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Ein Buch, das Mut macht, dem Unglücklichsein seinen Raum zu geben, und das tröstliche Erkenntnisse bereithält. Über das Glücklichsein scheint alles gesagt zu sein. Aber was ist mit dem Unglücklichsein? In der ausufernden Glücksdebatte sind die Schattenseiten des Glücks etwas in Vergessenheit geraten. Stattdessen entstand eine neue Art von Pflicht: die Pflicht zum Glück. Der Glücksstress, der sich daraus ergibt, macht viele nicht glücklicher. Und was ist mit all denen, die vom Glück allenfalls träumen können? Wilhelm Schmid bezieht kritische Position zur Glücksdebatte, zu der er 2007 mit seinem…mehr

Produktbeschreibung
Ein Buch, das Mut macht, dem Unglücklichsein seinen Raum zu geben, und das tröstliche Erkenntnisse bereithält.
Über das Glücklichsein scheint alles gesagt zu sein. Aber was ist mit dem Unglücklichsein? In der ausufernden Glücksdebatte sind die Schattenseiten des Glücks etwas in Vergessenheit geraten. Stattdessen entstand eine neue Art von Pflicht: die Pflicht zum Glück. Der Glücksstress, der sich daraus ergibt, macht viele nicht glücklicher. Und was ist mit all denen, die vom Glück allenfalls träumen können?
Wilhelm Schmid bezieht kritische Position zur Glücksdebatte, zu der er 2007 mit seinem Bestseller "Glück" beigetragen hat mit der Behauptung, Glück sei nicht das Wichtigste im Leben.
Nun unternimmt er eine Ehrenrettung des Unglücklichseins. Und zeigt Wege auf, wie es besser bewältigt werden kann.
  • Produktdetails
  • Verlag: Insel Verlag
  • 3. Aufl.
  • Seitenzahl: 103
  • 2012
  • Ausstattung/Bilder: 103 S. 154 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 157mm x 108mm x 16mm
  • Gewicht: 136g
  • ISBN-13: 9783458175599
  • ISBN-10: 3458175598
  • Best.Nr.: 35726709
Autorenporträt
Wilhelm Schmid, geboren 1953, lebt als freier Philosoph in Berlin und lehrt Philosophie als außerplanmäßiger Professor an der Universität Erfurt. Viele Jahre lang war er als Gastdozent in Riga/Lettland und Tiflis/Georgien, sowie als "philosophischer Seelsorger" an einem Krankenhaus bei Zürich/Schweiz tätig.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Richtig geärgert hat sich Katharina Teutsch über die Unglücksratgeber von Arnold Retzer und Wilhelm Schmid, die sich beide gegen einen Trend zum positiven Denken stemmen, der in den Augen der Autoren erst recht unglücklich macht. Dabei ist es nicht so, dass Teutsch jetzt alles ablehnen würde, was sie in diesen beiden Büchern gefunden hat, aber was ihr zum einen gegen den Strich geht, ist das selektive Zitieren. Barbara Ehrenreich zum Beispiel annonciert den Trend zum Denken in ihrem Buch "Smile or Die" nicht für die ganze Gesellschaft, wie sowohl Retzer als auch Schmid suggerieren, sondern für die Esoterik-Community. Und dann hätte die Rezensentin auch gern etwas mehr Empirie gesehen, anstatt nur rhetorische Taschenspielertricks und naheliegende Pointen. Wo sind denn hier all die superglücklichen Menschen? In Berlin zumindest sind sie ihr noch nicht begegnet. Vielleicht können sich die Herren das nächste Mal mit dem Thema Depression beschäftigen.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 28.01.2013
Fülle des Sinns in leeren Gläsern
Positivdenken diskriminiert die Unglücklichen: Der Philosoph Wilhelm Schmid lobt die Melancholie
Seit einigen Jahren schon schreibt der Philosoph Wilhelm Schmid diese kleinen Lebenskunstratgeber, die sich nicht nur durch ihr manteltaschentaugliches Format wohltuend bescheiden ausnehmen gegen ihre (pseudo-)psychologischen Geschwister. „Unglücklich sein – Eine Ermutigung“ heißt der neue Schmid und warnt recht eigentlich vor der „Glückshysterie“, die jene verbreiten. Der Mensch, daran erinnert Wilhelm Schmid, könne nicht fortwährend glücklich sein, schon weil er Lust nur im Kontrast zum Schmerz empfinde und weil ein Dauerglück ähnlich dem Drogenrausch spätestens in der eigenen Ermattung enden würde. Nur wenn Unglücklichsein und Misslingen als Teile des eigenen wie fremden Daseins anerkannt würden, könne sich einstellen, was realistischer ist als Glück: die Fülle des Sinns.
  Stärker als früher scheint Wilhelm Schmid damit ein gesellschaftskritisches Moment zu betonen. Denn „die Dringlichkeit des Strebens nach Glück ist lediglich ein Indiz für die Verzweiflung, die die Entbehrung von Sinn hervorruft.“ Das in der amerikanischen Verfassung sogar garantierte Recht auf Streben nach Glück habe sich in vielen Köpfen in ein unbegründbares Recht auf Glück verwandelt. Dass Glück dennoch nicht machbar ist, darüber hilft dann nur noch die große Illusion hinweg: „Positivdenken“. Doch „Gläser sind nicht immer nur halb voll oder halb leer, sondern gelegentlich auch ganz leer“. Positivdenken ist verlogen. Es diskriminiert die Unglücklichen. Und es delegitimiert jede Kritik an unglückerregenden Verhältnissen, wo diese tatsächlich berechtigt ist. Das große Projekt der Moderne „vom größten Glück der größten Zahl“, wie es der Utilitarismus ausrief, erweist sich für Schmid deshalb in letzter Konsequenz als Ahnherr des Totalitarismus.
  Vielleicht wäre es da sogar ein Glück zu nennen, dass sich laut Schmid eine Epochenwende abzeichnet, die sich in einer allgemeinen „metaphysischen Melancholie“ ausdrücke: Über die sich abzeichnenden ökologischen Krisen, aber auch angesichts der Finanzkrisen realisierten wir zunehmend, dass uns unser Glücksstreben am Ende auch vernichten könnte. Denn die Melancholie, inzwischen allzu gern mit der Depression verwechselt, wäre für Schmid zugleich auch das große Heilmittel. Sie strebe nach Sinn statt nach Glück, und Möglichkeiten der Sinngebung seien viele: von den einfachen Gestalten der Sinnlichkeit über das Freundesgespräch bis zur großen Weltdeutung. Melancholie sei produktiv, nicht nur in Künsten und Philosophie. Sie sei im Gegensatz zum Positivdenken auch höchst realistisch, indem sie die Endlichkeit allen Daseins anerkenne. Damit zugleich aber messe sie den Menschen auch an einem potenziell Unendlichen und erweise sich gar als „transzendente Kraft“.
  Es wirkt dieses religiöse Verschweben zuletzt ein wenig verloren in Schmids unangestrengtem Realismus. Doch was soll’s? Schmid hat nicht nur im Alleingang ein vergessenes Genre wiederentdeckt, dessen Traditionen von Epikur über Montaigne bis Josef Pieper reichen. In der Mischung aus leichtem Stil und deutender Tiefe erreicht er inzwischen auch dessen beste Exemplare.
MICHAEL STALLKNECHT
Wilhelm Schmid: Unglücklich sein. Eine Ermutigung. Insel Verlag, Berlin 2012. 102 Seiten, 8 Euro.
Leichter Stil, deutende Tiefe:
Dieser Lebenskunstratgeber
ist unverächtlich
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Besprechung von 13.02.2013
Gegen das Positive ist ein Kraut gewachsen
Aber was nützt das schon, wenn es in Büchern wie jenen von Wilhelm Schmid und Arnold Retzer gepriesen wird

Zwei Bücher gleich preisen den depressiven Gemütszustand als Weg aus der privaten und gesellschaftlichen Krise. Der Psychologe Arnold Retzer singt ein Loblied der "miesen Stimmung", will es gar als Streitschrift verstanden wissen, der Philosoph Wilhelm Schmid ermutigt in einem kleinen Ratgeber zum "Unglücklichsein". Beide Autoren wenden sich gegen den bereits vor zwei Jahren von der amerikanischen Journalistin Barbara Ehrenreich angeprangerten Trend zum "positiven Denken", dabei übersehend, dass man in einigen Teilen dieses Landes im Grunde nie damit angefangen hat. Gerade im Winter etwa punktet Berlin mit einem bunten Spektrum fahler Grautöne. Untergrundgrößen wie Christiane Rösinger sorgen für die musikalische Zementierung dieser Wahrnehmung. Der 2010 auf dem Album "Songs of L. and Hate" erschienene Titel "Es ist so arg" schaffte Einigkeit unter den Miesprimeln: "Bin ich nur müde oder ist das schon die erste zarte Novemberdepression? Ist es schon chronisch oder nur ein Symptom? Oder hab ich jetzt auch das Borderline-Syndrom?"

Zugegeben, man stellt sich diese Fragen nicht überall derart unverblümt. Den vorliegenden Büchern zufolge hat die westliche Welt sogar ein Problem mit ihrer "positiven" Einstellung. Ständig werde man angehalten, die negativen Begleiterscheinungen des Lebens zugunsten seiner positiven Highlights auszublenden - schlimmer noch: sie zu bekämpfen. "Aber was ist, wenn das Glück selbst zur Pflicht wird?", fragt Wilhelm Schmid, spricht wenige Zeilen weiter schon von einer "Diktatur des Glücks", präzisiert den Gedanken rhetorisch ("Wie viele Menschen werden unglücklich, nur weil sie glauben, glücklich werden zu müssen?") und plaziert dann die markerschütternde Pointe: "Wer unglücklich ist, hat die moderne Pest." Nimmt man diese Argumentation beim Wort, erweist sie sich allerdings als eine Art Zirkelschluss: Auch der Unglückliche, liest man, hat ein Recht darauf, glücklich zu sein - und zwar in seinem Unglück. Man muss ihn sich als glücklichen Unglückspilz vorstellen.

Wem das zu hoch ist, der schlage bei Arnold Retzer nach, denn hier werden die Diagnosen Wilhelm Schmids auf mehrere hundert Seiten ausgeweitet. Auch hier wird behauptet, dass erst die Pflicht zur guten Stimmung die schlechte erzeuge. Ein besonderes Anliegen ist Retzer dabei der Trend zum "Hirndoping". Richtig ist, die Zahl der auf Depressionen diagnostizierten Menschen steigt unaufhaltsam. Allein in Deutschland ist dem Arzneiverschreibungsreport von 2009 zufolge die Verordnung von Antidepressiva in zehn Jahren um das Siebenfache gestiegen.

Wenn klinisch unauffällige Schüler allerdings ohne Ritalin nicht mehr zur Prüfung antreten könnten, verschiebe sich unser Glücksstreben auf gefährliche Weise. Beide Autoren wollen deshalb die Krise gegenüber dem Glück wieder ins Recht setzen. Arnold Retzer benennt die natürlichen Feinde des Unglücks. Es ist zum einen die Hoffnung, welche nicht nur trügt, sondern bekanntlich auch zuletzt stirbt: "Hoffnung erzeugt eine Binnenrationalität der Hoffenden, die man auch Blödheit nennen könnte." Ähnlich ergehe es zum anderen der Angst, die man heute sofort medikamentös in ihre Schranken weise und damit als Instrument der kritischen Vernunft unschädlich mache. "Der Weg durch die Angst hindurch, nicht der Weg von der Angst weg ist der Weg der Kreativität. Der Weg von der Angst weg ist der Weg der Dummheit und der Weg der miesen Stimmungen."

Nun ist es nicht so, dass man Arnold Retzer auf jeder Seite widersprechen wollte, doch sind seine Thesen derart schlampig zusammengeschustert, dass es schnell unseriös und damit unerfreulich wird. In einem Kapitel namens "Wir hoffen uns zu Tode" streift Retzer Ernst Blochs "Prinzip Hoffnung" mehr um dessen Titel als um dessen Inhalt willen. Ebenso missversteht er bewusst die Thesen Peter Sloterdijks, der sein Buch "Du musst dein Leben ändern" keineswegs imperativ verstanden wissen wollte. Ähnlich nutzt er das umstrittene Erziehungsbuch der Amerikanerin Amy Chua für seine Unglücksrhetorik: Chua wollte ihre Kinder zwar mit drakonischen Erziehungsmethoden zum Erfolg zwingen, in ihrem autobiographischen Bericht reflektiert sie aber eben auch das Scheitern ihrer Methode.

Das ist das Ärgerlichste an Retzers Buch: Es zitiert anekdotisch, es geht von Hölzchen auf Stöckchen, nie wird ein Thema vernünftig zu Ende gedacht oder eine These bewiesen. Weder die Anthropologie der angeblich so blöde machenden "Hoffnung" noch die "chemische Mobilmachung" zur Verbesserung der menschlichen Leistungsfähigkeit. Das Krankheitsbild Depression wird einmal großspurig als Sieg der "Romantik über die Vernunft" beschrieben. An anderer Stelle wird behauptet, wir lebten in einer Kultur, die Fehler "auszumerzen" trachte. Dabei müsse man Fehler doch als willkommene Perspektivwechsel begreifen. Private Niederlagen könnten so in gesellschaftliche Gewinne umgemünzt werden. Die Krise, "sie bietet uns die Chance der Veränderung". Sie soll uns letzten Endes glücklicher machen als das Glück selbst.

Als Barbara Ehrenreich in ihrem Buch "Smile or Die" gegen die Ideologie des positiven Denkens anschrieb, hatte sie das Geschäft mit der Glücksformel vor Augen. Sie nahm sowohl die Heilung-durch-gute-Gedanken-Rhetorik der Esoterikszene ins Visier wie das in den Vereinigten Staaten seit Jahren florierende Coaching-Business. Von einer solch aufschlussreichen Recherche sind die deutschen Vertreter der Negativität ebenso weit entfernt wie von der mentalitätsgeschichtlichen Bearbeitung ihres Terrains. Außer ein paar Binsen ("Unzufriedenheit ist der Ansporn zu neuen Taten") bieten ihre Bücher wenig Neues und noch weniger Brauchbares. "Alles Unglück der Menschen rührt daher, dass sie nicht verstehen, ruhig in einem Zimmer zu bleiben", schrieb Blaise Pascal. Nach der Lektüre dieser Unglücksratgeber könnte man es dabei belassen.

KATHARINA TEUTSCH

Wilhelm Schmid: "Unglücklich sein". Eine

Ermutigung.

Insel Verlag, Berlin 2012. 100 S., geb., 8,- [Euro].

Arnold Retzer: "Miese Stimmung". Eine Streitschrift gegen

positives Denken.

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2012. 294 S., geb., 19,99 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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»Schmid hat nicht nur im Alleingang ein vergessenes Genre wiederentdeckt, dessen Traditionen von Epikur über Montaigne bis Josef Pieper reichen. In der Mischung aus leichtem Stil und deutender Tiefe erreicht er inzwischen auch dessen beste Exemplare.«
"Schmid ist nicht umsonst Suhrkamp-Autor, er schreibt eine wissenschaftlich fundierte, kristallklare, präzise, immer gefällig zu lesende Fachliteratur."
Moritz von Uslar, Die Zeit 06.09.2012
»Es ist dies ein Buch gegen das fortwährende Positivdenken, gegen einen schier unausrottbaren historischen Optimismus, der so sehr absieht vom schwachen, durchkommensbemühten Menschen. Es ist ein Traktat gegen den Ruch des Vernunftfortschritts, der immer wieder Prediger findet, die sich wie Raumfahrer, fernesüchtig, von bitteren Erfahrungen der Menschheitsgeschichte absprengen ins rein Ideelle.« Hans-Dieter Schütt, neues deutschland 26.11.2012