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An influential columnist from the Israeli newspaper Haaretz presents a groundbreaking examination of Israel that traces the events that led the country to its current state of conflict through the stories of everyday citizens to illuminate the importance of lesser-known historical events.

Produktbeschreibung
An influential columnist from the Israeli newspaper Haaretz presents a groundbreaking examination of Israel that traces the events that led the country to its current state of conflict through the stories of everyday citizens to illuminate the importance of lesser-known historical events.
  • Produktdetails
  • Verlag: Random House Publishing Group
  • Seitenzahl: 512
  • Erscheinungstermin: 3. Februar 2015
  • Englisch
  • Abmessung: 211mm x 141mm x 32mm
  • Gewicht: 408g
  • ISBN-13: 9780385521710
  • ISBN-10: 0385521715
  • Artikelnr.: 40185066
Autorenporträt
Ari Shavit is a leading Israeli journalist, a columnist for Haaretz, and a commentator on Israeli public television.
Rezensionen
Besprechung von 01.07.2014
Bedrohte Verheißung
Ari Shavit über Israel

Die Vorhersage weckt wenig Hoffnung. "Für einen Frieden zwischen den beiden Völkern ist wohl mehr nötig als das, wozu Menschen in der Lage sind." Die Palästinenser "werden ihre Forderung nach dem, was sie für gerecht halten, nicht aufgeben. Wir werden unser Leben nicht aufgeben", glaubt Ari Shavit. Um diesen existentiellen Konflikt beizulegen, reiche es nicht aus, dass sich Siedler und Soldaten aus dem besetzten Westjordanland zurückziehen - wie es die Palästinenser und die internationale Gemeinschaft verlangen. Das jüdische Volk sei "nicht vom Mars gekommen". Deshalb müssten die Palästinenser unzweideutig anerkennen, dass auch Juden ein Recht auf einen eigenen Staat im Nahen Osten haben - "sonst gibt es keinen Frieden".

Ähnliches fordern gewöhnlich Ministerpräsident Netanjahu und Politiker der israelischen Rechten. Ari Shavit dagegen wird in Israel der Linken zugerechnet. Er hat sich als Kritiker der Besetzung der Palästinensergebiete einen Namen gemacht, war Vorsitzender der Bürgerrechtsorganisation Acri und ist ein respektierter Kolumnist der Zeitung "Haaretz". Von seinen Rufen nach einer palästinensischen Anerkennung des jüdischen Staats distanzierte sich in einem seltenen Kommentar sogar Haaretz-Verleger Amos Schocken. Linke Israelis kritisieren Shavit, als wäre er ein Verräter. Dabei versucht er, Distanz zu beiden politischen Lagern zu halten: Israel sei die einzige Besatzungsmacht unter den westlichen Staaten. Gleichzeitig sei kein Land im Westen so sehr bedroht. Die Linke übersieht nach seiner Ansicht zu oft diese großen Gefahren und konzentriert sich zu sehr auf das Besatzungsregime. Der Rechten hält er vor, zu sehr auf die Gefährdung fixiert zu sein und die Folgen der Besatzung nicht ernst genug zu nehmen.

Der Autor, 1957 in Israel geboren, streift durch das verheißene Land und die Geschichte des Zionismus. Er sucht die Orte auf, an denen auch seine Vorfahren halfen, Sümpfe trockenzulegen und Orangen zu pflanzen. Er geht auch dorthin, wo sich das "grausame Gesicht" des Zionismus zeigte, zum Beispiel in Lydda. Die arabische Stadt, heute Lod genannt, lag 1948 im Herzen des kurz zuvor ausgerufenen Staates Israel, nicht weit entfernt vom internationalen Flughafen. Im Juli des Jahres marschierten dort jüdische Soldaten ein und verschonten die Zivilbevölkerung nicht. Nach einem vermeintlichen jordanischen Angriff schossen sie blind um sich, feuerten eine Granate in eine überfüllte Moschee. Mehr als 300 Araber kamen um, Zehntausende ergriffen die Flucht. "Der Zionismus hat in der Stadt Lydda ein Massaker verübt", stellt Shavit trocken fest. Er sprach mit Soldaten und Offizieren, die damals dabei gewesen waren. "Sie übernahmen die schmutzige, dreckige Arbeit, die es meinem Volk und mir ermöglichte zu leben", so sein Fazit. Er sieht letztlich nur die Wahl, den Zionismus wegen Lydda abzulehnen oder ihn mit den Grausamkeiten zu akzeptieren, die in der arabischen Stadt geschahen. Ohne die Eroberung Lyddas und die Vertreibung ihrer Einwohner gäbe es kein lebensfähiges Israel, auch wenn frühe Zionisten lange Zeit auf eine friedliche Nachbarschaft hofften. Eine ähnlich offene Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit, zu der bis heute viele Israelis nicht bereit sind, hält er auch unter Palästinensern für nötig.

Dass auch Zionisten Massaker angerichtet haben, zeigten schon zuvor israelische Historiker wie Benny Morris und Avi Shlaim auf. Shavits Stärke sind viele Interviews, die er in das Buch einfließen lässt. Sie helfen, die Dilemmata begreifbar zu machen, denen sich die Gründer und Erbauer des jüdischen Staats gegenübersahen: als sie in Dimona an einer eigenen Atombombe zu arbeiten begannen - und wie Politiker und Militärs heute um die richtige Antwort auf die atomare Bedrohung Irans ringen. Es sind aber nicht nur Generale und Siedler, die dem Leser auf seinen Streifzügen begegnen. Wie das neue Israel entsteht, schildert er anrührend am Beispiel einer Plattenbau-Wohnanlage am Rand von Tel Aviv. Ihre Bewohner kämpfen nachts mit den Albträumen des Holocaust und tagsüber mit den Widrigkeiten ihrer bedrohten neuen Heimat. Manchmal gerät seine Wortwahl etwas pathetisch, auch die Auswahl seiner Protagonisten wird dem vielfältigen Land nicht ganz gerecht.

Shavit ist fasziniert von der Vitalität Israels, dessen Zukunft er trotzdem nicht für gesichert hält. Es ist wohl kein Zufall, dass ihm auf der letzten Seite der Ausbruch des Vesuv in den Sinn kommt, unter dessen Lavaströmen die Einwohner von Pompeji versteinerten. Shavit fragt sich, was später von Israel zu finden sein würde, wenn dort heute ein Vulkan ausbrechen würde - und meint: "Ein Volk, das vom Tod kam und vom Tod umgeben war, aber trotzdem ein spektakuläres Lebensschauspiel aufführte. Menschen, die den Tanz des Lebens bis zum bitteren Ende tanzten."

HANS-CHRISTIAN RÖSSLER

Ari Shavit: My Promised Land. The Triumph and Tragedy of Israel. Verlag Spiegel & Grau, New York 2013. 464 S., 15,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 19.08.2014
Das gelobte Land im Krieg
Der israelische Journalist Ari Shavit hat ein Buch für alle geschrieben, die verstehen wollen,
warum Israelis und Palästinenser miteinander verfeindet sind
VON FRANZISKA AUGSTEIN
Die Debatten der Welt über Israel und seine Politik wurden im Land selbst, in Israel, immer ausführlicher und penibler ausgetragen als andernorts. Außenstehende vermuten dahinter die je private und am Ende von allen geteilte Devise: Wir lassen uns doch nicht von anderen erzählen, was uns stört. So hat es etwa angesehene orthodoxe Rabbiner gegeben, die antizionistisch gegen die Staatsgründung wetterten; so gibt es weltliche Juden, die sich auf das Land Zion aus der Bibel berufen. Und es gibt Ari Shavit: Der Kolumnist der Tageszeitung Haaretz gehört zu den „liberalen Zionisten“. Er ist einer, der zu seinem Staat steht, gleichzeitig aber weiß, wie viel Elend die Gründung Israels über die Palästinenser gebracht hat.
  Anhand seiner eigenen Familiengeschichte, auf der Grundlage von Gesprächen mit betagten zionistischen Kämpfern und vielen anderen hat Ari Shavit die Vertreibung der Palästinenser Ende der 40er Jahre herzzereißend geschildert. „My Promised Land“ (Mein gelobtes Land) erschien in den USA. Die deutsche Übersetzung steht noch aus. In der New York Times wurde das Buch allen empfohlen, die verstehen wollen, warum Israel und die Palästinenser miteinander verfeindet sind. Shavit beschreibt die Wurzeln des Konflikts und wie viele gute Absichten zuschanden kamen.
  In den Fünfzigerjahren nahm Israel in Shavits Augen eine schlechte Wendung: Im Namen der Industrialisierung und der Landnahme habe die große alte jüdische Kultur sich selbst hintergangen: Die israelische Gesellschaft sei der „Verdrängung“ anheimgefallen: Alles Vergangene, die Geschichte der Palästinenser und die der Juden, sei verdrängt worden. „Die Tradition, Nuancen und die Ironie“ der jüdischen Kultur seien zerstört worden – fast so wie die israelischen „Bulldozer die Dörfer der Palästinenser zerstörten“.
  Shavits „My Promised Land“ erschien 2013. Damals herrschte schon seit einem guten Jahr Waffenstillstand zwischen der Hamas und der israelischen Regierung. Warum die Hamas ausgerechnet am 8. Juli 2014 begann, Raketen en masse auf Israel abzufeuern, ist umstritten. Die verschiedenen Standpunkte sollten erklärt werden, um Shavits Darstellung abzurunden.
  Shai Nachman, 67, ist ein führender Kopf der „Arbeiterpartei“ (Awoda), einer Art Pendant zur SPD. Die Parteigänger von Awoda sind eher Tauben als Falken, sie suchen den Ausgleich. Seit einiger Zeit aber ist Shai Nachman in Rage. Auf einmal sind in seinen Augen nicht mehr alle Menschen gleich. Da gebe es fundamentale Mentalitätsunterschiede: „Die Hamas ist anders als wir: Wir glauben an das Leben. Die glauben an den Tod.“ Das sagt Nachman anlässlich eines Besuchs in der Knesset am 28 . Juli , zu dem etliche Journalisten aus allerlei Ländern eingeladen sind. Nachman sagt auch: Die Hamas habe „1,8 Millionen Unterstützer“: Er meint damit die gesamte Bevölkerung von Gaza.
  Andere israelische Fachleute aus Politik und Militär sagen, die Hamas habe mit dem Raketenhagel begonnen, weil sie seit dem Antritt der Militärregierung Sisis in Ägypten und der Schließung des ägyptischen Grenzübergangs nach Gaza so geschwächt sei, dass sie ihre Position mit Terror gegen Israel zu halten versuche. Keinesfalls wolle Israel die Hamas völlig besiegen. Das Argument dafür ist durchaus zynisch, und wer es anführt, weiß das auch: Die Hamas werde man noch brauchen, nämlich für die Bekämpfung der ultraislamistischen Isis-Milizen, die kürzlich im Irak Zigtausende Jesiden vertrieben.
  Was die Gefahr angeht, die die Isis-Gruppe für Gaza darstellt, stimmt Abdallah Frangi im Gespräch mit der SZ den Israelis zu. Ein paar Tage vor Beginn des Krieges war der von Vorahnungen geplagte frühere Generaldelegierte der Palästinensischen Autonomiebehörde in Deutschland nach Ramallah gereist, wo er am 7. Juli als „Gouverneur“ von Gaza vereidigt wurde.
  Am 8. Juli kam er in Gaza-Stadt an. Die mit der Fatah verfeindete Hamas, sagt der Fatah-Diplomat, der früher für Arafat arbeitete und jetzt für Mahmud Abbas, sei „nicht begeistert“ gewesen, als er zum Gouverneur bestellt wurde, habe das aber hingenommen. Man müsse zusammenarbeiten: „Es geht um die Menschen.“ Frangi bemüht sich, Matratzen für die Hunderttausenden Obdachlosen aufzutreiben. Er bemüht sich, den Menschen das Gefühl zu geben, dass in Gaza Staatlichkeit bewahrt werde.
  Anders als viele Israelis betrachtet Frangi die Hamas nicht als eine Bande von Todessüchtigen. Wer meint, Araber seien „andere“ Menschen, wird bei der Lektüre von Shavits Buch eines Besseren belehrt: Der Hass der Palästinenser auf die Leute, die ihnen ihr Land wegnahmen, hat mit Mentalitätsunterschieden nichts zu tun; er entstammt leidvoller Erfahrung.
  Frangi zufolge begann der jetzige Krieg so: Eine Gruppe, die von der Hamas nicht kontrolliert werde, hat drei israelische Kinder getötet. Daraufhin habe Israel in den palästinensischen Gebieten der Westbank äußerst demütigende Hausdurchsuchungen vorgenommen, bei denen zwölf Menschen zu Tode gekommen seien. Außerdem wurden etwa vierhundert Männer, die gegen eine israelische Geisel ausgetauscht worden waren, wieder gefangen genommen. Schließlich wurden einige Männer der Hamas in einem der Tunnel, die die Hamas von Gaza nach Israel gebaut hat, gestellt und getötet. „Und dann“, sagt Frangi über die Hamas, „sind sie zu den Raketen gerannt.“ Dagegen habe Mahmud Abbas, der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, nichts ausrichten können. Feuer ist stärker als das sanfte Wasser der Diplomatie, das immer seinen Weg findet, oftmals aber auch einfach versickert.
  Wenn die israelische Regierung sich beklage, sie habe auf palästinensischer Seite keinen Gesprächspartner, sagt Frangi, so liege das daran, dass sie mögliche Gesprächspartner kaltstelle. „Das haben sie auch mit Arafat gemacht. Es ist zermürbend.“ – Ari Shavit sieht das anders: Dass der PLO-Chef Arafat 1993 im Vertrag von Oslo den Staat Israel anerkannte, sei überfällig gewesen; dass Israel im Gegenzug den Palästinensern das Recht auf einen Staat einräumen musste, betrachtet Shavit als ein erzwungenes Zugeständnis. Dessen ungeachtet plädiert er dafür, Israel müsse die Gebiete der Westbank, die es seit dem Krieg 1967 besetzt hält (einige wenige Siedlungen ausgenommen) verlassen.
  Shavit, der liberale Zionist, ist diesbezüglich mit Abdallah Frangi, dem liberalen Palästinenser, ziemlich einig. Am Telefon sagt Frangi: „In Israel meint man, die Palästinenser sollen sich mit der Siedlungspolitik abfinden. Das wird nicht laufen.“ Wie recht Frangi mit seiner Prognose hat, zeigt Ari Shavits Buch.
  In den Vierzigerjahren sei es nötig gewesen, die Palästinenser zu vertreiben. Da gab es zum Beispiel die florierende Stadt Lydda. Es gibt sie immer noch, sie liegt in der Nähe des Flughafens von Tel Aviv, heute heißt sie Lod. Die jüdischen Siedler der Vierzigerjahre hätten gewusst, schreibt Shavit, dass sie den Einwohnern ihr Land wegnahmen, sie rechneten mit Terror. Terror ausgerechnet am „internationalen Flughafen“ sei aber nicht hinnehmbar gewesen. Nachdem im Juli 1948 einige Dutzend Männer in eine Moschee Lyddas geflüchtet und dort erschossen worden waren, nachdem viele Menschen in ihren Häusern getötet worden waren, flehten die Einwohner, die Stadt verlassen zu dürfen.
  Am Beispiel Lyddas beschreibt Shavit die Entwürdigung aller vertriebenen Palästinenser: Ein langer Zug setzte sich in Marsch, die Städter besaßen keine Lasttiere, sie gingen zu Fuß. Sie hatten ihre Wertsachen sowie Mehlsäcke oder andere Nahrungsmitteln mitgenommen. Nur an Wasser hatten sie, die Städter, nicht gedacht. In der Hitze des Juli liefen sie gen Gaza. Zuerst warfen sie weg, was ihnen teuer war. Dann das Essen. Dann setzten einige verzweifelte Mütter ihre schreienden Säuglinge aus. Alte Frauen, die nicht mehr laufen konnten, wurden am Rand des Wegs zum Sterben verabschiedet.
  Das hat Shavit recherchiert und aufgeschrieben. Sein Fazit: „Lydda ist Teil unserer Geschichte.“ Die Wahl sei: „den Zionismus ablehnen wegen Lydda, oder im Namen des Zionismus Lydda hinnehmen“.
  Gegner des liberalen Zionismus, den Shavit vertritt, sagen das Gleiche, was Friedrich II. sagte, nachdem die österreichische Kaiserin Maria Theresia mit schlechtem Gewissen Teile Polens annektiert hatte: „Sie weinte, aber sie nahm.“
Ari Shavit: My Promised Land. The Triumph and Tragedy of Israel. Random House, New York 2013. 445 Seiten, 15.30 Euro. Das Buch ist auch als E-book erhältlich.
Shai Nachman sagt: „Die Hamas ist
anders als wir. Wir glauben an das
Leben. Die glauben an den Tod.“
Frangi sagt: „In Israel meint man,
die Palästinenser sollen sich mit
der Siedlungspolitik abfinden.“
„Kollaps des humanitären Waffenstillstands“ hat der Zeichner Amos Biderman diesen Cartoon übertitelt, der am 28. Juli in der israelischen Tageszeitung Haaretz erschien und den die SZ hier, mit freundlicher Genehmigung von Amos Biderman, nochmals zeigt.
Zeichnung: Amos Biderman
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