Der Geist der Tiere - Perler, Dominik / Wild, Markus (Hgg.)
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Sind Tiere Lebewesen mit einem Geist? Denken sie? Haben sie Bewusstsein? Was unterscheidet den Menschen vom Tier? In der gegenwärtigen Philosophie des Geistes existiert eine Reihe von Ansätzen, die solche Fragen aufgreifen, sie aus unterschiedlichen methodischen Perspektiven erörtern und zu kontroversen Antworten gelangen. Der vorliegende Band macht wichtige Beiträge zu dieser Diskussion erstmals auf Deutsch zugänglich und enthält Beiträge u. a. von Donald Davidson, Daniel C. Dennett, Fred Dretske, Ruth G. Millikan, David Papineau und John R. Searle. Eine ausführliche Einleitung ordnet die…mehr

Produktbeschreibung
Sind Tiere Lebewesen mit einem Geist? Denken sie? Haben sie Bewusstsein? Was unterscheidet den Menschen vom Tier? In der gegenwärtigen Philosophie des Geistes existiert eine Reihe von Ansätzen, die solche Fragen aufgreifen, sie aus unterschiedlichen methodischen Perspektiven erörtern und zu kontroversen Antworten gelangen. Der vorliegende Band macht wichtige Beiträge zu dieser Diskussion erstmals auf Deutsch zugänglich und enthält Beiträge u. a. von Donald Davidson, Daniel C. Dennett, Fred Dretske, Ruth G. Millikan, David Papineau und John R. Searle. Eine ausführliche Einleitung ordnet die Diskussion sowohl systematisch als auch historisch ein und unterstreicht ihren Stellenwert in den aktuellen Debatten innerhalb der Philosophie des Geistes.
  • Produktdetails
  • suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1741
  • Verlag: Suhrkamp
  • 5. Aufl.
  • Seitenzahl: 450
  • Erscheinungstermin: Januar 2007
  • Deutsch
  • Abmessung: 177mm x 108mm x 24mm
  • Gewicht: 272g
  • ISBN-13: 9783518293416
  • ISBN-10: 3518293419
  • Artikelnr.: 12815207
Autorenporträt
Dominik Perler, geb. 1965, ist Professor für Theoretische Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er lehrte nach der Promotion in Fribourg und der Habilitation in Göttingen zunächst in Oxford und dann als Ordinarius für Philosophie an der Universität Basel. Gastprofessuren führten ihn nach Los Angeles, St. Louis, Tel Aviv und Madison. Im Jahr 2006 wurde ihm der Gottfried-Wilhelm-Leibniz Preis der DFG verliehen, die bedeutendste wissenschaftliche Auszeichnung in Deutschland. Seit 2007 ist er Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Markus Wild studierte Philosophie und Germanisitk an der Universität Basel. Er promovierte 2004 mit der Arbeit Die anthropologische Differenz. Der Geist der Tiere bei Montaigne, Descartes und Hume (de Gruyter 2006). Seit Oktober 2003 ist er Wissenschaftlicher Mitarbeiter, seit Dezember 2004 Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Philosophie der Humboldt-Universität zu Berlin.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 15.08.2005

Der Hund genießt und schweigt

Um den Tierfreunden von vornherein recht zu geben: Über das Bewußtsein von Tieren wissen wir genug, um uns für ihren Schutz verantwortlich fühlen zu müssen. Evolutionsbiologie und Verhaltensforschung sind bewährte Abteilungen der Wissensgesellschaft. Die intuitive Plausibilität der Geschichten über Graugansfamilien, Bienenstaaten und Affenintelligenz lassen wenig Zweifel daran, daß einige Tierarten Bewußtsein haben, Sprachen erlernen und sich intentional verhalten können. Daß sich aus dieser Erkenntnislage jedoch nicht nur normative Konsequenzen, sondern auch analytische Probleme ergeben, zeigt eine internationale philosophische Debatte, die in einem Sammelband jetzt erstmals in deutscher Sprache zugänglich ist ("Der Geist der Tiere". Philosophische Texte zu einer aktuellen Diskussion. Herausgegeben von Dominik Perler und Markus Wild. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005. 449 S., br., 16,- [Euro]). Es liegt eine schöne Ironie darin, daß der Band die Klugheit der Philosophie gerade unter dem Primat der biologischen Empirie zur Geltung kommen läßt - und die sonstige Schwäche der Geisteswissenschaften eher als Mangel an Herausforderung erscheint.

Denn nicht, ob wir genug über Tiere wissen, sondern welche Begriffe von Geist wir überhaupt auf Tiere anwenden können, ist eine Frage, für die die Naturforschung der philosophischen Arbeit bedarf: Sind Warnrufe grüner Meerkatzen schon Teil einer Sprache? Handeln Ameisen rational, wenn sie verstorbene Artgenossen aus dem Ameisenhaufen tragen? Kann ein Hund glauben, daß er von einer Katze in die Irre geführt wurde? Wenn vielleicht nicht die Tiere, so können doch die Philosophen so gut wie alles glauben und rationalisieren. Daß der Geist der Tiere ihnen freilich mehr zu schaffen macht, als mancher Liebhaber eines Haustieres ohnehin erhofft, ist in der sorgfältigen Edition umfassend nachzulesen.

Die philosophischen Reflexe scheinen auf zwei Denkmodelle konditioniert zu sein: Wer mit Montaigne und Darwin die Natur als Einheit versteht, stellt die entwicklungsgeschichtlichen Gemeinsamkeiten zwischen Tier und Mensch in den Vordergrund. Ganz im Evolutionismus aufgehend, rät daher John R. Searle, "niederstufige neuronale Prozesse" als Ursache des Geistes anzuerkennen. Searle zweifelt auch nicht daran, daß sein Hund mit Namen "Ludwig Wittgenstein Searle" Bewußtsein habe, "weil jede andere Möglichkeit außer Frage steht". Der Hund genießt und schweigt. Auf der anderen Seite stehen Descartes und Davidson, die in der Sprache ein Charakteristikum des menschlichen Geistes erkennen und daher die kognitiven Unterschiede aufzählen. Im Laufe dieser Argumentation werden Tiere mit Uhren, Computern, Radios, Thermostaten und Infrarot-Raketen verglichen - eine Liste, die nicht nur das Forschungsinteresse des Cartesianismus beweist (wie Daniel C. Dennett einräumt), sondern auch eine gewisse Ratlosigkeit angesichts des Animalischen zu erkennen gibt.

Obwohl die Herausgeber erkennbar die Evolution des Geistes bevorzugen, gelingt der Versuch kaum, vom Tier auf den analytischen Menschen zu kommen. Beispielhaft zieht der Wissenschaftsphilosoph John Dupré jede Erkenntnismöglichkeit über die Sprachfähigkeit von Affen in Zweifel, weil Tiere bei Feldforschungen zu ungenau und in Laborexperimenten zu unfrei beschrieben würden. Er fragt, ob sich daraus überhaupt irgend etwas für Menschen folgern ließe. In manchen Naturschilderungen des Bandes erhalten Tiere auch Namen, oder es wird aus ihrer eigenen Sicht berichtet, so daß die Anekdote als erklärter Lieblingsfeind der Ethologie fröhliche Urständ feiert. Die Daten der Empirie, für die die Autoren ihren philosophischen Lehnstuhl mit einem Hochsitz eingetauscht haben, erscheinen im Dämmerlicht der Methodologie zu unscharf für gezielte Schüsse und verlangen eher die Fortsetzung der komplizierten Abbildungsprozesse, in deren Beobachtung die praktische Philosophie und die Anthropologie bereits Erfahrung besitzen.

Denn wie läßt sich das Erleben von Tieren verstehen? Sich vorzustellen, wie es ist, mittels aufrechter, zugespitzter und in gegensätzliche Richtungen drehbarer Fledermausohren zu hören, erinnert vor allem an Filmphantasien eines Batman. Und wie es für Daniel C. Dennett ist, eine Fledermaus, ein mittelamerikanischer Truthahngeier oder ein Wal zu sein, mag biographische Bedeutung haben, doch sein durchaus brillanter Versuch, die Frage zu beantworten, "wie es ist, irgendwie zu sein", führt schließlich zu der Vermutung, daß Kulturstudien mehr dazu sagen könnten. Zum Illusionstheater gerät die Veranstaltung bei dem Stanforder Philosophen Fred Dretske, der die "minimale Rationalität" von Tieren mit der Vernunft von Selbstmordattentätern gleichsetzt - womit er offenherzig zugibt, von beiden nichts zu verstehen.

Die methodischen Schwierigkeiten der von den Herausgebern geforderten Nähe zur Biologie beleuchten tatsächlich weniger die Kontinuität zwischen Mensch und Tier als ihre Differenz. Es läßt sich leicht vorstellen, wie Haus- und Nutztiere historisch zu Projektionsflächen des Menschen wurden. Deshalb wäre neben der Frage nach dem Geist auch diejenige interessant, was an Tieren tierisch ist und ob wir nicht gerade deswegen von ihnen angezogen sind. Wenn "Tiererlebnisse nicht einfach blasse Imitationen unserer eigenen Erlebnisse sind" (Daisie Radner), beginnt die Debatte von neuem: Denken zum Beispiel Austern wirklich nicht über Fahrräder nach? Der Geist der Philosophie hat sich in diesem lehrreichen Band über den Geist der Tiere schon jetzt aufs beste bewiesen.

CHRISTIAN HOLTORF

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 29.06.2005

Wenn die Katze wüsste, dass sie eine Katze ist
Welche Gedanken stehen hinter dem Verhalten der Kreatur? Analytische Philosophen fragen nach dem Geist der Tiere
Wie es mit dem Bewusstsein der Tiere beschaffen ist, das liegt noch weithin im Dunkeln. Doch zumindest, welche Fragen zu stellen sind, wo die Probleme liegen, welche versuchsweisen Antworten möglich sind, dazu ist in einem jetzt erschienenen Buch Erhellendes zu finden. Es ist, dies zuvor, ein philosophisches Buch; keines für solche, die Tiere für die besseren Menschen halten - obwohl es denen gut täte, sich das darin Vorgetragene zu Gemüte zu führen.
Da ist zunächst die vorzügliche, kenntnisreiche Einführung der beiden Herausgeber des Sammelbandes „Der Geist der Tiere”, Dominik Perler und Markus Wild. Das Spektrum der Tiere ist groß, welche kommen in Betracht? Nur Hunde oder Primaten, oder auch Fliegen und Spinnen? Haben Ratten intentionale Zustände, Absichten, Gedanken? Oder handeln sie bloß gemäß einem Reiz-Reaktions-Schema? Müssen etwa Schimpansen über Sprache verfügen, damit wir ihnen Geist zuschreiben? Wie hilfreich sind empirische Forschung, Ethologie, sind die Kognitionswissenschaften für eine Philosophie des Geistes von Tieren?
Wer nicht tiefer in diese Problematik eindringen will, könnte es bei dieser Einführung bewenden lassen. Aber sie macht höchst neugierig, die Argumente des Für und Wider im Einzelnen zu erfahren. Und es sind fünfzehn führende Denker aus der analytischen Philosophie, die mit ihren Einsichten in tierische Geisteszustände auch einer Theorie des Geistes überhaupt näher zu kommen hoffen.
Sie können dabei auf die kontroversen Thesen Descartes’ und Montaignes oder Humes rekurrieren, die keineswegs völlig obsolet sind, wie die Herausgeber - und im Falle von Descartes eindringlich Norman Malcolm - klar machen. Für Descartes waren auch höhere Tiere nicht viel mehr als Automaten, Montaigne oder Hume dagegen hielten es für ausgemacht, dass Tiere über Denken oder Vernunft verfügen.
Die Meinungsverschiedenheiten sind bis heute nicht geschlichtet, werden nun natürlich mit einem enorm angewachsenen empirischen Wissen und präziserem philosophischen Besteck ausgetragen.
Hund „denkt”: Katze auf Baum
Der Hund jagt die Nachbarskatze. Sie rast auf eine Eiche zu, schwenkt plötzlich ab und klettert auf einen nahen Ahorn. Der Hund bemerkt das nicht, bellt, bei der Eiche angekommen, aufgeregt zu den Ästen hoch. Wir sagen, dies beobachtend: „Er denkt, die Katze sei diese Eiche hochgeklettert”. Denkt, glaubt, meint: Ist der Hund wirklich überzeugt - hat er die propositionale Einstellung -, dass die Katze jetzt auf der Eiche sitzt?
Das wäre ein deutliches Kennzeichen von Rationalität. Donald Davidson, der dieses Hund-und-Katz-Beispiel von Norman Malcolm zitiert, ist nicht dieser Ansicht. Kann denn ein Hund von einem Gegenstand glauben, dass er ein Baum ist? Dazu muss er doch der Überzeugung sein, dass der Baum ein Ding ist, das wächst, Wasser und Erde braucht, und so weiter - dass der Hund also einen Begriff von Baum haben muss, meint Donald Davidson, und dass zum Denken noch der Begriff von einem Gedanken nötig sei, wozu wiederum Sprache erforderlich ist. Das sind ziemlich rigide Anforderungen, die Davidson noch verschärft, indem er Kommunikation an Sprache bindet. Aber kommunizieren nicht auch Schimpansen oder gewisse Meeressäuger sprachlos untereinander?
John Searle ist ganz anderer Meinung als Donald Davidson. Weder für Überzeugungen noch für Wünsche brauchen Tiere, sagt er, eine Sprache. Schließlich „unterscheiden gewisse Tiere beim Sehen zwischen roten und grünen Objekten, ohne die Begriffe ‚Sicht‘, ‚Farbe‘, ‚rot‘ oder ,grün‘ zu haben”, sagt Searle in seinem brillant argumentierenden Beitrag, in dem er vehement den Besitz von Bewusstsein oder Geist bei Tieren verteidigt.
Stets übertrügen wir, kritisiert Searle, unsere Schemata von Bewusstsein, Intentionalität oder Sprache auf die Tiere, so wie wir uns dank unseres so genannten „Kohlenstoff-Chauvinismus” keine andere Form von Leben als die eigene vorstellen können. Das hatte schon Montaigne andeutungsweise moniert, wenn er schrieb, wir verstünden die Tiere nicht besser als sie uns. „So können sie uns mit gleichem Recht für vernunftlose Tiere halten wie wir sie”.
Bewusstsein wird häufig als ein abgehobenes, abstraktes Phänomen, losgelöst von allen biologischen Tatsachen betrachtet. Das ist ein Erbe des Cartesianischen Dualismus von Körper und Geist, von dem Searle unser Denken dringend zu reinigen trachtet. Überdies gilt Bewusstsein als eine Sache des alles oder nichts.
Affen schauen in den Spiegel
Dagegen hält Daniel Dennett eine scharfe Trennungslinie zwischen Tieren und Menschen aufgrund des Bewusstseins für ein „Kunstprodukt unserer traditionellen Vermutungen”. Ausgehend von Thomas Nagels endlos zitiertem Aufsatz „Wie es ist eine Fledermaus zu sein”, lässt er Herman Melville mit klugen Bemerkungen über seinen Pottwal Moby Dick zu Wort kommen, dessen Augen sich ja an den gegenüberliegenden Seiten seines riesigen Kopfs befinden, so dass er mit jedem Auge Verschiedenes sieht. Wie kann er zwei verschiedene Bilder in seinem Hirn verarbeiten? Wie also ist es, ein Pottwal zu sein? Worauf Dennett hinauswill ist, dass wir in der dritten Person solche Geschichten erzählen, nicht die Fledermäuse oder Wale selbst in der ersten Person.
Auch Fred Dretske setzt ein Minimalmaß für Rationalität, wonach sich die verschiedenen Tierarten einstufen lassen. Zugleich wendet er sich, ähnlich wie Colin Allen, gegen eine Abhängigkeit des Denkens von der Sprache. Der Vogel denkt, wie er an einem verblüffenden Fall klarmacht, „dass das Insekt schlecht schmeckt (fälschlicherweise, wie sich herausstellt). Deshalb frißt er es nicht. Der Gedanke lenkt also sein Verhalten.”
Als entscheidende Kriterien für den Geist von Tieren gelten allen hier zu Wort kommenden Autoren Intentionalität und bescheidene kognitive Zustände, einige halten Sprache dafür unerlässlich. Wieweit solche Fähigkeiten gewisse Tiere besitzen - dazu gibt es ein weit gefächertes Meinungsspektrum.
Auf weitere Kriterien stößt man bei Joelle Proust: Können höhere Tiere Hypothesen aufstellen? Können sie womöglich lügen? Oder können sie nur täuschen? Welche Arten vermögen sich im Spiegel zu erkennen, Identität auszubilden? Schimpansen und Orang Utans können es, Gorillas nicht.
In diesem anspruchsvollen, gleichwohl spannenden Buch geht es um Grundlagenforschung. Ethisch-moralische Fragen sind folglich ausgeklammert. Was nicht heißt, dass wir nach Belieben mit den Tieren umspringen können. Oder, wie es Donald Davidson ausdrückt: Er sieht keinen Grund „Geschöpfen gegenüber, die keine Gedanken oder keine Sprache haben, weniger freundlich zu sein als gegenüber jenen, die über derartiges verfügen - im Gegenteil.”
WILLY HOCHKEPPEL
DOMINIK PERLER, MARKUS WILD (Hrsg.): Der Geist der Tiere. Philosophische Texte zu einer aktuellen Diskussion. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005. 449 Seiten. 16 Euro.
Genau hinschauen: Ist die Annahme, die Tiere handelten ohne Intentionalität, ein „Kunstprodukt unserer traditionellen Vermutungen”?
Fotos: Michael Howell/Avenue Images, dpa, Erwin Wodicka/Bilderbox
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Rundum gelungen findet Rezensent Michael Hampe diesen von Dominik Perler und Markus Wild herausgegebenen Sammelband, der sich vor allem mit den sprach-, erkenntnis- und wissenschaftsphilosophischen Problemen des Mensch-Tier-Verhältnisses befasst. Der Band zeigt für Hampe, dass an der Diskussion über den Geist der Tiere deutlich werde, "wie sehr empirische Forschung von begrifflichen Vorentscheidungen und Klärungen abhängt." Ausführlich gibt er zentrale Fragen der Diskussionen des Bandes wieder. Die Unterstellung geistiger Vermögen etwa sei vor allem Teil einer Strategie der Erklärung komplexen Verhaltens. Weitgehend unklar sei allerdings, wie die Komplexität eines Verhaltens genau graduiert werden soll. Zudem sei durch bloße Betrachtung des Verhaltens von außen nicht zu sagen, ob ein komplexes Verhalten auf einen "kognitiven Apparat" erklärend zurückgeführt werden muss oder nicht. Er hebt hervor, dass der Band Beiträge der "bedeutendsten Vertreter der analytischen Philosophie des Geistes" versammelt, etwa von Norman Malcolm, Stephen Stich, Donald Davidson, John Searle, Ruth Millikan, Fred Drestke und Daniel Dennett. Aber schon durch die siebzigseitige Einleitung von Dominik Perler und Markus Wild, die er als "überaus anregend" lobt, ist der Band seines Erachtens sein Geld wert.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Dieser äußerst verdienstvolle Sammelband dokumentiert zum ersten Mal in deutscher Sprache internationale analytische Beiträge zur Frage nach den Fähigkeiten tierischen Geistes."

praxisphilosophie-ethik.de 6/2016