Portrait eines glücklichen Menschen - Orsenna, Érik
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"Sie sind ein glücklicher Mensch, Le Nôtre."
Ludwig XIV
In dieser charmanten Miniatur über den Gartenarchitekten Ludwigs XIV. führt uns der Romancier Érik Orsenna mit großem Einfühlungsvermögen und voller Poesie ein in die atemberaubende Kunst André Le Nôtres, der Versailles zu einem der berühmtesten Gärten der Welt gestaltet hat.
In knappen impressionistischen Kapiteln schildert Orsenna die Leidenschaft des "grand siècle" für Ordnung und überraschende Fluchtlinien, für strenge Methoden und hochsteigende Illusionen, die den Hintergrund für die Entwürfe und die Gestaltung der Anlagen
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Produktbeschreibung
"Sie sind ein glücklicher Mensch, Le Nôtre."

Ludwig XIV

In dieser charmanten Miniatur über den Gartenarchitekten Ludwigs XIV. führt uns der Romancier Érik Orsenna mit großem Einfühlungsvermögen und voller Poesie ein in die atemberaubende Kunst André Le Nôtres, der Versailles zu einem der berühmtesten Gärten der Welt gestaltet hat.

In knappen impressionistischen Kapiteln schildert Orsenna die Leidenschaft des "grand siècle" für Ordnung und überraschende Fluchtlinien, für strenge Methoden und hochsteigende Illusionen, die den Hintergrund für die Entwürfe und die Gestaltung der Anlagen bilden und seinem Bedürfnis nach Perspektive entgegenkamen.

Er öffnet uns die Augen für subtile und mutwillige Phantasien, die dem ahnungslosen Besucher der Gärten verborgen bleiben: "Optische Liebenswürdigkeiten", "die Linienführung der Mauern, die Reihung der Bäume, die mitten im Hochwald ausgesparten Freiräume für ein Stück Himmel oder Wasser". Jeder Spaziergang dort wird so zu "einer beschaulichen Jagd nach Glück".
  • Produktdetails
  • Verlag: Beck
  • Originaltitel: Portrait d'un homme heureux. André le Notre, 1613 - 1700
  • 5. Aufl.
  • Seitenzahl: 144
  • Erscheinungstermin: Februar 2002
  • Deutsch
  • Abmessung: 208mm x 131mm x 17mm
  • Gewicht: 240g
  • ISBN-13: 9783406489815
  • ISBN-10: 3406489818
  • Artikelnr.: 10223268
Autorenporträt
Érik Orsenna, geb. 1947, veröffentlichte eine Reihe von Romanen. Für "La vie comme Lausanne" erhielt er 1978 den Prix Roger Nimier, sein großes Opus "L'Exposition coloniale" wurde 1988 mit dem Prix Concourt ausgezeichnet. Seit 1998 ist Orsenna Mitglied der Academie Francaise in der Nachfolge von Jacques Yves Cousteau.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

"Gute Noten bekommt diese Versailles-Darstellung von Rezensent H.E.R.. Der Romancier Erik Orsenna widerlege mit "Detailkenntnis und Einfühlungsvermögen" viele Allerweltsvorurteile über Versailles. In knappen, impressionistischen Kapiteln führe er in die große Gartenkunst von André LeNotre ein, öffne die Augen für die subtilen, fantasievollen Spielereien unter den scheinbar asketisch strengen Formen. Orsenna hat den Rezensenten auch mit der Darstellung der schwierigen Bewässerung des Parks überrascht und mit einem Bericht von der drei Jahrzehnte dauernden Freundschaft zwischen dem Sonnenkönig und seinem Gärtner.

© Perlentaucher Medien GmbH"

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 20.03.2002

Ein Glück wohnt in den Blumen
So schön kann doch Natur nicht sein: Erik Orsenna erinnert an den Gärtner des Sonnenkönigs
Konrad Adenauer war auch als der Rosenzüchter von Rhöndorf bekannt. Naturschönheit spielte in sein Leben hinein. Doch selbst Blumen markieren den Unterschied zwischen einem modernen rechtstaatlichen Politiker in unserer kleinbürgerlichen Welt und unumschränkten Herrschern vergangener Zeiten. „Ludwig XIV. liebte Blumen; überall und in allen Arten ließ er sie pflanzen, Veilchen, Rosen, Hyazinthen, Jasmin, Tuberosen, endlich Tulpen, auf die er wie versessen war. Ein Engländer spricht davon, man habe in vier Jahren 18 Millionen Tulpenzwiebeln aus Holland eingeführt.” Blütenträume von Versailles, dem Palast, dem der Historiker Pierre Gaxotte im selben Atemzug bescheinigt: „Es ist das vollendetste Kunstwerk, das die moderne Welt geschaffen hat.”
Küss mich, holde Tulpe
Glückliches Frankreich, das sich noch immer hinter einem eitlen, maßlosen, jedoch vollendet stilsicheren Potentaten scharen kann, dem Sonnenkönig, Ludwig XIV. Ihm und seinem Gärtner André Le Nôtre hat der Schriftsteller Érik Orsenna, einer der Unsterblichen der Académie Française, ein bezauberndes Buch gewidmet. „Fünfunddreißig Jahre lang beugen sich der Monarch und sein Gärtner gemeinsam über die Pläne, schreiten Seite an Seite die Alleen ab, diskutieren endlos über Bäume und Blumenparterre, machen bei Einbruch der Nacht am Rande einer der Terrassen Halt und betrachten schweigend die Perspektiven, die sie gemeinsam eröffnet haben.”
Orsennas Hommage an den unbestrittenen Meister-Dompteur des natürlichen Chaos, an André Le Nôtre, gleicht einer chinesischen Tuschzeichnung. In kurzen Kapiteln erscheinen Feen, die die Geburt des Landschaftsarchitekten zwischen den Tuilerien und Pariser Mansarden beschirmen. Gespräche zwischen dem Künstler und seinem Auftraggeber werden nachempfunden. Die Philosophie Descartes’ mit ihrer Machtergreifung der Vernunft gehen in die Park-Choreografie über: „Die Geheimnisse sind noch nicht alle gelüftet. .. Vielleicht beglückt Le Nôtre uns gerade deswegen, weil hier ständig verhandelt wird zwischen Geometrie und Geografie... Zwischen dem Rausch, alles zu bestimmen und der Wonne, sich hinzugeben.”
Le Nôtre wurde 1613 geboren. Seine Vorfahren hatten seit je für die französischen Könige Blumenrabatten gepflanzt und Lustlabyrinthe entworfen. André Le Nôtre hinterließ kaum schriftliche Selbstzeugnisse. Aber er wird sich zeitlebens eher als oberster grüner Handwerker Frankreichs denn als bahnbrechender Landschaftsgestalter empfunden haben. Sein Gemüt war ausgeglichen, er war bis in sein Todesjahr 1700 so mit Fontänen, Spiegelrondellen und Heckenmäandern beschäftigt, dass er für die Welt außerhalb seiner Gärten und Treibhäuser keine Zeit fand. In seinem rastlosen Schöpfungsdrang blieb er von jedermann bewundert. Die Ile-de-France verließ der geniale Arbeiter nur einmal in Richtung Italien, wo er Papst Innozenz XI. an sich drückte und dem Nachfolger Petri einen Kuss gab. Die Liebeserklärung Érik Orsennas an den Erfinder des Französischen Gartens ist zugleich ein wehmütiger Blick auf eine Epoche, in der Kunst und Macht weitgehend im Einklang wirkten und Unvergleichliches schufen.
Zum Gehen geboren
Orsenna erzählt von den Werkstätten im Louvre, wo Bildhauer, Maler, Botaniker, Ingenieure zum Ruhme des Monarchen, ihrer Nation und der Zivilisation kooperierten, so dass zwischen Le Brun, Mansart, Le Nôtre, auch Molière und Lully ein kreatives Gemeinschaftsgefühl entstand. „Vielleicht muss man das Geheimnis dieses Goldenen Zeitalters bei der Freundschaft suchen.” Bereits 1663 wandelte Jean-Baptiste Colbert die Louvre-Ateliers in ein französisches Kulturministerium um.
„Was bleibt von der Regierungszeit, wenn es Versailles nicht gäbe? Und was ist Versailles ohne seinen Park?” Diesen klassischen Garten erlebt und verteidigt Orsenna im Sinne seiner Schöpfer: „Man hält ihn für steif, eisig, inhuman, dabei ist seine sorgfältig angelegte Perspektive die tröstlichste aller Landschaften. Man hält ihn für einen Feind der Natur, dabei führt er ein Zwiegespräch mit dem, der zu verstehen sucht.” Die Bändigung von akuter und zeitloser Anarchie, der Triumph der schönen, abwechslungsreichen Ordnung schwebte Le Nôtre wie selbstverständlich vor. Und unermüdlicher als andere Künstler musste er an dieser blühenden und duftenden Vision schaffen, da Gartenwunder innerhalb von Jahren verwildern und wieder in den gemeinen Urzustand versinken konnten. Als solche unförmige Wildnis wäre Le Nôtre gewiss jeder Englische Garten vorgekommen. Das Glück des Naturgestalters beruhte auf einem vielfarbigen Ensemble, in dem sich antike Mythologie, Gott, Menschen, Geometrie und Vergänglichkeit trafen.
Am liebevollsten wird Orsennas Buch vielleicht an jenen Stellen, in denen er den größten Gärtner Europas auf seinen unzählbaren Gängen durch seine mustergültigen Alleen rund um Paris begleitet: „Das Gehen ließ Le Nôtre nicht im Stich, trotz seiner 87 Jahre. Das Gehen ist seine Verbündete, den Augen ebenbürtig. Kann man richtig sehen, ohne zu gehen? Kann man gut gärtnern, ohne zu sehen und zu gehen? Das Auge schafft zwar die Perspektive, doch das Gehen verleiht ihr Leben.”
Wer am Glück des Kenners der idealen Blumenmischung für einen königlichen Frühling teilhaben will, kann sich nun still an André Le Nôtres Fersen heften.
HANS PLESCHINSKI
ÉRIK ORSENNA: Porträt eines glücklichen Menschen. Der Gärtner von Versailles. André Le Nôtre 1613–1700. Aus dem Französischen von Annette Lallemand. Verlag C. H. Beck, München 2002. 144 Seiten, 14,90 Euro.
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