Mein Bruder und ich und das ganze Universum - Balen, Katya
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Ein zutiefst ergreifendes Kinderbuch über Autismus, Freundschaft und Geschwisterliebe!
Franks kleiner Bruder Max hat nie sprechen gelernt, isst nur von dem Teller mit der Micky Maus drauf und hat regelmäßig kleine Zusammenbrüche. Sosehr sich Frank auch bemüht: Manchmal möchte er lieber keinen Bruder haben. Als nun auch noch Mama krank wird, droht die Familie gänzlich auseinanderzubrechen. Doch zum Glück gibt es Granny und den Nachbarn Mark mit seinem Hund. Langsam finden alle wieder ihren Platz in ihrem ganz eigenen Universum - und Frank merkt, wie stolz er auf seinen kleinen Bruder ist.
Ungewöhnlich starkes Debüt einer jungen Autorin!
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Produktbeschreibung
Ein zutiefst ergreifendes Kinderbuch über Autismus, Freundschaft und Geschwisterliebe!

Franks kleiner Bruder Max hat nie sprechen gelernt, isst nur von dem Teller mit der Micky Maus drauf und hat regelmäßig kleine Zusammenbrüche. Sosehr sich Frank auch bemüht: Manchmal möchte er lieber keinen Bruder haben. Als nun auch noch Mama krank wird, droht die Familie gänzlich auseinanderzubrechen. Doch zum Glück gibt es Granny und den Nachbarn Mark mit seinem Hund. Langsam finden alle wieder ihren Platz in ihrem ganz eigenen Universum - und Frank merkt, wie stolz er auf seinen kleinen Bruder ist.

Ungewöhnlich starkes Debüt einer jungen Autorin!
  • Produktdetails
  • Verlag: Carlsen
  • Originaltitel: The Space We're In
  • Seitenzahl: 207
  • Altersempfehlung: ab 11 Jahren
  • Erscheinungstermin: September 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 218mm x 152mm x 22mm
  • Gewicht: 370g
  • ISBN-13: 9783551557612
  • ISBN-10: 3551557616
  • Artikelnr.: 56247747
Autorenporträt
Balen, Katya
Katya Balen hat sich bereits im Rahmen ihres Studiums mit dem Einfluss von Geschichten auf das Verhalten von autistischen Kindern beschäftigt. Sie hat an verschiedenen Förderschulen gearbeitet und ist Mitgründerin von Mainspring Arts, einer Organisation, die mit autistischen Menschen kreativ arbeitet. Katya Balen lebt in Reading, England.

von der Weppen, Annette
Annette von der Weppen (geb. 1966) hat Germanistik, Anglistik und Romanistik studiert und ist seit 1999 als freiberufliche Literaturübersetzerin aus dem Englischen und Französischen tätig. Ihre besondere Vorliebe gilt dabei der Übersetzung von Kinder- und Jugendliteratur sowie von Comics. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 12.10.2019

So groß und so klein wie das Universum

Wenn endlich Licht auf das Schattenkind fällt: In ihrem fabelhaften Debüt erzählt Katya Balen von einem besonderen Jungen und seiner Familie.

Von Eva-Maria Magel

Frank hat wirklich Glück. Er kann so gut Fußball spielen, dass die Jugendlichen im Park ihn bewundern, dabei ist er erst zehn. Er kann phantastisch malen und so gut rechnen, dass ihm das Mathematikbuch nie reicht. Ein tolles Kind ist dieser Frank, der gute Freunde hat und nette Erwachsene um sich herum. Der sehr, sehr selten mal böse wird. Und nur einmal richtig laut brüllt. Als sein kleiner Bruder Max sein ganzes Zimmer in Schutt und Asche legt. Samt all der Dinge, die seine Mutter ihm, nur ihm, geschenkt hat. Wo Frank doch längst weiß, dass er nie mehr wieder ihre Hände auf den seinen spüren wird und sie, tock, tock, eine kleine geheime Botschaft an ihren großen Jungen morst.

"Schattenkind" nennt man Kinder wie Frank. Diejenigen, die ganz in den Hintergrund treten müssen, weil ein Geschwisterkind so krank, so beeinträchtigt oder schwierig ist, dass die Eltern kaum Kraft und Zeit für das Kind haben, das "normal" ist. Im Grunde sind Franks Eltern Schatteneltern. Denn auch sie müssen zurücktreten hinter die Bedürfnisse von Max. Max, den man nicht aufregen darf, der fünf Jahre alt ist, Windeln trägt, nicht spricht und außer Kartoffelflips und Butterkeksen nichts isst. Wenn andere Kinder heimlich Schimpfwörter über Max sagen, freut sich Frank manchmal. Und die Reue, die er dann spürt, ist unermesslich groß. So groß wie das Universum und die Galaxien, die Frank mit seiner Mutter an die Wände seines Zimmers gemalt hat.

Die junge Britin Katya Balen, die mit "Mein Bruder und ich und das ganze Universum" ihren Debütroman vorgelegt hat, weiß genau, wovon sie schreibt. Sie hat sich nach einem literaturwissenschaftlichen Studium auf das Erzählen für autistische Kinder spezialisiert und an Förderschulen gearbeitet. In Reading, wo sie lebt, hat sie eine Organisation gegründet, die künstlerisch mit sogenannten nicht-neurotypischen Personen arbeitet, um ihnen den kreativen Ausdruck zu ermöglichen. Das ist das eine. Auch in ihrem Roman geht es darum, die eigene Geschichte zu erzählen.

Es ist aber nicht die Geschichte des Autisten Max, der sie eine Stimme gibt. Balen schaut auf Frank, und sie erzählt nicht einfach irgendwie. Sie holt all das Schillernde hervor, das sich für den Blick seiner Familie bisweilen im Schattengrau bewegt. Er kann so farbig erzählen, wie er malen kann, vielleicht ein Erbe der Mutter, die eine erfolgreiche Kunstmalerin war, bis Max sich als besonders herausstellte und sie nie wieder Zeit für sich und ihre Kunst hatte. Larmoyant sind weder Frank noch seine dauerüberforderten Eltern, sie versuchen, das Beste aus der Lage zu machen. Oft mit britischem Humor, den die Übersetzerin Annette von der Weppen ebenso einfängt wie Franks sehr eigenen Stil, der die lässige Umgangssprache eines großen Grundschülers mit dem angelesenen Wissen eines neugierigen Kindes und alldem, was er aufnimmt, ohne es sich ganz erklären zu können, umfasst. Frank ist ein Experte für Codes und Chiffren - das hilft ihm, sein Inneres zu schützen, wenn der kleine Bruder, wieder einmal, alles Äußere ins Wanken bringt.

Dass der Code, der auf das Vorsatzblatt gedruckt ist, auch für die Leser essentiell wird, weil sie sonst die Kapitelüberschriften nicht entziffern können, ist eine reizvolle Zugabe in diesem Roman. Franks Ich-Erzählung schließt Geschichten ein, die weit über diejenige eines "Schattenkindes" und seines autistischen Bruders hinausweisen. Es geht um Zuneigung, um das, was man Resilienz nennt, um Freundschaft, um verkannte Beziehungen und um die Menschen und Dinge, die helfen, ein Leben gelingen zu lassen.

Es geht, wie im Universum, um sehr Kleines und unfassbar Großes. Lachen und Weinen liegen auch für den Leser sehr nah beieinander in den lebenssatten Szenen. Und dass Balen Maurice Sendaks "Die wilden Kerle" wie eine Folie zugleich für Frank und Max nutzt, passt wunderbar zu einer Erzählung, die den Wunsch nach dem Wildsein, elterliche Wärme und kindliche Liebe in genauen Miniaturen festhält. Für Franks Mutter sind ihre Kinder, ist ihre ganze Familie "ihre ganze Welt, ihr Himmel und ihre Sterne, ihr Universum, ihre Galaxie und ihr Kosmos noch dazu".

Diesen Schwur wiederholt die Mutter immer wieder. Bis Frank begreift, dass es der Mutter immer schlechter geht, tritt schon das Unfassbare ein. Da ist er nicht mehr der Junge mit dem komischen Bruder. "Ich bin jetzt der Junge, der keine Mutter mehr hat." Nicht nur da geht Balens berührende Erzählung weit über ein "Schattenkind" hinaus. Frank muss, lange vor der Pubertät, erleben, wie sein Universum vor Trauer explodiert und sich mühselig neu zusammensetzt. Und er darf erleben, dass das geht.

Katya Balen: "Mein Bruder und ich und das ganze Universum". Roman.

Aus dem Englischen von Annette von der Weppen. Carlsen Verlag, Hamburg 2019.

208 S., geb., 13,- [Euro]. Ab 11 J.

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"Diesen Roman liest man nicht, man durchlebt ihn Seite für Seite geradezu körperlich.", börsenblatt, 07.11.2019