscheint" verschafft. Der zweite nun heißt "Eine Metapher wandelt sich". Und so lauten natürlich auch die Titel der beiden Teile des Romans in Japan. Die symmetrische Anlage des Buchs bis hin zur Kapitelzahl (jeweils zweiunddreißig pro Teil) erleichterte dem deutschen Verlag die Aufsplittung.

Wer ist nun die Metapher? Eine andere Figur des geheimnisvollen Don-Giovanni-Bildes, nämlich ein Beobachter, der den Mord aus einem Erdloch verfolgt, vom Ich-Erzähler seiner Physiognomie wegen "Langgesicht" getauft. Als schließlich auch diese Gestalt real - was immer das bei Murakami heißen soll - auftritt, erklärt sie sich selbst als "bescheidenes Sinnbild, ein Wesen, das Dinge mit Bildern verknüpft". Wer bei Murakami tiefstapelt, hat meistens den Schlüssel zum Geschehen in der Hand, und tatsächlich ermöglicht Langgesicht dem Ich-Erzähler eine Unterweltreise (oder besser: Unterbewusstseinsfahrt), die ihm ermöglichen soll, ein in der wahren Welt verschwundenes Mädchen wiederzufinden.

Hat bis zum Beginn dieser Reise ins Innere seiner selbst der Ich-Erzähler nur weiter verstrickt, was der erste Band an Handlungsfäden schon bereitgestellt hatte (darunter leider auch eine ungehörige Portion peinlicher Altmänner-Erotik), so setzt mit dem neuen phantastischen Schauplatz auch ein ganz neues Erzählen ein. Nicht stilistisch; selten wurde in der Weltliteratur so unaufgeregt aus einem Jenseits reportiert. Aber die ganze Psychologie der Geschichte wird so kondensiert, wie es bald auch dem Ich-Erzähler körperlich widerfährt. Hier transferiert Murakami westliche Vorbilder, vor allem Dante und Freud, zu Landschaftsbeschreibungen, die ans japanische Kino denken lassen, etwa an Nobuo Nakagawas Höllenphantasie "Jigoku" von 1960 oder Akira Kurosawas Nachtmahrepisoden aus seinen "Träumen" von 1990. Zugleich erkennt man hier, wie geschickt "Die Ermordung des Commendatore" konzipiert ist, denn das zentrale Motiv der Bedrängung ist von Beginn an vielfach präsent.

Das Spiel mit den philosophisch besetzten Begriffen "Idee" und "Metapher" trägt dagegen weniger weit, als man Murakami zugetraut hätte. Für Reminiszenzen an Platon hat es gereicht, für Donald Davidson etwa hat sich der Schriftsteller offenbar nicht interessiert. Dafür ist faszinierend zu sehen, welche Einflüsse in der Figur des verschwundenen Mädchens Marie wirksam werden: Goethes "Wahlverwandtschaften" etwa, aber auch - bei diesem Namen naheliegend - der christliche Topos der Jungfrauengeburt. Murakami erweist sich einmal mehr als großer Eklektiker. Dass die Geschichte weitgehend offen endet, daran hat man sich bei ihm gewöhnt. Wer sich daran stört, ist für einen Großen der Gegenwart eh nicht zu haben.

ANDREAS PLATTHAUS

Haruki Murakami: "Die Ermordung des Commendatore". Band 2: Eine Metapher wandelt sich. Roman.

Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe. DuMont Buchverlag, Köln 2018. 491 S., geb., 26,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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"einer der größten Zauberer seiner Zeit" "Marie [ist] die vielleicht faszinierendste 13-Jährige der Weltliteratur, blass und zerbrechlich, stark wie ein Stier und nicht willens, sich auch nur der kleinsten gesellschaftlichen Konvention zu unterwerfen." Susanne Messmer, TAZ "Bislang war ich immer ein wenig skeptisch, wenn Haruki Murakami als möglicher Kandidat für den Literaturnobelpreis ins Spiel gebracht wurde. Nach 'Die Ermordung des Commendatore' würde ich den Stockholmern für eine solche Entscheidung applaudieren." Denis Scheck, ARD DRUCKFRISCH "Selten wurde in der Weltliteratur so unaufgeregt aus einem Jenseits reportiert." Andreas Platthaus, FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG "Mit seinen Büchern geht es einem wie mit der sonntäglichen Liturgie, [...] man kommt davon nicht los." Iris Radisch, DIE ZEIT "Zwischen den Zeilen swingen wieder herrliche Murakami-Musiken" Elonora Büning, F.A.S. "Murakami in Bestform." Denis Scheck, SWR2 Lesenswert "Eine ganz einfache Sprache, aber alles andere als simpel." Lotar Schüler, 3SAT KULTURZEIT "Seine Stärke liegt in den Charakteren, in deren stiller, höflicher Manier sich starke Emotionen verbergen." Burkhard Müller, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG "wirklich gelungen" Marie Kaiser, RBB RADIOEINS "Wer den fantastischen Haruki Murakami mag, mit seinem Händchen für alle surrealen und magischen Momente, mit seiner Verwandtschaft zu David Lynch, Franz Kafka oder E.T.A. Hoffmann, hat an diesem neuen Roman wieder richtig Freude, er ist in Bestform." Katrin Schumacher, MDR KULTUR "Murakamis neues Werk ist ein phantastischer philosophischer Roman über Ideen und Metaphern. Ein Künstlerroman der viel über Schaffensprozesse verrät und ein page-turner, der einen von der ersten Seite an nicht loslässt." Helmut Petzold, DIWAN BÜCHERSENDUNG "[...] ein page-turner und das liegt vor allem an Murakamis Fähigkeit seine Figuren so interessant zu gestalten, dass man einfach dran bleibt, dass man sich für sie interessiert. Ursula May, HR2 Kultur "Liest sich wie die Bilanz eines großen Autors." Maik Brüggemeyer, ROLLING STONE "Ein nur scheinbar unscheinbarer Held wird auf eine Geisterbahn durch die japanische Gegenwart und sein eigenes Leben geschickt. Ein herrlich buntes, murakamisches Bilderrätsel. Und ein Roman, aus dem ich am Ende nicht mehr heraus wollte." Katrin Schuhmacher, MDR KULTUR "Ein so kurzweiliges wie bemerkenswertes Stück große Literatur." STORIES - DAS THALIA MAGAZIN "Zauberhaft - im wahrsten Sinne des Wortes." Florian Blaschke, PRISMA "Willkommen im Murakami Universum, wo alles immer möglich ist, [...]." Stefanie Wirsching, u. a. AUGSBURGER ALLGEMEINE "Haruki Murakami zu lesen ist immer ein wenig so, als würde man an der Handlung selbst Anteil haben." Florian Schmid, NEUES DEUTSCHLAND "Sein Erzählstil ist fesselnd, die Cliffhanger am Ende der Kapitel ein schöner Grund, das Nachtlämpchen noch eine Viertelstunde länger brennen zu lassen." GIEßENER ANZEIGER "Ich konnte das Buch nicht mehr weglegen, es hat mich von Anfang an gefangengenommen." Jörg Petzold, FLUX FM "Ein sehr gutes Buch, hat mir großen Spaß gemacht" Thomas Andre, HAMBURGER ABENDBLATT "Das ist die große Kunst, die er beherrscht, dass so eine Art Flow entsteht, dass man gar nicht ablassen kann von diesen Büchern." Rainer Moritz, HAMBURGER ABENDBLATT "Haruki Murakami kann Oberfläche perfekt reproduzieren, zugleich aber in die Winkel hinter der spiegelnden Fassade leuchten, um zu gucken, ob da noch mehr ist." Tobias Sedlmaier, NZZ Bücher am Sonntag "Kein Zweifel, der 69-jährige Autor steckt ein faszinierendes Feld ab: verborgene Beweggründe, besitzergreifende Bilder und der kreative Prozess als radikale, selbst vom Künstler nur halb verstandene Katharsis." Hartmut Wilmes, KÖLNISCHE RUNDSCHAU "Mit seinem zweiteiligen Roman 'Die Ermordung des Commendatore' hat der Japaner ein weiteres, auszeichnungswürdiges M…mehr
Farbenleere

Alles wirkt unscheinbar,
aber bedeutsam für das Ganze:
Haruki Murakamis „Die Ermordung
des Commendatore“ ist der Auftakt
zu einer neuen Romantrilogie

VON BURKHARD MÜLLER

F arbe und ihre Abwesenheit: Das war ein zentrales Thema auch schon im bisher letzten Roman von Haruki Murakami gewesen, der den Titel trug „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“. Sein Held hatte sehr darunter gelitten, dass in dem unverbrüchlichen Freundschaftsbund, dem er angehörte, die anderen vier Mitglieder alle Namen hatten, in denen die japanischen Wörter für Rot, Blau, Schwarz und Weiß vorkamen – nur er war leer ausgegangen.

Jetzt, in Murakamis neuestem Buch, steht ein Maler im Mittelpunkt, 36 Jahre alt, in dessen Leben und Kunst vieles ungewiss geworden ist. Da er in der Ichform erzählt, erfährt der Leser seinen Namen nicht. Er zieht sich, von seiner Frau verlassen und der ewigen Porträt-Aufträge überdrüssig, nach einer längeren Irrfahrt mit seinem alten Auto in ein einsames Berghäuschen zurück, das ihm ein Freund überlassen hat. Seinen Lebensunterhalt verdient er mit Kunstunterricht in der Volkshochschule der nächsten Kleinstadt. Da naht sich ihm eines Tages ein schon etwas älterer Herr, der ihm einen unvernünftig hohen Preis bietet, wenn er von seinem Vorsatz, nie wieder Porträts anzufertigen, abrückt und ihn malt. Dieser Herr trägt einen Anzug, für den weiß eine zu schwache Bezeichnung wäre; von einer die Augen blendenden Schneeweiße ist er, und auch sein Haar hat dieselbe reinweiße Farbe. Er stellt sich mit „Menshiki“ vor und überreicht eine Visitenkarte, auf der dieser offenbar sehr ungewöhnliche Name mit den Zeichen für „Farbe“ und „vermeiden“ geschrieben ist.

Die Sprache dieses Buches ist, wie immer bei Murakami, klar und schlicht, und doch spürt der Leser, dass diese gut aufgeräumte Oberfläche, die an einen Zen-Garten erinnert, Geheimnisse birgt. Das größte und offensichtlichste Geheimnis liegt in der Figur des Ich-Erzählers, eines sympathischen und etwas passiven, nicht mehr ganz jungen Mannes, der sich niemandem aufdrängt und den andere doch gern ins Vertrauen ziehen. Aber offensichtlich gibt es Dinge, die er über sich selbst nicht weiß: Er scheint wie unter Betäubung zu leben, in einem Schmerz, den er gar nicht zu fühlen vermag. Auf geradezu kindlich unbedachte Art schildert er den Sex mit einer älteren Frau, die ihn ungefähr einmal pro Woche besuchen kommt; doch bei diesen freundlichen und erfreulichen Begegnungen, wie man beim Lesen immer mehr bemerkt, fehlt etwas: das emotionale Element.

Die vielleicht bemerkenswerteste Eigenschaft von Murakamis Schreiben besteht darin, dass gerade solche emotionalen Fehlstellen eine hohe emotionale Kraft besitzen; man ahnt, dass an solchen blinden Orten die eigentliche Verletzung steckt, und diese Ahnung versetzt das Gewebe des Buchs in Schwingungen von niedriger Frequenz, die aber gerade so durch und durch gehen.

Die Gegenwart breitet sich vor Erzähler und Leser so hell und offen aus wie die Landschaft, in der das Buch spielt. Aber in sie hinein sendet die Vergangenheit ihre Signale. Die unbestimmt geheimnisvolle Atmosphäre verdichtet sich zu Rätseln, die nach und nach auftauchen; auftauchen auch im buchstäblichen Sinn, denn es findet sich zum Beispiel auf dem vom Erzähler bewohnten Grundstück plötzlich ein sorgsam ausgemauerter, brunnenförmiger Schacht. Wozu um alles in der Welt hat er gedient? Und was hat es mit dem kleinen, glöckchenbesetzten Instrument auf sich, das auf dessen leerem Grund liegt? In manchen Nächten hatte der Erzähler Schellenklang vernommen.

In dem Haus, in dem er Zuflucht gefunden hat, lebte und arbeitete früher der Vater des Freundes, ein berühmter Maler, der inzwischen zum dementen Pflegefall geworden ist. Als der Erzähler eines Tages den Dachboden aufsucht, in dem er merkwürdige Geräusche gehört hat, stößt er dort nicht nur auf die Verursacherin, eine kleine Eule, die jetzt, am Tage, schläft und zu der er sich sofort stark hingezogen fühlt, wie sie da so sitzt, einer geflügelten Katze gleich, sondern auch auf ein dick eingewickeltes Paket, das, nach seiner Staubschicht zu schließen, dort schon viele Jahre unberührt steht. Er wagt es, es auszupacken, und hat das Gemälde in der Hand, das dem Buch den Titel gibt: Die Ermordung des Commendatore. Zu sehen ist, dargestellt im Stil einer bestimmten mittelalterlichen Epoche Japans, das Duell zwischen einem alten und einem jungen Mann. Der junge stößt dem alten sein Schwert ins Herz, dieser, noch nicht tot, wirkt mehr erstaunt als entsetzt, indem schon das Blut aus ihm herausschießt, während eine erschrockene junge Frau und eine dienerartige Figur dabeistehen und aus einer Luke im Boden (aber wo kommt mitten im Gelände so eine Luke her?) eine Figur mit starrem Blick und länglichem Gesicht, das einer gebogenen Aubergine ähnelt, hervorsieht. Es handelt sich zweifellos um ein bedeutendes Kunstwerk, aber es ist von bestürzender Gewaltsamkeit. Der Erzähler erkennt sofort: Nachdem er dieses Bild gesehen hat, von dem er zunächst noch überhaupt nichts begreift, wird sein Leben nicht bleiben, was es war; und seine Kunst, wie sich alsbald herausstellt, auch nicht. Er wird die Farbe neu für sich entdecken, und zwar gerade bei der Arbeit am problematischen Bildnis des schneeweißen Herrn Menshiki.

Was bitte ist ein Commendatore? Dem musikbegeisterten Erzähler geht plötzlich ein Licht auf: Das ist der Großkomtur aus Mozarts Oper, der von Don Giovanni getötet wird und dann als Steinerner Gast wiederkehrt, um den Frevler in die Hölle zu holen. Wie so oft bei Murakami erhellt sich die eine Seite des rätselhaften Gegenstands, während sich auf der anderen die Dunkelheit umso mehr vertieft.

Das Buch stellt den Auftakt einer Trilogie dar und gleicht darin Murakamis anderem, 2009 erschienenen Opus magnum, „1Q84“. Doch hat es, soweit sich bisher absehen lässt, eine straffere erzählerische Ökonomie, allein schon darum, weil es sich mit einer einzigen Erzählperspektive begnügt. Und es bleiben genug lose Fäden übrig, dass man mit Spannung erwartet, wie es in den Bänden zwei und drei weitergeht.

Schon jetzt dürfte feststehen, dass sich nicht alle diese Fäden auf natürliche und realistische Weise verknüpfen werden. Es gibt auch ein Reich der Geister oder Ideen, das in die Welt der Menschen eingreift (aber nur, wenn es, wie der Steinerne Gast, zuvor eine Einladung bekommen hat); aus ihr kommt zum Beispiel das Püppchen in altertümlicher Tracht, das auf einmal nachts auf dem Sofa des Erzählers sitzt und zu sprechen beginnt. Murakami schafft es, dass man über die Reden, die dieser hochadelige Zwerg führt, lachen kann, ohne dass sich seine Unheimlichkeit vermindert.

Es fällt bei diesem Autor schwer, die besondere Qualität seiner Bücher exemplarisch in einem Zitat vor Augen zu führen; alles Einzelne wirkt bei ihm unscheinbar, bedeutsam ist das Ganze. Murakami ist ein sehr diskreter Zauberer.

Die Übersetzung stammt, wie bei den meisten seiner Bücher, von Ursula Gräfe. Man macht sich wohl nicht genügend klar, dass wir den Murakami, den wir schätzen und lieben, aus ihrer Hand empfangen haben. So viel an seinem Werk vollzieht sich ungreifbar und sozusagen unterirdisch, und was dies der Übersetzerin abverlangt, können westliche Leser nur erahnen. Dass wir hier nicht stolpern, dass wir verstehen, worum es geht, und das Geheimnis dennoch gewahrt bleibt, das verdanken wir ihr.

Haruki Murakami: Die Ermordung des Commendatore. Band I: Eine Idee erscheint. Roman. Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe. DuMont, Köln 2018. 479 Seiten, 26 Euro. E-Book 20,99 Euro.

Wie oft bei Murakami, erhellt
sich die eine Seite, während
sich die andere verdunkelt

Murakamis Prosa erscheint schlicht
und klar, birgt aber Geheimnisse. Ein
Zen-Garten in Kyoto.
Foto: Mauritius

Der japanische Bestsellerautor Haruki Murakami. AFP

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