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Der Klassiker des Anti-Kolonialismus aus den 1950er Jahren ist von erschreckender Aktualität.

Produktbeschreibung
Der Klassiker des Anti-Kolonialismus aus den 1950er Jahren ist von erschreckender Aktualität.
  • Produktdetails
  • Verlag: Alexander Verlag
  • Seitenzahl: 117
  • Altersempfehlung: ab 10 Jahren
  • Erscheinungstermin: 11. Oktober 2017
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 134mm x 12mm
  • Gewicht: 197g
  • ISBN-13: 9783895814532
  • ISBN-10: 3895814539
  • Artikelnr.: 48163955
Autorenporträt
Césaire, Aimé
Aimé Césaire war ein afrokaribisch-französischer Schriftsteller und Politiker. Er gilt als einer der Mitbegründer der Négritude, trat für die kulturelle Selbstbehauptung der Kolonisierten ein und solidarisierte sich mit den »Unterdrückten der Erde«: »Ich bin Angehöriger der Rasse der Unterdrückten.« Césaires Werk umfasst Gedichtbände, Theaterstücke und Essays, die in viele Sprachen übersetzt wurden.
Rezensionen
Besprechung von 12.02.2018
Das Laken
der Finsternis
Aimé Césaires „Rede über den
Kolonialismus“ neu kommentiert
Anders als der Titel vermuten lässt, ist die „Rede über den Kolonialismus“ des Dichters und Politikers Aimé Césaire von der französischen Karibik-Insel Martinique nie öffentlich vorgetragen worden. Dennoch hat Césaires Kampfschrift, die er als überzeugter Sozialist 1950 kurioserweise in der rechtsorientierten Zeitschrift Réclame veröffentlichte, weltweit Gehör gefunden. Er gilt als Schlüsseltext der „Négritude“, des Kampfes Schwarzafrikas um politische und kulturelle Selbstbehauptung.
Den 68ern war Césaires Pamphlet gegen die europäischen Kolonisatoren, die für ihn eine „Maschine zum Zerquetschen, zum Zermalmen der Völker“ betrieben, ein Klassiker. Zeitweise gehörte es gar zur Pflichtlektüre in französischen Abiturklassen – angesichts des restriktiven Umgangs mit der eigenen Kolonialgeschichte ein Skandal. Der jetzt von Heribert Becker neu übersetzte und erhellend kommentierte Text von 1950 ist auch in der heutigen Debatte über die „Bekämpfung von Fluchtursachen“, angesichts „strategischer Entwicklungshilfe“ und der jüngsten Warnung eines deutschen Ministers vor „100 Millionen Afrikanern“ beschämend aktuell.
Wenn Césaire etwa fordert, nach der Verwüstung der „Vaterländer“ durch den Kolonialismus müsse Europa eine „auf die Achtung der Völker und Kulturen gründende Politik ergreifen“, weil es sonst „mit eigenen Händen das Laken der tödlichen Finsternis über sich ziehen wird“, muss man das als poetische Prophezeiung lesen. Die Folgen der am Reißbrett gezogenen Landesgrenzen und der im Namen westlicher Fortschrittsvorstellungen umgestalteten Gesellschaftsordnung werden angesichts aktueller ethnisch-religiöser Extremismen klar. Mit beißender Ironie und großer sprachlicher Schärfe führt Césaire die tiefe Verankerung eines europäischen „Pseudohumanismus“ vor. „Man redet mir von Fortschritten, von geheilten Krankheiten, von gestiegenem Lebensstandard. Ich aber rede von um ihre Identität gebrachten Gesellschaften, von niedergetrampelten Kulturen, von konfisziertem Land.“
Nicht zu Unrecht hat man Césaire (1913 – 2008) seine direkte Gegenüberstellung von Kolonialismus und Nationalsozialismus vorgeworfen. Mittlerweile ist zudem unbestritten, dass es den einen europäischen Kolonialismus nie gab. Dennoch kann man Césaires Auffassung, dass „Europa vor der menschlichen Gemeinschaft Rechenschaft abzulegen hat für den höchsten Leichenberg der Geschichte“ nicht als pure Agitation abtun. Solange in Historikerkreisen noch immer die Vorstellung kursiert, dass der gewaltsame Widerstand der Afrikaner gegen die militärischen Interventionen der Kolonisatoren erst dazu geführt hätten, dass diese sich aus Prestige-gründen dauerhaft im Land niederließen, behält Césaires Pamphlet seine Gültigkeit.
CORNELIUS WÜLLENKEMPER
Aimé Césaire:
Über den Kolonialismus. Aus dem Französischen übersetzt und kommentiert von Heribert Becker. Alexander Verlag Berlin, 2017, 118 Seiten, 12,90 Euro.
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Cornelius Wüllenkemper liest Aimé Césaires Klassiker der "Négritude" von 1950 in deutscher Neu-Übersetzung und Kommentierung von Heribert Becker mit Gewinn. Was der Dichter und Politiker Césaire in seiner Kampfschrift für die Selbstbehauptung Schwarzafrikas und gegen die europäischen Kolonisatoren formulierte, scheint ihm "beschämend aktuell" und auch wenn Césaire den Europäern recht drastisch "die höchsten Leichenberge der Geschichte" vorhält, für die sie sich gegenüber den Kolonisierten rechtfertigen müssen, will Wüllenkemper dies nicht nur als Agitation verstehen. Die Bewahrheitung der von Césaire laut Rezensent mit Ironie und Schärfe vorgebrachten Prophezeiungen zu den Folgen willkürlicher Grenzziehungen manifestiert sich für Wüllenkemper in den ethnisch-religiösen Extremismen von heute.

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