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Martin Seels Philosophie-Kolumne in der "Zeit" war eine Institution: Von 1998 bis 2001 räsonierte er über die aktuellen Themen und Moden der internationalen philosophischen Debatte. Was sonst nur in kleinen Zirkeln abgehandelt wird, erreichte hier die Öffentlichkeit und ist jetzt als Kompendium der jüngsten Philosophie zusammengefaßt, in der die wichtigsten Philosophen der heutigen Zeit entdeckt werden können. Ein Wegweiser zu den Denkstilen der Gegenwart.…mehr

Produktbeschreibung
Martin Seels Philosophie-Kolumne in der "Zeit" war eine Institution: Von 1998 bis 2001 räsonierte er über die aktuellen Themen und Moden der internationalen philosophischen Debatte. Was sonst nur in kleinen Zirkeln abgehandelt wird, erreichte hier die Öffentlichkeit und ist jetzt als Kompendium der jüngsten Philosophie zusammengefaßt, in der die wichtigsten Philosophen der heutigen Zeit entdeckt werden können. Ein Wegweiser zu den Denkstilen der Gegenwart.
  • Produktdetails
  • Edition Akzente
  • Verlag: Hanser
  • Artikelnr. des Verlages: 505/20066
  • Seitenzahl: 167
  • Erscheinungstermin: 16. August 2001
  • Deutsch
  • Abmessung: 202mm x 121mm x 17mm
  • Gewicht: 203g
  • ISBN-13: 9783446200661
  • ISBN-10: 3446200665
  • Artikelnr.: 09812617
Autorenporträt
Martin Seel, 1954 in Ludwigshafen am Rhein geboren, studierte Germanistik, Philosophie und Geschichte in Marburg und Konstanz. Er lehrte in Hamburg und Gießen, seit 2004 ist er Professor für Philosophie an der Universität Frankfurt.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 12.08.2002

Selig, o selig, ein Spielkind zu sein
Von Zeit zu Zeit liest man das Kurze gern: Martin Seels Kolumnen

Was aus den Wochen übrigblieb - oder, wie es der Autor selbst ausdrückt, "Traktate in Pillenform" aus den letzten drei Jahren hat Martin Seel zu einem Buch zusammengestellt. In medizinischer Hinsicht bekommt man eine Packung von mittlerer Größe, vierundvierzig Verabreichungen, so daß bei der Einnahme von zweimal täglich einer Pille die Packung in drei Wochen aufgebraucht wäre. Ein Beipackzettel, der über die Dosierung sowie über Wirkungen, Nebenwirkungen und Gegenanzeigen informierte, liegt nicht vor.

Seels Kürzest-Traktate - die Texte sind in der Regel gut zwei bis knapp drei Seiten lang - verdanken ihren Ursprung meist Lektüren. So gesehen, könnte es sich um Rezensionen handeln, aber dazu sind sie, nach der selbstkritischen Einschätzung ihres Verfassers, "zu ungerecht" - zu kurz und deshalb zu wenig nuancierend. Es handle sich eher um "Reaktionen", das heißt wohl: um spontane Überlegungen zu einem Gedanken, unmittelbare Schlußfolgerungen, skizzierte Argumentations- und Gedankengänge. Veranlaßt waren die Stücke eher durch Zufall: durch Texte, Bücher und Aufsätze, die dem Autor "in die Quere gekommen" sind. Aber natürlich hat er das, was ihm auf den Schreibtisch kam, in bestimmter Perspektive wahrgenommen und, sei es bewußt, sei es unwillkürlich, ausgewählt. So lassen die Schwerpunkte der Sammlung Seels aus früheren systematischen Publikationen bekannte Interessen erkennen: vor allem Kunstphilosophie, Ästhetik einschließlich der Medientheorie, dann Ethik und schließlich auch Fragen der Sprachphilosophie, außerdem mehr oder weniger programmatische Selbsteinschätzungen des philosophischen Geschäfts.

Man liest die Miniaturen gern. Seel schreibt elegant, locker, gelegentlich mit umgangssprachlichen Wendungen kokettierend, und immer so, daß man sich auf seine Lese-Reaktionen einlassen mag. Dabei erfährt man unter anderem, warum ihm Donald Davidsons Gedanke einleuchtet, die Sprache sei eher ein Organ als ein Medium, warum ihn Hans Ulrich Gumbrechts Überlegungen zur "Schönheit des Mannschaftssports" faszinieren, während er Peter Sloterdijks Menschenparksplanung nicht mag; man lernt, weshalb Charles Larmore seinen Proust genauer hätte lesen sollen, weshalb Ursula Wolf recht haben könnte mit ihrer Warnung vor der Sehnsucht nach der Ganzheit des Lebens; man fühlt sich ermuntert, Ernst Tugendhats "Gedanken über den Tod" nachzulesen und sieht sich vor Martha Nussbaums moralischem Engagement gewarnt. Außerdem erfährt man etwas über "Magie und Macht der Widmungen", kann sich einer "kleinen Pronomenkunde" anvertrauen oder sich von Reflexionen zu den Stimulantien des intellektuellen Lebens nachdenklich machen lassen. All das in einem Band mit dem Titel "Vom Handwerk der Philosophie".

Mit dem Handwerk der Philosophie ist das sich im Schreiben artikulierende Denken gemeint, der Versuch, konsequente Gedankenentwicklung mit der nötigen Offenheit für andere Lösungen zu verbinden und so eine Erkundung dessen zu unternehmen, "wie wir uns in unserem Leben gegeben sind". Die Philosophie sei "ein begriffliches Experiment mit der Reichweite unserer Verständnisse, die uns in unserem Tun und Lassen leiten". Und das Handwerk der Philosophie ist dann die Durchführung dieses Experiments - immer wieder, nach den für die Philosophie geltenden Regeln des Könnens und so, daß dieses Können durch Erfahrung gefestigt wird.

Das leuchtet ein. Allerdings erschließt sich die Reichweite unserer Verständnisse nur, wenn wir an deren Grenzen geführt werden: Selbstverständlich gewordene Denk- und Redeweisen müssen sich als fragwürdig erweisen, damit sich das Verstehen an seinen jeweiligen Grenzen neu bilden und artikulieren kann. Es bedarf eines Abstands von der vertrauten und gegenwärtigen Welt, einer Denkweise und Sprache, die für das Denken und Sprechen herausfordernd ist und zu einer unbefangenen Beschreibung von Welt und Leben führen kann. Diese Herausforderung anzunehmen und auszutragen, das ist eigentlich das Handwerk der Philosophie.

Oder direkt gesagt: Philosophie vollzieht sich um ihrer Sache willen in der Auseinandersetzung mit Texten, die den jeweiligen Wertschätzungen des Tages enthoben sind, weil sie schon unzählige Male die Probe darauf bestanden haben, ob sich mit ihnen die Welt verstehen und beschreiben läßt - manche von ihnen schon zweieinhalbtausend Jahre lang. Verglichen mit ihnen, müssen die Texte der Gegenwart ihre Beständigkeit erst noch erweisen. Bestand gewinnen sie nur, wenn sie den Vorgaben der klassischen, das philosophische Denken tragenden Texte standhalten.

Noch anders verhält es sich mit den Einfällen zu gegenwärtigen Texten. Sie sind ephemer, "für den Tag" und vergehen mit ihm. Erst durch systematische Ausarbeitung könnten sie Dauer gewinnen und so bedeutsam werden, daß man auf sie zurückkommen mag. Das Ephemere hat dennoch Sinn und Berechtigung - an dem Tag, für den es gedacht ist, vielleicht noch wenige Tage darüber hinaus. So entspricht ihm auch der Kürzest-Traktat, die unmittelbare Reaktion des wachen philosophischen Lesers und Autors, während die Aufbewahrung in einem Buch bisweilen schon das Veralten, das "von gestern" dokumentiert. Der Gedankensplitter entspricht dem Ephemeren mehr als der Gedanke, der Zeit braucht, manchmal ein halbes oder gar ein ganzes Leben lang.

Das Ephemere gehört nicht zum "Handwerk der Philosophie". Mit Platon, auf den Seel sich bei seinen einschlägigen Überlegungen beruft, könnte man es eine paidiá nennen, ein Spiel und ein wenig auch eine Spielerei. Das ist nicht abwertend gemeint, nur einschränkend, und die Einschränkung hat einen positiven Sinn: Wo man sie macht, kann man das Spielerische in den ihm wesentlichen Möglichkeiten gelten lassen. So verstanden, gewinnen Seels Miniaturen noch, wenn man sie als das nehmen darf, was sie sind, statt an ihnen das Handwerk der Philosophie studieren zu sollen. Ein Spiel - ja dann . . .

GÜNTER FIGAL.

Martin Seel: "Vom Handwerk der Philosophie". 44 Kolumnen. Carl Hanser Verlag, München 2001. 168 S., br., 15,24 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Auf "gut zwei bis knapp drei Seiten" pro "Traktat" lässt uns Martin Seel wissen, was ihm zu dem einem oder anderen Philosophen oder Literaten durch den Kopf gegangen ist, und das in einer Form, die Günter Figal richtig gut gefällt. Seels 44 "Miniaturen" aus den letzten drei Jahren sind "elegant, locker" und "gelegentlich mit umgangssprachlichen Wendungen kokettierend", immer aber so, dass man sich auf diese Zeit-Kolumnen als Leser gerne einlässt, verspricht der Rezensent. Meist beruhten Seels Überlegungen auf gerade Gelesenem, wobei des Autors Interessen für Kunstphilosophie, Ästhetik, Ethik und Sprachphilosophie durchaus deutlich würden. Figal schlägt vor, diese kurzen Ausführungen eher als eine Art "Spielerei" zu begreifen, denn das "Handwerk der Philosophie" lasse sich hier nicht studieren. Dafür aber, meint der Rezensent, kann der Leser nach der Lektüre weiter philosophieren.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Der Philosoph Martin Seel kann, was viele Philosophen nicht können: über schwierige Probleme nicht nur verständlich, sondern auch leichthändig und elegant schreiben." Wolfgang Schneider, Die Welt