Nachkriegskirchen in Frankfurt am Main (1945-76)

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Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand in Frankfurt eine bemerkenswerte Kirchenlandschaft. Neben berühmten Kirchenbaumeistern wie Rudolf Schwarz und Gottfried Böhm haben hier auch weniger bekannte Architekten individuelle, künstlerisch bedeutende Kirchenbauten geschaffen. In der internationalen Handelsmetropole spiegelt sich bis heute eine einmalige Vielfalt christlicher Gemeinschaften von der unitarischen Gemeinde bis zum südamerikanischen Marienorden. Die geschichtlichen und künstlerischen Werte dieser religiösen Vielfalt zu erfassen und zu erhalten, ist Ziel dieser ersten Gattungstopographie…mehr

Produktbeschreibung
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand in Frankfurt eine bemerkenswerte Kirchenlandschaft. Neben berühmten Kirchenbaumeistern wie Rudolf Schwarz und Gottfried Böhm haben hier auch weniger bekannte Architekten individuelle, künstlerisch bedeutende Kirchenbauten geschaffen. In der internationalen Handelsmetropole spiegelt sich bis heute eine einmalige Vielfalt christlicher Gemeinschaften von der unitarischen Gemeinde bis zum südamerikanischen Marienorden. Die geschichtlichen und künstlerischen Werte dieser religiösen Vielfalt zu erfassen und zu erhalten, ist Ziel dieser ersten Gattungstopographie zu Kirchen der Nachkriegsmoderne. Nach einer Dokumentation der gesamten städtischen Kirchenlandschaft werden 31 denkmalgeschützte Baukunstwerke ausführlich vorgestellt. Ein Verzeichnis aller untersuchten Kirchen, Literaturhinweise und Architektenviten runden das Bild ab. Eigens für die Publikation gefertigte Farbaufnahmen und Planzeichnungen lassen Frankfurts Nachkriegskirche lebendig werden.
  • Produktdetails
  • Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland - Kulturdenkmäler in Hessen
  • Verlag: Wbg Theiss
  • Seitenzahl: 246
  • 2013
  • Ausstattung/Bilder: 2013. 246 S. m. 300 Abb. 300 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 302mm x 215mm x 22mm
  • Gewicht: 1264g
  • ISBN-13: 9783806228120
  • ISBN-10: 3806228124
  • Artikelnr.: 38083926
Autorenporträt
Dr. Karin Berkemann ist Kunsthistorikerin und Architektin in der Denkmalpflege, lebt in Frankfurt a. M..
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Ein wissenschaftlich untadeliges Vorbild für die Inventarisierung von Denkmälern sieht Rezensent Dieter Bartetzko in Karin Berkemanns Band über die Frankfurter Nachkriegskirchen und ihre Erhaltung durch kirchliche Institutionen. Dass die Kirche zu den wichtigsten Denkmalschützern und Bauherren der Nachkriegszeit in Deutschland gehört, ist laut Rezenensent leider wenig unbekannt. Für Frankfurt schafft dieses Buch Abhilfe, meint er, das den Leser mit einer Einleitung in die Geschichte des Kirchenbaus, Periodisierung und Motivgeschichte vorbereitet, um im Katalogteil sodann die ganze Vielfalt Frankfurter Kirchenbauten zu eröffnen. Welches den mutigsten Entwurf darstellt, vermag Bartetzko kaum zu entscheiden, auch wenn die "lebendigen" Beschreibungen der Autorin den Blick schärfen, wie er versichert.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 13.12.2014
Der Himmel über Frankfurt
Vor den Bankentürmen: Karin Berkemann besichtigt Kirchen der Nachkriegszeit

Hätten die Kapuzinermönche, seit den zwanziger Jahren an der Frankfurter Liebfrauenkirche ansässig, 1946 nicht den Chor mit einer Notmauer gesichert - das kostbare gotische Kleinod wäre abgerissen worden. Denn der provisorische Magistrat war sich einig, dass man das schwer bombengeschädigte Denkmal nicht wieder aufbauen könne. Als man zur Tat schreiten wollte, war das Gotteshaus schon wieder so sehr integraler Bestandteil der Innenstadt und des erwachenden bürgerlichen Lebens, dass die Pläne fallengelassen wurden. Heute ist die Liebfrauenkirche eines der beliebteten und meistbesuchten Wahrzeichen Frankfurts.

Die Kirche als einer der wichtigsten Denkmalschützer in unseren kriegszerstörten Städten, aber auch als einer der bedeutendsten Bauherren der Wiederaufbaumoderne - beides ist ein bislang zu wenig beachtetes Phänomen der jüngeren Architekturgeschichte Deutschlands. Für Frankfurt liegt nun ein ausführlicher Inventarband vor, der im Überblick erkennen lässt, wie viel Bewundernswertes kirchliche Institutionen und Kirchenarchitekten zwischen 1945 und 1976 auch und gerade in der umtriebigen, auf raschen und pragmatischen Wiederaufbau fixierten Stadt zustande brachten.

Bestens vorbereitet durch einen umfangreichen Einleitungsteil, der eine kurze Geschichte des Kirchenbaus, die Periodisierung der von häufigen, oft abrupten Stilwechseln geprägten Nachkriegsjahrzehnte samt ihrer teils überraschend originellen, teils tradierten Hauptmotive in Ausstattung und Dekor erläutert, sieht man sich im Katalog-Teil einer verblüffend großen und vielfältigen Menge moderner Frankfurter Kirchenbauten gegenüber. Dank seiner abwechslungsreichen topographischen Beschaffenheit vereint Frankfurt auf seinem Stadtgebiet die verschiedensten Lösungen. Da gibt es beispielsweise die Herz-Marien-Kirche, die, 1954 begonnen, seit 1959 auf Sachsenhausens Mühlberg mit ihrem schlanken Campanile und einer konkaven, von Stabwerk unterteilten Schaufront wie ein Wallfahrtsziel der Moderne die Stadtsilhouette überragt. Gänzlich anders, im Äußeren ländlich mit einem Resthauch Klassizismus, im Inneren vorsichtig nach einer harmonischen Verbindung zwischen schlichter Moderne und dem gotischen Chor des teilzerstörten Vorgängerbaus suchend, bietet sich die Cyriakuskirche in Rödelheim von 1951 dar. Gelegen auf einer Niddainsel und inmitten eines historischen Parks, antwortet sie auf die ästhetischen Bedingungen des Ortes ebenso wie auf die der Stadt.

Cantate Domino, 1966 gebaut als evangelische Auftaktkirche für die riesige Trabantensiedlung Nordweststadt, zeigt sich zeittypisch als hermetischer, immerhin strahlend weißer Würfel mit einem abstrahierend skulpturalen Glockenträger. Das katholische Pendant St. Sebastian, im selben Jahr entstanden, setzt dagegen auf die Anziehungskraft des seinerzeit rar gewordenen Werksteins; in reizvollem Kontrast zu Partien aus Sichtbeton ist cremefarbener Sandstein geschichtet. Der niedrige Campanile, zusammengesetzt aus vier Vierkanten, gibt sich ähnlich wie der Glockenträger von Cantate Domino wie eine fesselnde Skulptur.

Ist die Unitarische Weihehalle, die zwischen 1958 und 1960 mitten im Quadratraster des zerbombten klassizistischen Fischerfeld-Viertels der Innenstadt das Dasein als ovaler Solitär wagte, die mutigste Lösung der frühen Jahre? Oder ist es die Epiphaniaskirche, die 1956 die expressiven, im Zickzack aufragenden Lochwände ihres Langhauses mit den Sockelresten, dem Turm und dem steilen Triumphbogen ihres neogotischen Vorgängers kombinierte und so den Vorwurf des Verrats an der Moderne riskierte? Die Entscheidung bleibt dem Leser selbst überlassen.

Doch die präzisen und lebendigen Beschreibungen der Autorin Karin Berkemann schärfen das Urteilsvermögen. Das gilt auch für einige warnende Hinweise, die die Autorin in ihre wissenschaftlich untadeligen Ausführungen dezent, aber wirksam einstreut. Beispielsweise eine Liste der Verluste, die der Nachkriegsbestand an Kirchen in Frankfurt während des letzten Jahrzehnts hat hinnehmen müssen. So sollten Denkmal-Inventare häufiger verfasst werden.

DIETER BARTETZKO

Karin Berkemann: "Nachkriegskirchen in Frankfurt am Main (1945-76)". Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland - Kulturdenkmäler I. Hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen.

Konrad Theiss Verlag, Darmstadt 2013. 246 S., Abb., geb., 29,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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