Pessimismus (eBook, PDF) - Pauen, Michael
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  • Geräte: PC
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  • Größe: 15.29MB
Produktdetails
  • Verlag: Gruyter, Walter de GmbH
  • Seitenzahl: 238
  • Erscheinungstermin: 3. Juni 2015
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783050073552
  • Artikelnr.: 53097532

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Autorenporträt
Michael Pauen, Dr. phil. habil., geb. 1956 in Krefeld. Studium in Marburg, Frankfurt und Hamburg. Promotion 1989, Habilitation 1995. Visiting Professor am Institute for Advanced Study in Amherst, Massachusetts, und Fellow an der Cornell-University in Ithaca; New York. Fellow am Hanse-Wissenschaftskolleg, Bremen. 1997 Ernst-Bloch-Förderpreis. Z. Zt. Professurvertretung an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 02.12.1997

Vanitasroutinen
Gibt's gar nicht, haben sie sich selbst ausgedacht: Michael Pauen blickt auf den Pinselstrich der Schwarzmaler / Von Stefan Breuer

Menschen haben Erwartungen. Und sie neigen außerdem dazu, diese in bestimmter Weise zu färben. Solche, die das Leben stets durch die rosarote Brille sehen, nennt man Optimisten, solche, die immer gleich schwarzsehen, Pessimisten. Von Psychologen kann man erfahren, wie es zu derart verfestigten Erwartungsmustern kommt. Von Statistikern, wie hoch die Irrtumsquote in beiden Fällen ist. Und von Michael Pauen, wie viele illustre Geister sich nicht davon abhalten ließen, ihren Stimmungen nachzugeben und ganze Weltanschauungen darauf zu gründen.

Pauen versteht unter Pessimismus eine metaphysische oder kulturelle Deutung, die auf der Basis kosmologischer oder geschichtsphilosophischer Prämissen zu einer radikal negativen Bewertung des Bestehenden gelangt. Die eher metaphysische Variante sieht er vor allem durch Schopenhauer und die an ihn anknüpfenden Autoren wie Eduard von Hartmann, Philipp Mainländer, Julius Bahnsen sowie den frühen Nietzsche vertreten; die kulturelle durch Ernst von Lasaulx, Jakob Burckhardt, Paul de Lagarde und Julius Langbehn im neunzehnten, Lukács, Bloch, Klages und Spengler im zwanzigsten Jahrhundert. Zur besseren Profilierung ist ein - zu langes - Kapitel über die "traditionale" Metaphysik und Geschichtsphilosophie vorgeschaltet, die Pauen bis zu Hegel datiert sehen möchte. Hinzugezogen werden ferner pessimistische Strömungen in der Literatur (etwa Baudelaire, Poe, Huysmans), um Affinitäten zur Ästhetik des Schreckens bloßzulegen.

Das Buch vermittelt die Erkenntnis, wie unzulänglich die üblichen historischen und soziologischen Ableitungen des Pessimismus sind. Pauen lehnt sie nicht grundsätzlich ab, weist jedoch nach, daß die pauschalen Verweise auf diese oder jene "Krise", denen sich der Pessimismus verdanke, selten mehr sind als bloße Floskeln, die im übrigen oft durch die historische Erfahrung konterkariert werden: Pessimistische Entwürfe entstehen auch in Zeiten der Sekurität und der Saturiertheit. Solange keine Begriffe für eine genauere soziohistorische Einordnung vorliegen, leuchtet der Vorschlag ein, sich mit abstrakteren Herleitungen zu begnügen, allen voran solchen, die im Pessimismus das Ergebnis einer Gewichtsverschiebung zugunsten des Individuums und zu Lasten des ontologischen oder geschichtsphilosophischen Gesamtzusammenhangs sehen.

So kommen vor allem die subjektiven Seiten des Pessimismus in den Blick: die Tendenz zur Selbstermächtigung des Subjekts, das die Abwertung der Wirklichkeit vornimmt; die damit eng verbundenen Neigungen zur Selbststilisierung, die den Pessimisten als illusionslosen Analytiker aus der Masse der Ignoranten heraushebt, zur Heroisierung, die aus ihm den Ritter zwischen Tod und Teufel macht, zur Verklärung, die ihm als einzigem das Wissen um den Weg zur Erlösung zuschreibt. Pessimisten, das zeigt die von Pauen vorgeführte Galerie der Schwarzkittel, stellen keineswegs unvoreingenommene empirische Untersuchungen an. Sie inszenieren vielmehr immer schon ihre Wirklichkeit, zimmern sich ihre eigene Kulisse zusammen, vor der sie dann in der Rolle des heiligen Sebastian posieren können: von Pfeilen durchlöchert, aber aufrecht. Die unentwegt Vanitas schreien sind ihr selbst am häufigsten verfallen.

Zwei Einwände lassen sich gegen das Buch erheben. Der Aufweis subjektiver Prädispositionen, so der erste, enthebt nicht der Notwendigkeit, die von den Pessimisten vorgebrachten Befunde als solche zu würdigen. Wie der Abschnitt über Klages zeigt, ist Pauen sehr wohl imstande, zwischen subjektiven und objektiven Aspekten zu unterscheiden und Reduktionen zu vermeiden. Daß er sich entschlossen hat, nur einem dieser Aspekte nachzugehen, entwertet seine Ergebnisse nicht.

Ernster zu nehmen ist der zweite Einwand: daß der Pessimismusbegriff alles in allem doch recht vage bleibt und auf Autoren angewandt wird, die mehr trennt als verbindet. Was genau meint "radikal negative Bewertung des Bestehenden"? Ist damit, wie im Falle der gnostischen Denker, denen Pauen eine glänzende Untersuchung gewidmet hat ("Dithyrambiker des Untergangs", 1995), eine Ablehnung und Verwerfung der Welt als einer schlechthin satanischen Erscheinung gemeint? Dann träfe diese Charakterisierung zwar auf Schopenhauer zu, nicht aber auf Nietzsche oder die sogenannten Kulturpessimisten.

Oder ist nur die Ablehnung der gegenwärtigen Welt gemeint? Dann kann man Langbehn, Lagarde und andere zusammenfassen, muß aber auf Schopenhauer und Gefolge verzichten, darüber hinaus auch auf Nietzsche, der seine Epoche zwar im Banne des Nihilismus gesehen, diesen aber bejaht hat: als unvermeidliche Etappe in der Selbstüberwindung des Nihilismus. Und man wird obendrein prüfen müssen, ob man nicht die Toleranzgrenzen der Semantik überzieht, wenn man eine Auffassung als "kulturpessimistisch" deklariert, die jedenfalls bei Lagarde und Langbehn von der unbedingten Hoffnung auf eine Wiedergeburt der Kultur getragen ist (sehr im Unterschied wiederum zu Spengler, der den Verfall der Kultur zur Zivilisation als irreversibel ansah). Kurzum: Auch nach diesem kundigen, lesbaren, gedankenreichen Buch besteht aller Anlaß zu vermuten, daß sich die Kategorie des "Pessimismus" einer Erhebung in den Stand der Wissenschaft widersetzt.

Michael Pauen: "Pessimismus". Geschichtsphilosophie, Metaphysik und Moderne von Nietzsche bis Spengler. Akademie Verlag, Berlin 1997. 239 S., geb., 78,- DM.

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