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The Pulitzer Prize-winning author of American Lion presents a richly detailed portrait of the third President that considers his early life, roles as a Founding Father and considerable achievements as a master politician. (This book was previously listed in Forecast.) 250,000 first printing.

Produktbeschreibung
The Pulitzer Prize-winning author of American Lion presents a richly detailed portrait of the third President that considers his early life, roles as a Founding Father and considerable achievements as a master politician. (This book was previously listed in Forecast.) 250,000 first printing.
  • Produktdetails
  • Verlag: Random House USA Inc
  • New
  • Seitenzahl: 800
  • Erscheinungstermin: 13. November 2012
  • Englisch
  • Abmessung: 243mm x 169mm x 50mm
  • Gewicht: 1224g
  • ISBN-13: 9781400067664
  • ISBN-10: 1400067669
  • Artikelnr.: 35117558
Autorenporträt
Jon Meacham received the Pulitzer Prize for his 2008 biography of Andrew Jackson, American Lion. He is also the author of the New York Times bestsellers Thomas Jefferson: The Art of Power, American Gospel, and Franklin and Winston. Meacham, who teaches at Vanderbilt University and at The University of the South, is a fellow of the Society of American Historians. He lives in Nashville and in Sewanee with his wife and children.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 16.01.2013

Der Makel von Monticello

Ein Freiheitsfreund als Sklavenhalter: Amerika streitet um Henry Wienceks düsteres Porträt des Gründervaters und dritten Präsidenten Thomas Jefferson.

Amerikas wandelbares Bild von Thomas Jefferson sei "ein sensibler Reflektor, über mehrere Generationen, von Amerikas beschwerlicher Suche nach dem Bild seiner selbst". Mit dieser Deutung ging der Historiker Merrill D. Peterson in seiner klassischen Studie "The Jefferson Image in the American Mind" (1960) daran, das Nachleben des dritten Präsidenten bis zur Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts nachzuzeichnen. Im skeptischen Epilog erschien es als zweifelhaft, ob Jefferson weiter gegenwärtig bleiben werde im amerikanischen Bewusstsein.

Doch gegen Ende 2012 stand die Biographie "Thomas Jefferson: The Art of Power" des früheren "Newsweek"-Chefredakteurs Jon Meacham an der Spitze der Bestsellerliste der "New York Times", und über Wochen war bereits um das Buch "Master of the Mountain: Thomas Jefferson and His Slaves" von Henry Wiencek gestritten worden. Der Erfolg von Meachams umfangreichem Werk lässt sich dem Phänomen des "founders chic" zuschlagen, also der Popularität von würdigenden bis kritisch abwägenden Titeln zu den Gründervätern, wie sie David McCullough und Joseph J. Ellis schreiben. Wiencek will weder würdigen noch abwägen. Er zeigt Jefferson als einen gierigen Sklavenhalter, der die Pracht seines Landsitzes Monticello und den Betrieb seiner Plantagen und Werkstätten der planvollen Ausbeutung von Hunderten unfreien Schwarzen verdankte.

Der 1743 in Virginia geborene Jefferson stammte aus einer unter die Großgrundbesitzer der britischen Kolonie aufgestiegenen Familie, wurde im Konflikt mit dem Mutterland zu einer zentralen Figur der amerikanischen Politik und entwarf 1776 die Unabhängigkeitserklärung. Die Gleichheitsformel - "all men are created equal" - und die unveräußerlichen Rechte - "life, liberty and the pursuit of happiness" - machten sie zum über Amerika hinauswirkenden Freiheitsdokument. Gleichzeitig lebten fast eine halbe Million Sklaven in den nach Freiheit strebenden Kolonien, knapp siebenhunderttausend zählte 1790 der erste nationale Zensus.

Einer von Jeffersons Sklaven, Jupiter, war im selben Jahr wie er geboren worden, hatte ihn zum Studium begleitet, schuf als Steinmetz dorische Säulen für Monticello und genoss beim Umgang mit Sprengstoff das Vertrauen seines Herrn. Wiencek verweist auf weitere Arbeiten, bei denen Jefferson von den Fertigkeiten und dem Fachwissen der Sklaven profitierte, weil er ihretwegen keine Weißen anstellen und bezahlen musste: George Granger leitete als Aufseher die Bau- und Feldeinsätze seiner Mitsklaven; seine Frau Ursula kümmerte sich als Amme um Jeffersons Kinder; ihr Sohn "Smith" George und später Joseph Fossett führten die Schmiede; der Schreiner John Hemmings zimmerte Möbel und konnte eine Dreschmaschine genauso gut reparieren wie ein Cembalo.

Wiencek betont den Widerspruch zwischen diesen alltäglich um Jefferson erbrachten Belegen für die Begabung seiner Sklaven und den Zweifeln an der Intelligenz und Selbständigkeit von Schwarzen, die er äußerte. Dass Jefferson mit dem Makel der Sklaverei haderte, aber letztlich an ihr festhielt, führt Wiencek auf wirtschaftliches Kalkül zurück. Kern der Herleitung ist die "Vier-Prozent-Formel", mit der Jefferson 1792 die "stete Humandividende" seiner Plantage beziffert habe. Erstmals habe Jefferson darin dargelegt, dass er jährlich einen Profit von vier Prozent aus der Geburt schwarzer Kinder ziehe. In sein Farmbuch trug er ihre Aufgaben ein: "Von zehn bis sechzehn (Jahren) machen die Jungen Nägel, die Mädchen spinnen." Mit dem Ertrag an Nägeln in zwei Wochen, überschlug er, ließen sich seine Lebensmittelrechnungen eines Quartals begleichen. Wiencek zitiert den Schwiegersohn Jeffersons zum Auspeitschen "der Kleinen" in der Nagelschmiede und wirft dem Historiker Edwin M. Betts vor, die Stelle zensiert zu haben, als er 1953 das Farmbuch im Faksimile, ergänzt um Briefauszüge, edierte.

Wiencek ist kein Wissenschaftler, aber sein Buch "An Imperfect God: George Washington, His Slaves, and the Creation of America" (2003) fand Lob aus der Fachwelt und wird in der Lehre verwendet. Ein Vorabdruck von "Master of the Mountain" erschien im Oktoberheft des "Smithsonian Magazine", das eine Auflage von mehr als zwei Millionen hat und zum Reich der Smithsonian Institution gehört, deren Museen die populäre Wissenschaftsvermittlung prägen. Mitte Oktober pries der einflussreiche Kritiker Jonathan Yardley das neue Buch in der "Washington Post", und die Herbstausgabe von "American Scholar" brachte eine positive Rezension des Revolutionshistorikers T. H. Breen.

Ähnlich rasch waren zwei Internet-Portale. In "The Daily Beast" setzte sich die Rutgers-Professorin Jan Ellen Lewis mit Wienceks Zitatgebrauch auseinander, etwa mit der vermeintlichen Vier-Prozent-Formel, die sich nicht auf Monticello bezöge, sondern Teil einer Schätzung für ein abstraktes Landgut gewesen sei. Die zu den Nachfahren von Jefferson und der Sklavin Sally Hemings forschende Harvard-Rechtshistorikerin Annette Gordon-Reed griff in "Slate" exemplarisch einen Schluss Wienceks heraus: Weil einerseits Jeffersons Vater einst eine Suchanzeige für einen flüchtigen Sklaven mit einem "iron collar" (Halsring) aufgegeben hatte und andererseits ein Verwalter von Monticello den Kauf von "collars" notierte, habe Wiencek gefolgert, dass Sklaven dort ebenfalls zur Strafe solche Ringe tragen mussten. Gordon-Reed erwidert, dass die Ringe doch wohl in der eigenen Schmiede gefertigt worden wären, während die "collars" bei einem Farmer gekauft worden seien und schlicht Halsbänder für Rinder oder Pferde gewesen sein könnten. In einem Leserbrief wies die lange für die Gedenkstätte von Monticello tätige Historikerin Lucia Stanton auch den Vorwurf der Zensur durch Betts zurück, da es sich um eine Auswahledition handele, die zudem andere Quellen zu düsteren Details der Sklaverei enthalte.

Als Ende November die "New York Times" eine Bilanz der Debatte zog, sagte Wiencek der Zeitung, dass man "in der Jefferson-Blase" seine Darstellung nicht möge und versuche, sie zu diskreditieren. Wiencek legt sich eine Außenseiterrolle zurecht, die übertrieben wirkt. Die "in der Jefferson-Blase" sollen dagegen Apologeten sein, auch Gordon-Reed, die mit ihren Arbeiten zu Hemings wesentlichen Anteil am Wandel des Jefferson-Bilds hatte, indem sie Jeffersons Vaterschaft plausibel machte. Für die Netz-Ausgabe der "New Republic" besprach Wiencek im Dezember die Jefferson-Biographie von Jon Meacham und monierte, dass dieser sich fürs Geschichtenerzählen statt für die Analyse entschieden habe. Wenn "Analyse" allerdings die spekulative Quellenlektüre meint, mit der Wiencek sich und seinem Anliegen einer kritischen Sicht auf Jefferson als Sklavenhalter schadet - dann hat eine gut erzählte Geschichte gewiss mehr zu bieten.

THORSTEN GRÄBE

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