Der Antikommunismus in seiner Epoche

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Der Antikommunismus als Phänomen im 20. Jahrhundert.
Wie der Kommunismus zählt auch der Antikommunismus zu den politisch-ideologischen Großphänomenen, die das 20. Jahrhundert prägten. Die Geschichtswissenschaft interessierte sich bislang vor allem für Hardliner vom Schlage eines Joseph McCarthy oder für internationale Netzwerke des Kalten Krieges wie den Kongress für Kulturelle Freiheit. Im Zentrum dieses Bandes steht die Frage, warum der Antikommunismus über Jahrzehnte hinweg eine so große Wirkmacht entfalten konnte - fast überall im Westen, in fast allen staatlichen und gesellschaftlichen…mehr

Produktbeschreibung
Der Antikommunismus als Phänomen im 20. Jahrhundert.

Wie der Kommunismus zählt auch der Antikommunismus zu den politisch-ideologischen Großphänomenen, die das 20. Jahrhundert prägten. Die Geschichtswissenschaft interessierte sich bislang vor allem für Hardliner vom Schlage eines Joseph McCarthy oder für internationale Netzwerke des Kalten Krieges wie den Kongress für Kulturelle Freiheit.
Im Zentrum dieses Bandes steht die Frage, warum der Antikommunismus über Jahrzehnte hinweg eine so große Wirkmacht entfalten konnte - fast überall im Westen, in fast allen staatlichen und gesellschaftlichen Bereichen, auf Politiker wie auf Intellektuelle, in demokratischen wie in antidemokratischen Parteien, in der Innenpolitik wie in den internationalen Beziehungen. Wie und warum wurde der Antikommunismus zu einem gemeinsamen politischen Nenner für Gruppen, die ansonsten uneins oder gar zerstritten waren? Was machte ihn anschlussfähig für die Grundfragen seiner Epoche?

Mit Beiträgen von AnselmDoering-Manteuffel, Norbert Frei, Robert Gerwarth, Grzegorz Krzywiec, Christian Methfessel, Jörg Nagler, Amadeo Ost Guerazzi, Attila Pók, Anson Rabinbach, Dominik Rigoll, Axel Schildt, Iris Schröder, Stefanie Schüler-Springorum, Thomas Schwartz, Siegfried Weichlein und Michael Wildt.
  • Produktdetails
  • Jena Center. Geschichte des 20. Jahrhunderts, Vorträge und Kolloquien Bd.21
  • Verlag: Wallstein
  • Seitenzahl: 267
  • Erscheinungstermin: Juni 2017
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 129mm x 22mm
  • Gewicht: 353g
  • ISBN-13: 9783835330078
  • ISBN-10: 3835330071
  • Artikelnr.: 47130667
Autorenporträt
Dominik Rigoll, geb. 1975, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Jena und assoziierter Historiker am Centre Marc Bloch in Berlin. Er lehrt und forscht zu Themen der deutschen und der westeuropäischen Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert.
Rezensionen
Besprechung von 22.01.2018
Gemeinsam
gegen den Feind
Ein Sammelband beleuchtet die
Tragweite des Antikommunismus
Während zur Geschichte des Kommunismus zahlreiche, wissenschaftlichen Standards genügende Gesamtdarstellungen vorliegen, fehlen entsprechende Studien zu seinem ideologischen Widerpart bislang. Das ist erstaunlich, stimmen die Autoren und Autorinnen dieses Sammelbandes doch darin überein, dass der Antikommunismus über Jahrzehnte eine beträchtliche „Wirkungsmacht“ entfalten konnte. In seiner Einleitung definiert der Tübinger Historiker Anselm Doering-Manteuffel den Antikommunismus als eine „weltanschaulich begründete Haltung“, die „einerseits von Angst getragen und von Bedrohungsgefühlen bestimmt ist und die andererseits mit Ängsten spielt und Bedrohungen beschwört. Sie zielt darauf, den Zusammenhalt der eigenen Gesellschaft zu stärken und eine Wertegemeinschaft gegen den gemeinsamen Feind zu beschwören“.
Über die Anfänge des Antikommunismus gehen die Ansichten jedoch auseinander: Einige Autoren lassen seine Geschichte mit der Gründung des „Bundes der Kommunisten“ 1848 oder der Pariser Kommune 1871 beginnen; die meisten plädieren indes dafür, die Oktoberrevolution von 1917 als Ausgangspunkt zu begreifen. Seither durchlief der Antikommunismus verschiedene Phasen. Für den deutschen Fall unterscheidet Doering-Manteuffel vier: die Zeit changierender Feindbilder in den Zwanziger- und frühen Dreißigerjahren; die von Hitler propagierte „Ausrottung des Kommunismus“; die „Aufspaltung“ des Antikommunismus in eine deutsch-nationale, intellektuell „primitive“ Spielart und eine „kulturell anspruchsvolle“, westlich-internationale Variante; schließlich die „ideologische Erschöpfung im Zuge der Entspannungspolitik“. Im Laufe dieser Entwicklung musste sich der Antikommunismus von historischem Ballast befreien, das galt insbesondere für den Antisemitismus, der in den Zwanziger- und Dreißigerjahren eng mit ihm verzahnt gewesen war. Der „jüdische Bolschewismus“ wurde nicht nur im NS-Staat zu einem „zentralen Ideologem“ (Michael Wildt), sondern etwa auch im Polen und Ungarn der Zwischenkriegszeit. Das „Überschreiben“ der antisemitischen Komponenten (Axel Schildt) war deshalb eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sich der westdeutsche Antikommunismus nach 1945 in die Front zur „Verteidigung des Abendlandes gegen den Bolschewismus“ einreihen konnte.
Aber ist der Antikommunismus tatsächlich Geschichte? Die Studien zu Spanien und Polen legen einen anderen Schluss nahe. So kommt Stefanie Schüler-Springorum zu dem Fazit, das „antikommunistische Erbe“ belaste die spanische Demokratie bis heute. Auch die untersuchten Praktiken der Konstruktion und Propagierung von Feindbildern muten überaus aktuell an. Viele Gründe also, dieses wichtige Buch zu lesen.
WERNER BÜHRER
Norbert Frei,
Dominik Rigoll (Hg):
Der Antikommunismus in seiner Epoche. Weltanschauung und Politik in Deutschland, Europa und den USA. Wallstein-Verlag, Göttingen 2017.
267 Seiten, 15 Euro.
E-Book: 11,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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