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Ein gescheiterter Autor verliert am 11. September alles, was ihm am Herzen liegt: Seine Frau verlässt ihn, sein Buch floppt, der Buchladen, in dem er sein Geld verdient, liegt in Trümmern. Da erhält er den lukrativen Auftrag, die Memoiren eines Mannes zu schreiben, der genauso heißt wie er und ansonsten sein genaues Gegenteil ist: Ein Internetmogul, Erfinder des Algorithmus, der die totale Überwachung ermöglicht und unser aller Leben verändert.
Autobiografie, Familiengeschichte, Ghostwriting für Anfänger, Silicon-Valley-Historie, internationaler Thriller, Sexkomödie - "Buch der Zahlen" ist ein überschäumendes Buch und in Amerika Kult.
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Produktbeschreibung
Ein gescheiterter Autor verliert am 11. September alles, was ihm am Herzen liegt: Seine Frau verlässt ihn, sein Buch floppt, der Buchladen, in dem er sein Geld verdient, liegt in Trümmern. Da erhält er den lukrativen Auftrag, die Memoiren eines Mannes zu schreiben, der genauso heißt wie er und ansonsten sein genaues Gegenteil ist: Ein Internetmogul, Erfinder des Algorithmus, der die totale Überwachung ermöglicht und unser aller Leben verändert.

Autobiografie, Familiengeschichte, Ghostwriting für Anfänger, Silicon-Valley-Historie, internationaler Thriller, Sexkomödie - "Buch der Zahlen" ist ein überschäumendes Buch und in Amerika Kult.
  • Produktdetails
  • Verlag: Schöffling
  • Seitenzahl: 750
  • Erscheinungstermin: 23. Januar 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 134mm x 50mm
  • Gewicht: 894g
  • ISBN-13: 9783895616273
  • ISBN-10: 3895616273
  • Artikelnr.: 54522484
Autorenporträt
Joshua Cohen wurde 1980 in New Jersey geboren und hat mehrere Erzählbände und Romane veröffentlicht. Für sein literarisches Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Pushcart Prize (2012) und den Matanel Prize in Jewish Literature (2013). Die Zeitschrift GRANTA wählte ihn zu einem der zehn besten jungen amerikanischen Autoren der letzten zehn Jahre. Im Wintersemester 2017/2018 ist Joshua Cohen Samuel-Fischer-Gastprofessor an der Freien Universität Berlin.

Robin Detje, geboren 1964 in Lübeck, lebt als Autor, Übersetzer und Teil der Künstlergruppe »bösediva« in Berlin. Er ist ausgebildeter Schauspieler, hat lange als Feuilletonist gearbeitet und wurde für seine Literaturübersetzungen mehrfach preisgekrönt, zuletzt mit dem Preis der Leipziger Buchmesse (2014) und dem Preis der Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Stiftung (2017).
Rezensionen
"Joshua Cohen ist ein ganz und gar außerordentliches Genie."
Christian Kracht

"Joshua Cohens 'Buch der Zahlen' liest sich, als hatte jemand die Werke von Philip Roth zusammen mit denen von David Foster Wallace in einen Teilchenbeschleuniger geschossen."
New York Times

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 15.02.2018

Digitaler Weltinnenraum
Joshua Cohens „Buch der Zahlen“
ist der Epochenroman des Internetzeitalters
VON NICOLAS FREUND
Die Dichter lügen und Joshua Cohen ist da keine Ausnahme. Sein Roman „Buch der Zahlen“ pflegt sogar eine enge Verbindung zu Fake News: Falschinformation und das beliebige Verdrehen, Weglassen oder Hinzufügen von Fakten hat er zu seinem poetischen Prinzip gemacht. Das „Buch der Zahlen“ ist aber weder frei erfunden, noch verfolgt es eine politische Agenda. Der 2015 in den USA erschienene Roman ist ein epochales literarisches Werk des Internetzeitalters nicht nur, weil es die Geschichte des Computers und des Internets am Beispiel eines fiktiven Silicon-Valley-Industriellen erzählt, sondern weil dieser Roman genau weiß, dass er als Buch in Konkurrenz zu allen Texten im Internet und zum Internet selbst steht. Schon der erste Satz ist eine Kampfansage: „Verpisst euch doch einfach, wenn ihr dies am Bildschirm lest!“ Trotzdem gibt es auch eine E-Book-Version des Romans, denn natürlich sind Sätze wie dieser nicht ganz ernst zu nehmen. Und die Dichter lügen ja. Oder?
Zu Fake News hat Joshua Cohen eine besondere Beziehung. Vor seiner Schriftstellerkarriere arbeitete er als Journalist, von 2001 bis 2007 war er der Berlinkorrespondent der amerikanisch-jüdischen Zeitung The Forward. Gerade hatte er die Poetik-Gastprofessur an der Freien Universität Berlin inne und in seiner Antrittsvorlesung erzählte er, dass er das erste Mal 2001 nach dem Anschlag auf das World Trade Center mit Fake News und Verschwörungstheorien konfrontiert worden sei. „In den anschließenden Wochen und Monaten bekam ich praktisch jeden Abend in praktisch jeder Kneipe in Kreuzberg eine andere Variante aufgetischt: Bush steckt dahinter, Cheney steckt dahinter, die CIA steckt dahinter.“ Die einzelnen Akteure in diesen Theorien sind alle real, aber die Verbindungen zwischen ihnen sind frei erfunden, und sie kursieren vor allem im Internet in allen möglichen Kombinationen, die einander eigentlich ausschließen müssten.
Cohens „Buch der Zahlen“ kann man als einen Gegenentwurf zu diesem Wildwuchs an Narrativen verstehen. Das eine Narrativ, um alle anderen zu beenden. Jeder Roman entwirft eine Welt, indem er die Dinge in eine bestimmte Ordnung bringt. Manche Romane – Thomas Manns „Zauberberg“ oder James Joyce’ „Ulysses“ – sind Totalromane, in denen eine Epoche scheinbar vollständig verpackt wurde. Joshua Cohens „Buch der Zahlen“ will ein solcher Roman für das Internetzeitalter sein, eine Chronik, die alles zumindest anreißt und in dem sich das Denken seiner Zeit spiegelt. Das „Buch der Zahlen“ ist deshalb auch, wie viele andere Romane, eine wilde Mischform aus essayistischem und autobiografischem, historischem und frei erfundenem Material.
Es geht um zwei Männer, die beide, wie der Autor, Joshua Cohen heißen. Ein halb gescheiterter Schriftsteller aus New York wird als Ghostwriter angeheuert für den anderen Joshua Cohen, der eine Art Steve Jobs in der Welt dieses Romans ist. Noch während des Studiums hat er die Computerfirma Tetration aufgebaut, einen Konzern, der so mächtig ist, als hätten sich Google und Apple zusammengetan. Diese zwei Cohens sind die beiden Zustände des Romans: digital gegen analog, reich gegen arm, Westküste gegen Ostküste. 0 und 1, wie in der Binärsprache der Computer.
Die kleinste Speichereinheit des Computers, das bit, kennt auch nur zwei Zustände: an oder aus, Spannung oder keine Spannung, wahr oder falsch. Informationen werden digital als Verbindungen vieler solcher Entweder-oder-Zustände gespeichert. Die drei Teile des Romans sind auch „1“ und „0“ und wieder „1“ benannt, „1“ für die Perspektive des Schriftsteller-Cohens, „0“ für die des Computer-Cohens. Welcher der beiden Cohens der wahre ist, wird nicht endgültig geklärt, aber dass der Roman auf der Seite des Schriftstellers ist, versteht sich von selbst.
Seine beiden Teile sind Hochleistungsprosa voller Slang, Abkürzungen, Zitaten und Anspielungen, fast ein Bewusstseinsstrom, der höchste Konzentration beim Lesen verlangt. Der mittlere Teil besteht aus Manuskriptskizzen und Interviews mit dem Computer-Cohen, der von sich selbst in der Mehrzahl spricht und Sachen sagt wie: „Das ist kein Geblubber. Das ist Sourcecode. Compilte Programmierung.“ Als junger Mann hat er einen Algorithmus mitentwickelt, den „Algi“, der, kurz gesagt, alles mit allem verbindet. In seinem Kopf findet deshalb anscheinend alles gleichzeitig statt. „Wissen nicht genau, wie wir das erzählen sollen, von der Reihenfolge her.“ Der Schriftsteller-Cohen ist selbst eine Art Algorithmus, der versucht, diesen kruden Input in eine lineare Ordnung zu bringen.
Vom Museum in New York, in dem urzeitliche Frauenfigürchen ausgestellt werden, ist es deshalb genauso weit zur Internetpornografie wie in den Nahen Osten, wo diese Pornoseiten geblockt sind und genau diese Figürchen ausgegraben wurden. Eine Kellnerin erklärt dem Schriftsteller-Cohen: „Der fortschreitende Klimawandel wird schon in diesem Jahrhundert auf mehr als der Hälfte der Welt zu Dürre führen. Überall, nicht nur in den Entwicklungsländern. Also senken wir unseren Wasserverbrauch, wo wir nur können. Ihre Teller weiter zu benutzen kann Leben retten. Scannen Sie den QR-Code auf Ihren Serviettenringen und engagieren Sie sich.“ Die Verbindungen zwischen allem lassen sich so lange knüpfen, bis von einem Teller in New York Leben auf der ganzen Welt abhängen. Oder die CIA hinter 9/11 steckt. Notfalls hilft ein QR-Code als Beleg.
Die Spuren und Verbindungen, die der Roman legt, könnten mehrere Dechiffriersyndikate beschäftigen. „Buch der Zahlen“ ist, obwohl es mit den selben Methoden arbeitet, auch eine Immunisierung gegen Fake News und Verschwörungstheorien, deren Mechanismen es als so banal wie gefährlich ausstellt. Alles kann plausibel und bedeutsam erscheinen, wenn es in die richtige Ordnung gebracht wird, gleichgültig, ob in der Form eines Gerüchts, eines Artikels oder eines Romans. „Buch der Zahlen“ weiß, wohin dieser Kontrollverlust führen kann. „Glaube füllt das Machtvakuum“, sagt der Computer-Cohen, der auch mal in Psalmen spricht und sich dem Buddhismus zugewandt hat. Der Roman lässt offen, wo die Grenze zwischen gesunder Skepsis und Paranoia, zwischen dem kritischem Lesen, das im Internet unbedingt nötig ist, und blindem Glauben verläuft. Robin Detje ist mit seiner Übersetzung des Romans für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert und allein für die Bewältigung dieses Romans, an dem man als Übersetzer eigentlich nur scheitern kann, hat er die Nominierung verdient, auch wenn er den Ton, wie schon im oben zitierten ersten, auf Deutsch etwas gestelzten Satz nicht immer trifft. „My laptop was colorwheeling, so cursed to its cursor that force quit had to be skipped for the nuclear option, Off/On“ heißt bei ihm: „Auf meinem Laptop drehte sich das Farbrad, der völlig verpeilte Cursorpfeil, ‚Beenden erzwingen’ musste ich überspringen, stattdessen Endlösung, An-/Ausknopf.“ Der Neologismus des sich drehenden Cursors ist bei ihm verloren gegangen, so wie die Nähe von „cursed“ („verflucht“) zu diesem Cursor, der nur noch verpeilt ist wie ein bekiffter Teenager. „Nuclear option“, also den letzten, brachialen Ausweg, durch „Endlösung“ zu ersetzen greift zwar das schwache, aber konstante Holocaust-Motiv des Romans auf und entfernt sich damit nicht zu weit vom Text, ruft an dieser Stelle aber doch völlig falsche Assoziationen hervor. Zumal es den Begriff nukleare Option im Deutschen gibt.
Diese Abweichungen sind auch ärgerlich, da der Roman gerade ein Manifest für das kritische Lesen im digitalen Zeitalter ist. Mit „Buch der Zahlen“ hat Joshua Cohen eine Bresche ins Internet geschlagen.
Es gibt Romane, in denen
scheinbar eine gesamte Epoche
verpackt wurde
Die deutsche Übersetzung
ist für den Preis der Leipziger
Buchmesse nominiert
Vom Text zur Technik: Der Prototyp des ersten Apple–Rechners, 1976.
Foto: imago
Joshua Cohen: Buch der Zahlen. Roman. Aus dem Englischen von Robin Detje. Verlag Schöffling & Co., Frankfurt am Main 2018. 752 S., 32 Euro. E-Book 22,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 01.02.2018

Klonversuch am lebenden Autor

Californication für Fortgeschrittene: Joshua Cohen erzählt in seinem aberwitzigen Roman "Buch der Zahlen" vom Aufstieg und Niedergang des Personalcomputers

Dass Joshua Cohen zu den wichtigsten amerikanischen Gegenwartsautoren zählt, hat sich inzwischen auch in Deutschland herumgesprochen. Aber welch überragende Bedeutung er für die literarische Reflexion der von Amerika über die ganze Welt gekommenen Internetgegenwart hat, das ist vielleicht für manche noch zu entdecken. Sein 2015 erschienener und nun übersetzter Mammut-Roman "Book of Numbers" bietet dafür die beste Gelegenheit und wird keinen Zweifel mehr daran lassen.

Um eine erste Einordnung dieses Romans zu geben, könnte man sagen: Er ist so etwas wie "The Circle" für Leute mit Gehirn. Immerhin, Dave Eggers hat es mit seinem Buch vielleicht geschafft, mehr kritische Aufmerksamkeit gegenüber dem großen Google zu erzeugen. Doch Joshua Cohens Roman lässt die reichlich plakative und geheimnislose Fiktion von Eggers schon auf den ersten hundert Seiten weit hinter sich: Er ist so viel witziger, schärfer, überraschender, spannender - und mit über siebenhundert Seiten freilich auch komplexer. Im Grunde enthält er gleich mehrere Bücher.

Aber der Umfang muss hier, im Gegensatz zu vielen anderen postmodernen Romanen, nicht abschrecken. Und er erscheint sofort gerechtfertigt, wenn man noch dazu sagt, was dieser Roman vorhat. Nicht weniger nämlich, als die Geschichte des Personal-Computers von etwa 1971 bis 2011 zu erzählen und alle Revolutionen und Niedergänge, die damit verbunden sind: Programmiersprachen, Hardware, Software, E-Mail, Suchmaschinen, Kabellosigkeit, Cloud, New Economy, Buchkrise, Zeitungskrise, Überwachungskrise.

Wer nun denkt, das würde eine recht trockene Schilderung, liegt falsch. Denn Joshua Cohen erzählt das nicht anhand eines allwissenden Chronisten, sondern maximal perspektiviert. Um die Ambivalenz des Netzzeitalters in krassesten Gegensätzen auszustellen, hat er sich eine Doppelgängerfiktion einfallen lassen, die an Motive der Romantik, Nabokov oder auch Philip Roth erinnern mag: Das Buch handelt von zwei etwa gleichalten Männern, geboren Anfang der siebziger Jahre, deren Leben sich nicht unterschiedlicher hätten entwickeln können. Der eine wird Computer-Guru und Chef eines großen Unternehmens, das hier "Tetration" heißt, der andere Schriftsteller jüdischer (Familien-)Geschichten, Ghostwriter von Erzählungen Holocaustüberlebender, freier Journalist. Und beide tragen den Namen ihres Erfinders: Joshua Cohen. Welcher Figur der Autor nähersteht, ist nicht schwer zu erraten, auch weil es einige biographische Parallelen gibt. Aber vom jüngst so gehypten Genre des Memoir ist das Buch denkbar weit entfernt, es ist vielmehr die Parodie des Memoir-Kults.

Die Schriftstellerfigur liefert die Rahmenerzählung des Buches, zurückblickend am Ende des Jahres 2011 - und diese Figur ist von Grund auf angeekelt von dem, was sich für sie als kultureller Niedergang darstellt, insbesondere einer der Buchkultur, von welcher der Roman auch zentral handelt. "If you're reading this on a screen, fuck off", so lautet ihr erster Satz, der wohl besser unübersetzt bleibt. Der Grund für die Frustration fällt für diesen Erzähler mit der Katastrophe des elften September 2001 zusammen, die ihm nicht nur einen geliebten Menschen raubt, sondern auch sein just zu diesem Zeitpunkt veröffentlichtes Buch marginalisiert: "Mein Buch wurde zerstört", schreibt er, "mein Leben hat sich nie wieder davon erholt."

Die Wendung, die das Leben des Erzählers stattdessen nimmt, ist für den Leser allerdings ein Glück. Denn erst infolge der Katastrophe lernt der Ghostwriter Cohen den Computermilliardär Cohen kennen. Und soll plötzlich dessen Lebensgeschichte schreiben, weshalb er sich bald mit ihm in Learjets um die Welt fliegen sieht und in Luxushotels von Dubai und Abu Dhabi Interviews mit dem "Großen Vorsitzenden" führt, der hier als kuriose Mischung aus Jogginghosen-Junkie und Heilsbringer dargestellt wird - in einem Satz: "So krank war er, so Ghandi."

Große Teile des Romans beruhen auf diesen Tonprotokollen, die er teils unredigiert wiedergibt. Ebenso unbearbeitet treten dem Leser dann Manuskriptteile der Biographie des Guru-Cohen gegenüber. Hier strapaziert der wirkliche Joshua Cohen (also der 1980 in New Jersey geborene) die Mittel der Metafiktion, darunter seitenweise durchgestrichenen Text, etwas arg.

Die fiktive Biographie des Computerfreaks und genialischen Programmierers indessen würde im Grunde eine eigene Rezension verdienen. Sie ist voller idiosynkratischer Einfälle und verrückter Abkürzungen (Vater und Mutter werden etwa als "V-Einheit" und "M-Einheit" bezeichnet), imitiert Code-Sprache und grenzt damit seltsamerweise ans Lyrische, dem der Autor ohnehin zugeneigt ist. Gerade in diesem Teil des Textes, der oft auch im Original hermetisch und unverständlich wirkt, zeigt sich die große Leistung des Übersetzers Robin Detje.

Eine der größten Stärken des Romans ist die ironische Erzählung davon, wie aus der kalifornischen Gegenkultur der Siebziger, zwischen Berkeley-Liebe und Stanford-Mathematik, die Ideen der Generation Hightech entstanden sind - aus Müsli wurden Memes, verkürzt gesagt, aber hier wird es eben sehr ausführlich und in mancher Hinsicht scharf erzählt.

In den späten neunziger Jahren, auf dem Höhepunkt der Dotcom-Economy, wird die Utopie dann zur Farce, mit Pokerspielen im Hotel Château Marmont, aber auch an der Börse, und diese Atmosphäre der Dekadenz vermag das Buch ebenfalls gut einzufangen.

Es ist ein Buch, dem es an Liebe und Sex nicht mangelt. Ab und zu sind regelrechte Aventiuren eingestreut, im dritten Teil auch solche, die nach Wien, Berlin und Frankfurt führen (dort mit üblen Abstürzen im Buchmessenzirkus, auch den kennt Cohen), wobei die jüdische Geschichte des Haupterzählers wieder in den Vordergrund rückt.

Die Titelanspielung auf das alttestamentliche Buch Numeri und somit die Geschichte der Israeliten in der Wüste birgt zahlreiche Deutungsansätze für das ganze Werk, die vielleicht ein Dechiffriersyndikat beschäftigen könnten. Denn auch wenn sich zumindest ein Kreis schließt und die Erzählung durch eine fiktionalisierte Variante der Wikileaks-Affäre zu einem Ende gebracht wird, bleiben dennoch viele Fragen offen in diesem großen Romankunstwerk.

JAN WIELE

Joshua Cohen: "Buch der Zahlen". Roman.

Aus dem Englischen von Robin Detje. Verlag Schöffling & Co., Frankfurt 2018. 752 S., geb., 32,- [Euro].

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