Gedicht, noch ohne Titel, für S. T. Coleridge - Wordsworth, William

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Erstmals und kongenial ins Deutsche übertragen: Wordsworths Hauptwerk, eines der großen Blankvers-Essays der Weltliteratur, beschreibt die geistige Entwicklung des Dichters und erhielt daher posthum den Titel "The Prelude, or Growth of a Poet's mind". Vergleichbar mit Rousseaus "Confessions" oder Moritz' "Anton Reiser" breitet Wordsworth darin eine autobiografische Erfahrungsseelenkunde aus, die sich in knapp 10.000 Versen mit poetologischen und philosophischen Raisonnements sowie mit einem Epochenportrait der Zeit von 1770 bis 1805 verschränkt. Die hier übersetzte Version aus dem Jahr 1805…mehr

Produktbeschreibung
Erstmals und kongenial ins Deutsche übertragen: Wordsworths Hauptwerk, eines der großen Blankvers-Essays der Weltliteratur, beschreibt die geistige Entwicklung des Dichters und erhielt daher posthum den Titel "The Prelude, or Growth of a Poet's mind". Vergleichbar mit Rousseaus "Confessions" oder Moritz' "Anton Reiser" breitet Wordsworth darin eine autobiografische Erfahrungsseelenkunde aus, die sich in knapp 10.000 Versen mit poetologischen und philosophischen Raisonnements sowie mit einem Epochenportrait der Zeit von 1770 bis 1805 verschränkt. Die hier übersetzte Version aus dem Jahr 1805 unterscheidet sich fundamental von der 45 Jahre lang revidierten und umgeschriebenen Fassung von 1850. Hinreißend schwärmerisch, dem Himmel und den Künsten zugewandt, erweist sich der junge Wordsworth als einer der ganz großen Sehnenden der Weltliteratur.
  • Produktdetails
  • Verlag: Matthes & Seitz Berlin
  • Seitenzahl: 384
  • 2015
  • Ausstattung/Bilder: 2015. 378 S. 220 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 222mm x 147mm x 33mm
  • Gewicht: 580g
  • ISBN-13: 9783957570857
  • ISBN-10: 3957570859
  • Best.Nr.: 41902336
Autorenporträt
Wolfgang Schlüter, geb. 1948, lebt als freier Übersetzer und Autor in Berlin. Er hat u. a. einen Band mit englischer Lyrik, John Aubrey, William Cowper, T. H. Lawrence und Christopher Marlowes sämtliche Dramen ins Deutsche übersetzt.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Mächtig und seltsam nennt Thomas Steinfeld William Wordsworth lyrisches Großwerk "The Prelude", ein Langgedicht über das Werden des Dichters, länger als alle anderen Gedichte in englischer Sprache und dennoch nicht abgeschlossen. Bisher gab es nur die deutsche Übertragung von Hermann Fischer aus dem Jahr 1974, und weil zu deren Stärke nicht unbedingt Kürze und Präganz zählten, waren bei Steinfeld die Erwartungen an Wolfgang Schlüters neuen Versuch groß. Doch auch mit dieser ist der Rezensent nicht ganz glücklich. Schlüter neige zu einem "altertümelnden Prunk", moniert Steinfeld. Die Verschiebung in der Stilhöhe erklärt sich Steinfeld mit den Unterschieden in der deutschen und englischen Romantik, doch seien die beiden nicht wirklich parallele Veranstaltungen gewesen. Die englische Romantik war viel moderner, wacher, abenteuerlicher, betont Steinfeld, der dennoch die Wordsworth-Lektüre nur jedem Leser ans Herz legen kann - zur Sicherheit mit Original.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 17.02.2016
„Nach Gutem sucht ich im vertrauten Lebensantlitz“
Wolfgang Schlüter hat „The Prelude“ von William Wordsworth neu übersetzt – er romantisiert die englische Romantik
Anfang Oktober 1798 kam der englische Dichter William Wordsworth nach Goslar, begleitet von seiner Schwester Dorothy. Eigentlich hatte er Deutsch lernen wollen, der idealistischen Philosophie wegen. Aber es wurde nicht viel aus diesem Vorhaben. Die gelehrten Bücher fehlten. Doch wurde es so kalt in diesem Winter, dass an eine Weiterreise kaum zu denken war. Festgehalten in einer vom Schnee eingeschlossenen Kleinstadt, keineswegs froh gestimmt, entwarf William Wordsworth in den folgenden Monaten nicht nur eine Reihe kleinerer lyrischer Arbeiten, sondern auch das Konzept eines Gedichts, das länger werden sollte als alle Gedichte, die je in englischer Sprache verfasst wurden.
  Ein Gedicht über das eigene Leben sollte es werden, und vor allem: ein Gedicht über das eigene Werden zum Dichter. Das Vorhaben begleitete ihn bis zu seinem Lebensende ein halbes Jahrhundert später und blieb unabgeschlossen. Das „Prelude“ aber gibt es, gleichsam als „Vorhalle“ eines Riesenbaus, dessen Konturen am Horizont verschwimmen. Es wurde erst nach Wordsworths Tod im Jahr 1850 veröffentlicht, wurde dann aber zu einem der bekanntesten Werke englischer Lyrik überhaupt.
  In dreizehn (in der Fassung des Jahres 1805), später in vierzehn „Büchern“ berichtet William Wordsworth in diesem Langgedicht von seiner allmählichen Berufung zum Dichter, in Blankvers, dem Standardversmaß nicht nur der englischen Dramen, sondern auch der Gedankenlyrik. Er erinnert sich dabei an sein Leben in Stationen, von Kindheit und Schulzeit bis zu den Jahren als Student an der Universität Cambridge, zu den Reisen durch England und über die Alpen, zur Lektüre des „Don Quijote“ und des „Verlorenen Paradieses“; vor allem aber erinnert er sich an seine Zeit in Paris.
  Nicht um Volksherrschaft und Gleichheit sei es nach der Französischen Revolution gegangen, nicht „wilder Glaube“, von „falschen Philosophen“ verbreitet, hätte so viel Leid unter die Menschen gebracht. Vielmehr sei es so gewesen, dass „ein Reservoir aus Unwissen / und Schuld, das, von Epoche zu Epoche angestaut, / nicht länger halten konnte seine ekle Last, sondern / zerbarst und sich in Fluten übers Land ergoß“. Diese Erfahrung wird Anlass zum Rückzug in die heimischen Regionen des Lake District und zur lyrischen Reflexion: „Nach Gutem sucht ich im vertrauten Lebensantlitz: / darauf baut ich mein Hoffen auf ein künftig Gutes“ – wobei es zur physiognomischen Herangehensweise gehört, dass William Wordsworth seine lyrische Erzählung als lange Abfolge von bildlichen Szenen aufbaut.
  Ins Deutsche haben William Wordsworths Gedichte nur mit Mühe gefunden. Das „Präludium“ ist (in der Fassung von 1850) auf Deutsch und vollständig zum ersten Mal im Jahr 1974 in der Übersetzung Hermann Fischers im Reclam-Verlag erschienen. Wolfgang Schlüter, der Übersetzer John Aubreys und Christopher Marlowes, hat nun eine zweite Übertragung vorgelegt, und zwar auf Grundlage der früheren Fassung, die erst 1926 publiziert worden war. Es komme, so erklärt er im Nachwort, bei der Übersetzung des Gedichts wesentlich darauf an, das „Pointierte“ des Originals, seine Kürze und Prägnanz, zu bewahren. Diesem Erfordernis sei Hermann Fischer nicht gerecht geworden, als er sich gestattete, zuweilen zwei deutsche Zeilen zu schreiben, wo im Englischen nur eine stehe, der größeren Silbenzahl des Deutschen wegen. So sei ein „Element des Betulichen“ in das Gedicht geraten. Tatsächlich gehen die Verse im Englischen eher flott dahin, und bunt sind sie im schnellen Wechsel der Szenen und Themen.
  Doch wie so oft wird die Behebung eines Mangels durch das Hinzutreten eines anderen erkauft: Wolfgang Schlüters Übersetzung neigt immer wieder zu einem altertümelnden Prunk, der dem Original fremd ist: „Ye motions of delight, that through the fields / Stir gently, breezes and soft airs that breathe / The breath of paradise, and find your way /To the recesses of the soul . . . “, schreibt Wordsworth. Der Übersetzer nimmt sich große Freiheiten: „Ihr Freudensregungen, die ihr die Felder / sacht wogen laßt, Zephyre, laue Lüfte! Die ihr / des Paradieses Odem haucht und euren Weg bis in / der Seele tiefste Gründe findet . . . “ Der Zephyr ist hinzugekommen, der Odem auch, und wo der Wind die Felder im Englischen nur bewegt, hat er im Deutschen Eichendorff gelesen: „Die Luft ging durch die Felder, / Die Ähren wogten sacht“, heißt es in „Mondnacht“ aus dem Jahr 1835.
  William Wordsworth sei ein gelehrter Mann gewesen, verteidigt sich der Übersetzer, zudem sei das Gedicht an einen ebenso gelehrten Freund gerichtet, nämlich an Samuel Taylor Coleridge (der Wordsworth und seine Schwester auf Teilen ihrer Deutschlandreise begleitet hatte). Doch wird der Grund für diese Verschiebungen in der Stilhöhe ein anderer, doppelter sein: Er liegt zum einen darin, dass deutsche und englische Romantik alles andere als parallele Veranstaltungen sind (und England um das Jahr 1805 eine wesentlich modernere Gesellschaft ist), Wolfgang Schlüter aber das Romantische unter deutschen Voraussetzungen hervortreten lassen will. Es liegt zum anderen daran, dass der Übersetzer die Entfernung kenntlich machen will, die Wordsworth von seinem heutigen Leser trennt: Er soll nicht glauben, er bewege sich in vertrauten Verhältnissen. Deswegen romantisiert er die englische Romantik, projiziert den englischen Text in ein älteres, gebildeteres Deutsch – und flicht zuweilen Modernismen wie „Revolutionstourist“ und „Megacity“ ein.
  Manchmal entgeht ihm indessen aus demselben Grund eine Pointe – zum Beispiel, wenn sich der Dichter darüber lustig macht, in welcher Tracht er als junger Mann durch Cambridge lief: „ . . . attired / In splendid clothes, with hose of silk, and hair / Glittering like rimy trees when frost is keen“. Daraus wird: „ . . . gewandet / in feines Tuch, mit Seidenhose, und das Haar / wie Baumrinde im Rauhreif schimmernd“. Durch das Hinzufügen der „Rinde“ verschiebt sich der Fokus des Verses: Es geht nunmehr um eine Farbe und eine Struktur. Dabei kommt es auf den „Reif“ an. In der Übersetzung wird nicht mehr deutlich, dass der Dichter an dieser Stelle keineswegs von sich selber schwärmt, sondern sich über die Seidenhosen und gepuderten Perücken seiner Jugend lustig macht.
  Ein mächtiges, seltsames Gebilde ist dieses lyrische Großwerk, eine Mischung aus Versepistel und Epos, in die Natur und in die Dichtung verliebt und doch auf immer wieder überraschende Weise wach, abenteuerlich, zeitgemäß und sogar modern. Wer sich darauf einlässt, wird sein Vergnügen finden – er sollte aber, um der eigenen Orientierung willen, eine Ausgabe des englischen Originals neben die Übersetzung legen, welche immer er benutzen mag.
THOMAS STEINFELD
William Wordsworth: Gedicht, noch ohne Titel, für S. T. Coleridge (The 1805 Prelude). Aus dem Englischen übersetzt und herausgegeben von Wolfgang Schlüter. Matthes & Seitz Verlag, Berlin 2015. 380 Seiten, 39,90 Euro.
Die Verse gehen im Englischen
eher flott dahin, schnell wechseln
Szenen und Themen
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"Ein mächtiges, seltsames Gebilde ist dieses lyrische Großwerk, eine Mischung aus Versepistel und Epos, in die Natur und in die Dichtung verliebt und doch auf immer wieder überraschende Weise wach, abenteuerlich, zeitgemäß und sogar modern. Wer sich darauf einlässt, wird sein Vergüngen finden." - Thomas Steinfeld, Süddeutsche Zeitung, Februar 2016., Süddeutsche Zeitung, Thomas Steinfeld, 07.02.2016 20160225