Der Stellvertreter - Tukur,Ulrich/Mühe,Ulrich
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Rolf Hochhuths Drama "Der Stellvertreter" löste 1963 einen mittleren Skandal aus. Die Frage nach der Mitwisserschaft des Vatikans am Holocaust, das Schweigen des Papstes Pius XII, wurde erstmals öffentlich gestellt. 38 Jahre später verfilmt Costa-Gavras das Theaterstück als psychologisch spannendes Plädoyer zur Übernahme von Verantwortung und löst mit dem Plakat von Oliviero Toscani einen Skandal aus. Gegen das Plakatmotiv, die blutrote Verbindung von Kruzifix und Hakenkreuz auf schwarzem Grund, protestierte die französische Bischofskonferenz, die den katholischen Traditionalisten nahe…mehr

Produktbeschreibung
Rolf Hochhuths Drama "Der Stellvertreter" löste 1963 einen mittleren Skandal aus. Die Frage nach der Mitwisserschaft des Vatikans am Holocaust, das Schweigen des Papstes Pius XII, wurde erstmals öffentlich gestellt. 38 Jahre später verfilmt Costa-Gavras das Theaterstück als psychologisch spannendes Plädoyer zur Übernahme von Verantwortung und löst mit dem Plakat von Oliviero Toscani einen Skandal aus. Gegen das Plakatmotiv, die blutrote Verbindung von Kruzifix und Hakenkreuz auf schwarzem Grund, protestierte die französische Bischofskonferenz, die den katholischen Traditionalisten nahe stehende "Vereinigung gegen Rassismus" klagte und verlor vor Gericht.

Costa-Gavras nahm nie ein Blatt vor den Mund, griff in Filmen wie "Z" oder "Der unsichtbare Aufstand" immer wieder politische Themen auf. Der in Frankreich lebende Grieche hat auch mit 69 Jahren nichts an Biss verloren. Er erzählt von zwei Persönlichkeiten im Dritten Reich - dem historischen Kurt Gerstein, Chemiker und Waffenoffizier der SS, und dem fiktiven Jesuiten Ricardo, der mit aller Macht Pius XII bewegen will, gegen Hitler und Holocaust Stellung zu nehmen. Gerstein, der für Nachschub des tödlichen Zyklon B sorgen muss, versucht die Lieferungen zu verzögern und das Ausland über die Massenvernichtung durch Nationalsozialisten zu informieren, stößt aber auf Skepsis, Desinteresse und Gleichgültigkeit, die "Soft-Version der Komplizenschaft" (Koautor Jean-Claude Grumberg). Nur Priester Ricardo glaubt ihm seinen Augenzeugenbericht, läuft aber bei seiner Initiative, die Kirche zu mobilisieren ins Leere. Am Ende hängt sich der SS-Mann in der Zelle der Alliierten auf, der Kirchenmann besteigt in Rom freiwillig einen der Güterzüge, die ihn ins KZ bringen. Costa-Gavras arbeitet mit Andeutungen, das Grauen lässt sich ahnen. So schaut Gerstein und andere durch ein Loch in die Gaskammer und man sieht nur deren verstörte Gesichter, mahlende Kiefer, der Opfertod Ricardos wird durch einen Blick auf die Kutte zwischen all den Kleidern vergaster Juden visualisiert. Gerade diese minimalistischen Hinweise gehen unter die Haut. Und mit einem ganz einfachen, sich leitmotivisch immer wiederholenden Bild wird die Unmenschlichkeit des Massentötens ins Gehirn gehämmert: Geschlossene Viehwaggons und Güterzüge rattern gen Osten und kehren mit geöffneten Türen wieder zurück. Die Zeit läuft gegen die beiden Protagonisten, die - jeder auf seine Weise - kämpfen, um die Mord-Maschinerie aufzuhalten. Vergeblich. Der Film wartet mit einem überzeugenden Schauspieler-Ensemble auf, Ulrich Tukur als gebrochene Figur Gerstein, Ulrich Mühe als zynischer Doktor mit Mephisto-Zügen (der mit Hilfe des Vatikans nach Argentinien entkommt) und Mathieu Kassovitz als aufrechter Ethiker Ricardo. Diese fulminante Verfilmung von "Der Stellvertreter" hat auch im Jahre 2002 nichts von seiner Aktualität und Brisanz verloren. Die Rolle von Piux XII ist immer noch umstritten, die vom Vatikan eingesetzte Historiker-Kommission legte wegen der Veröffentlichungspolitik des Vatikan-Archivs die Arbeit nieder. Und Genozid ist kein Relikt aus brauner Vergangenheit, sondern passiert Anfang des 21. Jahrhunderts vor allem in Afrika. Schweigen bedeutet Mitschuld. Damals wie heute. Die Zeit scheint stehengeblieben: 1963 protestierte der Vatikan gegen die Hochhuth-Aufführung in Berlin, bei der Pressekonferenz der Berlinale wetterte ein Vertreter von Radio Vatikan gegen die Filmemacher, die nicht in der Vergangenheit wühlen, sondern sich mit echter Geschichte befassen sollten. Solange es solche Argumente gibt, sind Filme wie dieser mehr als notwendig. mk.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag

Bonusmaterial

Trailer
  • Produktdetails
  • Anzahl: 1 DVD
  • Hersteller: ARTHAUS
  • Gesamtlaufzeit: 127 Min.
  • Erscheinungstermin: 3. August 2017
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren gemäß §14 JuSchG
  • Sprachen: Deutsch, Englisch
  • Untertitel: Deutsch
  • Regionalcode: 2
  • Bildformat: 1:1, 85/16:9
  • Tonformat: Dolby Digital 2.0
  • EAN: 4006680083483
  • Artikelnr.: 47237163
Autorenporträt
Ulrich Tukur, 1957 in Viernheim geboren, ist einer der bekanntesten deutschen Schauspieler. Für seine Arbeit erhielt er zahlreiche Preise, zuletzt wurde ihm 2013 der "Jacob-Grimm-Preis für Deutsche Sprache" verliehen. Ulrich Tukur lebt mit seiner Frau, der Fotografin Katharina John, in Venedig.
Rezensionen
Der mit brisanten Politthrillern wie "Z" bekannt gewordene Regisseur Costa-Gavras arbeitete Rolf Hochhuths kontroverses Stück zu einem packenden Moraldrama um. Dabei richtet er sein Augenmerk auf die fiktive Gestalt des couragierten, von Matthieu Kassovitz ("Die fabelhafte Welt der Amelie") eindringlich verkörperten Jesuitenpaters sowie die historisch verbriefte Persönlichkeit Gersteins, der von Ulrich Tukur schmerzhaft überzeugend gespielt wird. Ein technisch makellos umgesetzte Drama, zugeschnitten auf geschichtlich interessierte Cineasten.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag
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