Werkausgabe / Humanistische Seelenforschung (Werkausgabe) / Werke in Einzelausgaben - Kerenyi, Karl
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Mensch und Maske, Pythagoras und Orpheus, Mythologie und Gnosis. Grundbegriffe und Zukunftsmöglichkeiten des Humanismus. Die Dimensionen des Menschlichen, erkundet im mythologischen Spiegel.
Mensch und Maske, Mythologie und Gnosis, Grundbegriffe und Zukunftsmöglichkeiten des Humanismus: In den mythologischen Studien Karl Kerényis steht der Mensch mit seinen Möglichkeiten im Mittelpunkt. Kerényis Deutungen sind humanistisch, denn ihr Fluchtpunkt ist der konkrete, der leibliche Mensch inmitten mythologischer Welten. Eine Forschung, die sich eindeutig zeigt als Seelenforschung. Und alle…mehr

Produktbeschreibung
Mensch und Maske, Pythagoras und Orpheus, Mythologie und Gnosis.
Grundbegriffe und Zukunftsmöglichkeiten des Humanismus.
Die Dimensionen des Menschlichen, erkundet im mythologischen Spiegel.
Mensch und Maske, Mythologie und Gnosis, Grundbegriffe und Zukunftsmöglichkeiten des Humanismus:
In den mythologischen Studien Karl Kerényis steht der Mensch mit seinen Möglichkeiten im Mittelpunkt. Kerényis Deutungen sind humanistisch, denn ihr Fluchtpunkt ist der konkrete, der leibliche Mensch inmitten mythologischer Welten. Eine Forschung, die sich eindeutig zeigt als Seelenforschung. Und alle Dimensionen des Menschlichen erkundet im mythologischen Spiegel.

»Ein Mythologem spricht, wirkt und gilt für sich wie eine hohe wissenschaftliche Theorie oder eine musikalische Schöpfung und wie überhaupt jedes echte Kunstwerk.«

Aus dem Inhalt
Pythagoras und Orpheus - Die Geburt der Helena - Das Urkind - Das Ägäische Fest - Mythologie und Gnosis - Arethusa - Das Geheimnis der hohen Städte - Labyrinth-Studien - Vom Labyrinthos zum Syrtos - Der große Daimon des Symposion - Mnemosyne - Lesmoysone - Die orphische Kosmogonie und der Ursprung der Orphik - Mensch und Maske - Gedanken über die Pythia - Selbstbekenntnisse des Livius - Grundbegriffe und Zukunftsmöglichkeiten des Humanismus - Lob des Konkreten.

»Die großartige Schau, die Kerényi in seinen Arbeiten vermittelt, lässt ihn als einen der letzten Humanisten erscheinen, und zwar in jenem umfassenden Sinne, dass der Mensch als geistiges und schöpferisches Wesen im Mittelpunkt seines Weltbildes steht.«
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  • Produktdetails
  • Werkausgabe
  • Verlag: Klett-Cotta
  • 1. Aufl. 1996
  • Seitenzahl: 351
  • Deutsch
  • Abmessung: 233mm x 160mm x 28mm
  • Gewicht: 636g
  • ISBN-13: 9783608918045
  • ISBN-10: 3608918043
  • Artikelnr.: 06476741
Autorenporträt
Kerényi, KarlKarl Kerényi ist einer der wichtigsten Religionswissenschaftler des 20. Jahrhunderts. Geboren 1897 in Temesvár, gestorben 1973 bei Zürich, studierte klassische Philologie in Budapest und an verschiedenen deutschen Universitäten. Ab 1936 war er Professor für Religionswissenschaften in Pécs (Fünfkirchen), ab 1941 in Szeged. Er emigrierte 1943 in die Schweiz, wurde 1946/47 Gastprofessor in Basel und ab 1948 Forschungsleiter am C. G. Jung-Institut in Zürich.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 01.10.1996

Die Musik des Mythos
Lateinischer Balkan und magyarische Urgeschichte machen den Humanisten: Kerényis Seelenkunde / Von Caroline Neubaur

Leser, die auf den Letzte-Seite-Test schwören, dürften im Fall des dritten Bandes der Kerényi-Werkausgabe, die nach einer unrühmlich langen Unterbrechung jetzt vom Langen-Müller Verlag bei Klett-Cotta gelandet ist, in jedem Fall einen falschen Eindruck gewinnen. In einem "Lob des Konkreten" betitelten Brief an einen "deutschen Dichterfreund" legt Kerényi Weihnachen 1946 auf dieser letzten Seite das Bekenntnis ab, die "Quelle der Freude am Menschen" sei ihm eine Grundlage des Humanismus: "Vielleicht mehr noch als früher, nachdem man das Gorgogesicht des Gegenmenschen, das er auch zeigen kann, erkannt hat."

Leser, die positiv auf derlei verblasenen Idealismus reagieren, werden sich wundern, wie kühl und präzis Kerényi schreiben kann, wenn er am Material arbeitet. Und Leser, die über das Bekenntnis der Freude am Menschen heute die Achsel zucken, brächten sich um glanzvolle "Äußerungen der Seele selbst" - ebendies, nämlich psychische Realität, sind für Kerényi sowohl die Erfindungen des Mythos als auch alle Theoriebildung, die sich an ihm abarbeitet.

Was freilich den Zeit-Ton betrifft, kommt es in einem "Brief an junge Humanisten" noch dicker, in dem der philosophische Humanismus als die führende Weltanschauung der Zukunft erhofft wird und Wahrheit, Klarheit und Heilung "wurzelhaft eins" sind. Solche pädagogischen Blüten gehören, wie die Briefe an einen jungen Sowieso unter dem Stichwort Humanismus, in Frankreich wie in Deutschland zum stehenden Repertoire der Nachkriegsphilosophie, deren Umgarnungsversuche in den Refrain münden: Versucht's noch mal mit uns. Kerényi ist mit von der Partie.

Die "Mysterien des Humanen", nach eigener Aussage der Inhalt seiner Forschung, werden hier zu einem Mysterium der Werbung. Kerényi wirbt um Seelen, und diese erzieherische Werbetour muß vom heutigen Geschmack her als mißlungen beurteilt werden. Seine Religionsphilosophie gehörte eine Zeitlang zur akademischen Ersatzreligion, doch ging er darin natürlich ebensowenig auf wie in seiner Attitüde, noch einmal einen Klassizismus, den letzten des 20. Jahrhunderts, zu formulieren.

Im wesentlichen handelt es sich bei der jetzt vorliegenden Textsammlung um Arbeiten, die er unter dem Titel "Albae Vigiliae" veröffentlicht hat. Diese Schriftenreihe der dreißiger Jahre, die, nach einem Horaz-Wort, "Weiße Nachtwachen" benannt wurde, war ein Forum der inneren Emigration gegen den Nationalsozialismus, ein Forum des Protests, auf dem die Plädoyers der anderen Autoren in einem meist noch höheren oder hohleren Ton gehalten wurden, als er Kerényi zu Gebote stand.

Daß er nicht als historisch überholter Ideologe abgetan werden kann, als Mythenpriester wie Walter F. Otto oder als Sonderling mit einem unseligen Hang, überall den Geschlechterkampf als Lesart des Klassenkampfs nachzuweisen, wie Ranke-Graves es tat, hängt mit der im Grunde materialistischen Statur des 1897 geborenen Ungarn zusammen, an dessen Wiege lateinischer Balkan und magyarische Urgeschichte Pate gestanden haben.

Mag ihm auch manches als Sprachrohr für die eigene "humanistische Beseelungslehre" dienen - "das Pythagoreische" beispielsweise: "Pythagoreisch ist vielmehr dies: beseelte Körper als ein fertig gegebenes Lebendiges anzusehen, dessen Geheimnis, mit dem gleichen Wort Seele und Leben genannt, man zu erforschen hat" -, so erfährt man aus "Pythagoras und Orpheus" oder "Arethusa" doch viel über die kulturgeschichtliche Bedeutung des griechischen Westens. In der "Geburt der Helena" wird über erstaunliche Affinitäten zwischen "reinster Begrifflichkeit" und "reinster Chimäre" spekuliert, während umgekehrt der "große Daimon des Symposion" dem Mysterien-, nicht dem Philosophenstoff entsteigt.

Das Zentrum der Seelenforschung à la Kerényi bilden natürlich seine Lebensthemen: das Urkind, das ägäische Fest und das Labyrinth, für die in besonderem Maße der Versuchscharakter zutrifft, den der Autor im Vorwort zu Recht für all seine Arbeiten geltend macht, findet man in diesen Arbeiten doch nie Summen von Fachwissen, sondern Variationen. Wie viele Mythologen liebt Kerényi den Vergleich mit musikalischen Strukturen, liebt er es, ein Thema so abzuwandeln, daß es seine thematische Substanz zwar nie verliert, als solches jedoch fast nicht mehr zu erkennen ist.

Dies musikalische Prinzip bezeichnet die Pointe seiner und gewissermaßen aller Mythologie: Überdeterminiertheit, Vielschichtigkeit der Phänomene. So täte man sich auch keinen Gefallen, läse man die einzelnen Abhandlungen nur auf Inhalte hin und versäumte es, sie einerseits als Gesamtkunstwerk, andererseits als überaus beredtes symptomatisches und diagnostisches Zeitzeugnis aus der Mitte des Jahrhunderts zu bewerten.

Gerade auch in den weniger materialistischen "Mahnbriefen" wird der Widerspruch des deutschsprachigen Jahrhunderts, das für Konservatismus und Faschismus anfällig war, von einem Mythologen ausgehalten und dargestellt, der erkennt, was eine Anknüpfung an den archaischen Schrecken bedeuten kann, und imstande ist, die archaischen Zeugnisse orgiastischer Kulte, das Nachleben des Jägers Zagreus in der balkanischen Mythologie bis hin zu den wiedererweckten Totenkulten der europäischen Faschismen als ein großes seelisches Gebräu wahrzunehmen. Und dieses Gebräu gibt es ja. Die Frage ist nur, wie hoch die theoretischen Einbußen bei der Verharmlosung der Widersprüche sind, zu der Kerényi in C. G. Jungs Gefolge neigt.

Vieles kommt bei Kerényi nicht vor. Es gibt keinen israelischen Prophetismus, kein modernes Industriezeitalter, keine formierte Massengesellschaft, die versucht, die Bilder der Antike und der großen Dichtung als altertümlichen Luxus abzustreifen oder als Beunruhigung nicht wahrzunehmen. Für Kerényi selbst bleibt die Beunruhigung konstant, und der Versuch, mit ihr fertig zu werden, schafft eine konstante Beruhigung. Die Diagnose ist gut, die Therapie schwach.

Daß deutsche Altertumsforscher insgesamt so verkrampft auf die moderne Situation reagiert haben und in einem stehenden Gewässer von Humanitas gestrandet sind, hängt sicherlich mit ihrem Geburtsschaden zusammen, die jüdische Überlieferung geschnitten zu haben. Selbst für Horkheimer und Adorno, die immerhin darauf reflektieren, ist das Paradigma in der "Dialektik der Aufklärung" Odysseus und nicht Moses. Nun ist aber die antike Religion im Gegensatz zur christlich-jüdischen, wie der Berliner sagen würde, mausetot, und alles Beschwören von Konkretion und Sinnlichkeit bringt sie nicht zurück.

Viele verschwimmende Positionen Kerényis hängen mit der Vernachlässigung des jüdischen Prophetismus zusammen. Er hat allen religiösen Zeugnissen der alten Welt die gleiche mythologische Erinnerungsmacht zugesprochen und den Schnitt, den die prophetische Vergegenwärtigung der Geschichte in die ewige Wiederkehr des Mythos hineinträgt, nicht wahrgenommen und damit ein, wenn nicht das entscheidende Ingrediens für die europäische Aufklärung nicht formulieren können. Deswegen bei ihm, wenn auch auf sehr ziviler Basis, die "ewige" Seelenlehre, deswegen die Berührung mit C. G. Jung.

Ein anderes Beispiel: Kerényi skizziert in der "Geburt der Helena" zwei Möglichkeiten, wie man mit der für bedrohlich gehaltenen, unterdrückten Frau fertig wurde. Sie ist einmal die Schuldrächerin und zum anderen als Angebetete die strahlende Erscheinung, die mit Schuld und Sünde nichts zu tun hat.

Daß das aber beides, wie der Orthopäde sagen würde, Fehlhaltungen sind, ist Kerényis polarisierender Darstellung nicht zu entnehmen. Das heißt, auch hier hat er realistische Funde, unterbindet jedoch durch seine Neigung, alles in Polaritäten zu sehen, zugleich mit der Denkfigur die Ursachenforschung. Dennoch bleibt sein realistischer Blick auf die Antike zu bewundern oder, besser gesagt, seine Fähigkeit zu ständigem Spagat, wie er ihn exemplarisch in seinem hinreißendsten Buch, "Dionysos, Urbild des unzerstörbaren Lebens", vorexerziert: diese Fähigkeit, ein antiidealistisches Phänomen par excellence - wie es die Dionysos-Religion darstellt - zu untersuchen und sich doch nirgends von der "humanistischen Seelenforschung" zu verabschieden.

Manches mag zwar Projektion sein - gibt es überhaupt sehr viel anderes als Projektionen auf die Antike? -, aber schließlich sind auch Projektionen Realität, und gerade davon hat Kerényi viel begriffen. Das zeigt sich beispielsweise, wenn er im "Geheimnis der Hohen Städte" am Schluß auf einem Berg sitzt und sich fragt, was bleibe, wenn der "Schwung, der diese einzigartige Welt hervorgebracht, erstirbt". Er gibt sich dann auch selbst die Antwort: "Es bleibt ein Blick von oben auf die Welt, ähnlich dem Blick der Götter."

So ein Satz ist nicht ohne Komik, und dennoch hat unser Mythentourist im doppelten Sinn recht: Zum einen bleibt tatsächlich nur der Blick, und zum anderen sagt der Blick etwas darüber aus, was Menschen einmal dazu bewogen hat, sich von ihrem Standpunkt auf einer kleinen Bergkuppe aus einen ewigen Horizont zu gestalten. Kerényi meint damit: Ich muß, um erfahren zu können, was die Welt im Innersten zusammenhält, nicht tief in die Natur eintauchen, denn städtische Zivilisation hat göttliche Weltbegriffe hervorgebracht.

Wissenschaftstheoretisch gesehen, praktiziert Kerényi die phänomenologische Betrachtungsweise. Es gibt die Existenz, und die bringt unendliche Gestalten hervor, eine unendliche Produktivität als Argument dafür, daß man die einzelnen Gestalten nicht aufeinander beziehen darf, sondern die Bilder als Bilder im großen Saal des Weltmuseums nebeneinander stehenlassen soll.

Der Akzent, den Kerényi auf die Urbilder, das Morphologische legt, seine Bevorzugung von Goethes Antikensicht, der seinerseits das Morphologische liebte, weist ihn als in der Tradition des deutschen Humanismus stehend aus, und zwar nicht jenes Humanismus, der vornehmlich mit Befreiungsprozessen zu tun hat. Die sich selbst zurücknehmende Aufklärung als Fond dieses spezifischen Humanismus ist weder englische noch französische Tradition.

Und doch hat auch Kerényi, obzwar nicht expressis verbis, einen Aufklärungsmythos: Das ist der Mythos vom Labyrinth, der ihn fasziniert, den er immer und immer wieder bearbeitet hat. Eigentlich sind diejenigen, die das Labyrinth "austanzen", um in Spiralbewegungen in den "Palast der Eingeweide", die Unterwelt, zu gelangen, bereits humanistische Seelenforscher, will Kerényi sagen.

Ob in den Vorhallen französischer Kathedralen, den Abenteuern der indonesischen Heldin Hainuwele, dem Raub der Kore durch Hades, dem Mausoleum Hadriani - überall handelt es sich um den Versuch, sich auf für die menschliche Psyche offenbar durch nichts zu ersetzenden spiraligen Annäherungswegen in das tiefste Innere zu begeben und sich in diesem Inneren nicht fressen zu lassen, auch nicht drin zu bleiben, sondern wieder hinauszugelangen. Dieses Mythologem ist die Veranschaulichung einer Versenkung in die eigene Natur, über die dann Mitteilung gemacht wird. So gehört die Labyrinthidee für Kerényi zum Urbestand der religiösen Aufklärung, und daß "in Ei und Samen spirale Bildungen die Unsterblichkeit tragen", ist ihm heutige wissenschaftliche Bestätigung uralt seelischen "Spiralwissens".

Als Nachgeborener wird Kerényi mit der wilhelminischen und nachwilhelminischen Selbstherrlichkeit der deutschen Altphilologen leichter fertig als Nietzsche und hat gegenüber seinen Generationsgenossen Jung und Otto eine große Toleranz voraus. Es kann verblüffen, mit welcher Leichtigkeit er, ein Anhänger Ottos, sich den Cambridge Ritualists zuwendet, die Otto haßt. Er läßt sich nicht auf ein Lager festlegen, und eine solche Haltung haben wir heute eigentlich ganz gern. Zudem ist er ein akademischer Außenseiter und bleibt trotz teilweiser Überidentifizierung mit der deutschen Tradition ein "nationaler" Außenseiter - das Außenseitertum ist ja im nachhinein immer besonders reizvoll.

Keineswegs verachtet Kerényi, wie die deutschen Fürsten der Altphilologie es taten, die Archäologie und deren kombinatorische Intelligenz, die ja erst zum Tragen kommt, wenn das idealistische Projizieren aufhört. Er will den scheinbar unversöhnlichen Gegensätzen ein Schnippchen schlagen, den Ida auf den Ossa türmen, die Mythologie auf die Philosophie, und "irgendwie" schafft er es auch, am glanzvollsten wohl mit seinem Theorem von Dionysos als dem Urbild des unzerstörbaren Lebens, der zoe, dem nicht individuellen Lebens, das er gegen den bios, das individuelle Leben, ausspielt. Die Philosophie macht Kerényi zufolge Leben zu etwas, das keine Sicherheit bietet, weil es vergänglich ist, bios eben. Dagegen setzen die Mysterienreligionen und die Dionysos-Religion an erster Stelle den Gegenbegriff zoe - das Leben.

Seine Dionysos-Konstruktion, wohl der Wirbelpunkt seiner "Bruchstücke einer großen Konfession", als die er alle seine Arbeiten im Vorwort kennzeichnet, ist subtil, von großer ästhetischer Schönheit und wissenschaftlicher Raffinesse und keineswegs als das zu bezeichnen, was ein Vertreter des 19. Jahrhunderts Naturreligion genannt hätte. Das Urbild des unzerstörbaren Lebens ist nicht "Natur", sondern ein Humanum, weil diese Natur in uns einen Statthalter hat.

Auch wir haben unvergängliche Bilder, auch wir haben teil an unvergänglichen seelischen Dispositionen, tauchen ein in Uralthaltungen, die keineswegs nur archaisch sind, weil sie schon in den archaischen Verhältnissen zu gleicher Zeit utopisch gewesen sind. So kann Kerényi weitersingen, wie er es vom abgeschnittenen Kopf des Orpheus gesagt hat, der auch noch in der Todeszeit der Mythologie in der Ferne weitersingt.

Karl Kerényi: "Humanistische Seelenforschung". Werkausgabe. Dritter Band. Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 1996. 351 S., geb., Subskr.-Pr. bei Gesamtbezug 89,- DM, sonst 98,- DM.

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