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Der Salpetersiedlung Coya Sur in der chilenischen Atacama-Wüste steht das Ende bevor; die Mine schließt, und die Siedlung wird aufgegeben. Doch ehe es soweit ist, muss noch das Fußballspiel gegen den Nachbarort María Elena gewonnen werden. Die allerletzte Chance, den Erzrivalen nach Jahren schmachvoller Niederlagen endlich zu schlagen. Die Wetten könnten kaum schlechter stehen, aber dann taucht im Ort ein Mann auf, der mit seinen Fähigkeiten am Ball alles möglich erscheinen lässt. »Der Traumkicker« ist ein Roman über Freundschaft und Verlust und die komischen Seiten der Tragik. Eine bunte…mehr

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Produktbeschreibung
Der Salpetersiedlung Coya Sur in der chilenischen Atacama-Wüste steht das Ende bevor; die Mine schließt, und die Siedlung wird aufgegeben. Doch ehe es soweit ist, muss noch das Fußballspiel gegen den Nachbarort María Elena gewonnen werden. Die allerletzte Chance, den Erzrivalen nach Jahren schmachvoller Niederlagen endlich zu schlagen. Die Wetten könnten kaum schlechter stehen, aber dann taucht im Ort ein Mann auf, der mit seinen Fähigkeiten am Ball alles möglich erscheinen lässt. »Der Traumkicker« ist ein Roman über Freundschaft und Verlust und die komischen Seiten der Tragik. Eine bunte Truppe fußballbesessener Männer und Frauen stemmt sich gegen die Tristesse des Faktischen und kämpft mit charmantem Einfallsreichtum für die Verwirklichung ihres Traums.

Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in A, D, F, GB, L ausgeliefert werden.

  • Produktdetails
  • Verlag: Insel Verlag
  • Seitenzahl: 207
  • Erscheinungstermin: 13.02.2012
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783458766407
  • Artikelnr.: 37091271
Autorenporträt
<p>Hernán Rivera Letelier, 1950 in Talca/Südchile geboren, kam als Kind in die Atacamawüste im Norden. Als Heranwachsender besuchte er als einziger die Werksbibliothek der Minensiedlung und begann mit einundzwanzig, buchstäblich aus Hunger, mit dem Schreiben: Ein Radioprogramm lobte als ersten Preis für das beste Gedicht ein Abendessen in einem feinen Restaurant aus. Er schrieb ein vierseitiges Liebesgedicht und gewann prompt. Heute gehört er zu den meistgelesenen Autoren der spanischsprachigen Welt.</p>
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Reinhard Helling findet Hernán Rivera Leteliers Roman "Der Traumkicker" großartig. Der Autor fange - wie schon in seinen vorherigen Büchern - mit großer Empathie die besonderen Lebensumstände in den Salpeterstädten der chilenischen Provinz ein. In diesem Roman erzähle der Autor die Geschichte einiger Arbeiter, die hauptsächlich eines im Kopf haben: ihre Fußballmannschaft. Trainiert werden sie vom Verkäufer aus dem Minenladen, die Spielfeldmarkierungen werden mit Salpeter gezogen, der Gewerkschaftsführer ist der selbsternannte Mannschaftsberater - das erklärte Ziel aller: die Mannschaft aus dem Nachbarort zu besiegen. Den Unterschied soll dieses Mal der fremde Traumkicker Expedito Gonzáles machen, berichtet der Rezensent. Helling lobt, dass der Autor neben dem Fußball nie das soziale Gefüge aus den Augen verliere, so etwa die Probleme, die sich aus der Schließung der Minen für die Mannschaft ergeben. Der Übersetzerin Svenja Becker ist er dankbar dafür, dass sie sich nicht gescheut hat, die häufig derbe Sprache der Arbeiter ins Deutsche zu übertragen.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 23.04.2012
Das Wunder von Coya Sur
In seinem Roman „Der Traumkicker“ erzählt Hernán Rivera Letelier von den Minenarbeitern der chilenischen Wüste
Die Atacama-Wüste, behaupten Chilenen, sei die gnadenloseste der Welt. Diese Worte stammen von Roberto Bolaño, der sich gern lustig machte über seine Landsleute und ihren Hang zur Übertreibung. Aber so ganz geht diese Rede heute, nach dem „Wunder von San José“, nicht mehr durch. Denn das berühmte Drama um die 33 verschütteten Bergarbeiter ist glimpflich ausgegangen. Die Wüste zeigte sich gnädig, und so konnten die Kumpel nach 69 Tagen durch einen eigens gebohrten Rettungsschacht nach oben geholt werden. In einer Kapsel, Mann für Mann. Der Tag der Bergung fiel auf den 13.10.10. Und weil in jedem Lateinamerikaner ein Mystiker steckt, übersahen sie nicht, dass die Quersumme des Datums die Zahl der geretteten Leben ergab: 33.
In der Einöde der Atacama-Wüste spielen die Romane von Hernán Rivera Letelier: „Die Filmerzählerin“, letztes Jahr auf Deutsch erschienen, und „Der Traumkicker“. Letelier kennt das Leben in den trostlosen Minensiedlungen; er kennt Hitze, Dreck, Armut, aber auch die süßen Begierden nach Sex und Alkohol; und er kennt die Sprache des Milieus, das Direkte, das Zotige, das Geschmunzel über unverwüstliche Klischees. Erinnert man sich an die Filmaufnahmen aus dem feuchtheißen Verließ der 33, mehr als sechshundert Meter unter dem Boden, an die Briefe und Notizen, die sie nach oben geschickt haben, dann kann man sich gut vorstellen, dass Letelier irgendwann den Großroman der 33 schreiben wird. „Doktor“, kritzelte einer der Verschütteten an den Psychologen, „ich war noch nie so lange Zeit in einer mina. Ihr Freund im Berg, der unter vorzeitigem Samenerguss leidet.“ Mina steht für Mine, im Chilenischen aber auch für Frau.
Letelier wurde 1950 im südchilenischen Talca geboren. Schon als Kind kam er in eine Bergbausiedlung im Norden, in die Atacama-Wüste. Nachdem die Mine geschlossen wurde, zog die Familie nach Antofagasta am Pazifik. Nach dem Tod der Mutter, heißt es, wurden die Kinder auf Tanten verteilt. Letelier blieb allein in der Stadt und musste sich irgendwie durchschlagen. In Abendkursen machte er seinen Schulabschluss. Gern erzählt er, dass er als Jugendlicher der Einzige war, der in die Werksbibliothek der Minensiedlung ging. Und dass er mit einem kleinen Gedicht den ersten Preis eines Wettbewerbs gewann: ein Abendessen in einem feinen Restaurant. Heute hat er zwar immer noch lockiges Haar, aber sein Gesicht trägt tiefe Furchen, „die Kartographie der Wüste“, wie er selber sagt. „Man muss mein Gesicht nur anschauen, dann sieht man gleich, dass ich kein Intellektueller bin.“ Im chilenischen Fernsehen fällt der Satz: „Die Wüste hat mich zum Schriftsteller gemacht.“
„Die Filmerzählerin“ handelt von einem zehnjährigen Mädchen, das über das sagenhafte Talent verfügt, Filme nachzuerzählen, teils auch nachzuspielen. Ihre Stube ist gerammelt voll, weil sich viele das Kino nicht leisten können. Erst als die ersten Fernsehgeräte in die Siedlung kommen, büßt die Filmerzählerin ihr Publikum ein. Bereits in diesem Roman ist die Tristesse, wie sie in der gnadenlosesten aller Wüsten herrscht, zu spüren, ebenso wie das Aufbegehren dagegen. Wer aufbegehrt, geht ins Kino, bevorzugt in mexikanische Schmonzetten, oder er geht zum Fußball. „Fußball war das andere, was die Leute vor dem Überdruss der Einöde bewahrte.“
Dieses andere greift Letelier nun im „Traumkicker“ auf, und zwar, indem er das Spiel ironisch zum größten Spiel aller Zeiten verklärt. Die eine Siedlung spielt gegen die andere, Coya Sur gegen María Elena, ein Lokalderby, wobei Coya Sur seit je schmachvoll unterlegen war, noch dazu nichts mehr zu erhoffen hat als diesen Sieg. Denn die Mine soll geschlossen, die Siedlung geschleift werden. Und selbst wenn es ein gnadenloses Leben ist, so wird es doch ihr Leben gewesen sein, das Leben der ersten scheuen Küsse, der Ehen und der Liebschaften, der Freunde und des gemeinsamen Trinkens. Nichts davon wird überdauern – „aus Gründen der Kostenersparnis, wie ihre schwarzberockten, geiergesichtigen Anwälte behaupteten“.
Der Psychologe der Verschütteten kratzte 2010 allenfalls behutsam am Heldenepos. Nein, ohne Konflikte gehe es da unten nicht zu. Eine kleine Gruppe, die für eine Fremdfirma arbeite, habe sich abgespalten. Zudem kollidierten auch hier, wie überall, unterschiedliche Meinungen. Zum Beispiel beim Fußball. In Chile seien sie entweder für Colo Colo oder für Universidad de Chile, die großen Vereine. Unter normalen Umständen gingen sich die Fans aus dem Weg. Nicht so, wenn der Weg versperrt sei. Dass sich der ehemalige Profifussballer Franklin Lobos unter ihnen befinde, mache die Sache nicht einfacher. „Machen wir uns nichts vor, das sind einfache, hart arbeitende Bergleute. Leute, die nie in meine Praxis kommen würden.“
„Die Filmerzählerin“ war ein melancholischer Roman, „Der Traumkicker“ ist ein satirischer, kämpferischer. Aber da wie dort geht es um Selbstbehauptung. Wir sind, was wir sind, auch wenn ihr uns morgen vergessen habt. Von einem Traumkicker wird Übermenschliches erwartet. Doch bald entpuppt sich diese Erwartung als Illusion. Vergeblich haben sie ihn, der unverhofft, wie eine Lichtgestalt, in Coya Sur erschien, umgarnt und gepäppelt. Zwar kann er mit dem Ball eine Reihe von Kunststücken vorführen, Kopf, Schulter, Brust, Knie, aber spielen kann er nicht. Denn die Schmerzen wären unerträglich. Der Traumkicker leidet an einem monströs gebrochenen, violett verfärbten Hoden. Nur solange er nicht auf den Platz muss, beherrscht er den Ball wie kein anderer. Er macht Eindruck, mehr nicht. Trotzdem setzen sie ihn, mit bösen Folgen, im Spiel gegen die Nachbarn ein. Den entscheidenden Treffer erzielt ein Einheimischer, der junge Tuny, der in der Nacht zuvor sein Mädchen entjungfert hat. Leicht und präzise, fast traumwandlerisch, befördert er den Ball ins Tor.
Coya Sur aber ist dem Verfall preisgegeben. Die Siedlung, wo sie mit Salpeter die Linien des Fussballplatzes nachgezogen haben, wird eine Geistersiedlung werden, „eine von ungezählten, die es in dem tausend Kilometer langen Wüstenstreifen schon gab“, ehe sie vollständig von der Landkarte verschwindet.
Schade. Besonders schade aber ist es um den Dorfdepp. Er heißt Cachimoco Farfán und ist, wie sie einander zuraunen, an seinem Medizinstudium irregeworden. Gleichwohl mimt er den schnellsten Sportreporter weit und breit, spricht in eine Blechbüchse und schildert, was sich auf dem Platz tut, vermengt mit Tratsch und medizinischem Kauderwelsch. Der „Sender seines Irrsinns“ streut also tatsächlich Informationen. Anstatt dass Farfán, wie ein herkömmlicher Wahnsinniger, Stimmen hören würde, posaunt er Stimmen in die Welt. Seine Kommentare ziehen sich durch das ganze Buch.
Auch bei den 33 gab es einen, der dieser Rolle gewachsen war. Er galt als Entertainer der Unterwelt. Und zögerte nicht, „eine Botschaft an das ganze chilenische Volk“ zu vermitteln: „Wir sind nicht mehr die Kumpel von vor 150 Jahren, heute sind wir gebildet und vorzeigbar.“
RALPH HAMMERTHALER
HERNÁN RIVERA LETELIER: Der Traumkicker. Roman. Aus dem Spanischen von Svenja Becker. Insel Verlag, Berlin 2012. 207 Seiten, 17,95 Euro.
Cachimoco Farfán macht
eine Blechbüchse zum
„Sender seines Irrsinns“
Die Welt des Autors Hernán Letelier: Ein Altar in der chilenischen Wüste Atacama, errichtet für die auf der Straße zu Tode Gekommenen Foto: AFP /Ariel Marinkovic
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Besprechung von 19.07.2012
Elf Freunde sind nicht genug

In Hernán Rivera Leteliers wunderbarem Roman "Der Traumkicker" kämpft eine Fußballmannschaft aus der chilenischen Provinz für die Ehre und gegen den sozialen Absturz.

Das "Wir", das in Hernán Rivera Leteliers Roman "Der Traumkicker" das Wort ergreift, ist kein Pluralis majestatis, sondern die gebündelte Stimme einer Fußballmannschaft, genauer der Elf aus der Siedlung Coya Sur. Der Fußball ist für die Weiß-Gelben eine heilige Sache und manchmal wichtiger als die Arbeit in der Salpetersiedlung im hohen Norden Chiles.

Don Silvestre Pareto etwa, der im Auftrag der Abteilung für Soziales in den sechs Straßen der Siedlung streunende Hunde mit Strychnin-Hackbällchen vergiftet, ist für die wichtigen Spielfeldmarkierungen zuständig, die er auf dem Wüstenboden mit Salpeter, dem "weißen Gold", ausbringt. Trainiert wird die Truppe von Don Agapito Sánchez, dem Verkäufer im Minenladen. Und der Gewerkschaftsführer Pata Pata versucht als selbsternannter Mannschaftsberater, eine Strategie gegen den Rivalen aus der Nachbarsiedlung zu entwickeln.

Der Wettstreit mit den Schwarz-Orangefarbenen aus María Elena besteht seit Ewigkeiten, und fast immer waren die "Aasfresser" (so genannt, weil sich in Coya Sur der Friedhof befindet) allein wegen der lausigen Infrastruktur ihrer Siedlung den "Staubfressern" (in María Elena stehen die Mühlen für Rohsalpeter) unterlegen. Jetzt, Anfang der achtziger Jahre, wo die Salpetermine geschlossen werden soll und das letzte Spiel auf heimischem Platz ansteht, sind die Arbeiter entschlossen, sich mit allen (auch unsportlichen) Mitteln gegen die Schmach der letzten Jahre zu stemmen - und gegen den Beschluss der Minenbetreiber.

In der Person von Expedito González taucht unerwartet ein Hoffnungsschimmer am Horizont der Atacamawüste auf: Der geheimnisvolle Mann auf der Durchreise verzaubert die Männer mit unglaublichen Ballkünsten, ziert sich aber, ihr weiß-gelbes Trikot überzuziehen. Dafür hat er gute Gründe, von denen wir allerdings erst später erfahren werden. Als selbst Bestechungsgeschenke ihn nicht zum Bleiben bewegen können, verfällt Tuny Robledo, der Intellektuelle des Teams, auf einen Trick: Er spricht Expedito González' nostalgische Ader an, indem er behauptet, der legendäre Nationalspieler Manuel "Lito" Contreras sei aus Coya Sur. Er könne sogar dessen Grab sehen. Gesagt, getan - schon ist der "Traumkicker" beim entscheidenden Spiel dabei.

In Ergänzung zum heißen Lokalderby "Staubfresser" gegen "Aasfresser", das Rivera Letelier als Aufhänger dient, um einmal mehr Glanz und Elend einer zum Sterben verurteilten Salpetersiedlung in kraftvolle Bilder zu packen, bekommen wir eine kleine Geschichte des chilenischen Fußballs präsentiert. Spiele wie die als "Schlacht von Santiago" in die Fußball-Annalen eingegangene Begegnung zwischen Chile und Italien am 2. Juni 1962 finden ebenso Erwähnung wie der tragische Absturz eines Flugzeugs in den Anden am 3. April 1961, in dem die Mannschaft des Hauptstadt-Proficlubs Green Cross saß.

Eine exponierte Stellung gegenüber dem "Wir" der Elf gewährt der Autor nur Cachimoco Farfán, dem "schnellsten Reporter der Salpeterwüste", der während seines Medizinstudiums den Verstand verlor, weshalb seine in eine verbeulte Milchbüchse gehechelten Live-Übertragungen, die jedes der sieben Kapitel beschließen, von medizinischen Fachausdrücken nur so wimmeln. Farfán kommentiert neben dem Spielgeschehen auch das allgemeine Miteinander in Coya Sur.

In der Siedlung geht es rauh zu; auf dem Fußballplatz sowieso, aber auch bei den Gewerkschaftstreffen und im "Rancho Huachipato", der einzigen Pinte, wo die heimlichen Liebesaktivitäten der Männer durchgehechelt werden - "das Bohnern und Hörnen, Stippen in Nachbars Tunke, Schürfen in fremden Minen". Rivera Letelier beschönigt nicht, dass die Befriedigung der Fleischeslust neben der Arbeit und dem Fußball hier zu den wichtigsten Sachen gehört. Männer wie Frauen sind in dieser feindlichen Umgebung aufeinander angewiesen und doch oder gerade deswegen jederzeit zu Seitensprüngen bereit. Die auf lateinamerikanische Literatur spezialisierte Übersetzerin Svenja Becker hat keine Hemmungen, die gelegentlichen Derbheiten in aller Klarheit ins Deutsche zu übertragen.

Der vielfach ausgezeichnete, im südchilenischen Talca geborene Autor, der heute mit seiner Frau und vier Kindern in Antofagasta lebt, ist kein Nostalgiker, eher ein gnadenlos leidenschaftlicher Chronist einer untergegangenen Kultur und auf ewig der Atacamawüste verfallen, deren Bodenschätze dem schmalen Land einst Reichtum bescherten. Der heute einundsechzig Jahre alte Letelier, der zwei Jahrzehnte lang malochender Teil der von ihm beschriebenen Welt war, begann als Lyriker. Erst 1994 debütierte er mit "La reina Isabel cantaba rancheras" (Lobgesang auf eine Hure) als Romancier.

Bis heute folgten ein Dutzend Romane, darunter "Die Filmerzählerin" (F.A.Z. vom 15. August 2011) und nun endlich "El fantasista" aus dem Jahr 2006. Für den bisher nicht übersetzten Roman "El arte de la resurrección" (Die Kunst der Wiederauferstehung), in dem ein Wanderprediger in der Atacamawüste "die Steine zum Weinen bringt", wie eine spanische Zeitung schrieb, bekam Rivera Letelier 2010 den hochdotierten Alfaguara-Literaturpreis zuerkannt.

All seinen Büchern gemeinsam ist neben der Liebe zur Wüste die Empathie, die Rivera Letelier seinen Figuren entgegenbringt. Wie kein Zweiter seiner Landsleute - weder Ariel Dorfman noch Krimiautor Roberto Ampuero kann ihm das Wasser reichen - erfasst der Sohn eines Predigers, der als Kind mit der Bibel unterm Kopfkissen schlief, die lebensfeindliche Region in all ihren Dimensionen: der unerbittlichen Hitze, dem Diktat des Wetters, dem wirtschaftlichen Niedergang und den menschlichen Tragödien, die unvermeidbar sind, wenn aus halbwegs lebendigen Siedlungen Geisterstädte werden.

REINHARD HELLING

Hernán Rivera Letelier: "Der Traumkicker". Roman.

Aus dem Spanischen von Svenja Becker. Insel Verlag, Berlin 2012. 207 S., geb., 17,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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»Der Traumkicker gehört zu den seltenen Romanen, die höchst vergnüglich zu lesen sind, ohne belanglos zu sein.«