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Goldgräberstimmung in Moskau nach dem Zerfall der Sowjetunion: Die Oligarchen sichern sich die Pfründe und machen ein Vermögen. Der Amerikaner Bill Browder nutzt die Gunst der Stunde und investiert in aufstrebende Unternehmen. Doch dann kommt er Putin in die Quere: Er wird erpresst, verfolgt, das Leben seiner Familie wird bedroht. In einem Rechtsstaat kann man sich dagegen wehren. Aber nicht in einem Russland, wo Willkür und Tyrannei herrschen. Browders Anwalt Sergej Magnitski wird unter fadenscheinigen Vorwänden inhaftiert, gefoltert und schließlich im Gefängnis erschlagen. Aber Bill Browder…mehr

Produktbeschreibung
Goldgräberstimmung in Moskau nach dem Zerfall der Sowjetunion: Die Oligarchen sichern sich die Pfründe und machen ein Vermögen. Der Amerikaner Bill Browder nutzt die Gunst der Stunde und investiert in aufstrebende Unternehmen. Doch dann kommt er Putin in die Quere: Er wird erpresst, verfolgt, das Leben seiner Familie wird bedroht. In einem Rechtsstaat kann man sich dagegen wehren. Aber nicht in einem Russland, wo Willkür und Tyrannei herrschen. Browders Anwalt Sergej Magnitski wird unter fadenscheinigen Vorwänden inhaftiert, gefoltert und schließlich im Gefängnis erschlagen. Aber Bill Browder gibt nicht auf. Als Menschenrechtsaktivist macht er international Druck auf Putin und seine Hintermänner. Mit Erfolg: In den USA wird auf Browders Initiative hin der Magnitsky Act verabschiedet, ein Gesetz, das die für den Mord Verantwortlichen mit weitreichenden Sanktionen belegt.

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  • Produktdetails
  • Verlag: RADIOROPA Hörbuch
  • Gesamtlaufzeit: 942 Min.
  • Erscheinungstermin: 23.02.2015
  • ISBN-13: 9783836811538
  • Artikelnr.: 42301587
Autorenporträt
Bill Browder, Jahrgang 1964, wuchs in Chicago in einer Familie von amerikanischen Kommunisten auf, studierte Volkswirtschaft und machte an der Stanford Business School einen Abschluss als MBA. Nach beruflichen Stationen in der Unternehmensberatung und in der Finanzbranche ist Browder heute Menschenrechtsaktivist. Er lebt in London. www.billbrowder.com www.russian-untouchables.com
Rezensionen

buecher-magazin.de - Rezension
buecher-magazin.de

Die Ansprache von Jürgen Holdorf ist kühl, streng und hart. Sie bleibt es während der gesamten Sprechzeit - das ist im Kern angemessen, weil dieses Werk eine Anklage ist. Stellenweise merkt man aber auch, dass es Holdorf an anderen Nuancen und Farben fehlt. Die Anklage richtet sich gegen Putins Russland. Geschrieben vom britischen Finanzinvestor Bill Browder, der mit seinem Unternehmen vom Verfall der Sowjetunion bis 2005 glänzend profitiert hatte. Bis Russland ihm die Einreise verweigerte, seine Firma liquidierte und später in Abwesenheit wegen Steuerhinterziehung zu neun Jahren Haft verurteilte. Alle Indizien sprechen für einen politisch motivierten Akt. Browder erzählt die wahre Geschichte als Warnung für alle Nachahmer, die im heutigen Russland zu große Geschäfte machen wollen. Es ist aber auch eine Huldigung für seinen Anwalt, der in Russland die Interessen Browders verteidigte und dafür mit dem Leben bezahlte. Deswegen mutierte Browder zum Menschenrechtsaktivisten. Mit Erfolgen, die er mit etwas zu viel Helden-Pathos unterstreicht. Die einzige Schwäche dieses Werks, das sich wie ein guter Thriller anhören ließe, wäre die Geschichte nur erfunden.

© BÜCHERmagazin, Martin Maria Schwarz (mms)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 26.05.2015

Eine Warnung für alle
Bill Browder setzt seinen Feldzug gegen Wladimir Putin fort

Ein Krimi, fürwahr. Und wie in jedem besseren Krimi ergreift man bald Partei für den Helden der Geschichte - Polizist oder Dieb, Hauptsache Held. Man bezieht also Partei für Bill Browder, der doch jener Gruppe der nicht von allen geliebten Hedgefondsmanager angehört - und zeitweise einer ihrer erfolgreichsten war -, der viele Zeitgenossen die Krise unserer Finanzwelt anlasten. Ist er Polizei oder Dieb? Vielleicht beides? Ein zum Schaf gewendeter Wolf gar? Wie dem auch sei - dass er "Putins Staatsfeind Nr. 1" wurde, trägt er wie ein Gütesiegel vor sich her. Und den Weg dorthin beschreibt Browder in einer gefühlsbeladenen Story.

Aber langsam: Browder hat eine Karriere hinter sich, wie sie in amerikanischen Bilderbüchern fast nicht schöner hätte beschrieben sein können: ein großartiger, selbstgestrickter Aufstieg aus dem intellektuell gehobenen, ökonomisch aber nicht starken Mittelstand bis hin zum Investment Manager einer in Russland tätigen eigenen Fondsgesellschaft mit Milliardenumsätzen. Aber leider doch mit einem Makel: Sein Großvater, Earl Browder, war Kommunist, schlimmer noch und in den Vereinigten Staaten unvergessen, er war zeitweise sogar Generalsekretär der Kommunistischen Partei Amerikas und womöglich auch Verbindungsmann zum KGB. Bill Browder startete deshalb seine Karriere nicht nur, aber auch aus diesen Gründen, in England.

Wir erfahren, dass er seinen Aufstieg zu einem der größten Investoren in Russland großem Fleiß verdankt, glänzender Kombinationsgabe und allerbesten Kontakten, darunter zu Edmond Safra, der ihm, gewissermaßen zum Start, 25 Millionen Dollar gab. Vor allem aber lernen wir Browders Unerschrockenheit kennen - die ihn reich machte und doch auch zum Verhängnis wurde. Wir haben es mit einer gefühlsbeladenen Selbstbeschreibung zu tun, teils mit sehr persönlichen Abschweifungen in ein gescheitertes und neues, glückliches Eheleben, mit Gefühlswallungen und Angstphasen. Mit anderen Worten: Vorsicht ist geboten.

Tatsache ist: Im November 2005 wurde Browder auf dem Flughafen Moskau-Scheremetjewo die Wiedereinreise nach Russland verweigert. 2007 wurden seine Firmen liquidiert, ihm wurde von Seiten der russischen Behörden Steuerhinterziehung sowie gesetzeswidrige Aneignung von Aktien des Unternehmens Gasprom vorgeworfen. Der Anwalt Sergei Magnitski, der für Browders Firma tätig war, wurde im November 2008 verhaftet und starb am 16. November 2009 in einem Gefängnis in Moskau unter ungeklärten Umständen. Gemeinsam mit dem toten Magnitski wurde Browder von einem russischen Gericht im Juli 2013 in Abwesenheit wegen Steuerhinterziehung zu neun Jahren Haft verurteilt. Der Versuch der russischen Behörden, Browder auf die internationale Fahndungsliste - Red Notice, daher der Titel - setzen zu lassen, schlug fehl. Alles das ist in der Tagespresse nachzulesen und ausführlich bei Browder beschrieben. Browder fühlt sich aber nicht nur als ein ,harmloser' Investor, sondern als ein um seinen finanziellen und wohl auch ideellen Einsatz - man verstehe das Wort im zweifachen Sinne - betrogenes Opfer krimineller Machenschaften, das sich zur Wehr setzt, bis es "Putins eigenen wirtschaftlichen Interessen in die Quere" kam.

Und nun schlägt das Böse schlechthin zurück, verkörpert in dem System Putin: "Meiner Meinung nach hatte Wladimir Putin persönlich meine Ausweisung aus Russland autorisiert, und wahrscheinlich hatte er auch die Versuche gebilligt, unsere Vermögenswerte zu rauben, aber mir erschien es undenkbar, dass Staatsbeamte seiner eigenen Regierung 230 Millionen Dollar stahlen." Genau das war aber der Fall, und so stürzt sich Browder in einen Kampf David gegen Goliath, wobei David freilich die westliche, anfangs auch die russische Presse, amerikanische und westeuropäische Politiker, etwa Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, zur Seite standen.

In diesem Kreuzzug, in dem er sich zum Vorkämpfer von "Wahrheit und Gerechtigkeit" machte, wandelt er sich allmählich zum Menschenrechtsaktivisten; am Tod Magnitskis fühlt er sich mitverantwortlich. Er kämpft mit allen Mitteln, die ihm zu Verfügung stehen: mit Geld, Medien, Eloquenz, Durchhaltevermögen, dreht Videos, die in Youtube veröffentlicht werden, stellt Dossiers zusammen, agitiert unermüdlich bei britischen, amerikanischen, westeuropäischen Politikern und deckt das System krimineller Machenschaften, geradezu syndikaler Strukturen auf. Seine Beweise sind erdrückend - in Russland haben sie offenbar keinerlei Wirkung. Erst sein Einsatz, der 2012 zum "Sergei Magnitski Act" in den Vereinigten Staaten führt, zeitigt Folgen, das Adoptionsverbot russischer Kinder durch Amerikaner.

Selten hat man so deutlich miterleben können, dass sich die Mittel zum Erwerb von gewaltigen Investmentfonds genauso gut für den Kampf gegen kriminelle Strukturen eignen - im Grunde unterliegen beide einem sehr ähnlichen strategischen Gesetz: dem der Macht, nur wird uns die eine als menschliche, die andere als unmenschliche vorgeführt. Und wir stehen, weil wir den Helden lieben, den wir kennen, und weil uns seine Mittel als sauber, ethisch gerechtfertigt erscheinen, auf seiner Seite. Ist er der Gute? Gesiegt hat letztlich keine der beiden Seiten - Browder wird sich in Russland nicht sehen lassen dürfen, Putins Oligarchen stehen am Pranger, was aber wohl nur aus der nichtrussischen Perspektive ein übler Ort ist. Gewarnt sind wir alle.

ANDREAS WANG.

Bill Browder: Red Notice. Wie ich Putins Staatsfeind Nr. 1 wurde. Carl Hanser Verlag, München 2015. 410 S., 21,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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