Der Patriot (Extended Version, Steelbook)
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10 Minuten längere Fassung Steelbook exklusiv bei Real erhältlich
Erstmals bläst Roland Emmerich nicht in futuristischen Zusammenhängen zum gigantischen Hollywood-Halali. Sein Gespür für imposante Ausstattungen und Filmemotionen kommt dem Exil-Deutschen auch in seiner wuchtigen Verfilmung eines Drehbuchs von "Der Soldat James Ryan"-Autor Robert Rodat zu Gute, in dem Amerika wieder einmal den gerechten Krieg und Emmerich nach "ID4" erneut für die Unabhängigkeit kämpft. Keine Sorge, in der Berserker-Mär aus dem Revolutionskrieg findet kein öder Diskurs über den Wert der Freiheit statt. Denn…mehr

Produktbeschreibung
10 Minuten längere Fassung
Steelbook exklusiv bei Real erhältlich
Erstmals bläst Roland Emmerich nicht in futuristischen Zusammenhängen zum gigantischen Hollywood-Halali. Sein Gespür für imposante Ausstattungen und Filmemotionen kommt dem Exil-Deutschen auch in seiner wuchtigen Verfilmung eines Drehbuchs von "Der Soldat James Ryan"-Autor Robert Rodat zu Gute, in dem Amerika wieder einmal den gerechten Krieg und Emmerich nach "ID4" erneut für die Unabhängigkeit kämpft. Keine Sorge, in der Berserker-Mär aus dem Revolutionskrieg findet kein öder Diskurs über den Wert der Freiheit statt. Denn politische oder ideologische Hintergründe spielen eine Statistenrolle, wenn Mel Gibson auf Mad-Max-Modus schaltet, um in den Kriegswirren den Tod eines seiner Söhne zu sühnen und en passant auch noch die Geburt einer Nation zu besiegeln.

Niemand dreht amerikanischere Filme als Roland Emmerich: Das mag daran liegen, dass seine Liebe von jeher dem Überwältigungskino Marke Spielberg gilt, das den Zuschauer allemal lieber staunen lassen will, als ihn intellektuell zu kitzeln. Emotionen wollen seine Bilder auslösen - und nichts anders. Wenn es denn einer heroisch geschwungenen Fahne bedarf oder der Tränen eines kleinen Mädchens, um das Publikum zu bewegen, dann wird Emmerich keine Sekunde zögern sie einzusetzen.

Das trifft auf seine Fantasy-Popcorn-Hits wie "Independence Day" (gelungen) oder "Godzilla" (weniger gelungen) ebenso zu wie auf seinen epischen Abstecher in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts, mit dem er dem Vorbild Spielberg näher kommt als je zuvor. Hier wird nicht um Werte gekämpft, sondern um die Befriedigung der Rachegefühle eines Vaters. Das bedeutet, dass man so manche historische Ungenauigkeit und Simplifizierung hinnehmen muss: So dürfen schwarze Sklaven bei Benjamin Martin, dem Südstaaten-Helden von "Der Patriot", als Gleichberechtigte auf der Farm arbeiten. Die Bösen sind die Rotröcke, also die Truppen des Königs von England, die mit einer Ausnahme hassenswerte Bösewichte, arrogante Pinsel oder Kanonenfutter sind, während die amerikanischen Siedler trotz finsterer Gesichter fast ausschließlich zutiefst aufrichtige Kerle sind.

Es hilft, dass Emmerich mit "Der Patriot" seine filmemacherisch bislang ambitionierteste und gelungenste Arbeit vorlegt: Die logistisch kompliziert zu realisierenden Schlachtszenen mit ihren blutigen Details (vor allem Kanonenkugeln richten Dinge mit Körpern an, die bis vor wenigen Jahren ausschließlich dem Splatterfilm vorbehalten waren) meistert er ebenso souverän wie die Arbeit mit seiner riesigen Besetzung, mit der der Regisseur einen epischen Bogen schlägt. Von unschätzbarem Wert ist natürlich Mel Gibson als siebenfacher Familienvater (wie im realen Leben) und seit Jahren erklärter Pazifist Martin. Wenn er nach den frühen, harmonischen Momenten auf seiner Farm dazu gezwungen wird, seinen hart erkämpften inneren Frieden aufzugeben und den Guerillakrieg gegen die Briten aufzunehmen, nachdem einer seiner Söhne getötet und ein anderer verschleppt wurde, ist damit zu rechnen, dass das Publikum wie ein Mann auf seiner Seite steht, speziell wenn er beim Showdown mit erhobener Fahne gegen den Feind stürmt.

Dass dem getriebenen Mann auch zu diesem entscheidenden Zeitpunkt Blutrache weiterhin wichtiger ist als der Kampf um höhere Werte, er bis zum Schluss weniger "Der Patriot" ist als "Der Rächer", könnte auch denen unangenehm aufstoßen, die Gibson bislang ohne Murren durch Dick, Dünn und manch melodramatisches Pathos gefolgt sind. Selbstjustiz im Stil von "Ein Mann sieht rot" ist ein unwürdiges Ende für dieses opulente Abenteuerdrama, über dessen Inhalte sich wohl streiten lässt, der darüber hinaus kompetent und leidenschaftlich umgesetzt wurde. Nun bleibt abzuwarten, inwiefern das deutsche Publikum bereit ist, in den Hurra-Patriotismus des potenziellen Blockbusters einzustimmen. ts.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag

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  • Produktdetails
  • EAN: 4030521714748
  • Best.Nr.: 27841620
  • Artikeltyp: Film
  • Anzahl: 1
  • Datenträger: DVD
  • Erscheinungstermin: 9. November 2009
  • Hersteller: Sony Pictures
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren gemäß §14 JuSchG
  • Sprachen: Deutsch, Englisch
  • Untertitel: Deutsch, Türkisch, Polnisch, Englisch
  • Regionalcode: 2
  • Bildformat: 1:2, 35/16:9
  • Tonformat: Dolby Digital 5.1
  • Gesamtlaufzeit: 168 Min.
Rezensionen
Bekannt für opulentes Effekte-Kino, stellt Roland Emmerich ("Independence Day") hier sein Gespür für leidenschaftliche Dramen unter Beweis. Mit "Mad Max"-Star Mel Gibson als Garant für glaubwürdig-spannende Action besetzte er zudem den idealen Titelhelden. Dass historische Fakten zugunsten der emotionalen Umsetzung etwas zurechtgebogen werden mussten, stört dabei ebenso wenig wie die Tatsache, dass die Gründe des "Patrioten", in den Kampf zu ziehen, eher denen eines Rächers gleichen. Eine oberste Chartposition ist sicher.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag
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Besprechung von 03.07.2000
Einer wird gewinnen
Zwei deutsche Regisseure kämpfen um das Kinopublikum

NEW YORK, 2. Juli

Mel Gibson kämpft einen aussichtslosen Kampf und gewinnt. George Clooney kämpft einen aussichtslosen Kampf und verliert. Der eine ficht in "The Patriot" für die amerikanische Unabhängigkeit, der andere gegen Naturgewalten in "The Perfect Storm". Und obwohl das in dieser Kürze klingt wie die übliche Sommerware, mit der Hollywood einen überproportionalen Teil seines Jahresumsatzes in wenigen Tagen zu erwirtschaften sucht, handelt es sich doch um zwei ungewöhnliche Filme, die an diesem langen Wochenende um die Gunst des Publikums buhlen. Dass mit ihren Regisseuren, Roland Emmerich und Wolfgang Petersen, die beiden in Hollywood erfolgreichsten Deutschen an der Kinokasse gegeneinander antreten, ist ein anekdotisches Detail, das sich einzig dem Zufall verdankt. Andere Profit versprechende Action-Regisseure sind entweder später dran wie Paul Verhoeven ("Hollow Man"), früher wie Ridley Scott ("Gladiator") oder treten in diesem Jahr überhaupt nicht in Erscheinung wie James Cameron ("Titanic").

Anfang Juli vereinen sich jährlich die beiden großen Konstanten im amerikanischen Leben: der Patriotismus und das Kino - wobei der Patriotismus gerade in diesen Tagen für sich selbst sorgen kann, während das Kino die vom Feiern der eigenen Größe müden Massen traditionell mit aktionsbetonten Abenteuern oder schlicht gewirkten Familienkomödien wieder in Schwung bringt. Nur teuer müssen die Filme sein, Stars müssen spielen, und es muss, vor allem bei halb authentischen Geschichten, die ganze Illusionsmaschinerie Hollywoods in Gang gesetzt worden sein, um jenes Überwältigungskino zu erzeugen, nach dem offenbar die Nation Anfang Juli giert.

Mit "The Patriot" und "The Perfect Storm" sind die Studios Columbia und Warner Brothers nicht den allersichersten Weg gegangen. Die amerikanische Revolution ist ein Thema, um welches das Kino bisher einen großen Bogen gemacht hat, weil es stets unsicher schien, ob die Amerikaner noch ein Verhältnis zu ihren Urvätern finden würden. D. W. Griffiths Stummfilm "America" aus dem Jahr 1924 war eine der wenigen Ausnahmen. "Wenn die Leute mit dem Federkiel schreiben", so lautete später eine der eisernen Regeln des Filmmoguls Jack Warner, "vergiss es." Im Gegensatz zum Bürgerkrieg, den das amerikanische Kino regelmäßig nachstellt, scheint der Revolution das Pathos wie auch jene Form von Drama zu fehlen, das die Amerikaner heute unterhaltsam finden. Das laue Einspielergebnis der ersten Tage für "The Patriot" legt nahe, dass Jack Warner einst das richtige Gespür gehabt haben mag. Und auch die Beobachtung des "New Yorker", dass der Anblick ihrer Urväter unter Perücken den Amerikanern etwa ebensolches Unbehagen bereite wie der von Nonnen im Bikini, scheint sich zu bestätigen. "The Perfect Storm" wiederum lockt zwar mit nie gesehenen Spezialeffekten, erzählt aber eine Geschichte mit tragischem Ausgang, dem keine der Hauptfiguren entgeht - ein gemeinhin gescheutes Risiko für die sommerliche gute Laune, dessen Auswirkung an der Kasse, da der Film erst am Freitag angelaufen ist, noch nicht ausgezählt wurde.

Roland Emmerich führte bisher als solider Actionregisseur mit nur beiläufigem Interesse an seinen Figuren die Kategorie der "boys with toys" in Hollywood an, die gleichsam verwandtschaftliche Beziehungen zum jugendlichen Publikum unterhält. Mit "The Patriot" hat er diese sichere Position aufgegeben. Nicht, dass der technische Aufwand geringer wäre als bei seinem Popspektakel "Independence Day", aber er stellt doch all die Kunststücke aus dem Computer in den Dienst einer Geschichte, die mehr ist als nur Vorwand für die nächste visuelle Sensation. Möglicherweise, so deutete er kürzlich in einem Gespräch mit Paul Verhoeven an, sei das Kino an einen Punkt gekommen, an dem die Effekte ihren Reiz zu verlieren drohen, wenn sie an die Stelle einer Erzählung treten, die sie eigentlich nur orchestrieren sollen.

"The Patriot" also erzählt eine Geschichte aus dem Unabhängigkeitskrieg. Der verwitwete Grundbesitzer Benjamin Martin in South Carolina, einst ein gefürchteter Krieger im französisch-indianischen Krieg, versucht sich aus den Kämpfen der Kolonien gegen die Engländer herauszuhalten. Sein immer wieder scheiternder Versuch, einen Schaukelstuhl zu schreinern, deutet allerdings an, wie fragil diese Haltung und wie ungünstig der Zeitpunkt ist, zum Pazifisten zu werden. Sein ältester Sohn tritt in die Armee ein, ein teuflischer englischer Offizier erschießt willkürlich seinen jüngsten, und also zieht auch Benjamin wieder in den Krieg. Statt sich der offiziellen Rebellenarmee anzuschließen, sucht er sich eine Handvoll Guerrillas. Und statt den Regeln der Engländer zu folgen, improvisiert er, führt er den britischen Kommandeur bei einem Gipfeltreffen hinters Licht und spricht er eine Sprache, die sich deutlich von dessen aristokratischer Attitüde absetzt - der neue Mann für eine neue Welt.

Das Drehbuch von Robert Rodat, der für Steven Spielberg "Saving Private Ryan" geschrieben hatte, installiert ähnlich wie dort auch in "The Patriot" Auslöser emotionaler Reflexe - in moderaten Abständen -, die Roland Emmerich mit Geschick allesamt bedient und damit das Publikum zum Weinen, zum Entsetzen, zum Beben, Lachen und Hoffen bringt. "The Patriot" ist ein vollständig ironieloses Meisterwerk der Manipulation. Es ist, wo es die Sklaven Benjamins zu freien Angestellten erklärt, eine feige Lüge. Es ist aber auch ein Film, der durchaus mit Blick aufs blutige Detail die Absurdität einer Kriegsführung zeigt, in der die feindlichen Truppen auf freiem Feld aufeinander losmarschieren, kaum weiter als eine Gewehrlänge entfernt voreinander stehen bleiben, anlegen und sich gegenseitig erschießen, bis das eine oder andere Häuflein Überlebender das Weite sucht.

Es hätte nicht der Belehrung eines Historikers in der "New York Times" bedurft, um zu bemerken, dass dies keine Geschichtsstunde ist, sondern ein Actionfilm, der andere Prioritäten setzt als die Wissenschaft. Der Sprung aus dem achtzehnten ins zwanzigste Jahrhundert, wenn aus der streng regulierten Kampf- und Selbstmordtechnik ein Krieg wird, in dem Zivilisten für Guerrillaanschläge büßen müssen, mag historisch nicht korrekt sein, folgt aber der Logik der Krieges, um die es in "The Patriot" unter anderem geht. Der "New Yorker" nennt den Film ein "intelligentes und Furcht erregendes Drama über die Natur des Krieges". Die "New York Times" hingegen findet außer Mel Gibson nicht viel Gutes und urteilt ihn mit erstaunlicher analytischer Nachlässigkeit als eine "grässliche Mischung aus Sentimentalität und Gewalt" ab, die aussehe wie ",Lethal Weapon' in der Regie von Norman Rockwell".

Der Titelheld von "The Perfect Storm" ist eine durch den gleichnamigen Bestseller bekannt gewordene Naturkatastrophe, die im Jahr 1991 die Küste Neuenglands heimsuchte. Drei Wetterfronten, jede von der Stärke eines Hurrikans, vereinigten sich über der See und schufen damit jenen seltenen Fall eines von den Meteorologen ehrfürchtig als perfekt bezeichneten Sturms, dem damals die Besatzung des Schwertfischfangboots "Andrea Gail" zum Opfer fiel. Wolfgang Petersen, dessen Hollywood-Karriere einst mit "Das Boot" in Schwung kam, scheint die natürlich Wahl für die Regie eines solchen Films. Doch anders als Emmerich hat er sich von der Technik die Geschichte aus der Hand nehmen lassen.

Und weil der Sturm auf hoher See, dreißig Meter hohe Wellen, der Verlauf der Gischt und die Dynamik verschiedener Wogenformationen die ganze Aufmerksamkeit der Filmemacher in Anspruch nahmen und also auch die ganze Aufmerksamkeit des Publikums auf sich ziehen wollen, hat man zwei Stunden lang das Gefühl, einer gelungenen Software-Demonstration zuzuschauen, nicht aber einer Katastrophe, die in dem Fischerort Gloucester bis heute unvergessen ist. Dabei ging es Wolfgang Petersen vor allem um Authentizität.

Das hat immerhin ein versöhnlicheres Ende der Geschichte zur Erbauung des Publikums verhindert. Doch "The Perfect Storm" wirkt - nach einer halben Stunde der sentimentalen Exposition des harten Alltags in Gloucester, wo Ehen regelmäßig scheitern und doch das kleine Glück zu Hause ist - selbst wie ein stets um ein leeres Zentrum kreisender Sturm, in dem die Geschichte des Schicksals dieser Männer untergeht. Die Kaltblütigkeit, mit der wir dem Desaster zuschauen, mag damit zu tun haben, dass die großflächige Marketingkampagne lange vor dem Filmstart alle Tricks enthüllt hatte und damit die spektakulärsten Augenblicke entzaubert waren, bevor sie auf die Leinwand kamen. Sie mag der Musik von James Horner geschuldet sein, die niemals eine Pause macht und in gleich bleibend donnernder Lautstärke tost, sei es unter oder auf dem Wasser oder auch hoch darüber, wo die Helikopter mit den Winden kämpfen. Unter Einsatz aller Mittel hat die Illusion, die jeder Film braucht, um seine eigene Realität zu finden, keine Chance. Wir bleiben also vor allem unberührt, weil wir nach zwei Stunden immer noch nicht wissen, wen es da so bös erwischt - und deshalb einzig glauben, was wir wissen, nämlich dass George Clooney und Mark Wahlberg bei den Dreharbeiten nass waren, aber nicht ernsthaft in Gefahr.

VERENA LUEKEN

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